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Erstelldatum: 02.02.2009

Denken lernen

Als der Herr dem Menschen den Verstand gegeben hat, hat er vergessen, eine Gebrauchsanweisung beizulegen.
So lautet das Motto im meinem Logo. Aber vielleicht wollte der Herr das auch nicht. Vielleicht sollte der Mensch selbst herausfinden, wie man ihn nutzt, den Verstand?
Wenn ein Baby geboren wird, kann es nicht laufen, nicht sprechen, nicht sitzen, Es muss das alles lernen und es lernt es u. a. dadurch, dass es seinen Verstand einsetzt, einen Verstand, der bis dahin noch ziemlich leer und völlig unverbraucht ist.

Nun möchte ich nicht die Abfolge schildern, wie ein Baby durch Beobachtung und durch probieren lernt, auf sich aufmerksam zu machen, seine Gliedmaßen im Laufe der Zeit koordiniert zu bewegen, kurz all die Dinge, über die der Erwachsene nicht mehr nachdenkt. Was die Erwachsenen dabei vergessen haben und auch bei ihren Kindern oft nicht ausreichend berücksichtigen, ist der Umstand, dass ein Kind mit all seinen, Erwachsenen oft nicht verständlichen Handlungen, auch seinen Verstand schärft und zu diesem Zweck das Spiel nutzt. Mit dem Spiel lernen Kinder nicht nur, die reinen Bewegungsabläufe zu koordinieren, sondern in dieser Zeit entwickelt sich ihre Kreativität.

Hier beginnt der Moment, wo Eltern störend in den Entwicklungsablauf eingreifen. Nicht nur Eltern, sondern auch sonstige so genannte Erzieher wie Kindergärtner und Lehrer. Sie beginnen damit, das Spiel in Bahnen zu lenken, vergleichbar mit einer Flussbegradigung. Wenn sie mit Kindern spielen, bestimmen sie die Art des Spiels und stellen die Regeln auf. Wehren sich kleine Kinder dagegen, spricht man von Trotzreaktionen. Man kann sagen, damit wird das Ende der Kreativ-Entwicklung der Kinder eingeläutet. Ab diesem Moment ist nur noch die Anpassung gefragt.

Aber darum soll es in diesem Beitrag eigentlich auch nicht gehen. Diese kleine Einleitung kann allenfalls für junge Eltern als Anregung dienen, sich im Spiel mit Kindern von den Kindern leiten zu lassen, anstatt umgekehrt.

Für viele Erwachsene ist dieses "in Bahnen lenken" in der Kindheit ein prägendes Erlebnis, dass sie ein ganzes Leben begleitet. Viele von ihnen haben viele Fähigkeiten, setzen sie allerdings nur dann ein, wenn es jemand von ihnen fordert und ihnen sagt, wofür. Sie schaffen sich zwar alle im Leben einen kleinen und eigenen Freiraum, aber der ist in den meisten Fällen eng begrenzt, zumeist auf die Faktoren, wo niemand da ist, der ihnen vorschreibt, was sie zu tun haben. Dabei haben sie es heute leichter, als in der Vergangenheit, ist doch die Glotze in der heutigen Zeit das ideale Ausweichmedium, um die Zeit totzuschlagen, in welcher niemand da ist und einem sagt, was man zu tun und zu denken hat. Das sind dann die Menschen, die sich durch das ganze Leben schlenzen, ohne ihr Hirn jemals effektiv zu nutzen. Das Hirn hat dann ungefähr die gleiche Bedeutung wie der Blinddarm (zumindest wie der Blinddarm von den Ärzten bewertet wird.)

Aber, so glaube ich, denken ist erlernbar. Wie jeder neuartige Prozess wird es in der Anfangsphase mit Schwierigkeiten verbunden sein und auch zu Fehlern führen. Aber so, wie permanentes Training Muskeln aufbaut, würde permanentes selbständiges Denken zum Aufbau neuer Synapsen und damit neuen Verknüpfungen im Hirn führen. Vergleichbar aus meiner Sicht mit der Verkehrsinfrastruktur. Wer bisher des Denkens entwöhnt war, ist in etwa vergleichbar mit einem Mitfahrer in einem schienengebundenen Verkehrsmittel. Beginnt er zu denken, löst er sich von der eingleisigen Fahrt und beschreitet die übrige Infrastruktur, zunächst im näheren Bereich (wie im örtlichen Straßenverbund), bis er schließlich das gesamte Verkehrswegenetz nützen kann.

Doch wie beginne ich damit, selbst zu denken? Wir werden über die Medien (Presse, Hörfunk und TV mit Informationen regelrecht überflutet. In der Anfangsphase müssen wir also damit beginnen, zu selektieren, was wir für uns selbst als wichtig empfinden. Wichtig für uns selbst ist zunächst einmal jede Information, die unmittelbar uns selbst betrifft. Das ist so, weil jedermann zunächst einmal ein Egoist ist. Wie sagt ein alter Spruch? "Jeder ist sich selbst der Nächste."

Bekommen ich nun eine Information über Vorgänge, die mich bzw. meine Familie unmittelbar betreffen, muss ich mir zwei Fragen stellen:
  1. Wem nützt es?
  2. Wem schadet es?

