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Erstelldatum: 31.12.2006

Dieser 8-teilige Beitrag im Gästebuch ist zu schade, um dort wieder schnell unterzugehen oder in der falschen Reihenfolge gelesen zu werden. Weil keine @ abgegeben war, konnte ich natürlich nicht fragen, ob der Verfasser mit der Veröffentlichung hier einverstanden ist, doch ich denke, er hat den Beitrag geschrieben, um ihn öffentlich zu machen.
Hier nun sein Beitrag

8-teiliger Beitrag von kampfbereit im Gästebuch

Noch scheint alles in unserem Lande ziemlich in Ordnung zu sein. Sicher, die verfügbaren Realeinkommen sind gesunken, aber dafür liegt auch die Inflationsrate auf einem vor Jahren nicht vorstellbaren niedrigen Niveau. An die seit acht Jahren steigende Zahl von Unternehmenspleiten haben wir uns längst gewöhnt, und so lange es das eigene Unternehmen nicht betrifft, kann es dem Gros der Menschen auch relativ egal sein. Das Schicksal der Arbeitslosigkeit trifft - Statistiken beweisen dies - vor allem schlecht Ausgebildete. Da über die eigene Qualifikation kaum ein Zweifel besteht, müsste es schon mit dem Teufel zugehen, wenn man selbst arbeitslos würde, nicht wahr?

Dass in der Wirtschaft fusioniert, gemergelt wird, ehedem klangvolle Namen, traditionelle Familienunternehmen verschwinden - nun ja, das ist der Lauf der Zeit, und alles ist vergänglich.

Die im Westen lebende Mehrheit der Bundesbürger schert sich nicht sonderlich um die Situation in den neuen Bundesländern - die sollen ja froh sein, dass man sie aus dem politischen Zuchthaus befreit, ihnen endlich den aufrechten Gang beigebracht und die Segnungen des Westens beschert hat. Ärgerlich nur, dass man sich im Jahre 16 der Wiedervereinigung einem Schuldenberg von 1,5 Billionen gegenübersieht, die Ostdeutschen es ärgerlicherweise an der nötigen Dankbarkeit fehlen lassen und sich mehr und mehr unschöne Gutturallaute sächsischer Provenienz gen Westen auszubreiten beginnen.

Die Regelungswut der Politiker ist nun mal ein bereits von Heinrich Heine beschriebener typisch deutscher Wesenszug, und das ungute Gefühl, ein Heer von faulen Beamten, die dem Normalbürger nur das Leben erschweren, mitschleppen und -finanzieren zu müssen, wird allenfalls in Witzen pointiert; es ist eben einfach so.

Kohl, seine Lügengespinsten und Versprechungen ist man los - der Trotz des Wählers hat obsiegt. Zwar brachte Schröder und sein Witzkabinett auch nichts auf die Reihe, zumindest war jedoch für mehr Unterhaltung gesorgt und der deutsche Michel, politisch traditionell asketisch erzogen und geübt, verfolgte in juxiger Schadenfreude, in welch entwürdigender Weise Rot und Grün (mit dunkelroten Zwischenrufen der Alt-SED gespickt) sich gegenseitig das Leben schwer machten. Was unter Patron Kohl noch völlig undenkbar gewesen wäre, unter Schröderscher Nichtführung erlebten wir es: Selbst Mitglieder einer Partei zerfleischen sich in PR-süchtiger Egomanie gegenseitig. Auch nach 7-jähriger Amtszeit (von Regierung kann ja wohl nur im Scherz die Rede sein) hatte die SPD ihre Hackordnung noch längst nicht gefunden.

Die Medien sind weitestgehend gleichgeschaltet; Aufgabe der Chefredakteure ist vor allem, die zur Finanzierung notwendigen Anzeigenkunden nicht zu verprellen, einstweilige Verfügungen zu vermeiden und die eigene Position dadurch zu wahren, dass man den Herausgebern/Eignern im eigenen Hause nicht unliebsam auffällt. Schwierige Themen transparent aufzubereiten - das würde Recherchen erfordern und Zeit kosten, die nach dem Gebot der Aktualität einfach nicht zur Verfügung steht. Zudem ist bei dem hurtigen Wechsel des Tagesgeschehens im politischen Kindergarten Merkel/Müntefering nicht sicher, ob eine Meldung das Herausgabedatum lebend übersteht. Zudem wollen die Leser auch keine tiefschürfenden Erörterungen oder gar detailliertes Hintergrundwissen erfahren; ihnen geht es vor allem darum, an der Drehbank, im Pausendiskurs und am Stammtisch nachzuweisen, wie aktuell “informiert” man ist. Headlines genügen, wirkliches Verständnis erweist sich zunehmend als sinnlos und nicht gefragt.

