Navigation aus    Navigation an

Irrsinn
Kurzbetrachtung verschiedener Themen

In Norddeutschland sollen demnächst kostenlos Jodtabletten an die Anwohner im Umkreis von 10 km von Atomkraftwerken ausgegeben werden. Der Sinn dieser Maßnahme: Im Falle eines atomaren Unfalls solle gesundheitlichen Schäden vorgebeugt werden. Beteilig an dieser Maßnahme ist Hamburg, Schleswig Holstein und Niedersachsen.

Gerne wird uns die Energiegewinnung aus Atomkraftwerken als die sicherste und ökologisch sauberste Methode der Energiegewinnung vorgestellt. Deshalb stimmt mich diese Maßnahme nachdenklich, auch wenn ich nicht in Norddeutschland lebe.

  • Warum die plötzliche Sorge der Landesregierungen vor einem Unfall in einem Atomkraftwerk?
  • Glaubt man wirklich, im Falle eines Unfalls würden Jodtabletten gesundheitliche Schäden verhindern bzw. mindern?
  • Glaubt irgendjemand, im Falle eines Unfalls würde die Bevölkerung umgehend von der betreibenden Firma informiert?
  • Zeigt nicht die Erfahrung, dass Störfälle solange verheimlicht werden, bis sie nicht mehr zu vertuschen sind?

Nach Aussage der Liga der Wohlfahrtsverbände wird Armut immer schneller und immer stärker zur Bedrohung der Menschen in Deutschland. Nach ihren Berechnungen wird in 15 Jahren bereits jeder 4. Mensch in Deutschland unter oder nur geringfügig über der Grenze des Existenzminimums liegen. Bereits heute gilt das für 12 Millionen Deutsche (mehr als jeder 7.). Die Liga macht für die fortschreitende Verarmung vor allem die Privatisierung sozialer Absicherungen wie Pflegeversicherung, Krankenversicherung, Unfallversicherung und Zusatzrenten verantwortlich. Besonders betroffen seien Rentner, Hartz IV-Empfänger, Menschen ohne festen Wohnsitz und Menschen, die plötzlich arbeitslos werden. So könnten sich Kleinrentner, Hartz IV-Empfänger und Leute ohne festen Wohnsitz die zusätzlichen Kosten wie Praxisgebühr, Zuzahlung zu den Medikamenten, Zahnersatz, Brillen, aber auch die Fahrtkosten einfach nicht mehr leisten. Die Folge ist eine Verschleppung von Krankheiten, die letztendlich für die Allgemeinheit wesentlich teurer würde. Die Liga fordert ein Gesundheitssystem, welches die medizinische Versorgung gerade der Armen sicherstellt.
Außerdem kritisiert die Liga, mit der Arbeitsmarktreform von Hartz habe die Regierung die Arbeitslosigkeit halbieren wollen. Tatsächlich sei sie aber gestiegen. Arbeitslose würden in Ein Euro Jobs gesteckt und dann vergessen. Auch Wohnungen würden für immer mehr Menschen unerschwinglich. Die Liga fordert den Ausbau des sozialen Wohnungsbaus. In den Jahren 2003 bis 2006 würden 60 % der Sozialbauwohnungen wegfallen

  • Sind solche Zahlen nicht allmählich Anlass, die Politik zu ändern?
  • Dauert es bei der praktizierten Politik wirklich noch 15 Jahre, bis 1 Viertel der Deutschen wirklich arm ist?
  • Hat die Politik keine Sorge, dass sich das Volk gegen die Rückkehr ins Mittelalter wehrt?
  • Ist die Forderung von Schily und Struck, die Bundeswehr auch im eigenen Land einzusetzen, eine Vorsorge, weil man früher oder später Aufstände erwartet?
  • Ist es das Mekka der neoliberalen Politik, eine jetzt bereits mit 15 % am Existenzminimum lebende Gesellschaft auf Werte über 50 % anzuheben?
  • Sollte es nicht die noch halbwegs in guten Verhältnissen lebenden Menschen nachdenklich stimmen und zu der selbstkritischen Frage veranlassen, ob sie sich nicht zu sehr von den Hetzparolen gegen einzelne Bevölkerungsgruppen haben anstiften lassen?
  • Ist nicht der erschreckend hohe Anteil von Jugendlichen und Kindern unter den am Existenzminimum lebenden Menschen Grund genug, endlich die Alarmglocken bei allen schrillen zu lassen?

