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06.11.2004

Janus, oder Dr. Peter Hartz, der Mann mit zwei Gesichtern.

Wenn ich die Leser meiner Seiten nicht hätte, würde manche Information an mir vorbeigehen. So wie heute. Da schickt mir ein Leser einen Bericht aus der ADAC-Motorwelt, wie folgt betitelt:

Dr. Peter Hartz über die verhängnisvolle Lust am "feilschen"
Geiz ist nicht mehr "geil"

Obwohl der Beitrag wirklich nicht lächerlich ist, musste ich schmunzeln, schmunzeln über meine Assoziation des Dr. Peter Hartz mit dem römischen Gott Janus. Janus ist bekanntlich der Gott mit den zwei Gesichtern, dessen Doppelgesichtigkeit den Tor-Ein- und Ausgang symbolisiert.

Diese Doppelgesichtigkeit spiegels sich jetzt in der Fassade des Dr. Peter Hartz wieder. Im ADAC-Beitrag lässt er sich darüber aus, dass die Rabattjagerei der deutschen Autokäufer verheerende Folgen hat. Er betont, dass ein Einbruch bei den Gewinnmargen der Autohändler die Existenz derselben vernichten kann und damit auch Arbeitsplätze vernichtet. Dass die Folge ein Einbruch im Bereich technischer Sicherheit sein kann, weil Sicherheitstechnik Geld kosten und der Hang zu Billigangeboten dann Einsparungen in diesem Bereich bedeutet.

Einen Satz möchte ich wörtlich wiedergeben:

Wollen wir wirklich amerikanische Verhältnisse, in denen die Hersteller nicht davor zurückschrecken, Sicherheitsausstattungen wie die ABS-Bremse zu streichen, nur um den Preis weiter senken zu können?

Der Mann hat mit seinen Ausführungen in diesem Beitrag absolut recht, aber ...

... es wird Zeit, das zweite Gesicht des Dr. Peter Hartz zu betrachten. Dass sein Name in ganz Deutschland bekannt wie wohl kein zweiter ist, hängt mit der Kommission zur Modernisierung des Arbeitsmarktes zusammen, die er im Auftrage der Bundesregierung leitete. Die Kommission bekam seinen Namen und die Ergebnisse wurden ebenfalls mit seinem Namen verknüpft, Hartz I bis Hartz IV. Ganz aktuell ist jetzt auch der Arbeitskampf bei VW. Dort ist er bekanntlich der Personalvorstand und dort hat er, wie schon einige Unternehmen vor ihm, mit erpresserischen Methoden Lohnverzicht bzw. den Verzicht auf Lohnsteigerungen bis 2007 und den Ausstieg aus dem Haustarif erkämpft.

Ach ja, fair bleiben: Wie die Beschäftigten verzichtet auch das Topmanagement von Volkswagen auf Gehaltserhöhungen in den nächsten zwei Jahren. Die Nullrunde gelte bis Anfang 2007, sagte ein VW-Sprecher. Leistungsbezogene Bonuszahlungen seien davon nicht betroffen.

Ich hoffe, man verzeiht mir meine Paranoia, aber wer kontrolliert den Verzicht des Top-Managements? Als es um die vom Justizministerium geforderte Offenlegung der Gehälter der Vorstandsmitglieder der großen Konzerne ging, hat der VW-Vorstand nämlich gekniffen. Und wer letztendlich kontrolliert, welche "leistungsbezogenen Bonuszahlungen" sich die Vorstandsmitglieder selbst bewilligen (der Aufsichtsrat wird gewohnheitsmäßig zustimmen), wurde nirgendwo gesagt. Verzeihung, aber die Aussage über den Verzicht der Vorstandsmitglieder ist nur zur Beruhigung der Gemüter der VW-Mitarbeiter bestimmt, ob sie auch einen reellen Wert besitzt, werden wir wohl nie erfahren.

Doch kommen wir zuerück zu Janus, pardon, Dr. Peter Hartz. Geiz ist gar nicht geil, wenn es um den Absatz von Autos geht, der Bereich, der seine Pfründe sichert. Aber im Umgang mit den Mitarbeitern des VW-Konzerns, im Umgang mit den Arbeitslosen dieses Landes, da findet auch Peter Harz "Geiz geil". Ich denke mal, dass er die Zusammenhänge zwischen der von ihm initiierten Politik und dem derzeitigen Käuferverhalten nicht erkennt, sonst hätte er diesen Beitrag nicht in die Auto-Zeitschrift ADAC plaziert. Wäre er wirklich Janus, wüsste er, dass er maßgeblichen Anteil an dem deflationären Spiel der Rabattjagd hat. Deflation ist aber ein Spiel, das wie eine Welle auf den Verursacher zurückschlägt.

Aber Dr. Peter Hartz ist nicht Janus, er ist nur ein Mensch, aber einer mit zwei Gesichtern.