Wer in alten Archiven wühlt, wird überrascht feststellen, dass sich der Kranz an Ausreden und Entschuldigungen dafür, sich nicht um die eigentlich bedeutsamen Belange zu kümmern, sondern sich lieber mit oberflächlichen Informationen zufrieden zu geben, in den letzten 100 Jahren überhaupt nicht verändert hat; “Keine Zeit” oder “es ändert sich alles so rasend schnell” oder “da kann man als Einzelner doch ohnehin nichts tun” rangierten schon damals im Katalog der Selbstentmündigungs-Phrasen ganz vorne. Schon damals galt es beinahe als intellektueller Hochseilakt, die (damals sogar tatsächlich noch) spärliche Freizeit damit zu verbringen, sich detaillierter mit den Hintergründen jedweden Zeitgeschehens auseinanderzusetzen.

Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß

“Heiß machen” ist eine bereits aus dem 16. Jahrhundert überlieferte Formulierung für “anregen, auf-/ zubereiten, aufmerksam machen, warnen, deutlich machen, zur Rede stellen, wachrütteln”. All dies ist jedoch mit einer inneren Anteilnahme, einem darüber Nachdenken verbunden; es “riecht” nach eige¬ner Beteiligung, Einmischung und Engagement. Man sähe sich genötigt, eigene Zeit darauf zu verwenden, über Belange nachzudenken, die das eigene Leben und das der Familie, die eigene Verantwortlichkeit betreffen. Da ein sich ergebender Vorteil hieraus nicht vordergründig abgeleitet werden kann, zieht man sich lieber darauf zurück, nur dann tätig zu werden, wenn dies unvermeidlich wird. Ansonsten überlässt man es unmittelbar Betroffenen oder dafür Gekürten - Politikern, Gewerk¬schaften, Verbandsfunktionären oder dem lieben Gott - also Institutionen, die “es schon richten werden”.

So lange eigenes Engagement vermeidbar ist, möge es lieber unterbleiben. Dies schafft Raum dafür, freudvoll erlebten Hobbys nachzugehen, sich (in eigener Bequemlichkeit verharrend) unterhalten zu lassen und damit Ärger und negativen Stress zu vermeiden.

Just in diese “Kiste” passt auch, dass sich der ökonomisch denkende und in seinem täglichen Leben ohnehin mit jeder Menge unerwünschter Geschehnisse konfrontierte Mensch um bestimmte Belange, die einen unangenehmen Geruch verbreiten, emotionalen Argwohn erregen und mit Arbeit verbunden sein könnten, tunlichst gemieden werden. Da die Eingangsstufe zu Wissen in der Qualität und Quanti¬tät von Informationen liegt, bedeutet dies einen bewussten, ja beinahe vorsätzlichen Verzicht auf Informiertheit. Dem kommen die Medien als vornehmliche Sprachrohre der o.g. Institutionen nur allzu gerne nach.

Doch an diesem Punkt wird es bedenklich; Wissen - auf möglichst verschiedenen Gebieten - ist gleichzeitig die Vorbedingung für Bildung. Aus obigem folgt demnach zwingend:

Wer sich aus Bequemlichkeit, ahnungsvoller Angst vor Problemen oder simpler Trägheit vor der Aufnahme von Informationen meint, drücken zu dürfen, beschwört damit zwingend einen Mangel an Bildung. Dies gilt jedoch nicht nur für den Einzelnen selbst, sondern auch - im Rahmen seiner Funktion als Vorbild für die eigenen Kinder wie auch als Mitglied einer Familie, eines Betriebes, einer Gemeinde oder der Gesellschaft schlechthin - für die gesamte Gruppe, in der er als Mitglied einer Sozialgemeinschaft steht und lebt.

Mit anderen Worten: Je mehr sich der Einzelne vor wirklichen Informationen (im Gegensatz zu bequemen und verblödenden Desinformationen drückt und damit einen zunehmenden Mangel an Wissen und weitergehender Bildung bewirkt, desto mehr wird damit in negativer Weise sein Umfeld beeinflusst; es wird schwächer, weniger lebensfähig, gleichzeitig jedoch leichter manipulierbar, lenk- und verführbar.

