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Erstelldatum: 22.10.2008

Kein Fernseher

Hat man den Fernseher abgeschafft, muss man dennoch nicht auf erheiternde Momente verzichten. In grauer Vergangenheit, als ich eine solche Verblödungsmaschine noch hatte, entstanden vor meinem geistigen Auge (dem allsehenden Auge gleich) bei Ansprachen von Politikern Bilder, wie dem Munde des Politikers schillernde Seifenblasen entströmten. Der eingeschaltete Ton verfestigte diesen Eindruck noch. Das Platzen der Seifenblasen konnte ich nicht sehen, durfte es aber, zurück in der Wirklichkeit, live miterleben.

Diese erhebenden Augenblicke sind mir heute nicht mehr vergönnt. Heute kann ich mir nur noch vorstellen, wie in der Maske der Fernsehanstalten den Politikern mit einer Pipette genau dosiert in Abhängigkeit von ihrer Redezeit Seifenlauge in den Mund gespritzt wird, um ihre Blasen dann auch gekonnt abzusondern. Will ich heute etwas für meine Erheiterung tun, gehe ich nach YouTube und schaue mir Kabarett-Ausschnitte an. So wird man politisch informiert, bekommt Zusammenhänge erläutert und erhält einen vom Ernst ungetrübten Blick auf die vielen Katastrophen. Hans Günter Butzko erläuterte bspw. einleuchtend die Finanzkrise.

Auch seine Buchbesprechung über Merkels Buch "Mein Weg" brachte mich diesem (nicht gelesenen) literarischen Leckerbissen ein ganzes Stück näher.

Ein wenig Kritik muss ich allerdings an Volker Pispers üben. Wenn er über den Irak und die Terrorgesetze spricht, ja, dann bin ich voll bei ihm. Auch seine Einlassung über den Ölkrieg findet meine volle Zustimmung. aber wenn er sich über Frau Merkel auslässt, erfasst mich doch gelindes Grausen, denn es zeigt, dass er von Management wenig Ahnung hat. Wenn er anprangert, die Frau täte nichts anderes, als zu sagen; "dann müssen wir eine Lösung finden", muss ich ihn fragen, was erwartet er? Frau Merkel ist Vorstandsvorsitzende der Deutschland AG und ihre Aussage entspricht doch voll und ganz den Gepflogenheiten eines Vorstandes. Oder kann er mir einen Vorstand eines Konzerns nennen, der selber Lösungen findet? Das machen doch ausschließlich die Leute mit den Normalgehältern. Wenn ein Vorstand tatsächlich Lösungswege aufzeigt, lauten sie in der Regel so: "Wir müssen Personal abbauen!" Hier, lieber Herr Pispers, zeigt sich das ganze Gefahrenpotential Ihrer indirekten Forderung, Angela Merkel in die Lösungsfindung einzubeziehen. Stellen Sie sich vor, Angela Merkel verkündet: "Wir sehen als einzige Lösung den Weg, Volk abzubauen. An der Ausarbeitung der möglichen Wege arbeiten wir mit voller Kraft!" Nicht auszudenken.

Sicher, in den Vorstandsetagen einzelner Konzerne soll es ja vereinzelt Mitglieder geben, die sogar Ahnung von dem Thema haben, über das sie reden. Das kann man der Vorstandetage der Deutschland AG nun aber wirklich nicht nachsagen. Wenn es um wichtige Fragen geht, hat man deshalb die Beantwortung der Fragen in Form von Outsourcing an völlig unvoreingenommene Experten betrieben. Experten mit wissenschaftlicher Unterstützung wie die INSM, die Bertelsmann-Stiftung, die Arbeitgeberverbände, die Deutsche Bank und viele andere. Diese Experten suchen ständig nach Lösungen, wie man weitere Plünderungen begründen und vollziehen kann. Bei ihnen handelt es sich um wirkliche Experten, wie die gerade beschlossene Einführung einer Gesundheitskarte und die damit verbundene Einrichtung eines Fonds für die Krankenkassen nachdrücklich beweist. Auch das Hilfspaket für die völlig ohne eigenes Zutun in Not geratenen Banken wurde von solchen Experten auf die Beine gestellt. Der Staat leiht nun den Banken das Geld, das sie benötigen. Ob die Experten auch schon die Wege aufgezeigt haben, wie man in unsere Taschen greift, entzieht sich meiner Kenntnis. Aber sie werden einen Weg finden, denn sie haben immer einen Weg gefunden. Ein Weg erscheint mir aber relativ sicher. Die angeschlagenen Banken leihen dem Staat das Geld, dass er ihnen leihen soll. Von den Zinsen, die der Staat dann für diese Leihgabe zahlen muss, zahlen sie dann die Vorstandsgehälter und bringen den Rest wieder in die Spielbank mit dem Namen Börse. und der Dachs steigt dann wieder. Dabei fällt mir ein, Der Dachs ist eine bedrohte Tierart. Oder bringe ich jetzt damit etwas durch die Rechtschreibreform durcheinander?

Ach ja, es gibt ja auch den DAX für die kleinen Leute. Aber er nennt sich nicht Dax, sondern Armuts- und Reichtumsbericht und wird auch nicht täglich im Fernsehen angezeigt. Ist ja auch nicht nötig. Wen interessiert denn die Zunahme der Armut wirklich? Sie etwa?