Ein kleines Beispiel. Merkel und Steinbrück wollen "notleidende Banken" stützen, indem Sie Garantien vergeben. Sie selbst haben ein paar Aktien dieser Bank, deren Kurs bereits in den Keller gerauscht ist. Wenn nun Merkel und Steinbrück diese Bank mit Staatsgarantien stützen, dann kann es sein, dass der Kurs wieder ein wenig steigt und Ihr Verlust nicht ganz so gravierend ausfällt. Somit können Sie Frage eins mit "MIR" beantworten. Das befreit Sie allerdings nicht davon, auch die zweite Frage zu stellen: Wem schadet es? Sehen Sie, hier beginnt Ihr eigener Denkprozess, losgelöst von den eingleisigen Ideen der Politik, der Experten und Presse. Die zweite Frage ist für Sie deshalb so wichtig, weil Sie ja auch Steuerzahler sind. Bei dieser Frage stellt sich gleich die nächste Frage. Hat die Bank, die sich unter den "Rettungsschirm" des Staates begeben will, eigentlich ihre Karten wirklich voll auf den Tisch gelegt? Diese Frage kann man wohl getrost mit NEIN beantworten. Die HRE (Hypo Real Estate) beweist das gerade. 97 Milliarden haben Merkel und Steinbrück bereits locker gemacht (woher sie die Kohle genommen haben, ist momentan noch ein Mysterium). Aber es reicht noch immer nicht. Jetzt ist Merkel und Steinbrück das Märchen von Aschenputtel eingefallen. Dort heißt es: "Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen." Nicht schwer zu erkennen, dass das Kröpfchen Väterchen Staat ist, also wir alle. Damit haben Sie jetzt auch die Antwort auf Frage zwei: "wem schadet es?" Zwangsläufig muss die Antwort wieder lauten: "MIR!"

Damit kommen wir zu einem Punkt des eigenen Denkens, der schon ein wenig kniffeliger wird, der Abwägung. Im vorliegenden Beispiel gehe ich davon aus, dass Sie keiner der Großaktionäre dieser Bank sind. Wären Sie es, dann würden Sie diesen Beitrag kaum lesen. Folglich haben Sie nur ein paar Aktien der Bank. Stützt der Staat die Bank, kann der Kurs wieder steigen und Sie haben weniger Verlust. Aber gleichzeig sind Sie als Steuerzahler einer derjenigen, die mit ihren Steuergroschen dafür einstehen müssen, wenn die Bankmanager das wahre Ausmaß der Pleite verschleiert haben, sie also wesentlich mehr von den Zockerpapieren in den Bilanzen haben, als sie im ersten GO zugegeben haben. Auch wenn Sie bisher vom der Möglichkeit des Denkens wenig oder keinen Gebrauch gemacht haben, wissen Sie, dass unser Staat eigentlich kein Geld hat, sondern nur Schulden. Für diese Schulden muss er mächtig hohe Zinsen zahlen. Wenn er jetzt also für seine Bürgschaft für die Bank eintreten und deren Schulden begleichen muss, muss er sich das Geld dafür wieder leihen. Von wem? Natürlich von den Banken. Das ist ein Geschäft, wie es früher die Siedler in den USA betrieben, indem sie den Indianern wertlos Glasperlen für ihre wertvollen Felle und Decken zahlten. Väterchen Staat übernimmt hier also die Rolle der Indianer und die Banken die der Siedler. Ihre Abwägung müsste in diesem Fall also so aussehen, dass Sie Frage zwei höher bewerten, als evtl. Vorteile aus Frage eins. Damit kämen Sie zu dem Schluss, dass der für die Allgemeinheit zu erwartende Schaden größer ist, als der Vorteil für Sie und damit dann auch eine ablehnende Haltung zu den Vorhaben von Merkel und Steinbrück einnehmen.

Damit kommen wir zur nächsten Phase. Was bewirkt Ihre ablehnende Haltung. Diese Antwort ist wirklich einfach: "NICHTS!". Diese Phase ist die gefährlichste Phase, wenn man sich entschlossen hat, selber zu denken, denn das Resümee lautet dann, der Logik folgend, selber denken bringt nichts. Hier wäre ein neuer Fragenkomplex angebracht. Warum ist das Ergebnis meines eigenen Denkprozesses im Endergebnis ergebnislos? Diese Antwort ist leicht zu finden. Weil Sie, und mit Ihnen Millionen Anderer, bisher von Ihrem Denkapparat keinen Gebrauch gemacht haben. Hätten Sie früher mit dem Denken angefangen, wären Ihnen schon früher die Ungereimtheiten aufgefallen und hätten auch ihre Wahlentscheidungen beeinflusst. Hätten das mit Ihnen zusammen Millionen Anderer getan, sähe das heutige politische Establishment völlig anders aus.

Sie sollten also nicht aufhören, selbst zu denken. Es erlaubt Ihnen die Sicht auf die Art und Weise, wie man Sie manipuliert, wenn Sie das Denken den Pferden überlassen (vermutlich gibt es deshalb nur noch so wenig Pferde). Wenn Sie sich stattdessen bemühen, auch andere zum Denken zu animieren und damit auch noch in Einzelfällen Erfolg haben, entwickelt sich daraus im Laufe der Jahre ein Schneeballeffekt und die Deutschen werden zu etwas, was sie noch nie waren. Zu einem denkenden Volk! Wäre das nicht ein erstrebenswertes Ziel?

Die einfachste Methode, mit dem Denken selbst zu beginnen, ist es, über diesen Beitrag einmal nachzudenken. Die Erreichung jedes Ziels beginnt immer auf die gleiche Weise: "Mit dem ersten Schritt!"
Doch wie schon erwähnt, selber denken kann auch zu Fehlern führen. Vielleicht habe ich mit meiner Einschätzung unrecht, also "falsch" gedacht. Das zu beurteilen, überlasse ich Ihnen. Aber Vorsicht, schon diese Beurteilung setzt eigene Denkprozesse voraus. Und vielleicht bin ich ja so hinterhältig, dass ich Sie auf diesem Umweg verleiten wollte, selbst zu denken, auch wenn das gar nicht in Ihrer Absicht lag.