Unter diesen Aspekten wird klar, warum es zwar die bundesdeutsche Bildungsarena ehrt, ein weltweit immer noch hoch geachtetes Maß an theoretischem Wissen, lateinischer Konjugation und jede Menge fachlicher Substrate aus einem breiten Fächerkatalog an bundesdeutschen Schulen zu lehren, wie fatal es jedoch andererseits ist, dass sogar Absolventen von Gymnasien und Hochschulen einem simplen Dreisatz (hierbei geht es um Mathematik) oder dem Verständnis-provozierenden Durchleuchten eines Textes völlig hilflos gegenüberstehen. Die eigentlich wichtigen, für das Leben bedeutsamen und dem Katalog mündiger Eigenverantwortlichkeit für das spätere Leben entsprechenden Bildungsinhalte werden dem Zufall überlassen, statt sie als Rüstzeug für eine starke Lebensbefähigung des Einzelnen zu fundamentalen Lehrinhalten in bundesdeutschen Schulen aufzunehmen. Die Theorie einer (vorgeblich) akademischen Bildung gähnt der eigentlich lebensertüchtigenden Praxis gelangweilt entgegen, wobei der Umstand, dass die durchschnittliche Gymnasialklasse immer noch aus 25-30 Schülerinnen besteht, selbst das Niveau der theoretischen Wissensvermittlung zunehmend sinken lässt. Kurz gesagt: Die heutigen Schulen vermitteln ein immer spezifischeres Einzelwissen auf immer niedrigerem Niveau.

Zwar wehren sich verantwortungsvolle Lehrer (diejenigen, die man als wirkliche Pädagogen bezeichnen darf) und Eltern seit gut einem Vierteljahrhundert dagegen, nur werden deren Hinweise von dafür zuständigen Kultusministern mit dem Hinweis auf leere Staatskassen verworfen. Sowohl die seit 20 Jahren diskutierte Bildungsreform an Schulen wie auch die Universitätsreform geistern als Feiertagsbeschäftigung und politische Pausenfüller durch unser Land. Dahinter steht eine Kaste von “Kultur”-Beamten, die zum größten Teil nicht eine Stunde vor einer Klasse gestanden haben, denen aber die unheilvollen Auswürfe der jeweiligen Parteiendoktrin und eine zur Perversion verkommene Sozial-Ideologie genau diktieren, wer unter welchen Umständen was zu lehren und als Bildungsinhalt weiterzugeben habe. Auch im Bildungsbereich werden Probleme jeweils politisch von einer Ebene zur anderen weitergereicht und damit auch die politische Verantwortlichkeit, die man im eigenen beruflichen Umfeld nur als störend empfindet. Insofern unterscheidet sich die Bildungspolitik in nichts von allen anderen politischen Feldern. Die mit einer jeweiligen Aufgabe befassten Beamten sehen ihren Lebenszweck vor allem darin, ihrem Umfeld das Ausmaß persönlicher Machtbefugnis zu demonstrieren, beileibe jedoch nicht der damit (theoretisch) verbundenen Verantwortung zu entsprechen. So pauschal dieses Urteil anmuten mag - die Menge der dagegen protestierenden Staatsbediensteten beweist eigentlich nur deren Richtigkeit.

Aber - zurück zur Ausgangsposition dieser Gedanken: Der Mangel an Bereitschaft in der Bevölkerung, oberflächliches Teilhaben am Tagesgeschehen gegen tatsächliche Informiertheit und (weitergehendes) Wissen einzutauschen, ist der beste Garant dafür, dass an sich erkannte Probleme ungelöst bleiben - zumindest so lange, wie die Duldungsfähigkeit des Einzelnen und der von früheren Generationen angesammelte Wohlstand eines Volkes dies noch erlauben. Statt der Wahrheit eine Gasse zu schlagen, werden Wirklichkeiten verschleiert, auf das Niveau von Comics reduziert und eine Masse nicht hinterfragender Betroffener dementsprechend auch nicht informiert.

Unterstellt, dies wäre so - gibt es einen Ausweg?

Hunderte von Organisationen mit Tausenden von Mitgliedern bemühen sich darum, für erkannte Probleme - derentwegen sie sich gegründet haben - Auswege zu finden. Dabei zeigen die Mitarbeiter dieser Organisationen oftmals ein bestaunenswertes Engagement und eine Opferbereitschaft, die selbst vor eigenen finanziellen Nachteilen, einem enormen Aufwand an Zeit und Kraft nicht zurückschreckt. Sie erhalten auch - spärlich aber immerhin - bisweilen die Anerkennung der Öffentlichkeit und der Medien. Benevolenterweise wird ihnen das Bundesverdienstkreuz um den Hals gehängt, sie werden geadelt, mit Ehrendoktorwürden bedacht oder zu Vorträgen gebeten. Sie dienen damit als Aushängeschild für eine theoretisch wünschenswerte Gesellschaft und als Alibi für das ansonsten ziemlich miese Gewissen der breiten Bevölkerung.