Die heilige Kuh fast aller gesellschaftlichen Gruppen und hier nicht nur die der neoliberalen Anhänger ist ein stetiges Wachstum. 3 % ist die allgemeine Wunschmarke, allerdings nicht linear, sondern exponentiell, also immer 3 % vom im Vorjahr erreichten Stand. Erschütternd ist dabei, dass die wenigsten dieser Menschen sich über die Auswirkungen dieses Wunsches Gedanken machen.

Stellen Sie sich einen Körper vor, bei dem ein Organ nicht aufhört zu wachsen. Beispielsweise Zellen, denn das passiert in manchen Körpern, dass ständig neue Zellen wachsen. Wir kennen das unter dem Namen Krebs. Gelingt es nicht, dieses Wachstum zu stoppen, stirbt der Körper. Was also lässt uns glauben, dass es ein permanentes Wirtschaftswachstum geben könne, wo wir doch für alles, was wir produzieren, auf endliche Ressourcen zurückgreifen müssen.

Wachstum entsteht dort, wo durch Innovation neue Produkte entstehen. Irgendwann ist aber für jedes Produkt eine Marktsättigung erreicht. Betrachten Sie die Produkte der jüngsten Vergangenheit. Handys, Computer, DVD-Player und ähnliche Produkte. Die Wachstumsraten waren sensationell, aber inzwischen ist auch hier eine Sättigung des Marktes zu verzeichnen. Hier tritt der Irrsinn dieses Systems zutage. Für eine kurze Zeitspanne gab es Wachstumsraten in zweistelliger Höhe. Jetzt lässt das Interesse nach, aber man will ja mindestens 3 % Wachstum weiterhin erreichen. Wie soll das gehen? Und welche Auswirkungen hat das auf den Arbeitsmarkt? Gerade bei elektronischen Geräten ist der Anteil manueller Arbeit minimal. Ob Chips, Platinen. Leiterwege, Gehäuse, Tastaturen, Kabel, alles wird fast vollständig von Maschinen erledigt. Selbst ein Produktionswachstum von 10 % schafft hier keine neuen Arbeitsplätze.

Auch wenn das niemand sagt, mit Wachstum ist das Wachstum des Geldes gemeint. Die Zins- und Zinseszins-Politik erwartet, dass sich das durch Zinsen und Zinseszinsen stetig vermehrende Kapital weiterhin gewinnbringend einsetzen lässt. Der Kapitalanleger, und hier meine ich nicht den kleinen Sparer, sondern das Großkapital, erwartet Zinsmargen von mehr als 7 %. Bei einer Zinsmarge von 7,2 % verdoppelt sich so sein Kapital in 10 Jahren. Aber natürlich benötigt er jemanden oder etwas, das ihm diese Verzinsung (nennen wir es Wertschöpfung) sichert. Wenn er aber im produktiven Bereich keine Gewinnerwartungen mehr in dieser Höhe erwartet, weicht er auf den Finanzmarkt aus. Auf dem Finanzmarkt spekuliert er entweder mit Aktien, oder er verleiht sein Geld. Da er ja nicht nur sein Grundkapital, sondern auch die erhaltenen Zinsen auf den Markt wirft, schaukelt sich das allmählich hoch. Verleiht er sein Geld, braucht er Leute oder Unternehmen, die sich das Geld leihen und incl. seiner Zinsforderungen zurückzahlen. Leiht sich ein Unternehmen das Geld, muss es sparen, um die Forderungen begleichen zu können. Der bequemste Weg zu sparen ist der Abbau von Arbeitsplätzen. Geht der Anleger mit seinem Kapital auf den Aktienmarkt, wird er nur die Aktien erwerben, die ihm eine entsprechende Rendite garantieren. Damit eine Aktiengesellschaft die Renditeerwartungen erfüllen kann, muss sie Gewinne erwirtschaften. Werden die Gewinnprognosen schlechter, sucht man nach Einsparmöglichkeiten. Wo? Natürlich bei der Belegschaft.

