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Erstelldatum: 22.11.2008

Ackermann als Honorarprofessor

Es ist kaum zu fassen. Die Frankfurter Goethe-Universität will Josef Ackermann, dem Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, eine Gastprofessur als Honorarprofessor anbieten. Nun könnte der Titel Honorarprofessor ja leicht zu dem Schluss führen, dass damit eine Professur auf Honorarbasis für die Lehrtätigkeit zu verstehen ist. Aber das ist falsch. Mit einer Honorarprofessur werden Wirtschaftleute geködert, eine Lehrtätigkeit an einer Uni aufzunehmen, was ihnen im Gegenzug eine Professur ohne Habilitation und ohne den lästigen Zusatz honoris causa (ehrenhalber oder der Ehre wegen) einbringt. Vergibt eine Uni oder eine Fakultät einen Doktortitel, ist dieser mit dem Zusatz h. c. (honoris causa) versehen und weist damit aus, dass es kein regulärer Doktortitel ist. Die Professur kennt diesen Zusatz nicht und so mancher Wirtschaftsboss hat seinen Professorentitel auf dieser Schiene erhalten. Beispiele:

  • Artur Fischer, Fischertechnik, vor allem Fischer-Dübel
  • Jürgen Schrempp, ehem. Chef von DaimlerCrysler
  • Bernhard Vogel, ehem. CDU-MP von Rheinland Pfalz
  • Hubert Burda, alleiniger Gesellschafter der Burda-Medien
  • Peter Hartz, ehem. Personalvorstand von VW und Leiter der Hartz-Kommission, wurde auch als Dr. h. c. ausgezeichnet und bekam seine Honorarprofessur 2004 vom derzeitigen MP des Saarlandes Peter Müller

In einem Titel-süchtigen Land wie Deutschland, in welchem Menschen mehr nach dem beurteilt werden, was sie haben oder was sie sind, als nach dem, was sie können und was für einen Charakter sie haben, kann es nur als verständlich angesehen werden, wenn man sich auf diese Weise einen Titel ergattert, der Eindruck schindet. Das wäre mir auch völlig gleichgültig, bestünde da nicht ein viel größeres Problem. Diese Leute bekommen einen Lehrauftrag, um damit einen "Wissenstransfer aus der Praxis" zu ermöglichen. Aber schaut man sich die Menschen an, Leute wie Schrempp, Hartz oder Ackermann, muss man sich fragen, welches Praxiswissen hier vermittelt wird. Ist es nicht vielmehr eine absolut effiziente Methode, die Studierenden mit Werbung für die eigenen Arbeitsstrategien, einer rein auf Profitmaximierung ausgelegten Arbeitsweise bar jeglicher ethischen oder moralischen Verantwortung, zu konfrontieren und sie für diese Strategien zu begeistern? Wer sich mit der Deutschen Bank einmal etwas näher befasst hat, muss erkennen, dass diese Bank überall dort einsteigt, wo man hohe Profite erwarten kann. Dafür finanziert sie Diktatoren, fördert Projekte zur Umweltzerstörung, ruiniert Unternehmen, macht Hunger zum Geschäft und tut alles, um Steuerzahlungen des Unternehmens Deutsche Bank zu vermeiden.

Praxiswissen des Herrn Ackermann, das heißt doch, die Studenten zu lehren, wie man Profite gegen alle Gesetze erwirtschaftet, wie man mit Untreue Millionen scheffelt und sich dann freikauft, wie man Steuermittel auf dem Geldmarkt verbrennt, zum Schaden aller in diesem Lande. Städte verlieren Milliarden durch Zinswetten wird ein Bericht der RP-Online betitelt. Dieser Bericht macht einmal deutlich, welchen Typ Verwaltung und Politik wir eigentlich in diesem Land haben. Wir zahlen Steuern, damit die von uns gewählten Vertreter damit die Aufgaben bewerkstelligen, für deren Verrichtung sie gewählt wurden. Dann erfährt man aus der Zeitung, dass die fehlenden Finanzmittel der Gemeinden, der Länder und des Bundes offenbar verzockt werden. Die Steuern werden nicht für die Bewältigung der anfallenden Aufgaben eingesetzt, sondern für Kapitalwetten verwendet. Das ist natürlich ein sehr wichtiger Teil des Praxiswissens, das Studenten aus erster Hand und möglichst anschaulich beigebracht werden muss. Schließlich wird ein Teil dieser Studenten möglicherweise einmal im öffentlichen Dienst oder in der Politik tätig werden. Da ist doch wirklich hilfreich, schon zu wissen, dass Steuermittel auf den Kapitalmarkt gehören und nicht für kommunale oder staatliche Aufgaben verschwendet werden dürfen. Hat man zu viel verzockt, privatisiert man eben und hat damit neues Spielgeld.

Aber es gibt Widerstand gegen die Berufung von Ackermann. Nicht von Seiten des Universitätssenats, der heute über die Berufung entscheiden will, sondern von den Studenten, die Ackermann als das sehen, was er wirklich ist und sich nicht von den möglichen Finanzspritzen für die Uni (und für die Professoren??) blenden lassen. Sollte der Senat pro Ackermann entscheiden, wird es Zoff geben an der "ehrwürdigen Goethe Universität", wie die Junge Welt berichtet. Auch im Presse-Echo wird in einem Interview mit Attac Klartext gesprochen.