Wirkliche Unterstützung und eine breite Akzeptanz erfahren sie jedoch allenfalls bei spektakulären Aktionen. Ansonsten fristen sie zumeist ein geradezu jämmerliches Dasein; weder hängen sie an den Fördertöpfen der öffentlichen Finanzierung (und wenn, dann werden ihnen spärlicher fließende Haushaltsmittel als erste gekürzt). Auch die Anerkennung als “gemeinnütziger Verein” dient vornehmlich den großen etablierten Organisationen (Caritas, Misereor, Rotes Kreuz etc.), hinter denen sich wiederum mächtige Träger (Staat, Kirchen, Gewerkschaften oder Industrieunternehmen) und deren Stiftungen verbergen. Die Aufsichts- und Beiräte dieser Organisationen lesen sich wie das Who is who der öffentlich-rechtlichen Parasiten. Kleine Organisationen, Verbände, Vereine und Parteien leben vornehmlich bis ausschließlich aus den Eigenmitteln und dem Durchhaltevermögen ihrer Gründer und weniger Dutzend oder Hundert Mitglieder.

Alternative Gruppen und Bewegungen zuzulassen, gleichzeitig jedoch darauf zu achten, dass ihr Werden und Wachsen nie zu einer essentiellen Gefahr für das Establishment, also das bestehende System, wird, ist die intelligenteste Form persönlicher Machtwahrung. Genau nach diesem Prinzip lässt man kleine Alternativbewegungen alibiweise am leben, wacht jedoch “gewissenhaft” darüber, dass sie nicht zu groß und damit störend werden.

Die meisten kleinen Organisationen machen jedoch den Fehler, dass sie sich aus finanziellen Gründen oder um schneller ihre Ziele zu erreichen unter die Kuratel oder in den Sog einer großen Organisation begeben. Dies ist jedoch insofern völlig paradox, als sie dann entweder gezwungen werden, sich den etablierten Strukturen wieder entsprechend anzugleichen (bis zum Stadium der Unkenntlichkeit und Unwirksamkeit) oder sie laufen ihrem eigenen Schlächter buchstäblich in die Arme. Es hat - etwas profan ausgedrückt - keinen Grund, gute Früchte auf einem nach Verrottung übel riechenden Misthaufen anzubieten.

In dem Maße, in dem die übrige Gesellschaft in Unmündigkeit gehalten, durch Desinformationen irritiert und verwirrt, durch Gesetze, Verordnungen und andere Einschränkungen reglementiert, durch Überwachungsorgane observiert und in Schach gehalten wird (siehe der Hinweis auf Enfopol), desto nachhaltiger lässt sich die Macht des Funktionärsapparats der herrschenden Nomenklatur sichern.

Angepasstheit im Denken und Handeln erwies sich schon zu allen früheren Zeiten als Garant für eine möglichst störungsfreie Lebensführung. Wer im Strom der Üblichkeit halbwegs die Mittel zu wahren versteht, muss nicht Sorge haben, sich im Geäst am Uferrand hängend als Verlierer wieder zu finden. Um eben diese Mitte im Strom des Lebens reißt sich das Gros der Bevölkerung, um früher oder später im Mündungsdelta in das Meer namenloser Anonymität und völliger Unbeachtlichkeit gespült zu werden.

Nur Wenige begreifen, dass der Weg zur Quelle nur gegen den Strom bequemer Üblichkeit führen kann. Die Energie, die uns zur Quelle (des wirklichen Wissens, der Wahrheit und der Weisheit) führt, ist Wissen. Nur reales Wissen führt zu verantwortungsbewusst gelebter Macht (und nur wer Macht hat, kann auch etwas Sinnvolles machen/schaffen). Leider ist es betörend einfach, eigener Trägheit und Bequemlichkeit nachzugeben - nach dem Motto: “Wissen ist Macht, nichts wissen, macht nichts.”

Sicherlich die beste Idee der bisherigen “Regierung” Merkel

Wo sich Dummheit, Gier und Feigheit paaren, kommt es notgedrungen zur Katastrophe.

Einen guten Rutsch ins 2007 und ich weiß, dass das Kriechen in die dunkelsten, niemals sonnendurchfluteten rektalen Körperöffnungen der Polit-Elite und Mainstreambeschwörer weiter fortgeführt wird.