Wachstum des Kapitalmarktes ist, anders als behauptet, der Jobkiller Nr. 1. Wenn ausländische Investoren sich in Deutschland nach Objekten umsehen, wollen Sie Renditen erwirtschaften. Wenn sie eine Firma kaufen, ist der erste Weg eine "Verschlankung", ein schönerer Begriff als Arbeitsplatzvernichtung. Dann wird der Rahm abgeschöpft und anschließend das Unternehmen wieder verkauft (falls möglich) oder zerschlagen.

Diese Wachstum des Kapitals ist die wahre Bedrohung. Der Verdopplungseffekt der exponentiellen Verzinsung ist von Ihnen leicht nachzuvollziehen. Nehmen Sie sich eine Zeitung, am besten BILD, weil sie große Seiten ohne Inhalt hat. Nehmen Sie ein Doppelblatt und falten es in der Mitte. Falten Sie es noch einmal, und noch einmal und noch einmal ....

Nehmen wir an, eine Seite der Zeitung hat eine Dicke von einem Zehntel mm.
Nach der 15. Faltung hat das Blatt bereits eine Dicke von 3.276,8 mm (natürlich nur theoretisch. Praktisch haben Sie schon lange vorher das Handtuch geschmissen). Nach der 25. Faltung hat das Blatt bereits eine Dicke von 3.355.443,2 mm. Wenn sie das Blatt 42 mal falten (rein theoretisch), könnten Sie an dem Blatt zum Mond hochklettern und müssten schon 100.000 km. vorher abspringen, denn das Blatt hätte jetzt eine Dicke von mehr als 430.000 km.

Natürlich haben Sie recht, Ein Blatt kann man so oft nicht falten. Aber auch das Kapital kann sich nicht so oft verdoppeln. Dieses Beispiel soll verdeutlichen, dass Wachstum endlich ist. Unser Kapitalwachstum hat inzwischen derart bedrohliche Ausmaße angenommen, dass wir sehr bald mit einem Finanzcrash rechnen müssen, der den aus den 20ger Jahren des vergangenen Jahrhunderts weit in den Schatten stellt. Die USA ist mit mehr als 8 Billionen Dollar verschuldet. Deutschland mit (offiziell) über 1,4 Billionen, eine unrealistische Zahl, weil sie nur die Kredit- und Zinsansprüche beinhaltet. Rechnen Sie mal die Pensionsansprüche der staatlichen Bediensteten hinzu (fall Ihnen nicht jetzt schon schlecht ist). Die Verschuldung anderer Länder ist weltweit bei fast allen Staaten viel zu hoch. Aber dort, wo Schulden sind, muss ein Gegenstück sein, jemand der als Schuldner erwartet, dass man die Schulden bei ihm tilgt. Was glauben Sie ist die Ursache, dass die Zahl der Multimillionäre und Milliardäre ständig steigt? Und woran liegt es, dass die Zahl der Unternehmen und Menschen immer schneller wächst, die überschuldet sind?

Das Kapitalwachstum wird bereits seit vielen Jahren mit Arbeitsplatzvernichtung bezahlt: Doch dafür zahlen nur wir, nicht die Politik, nicht die Wirtschaft, nicht die Wissenschaft.

Das ist zunächst mal genug Irrsinn. Wenn Ihnen das nicht reicht, gehen Sie auf die Straße. Dann sind Sie in einer der größten Freilandpsychiatrien, zumindest in Europa und können den Irrsinn aus der direkten Nähe studieren.