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Erstelldatum: 26.02.2009

Hilfsbedürftig

Im Internet stoße ich immer wieder auf Seiten, in denen das SOS-Kinderdorf um Spenden bittet. Mit nur 1 am Tag kann man einem Kind helfen und eine Patenschaft für ein Kind erwerben. Zum Glück gibt es Menschen, die einspringen, auf einen kleinen Teil ihres Geldes verzichten, um diesen Kindern zu helfen.
Aber das SOS-Kinderdorf ist nicht die einzige Einrichtung dieser Art. Es gibt viele und alle werben dafür, dass man spendet, um die Not in der Welt zu lindern. Viele Menschen sind auch dazu bereit und spenden, einmalig oder dauerhaft.

Diese Frage wird vielleicht die Gemüter erregen, aber glauben Sie wirklich, dass Sie helfen? Oder beruhigen Sie nur, bewusst oder unbewusst ihr Gewissen? Denn eines sollte Ihnen stets bewusst sein, mit Ihrer Hilfe lindern Sie ein Einzelschicksal, eines von Hunderttausenden. Und während Sie auf der einen Seite glauben, zu helfen, tragen Sie durch Gleichgültigkeit oder Unwissenheit dazu bei, dass es Einrichtungen wie die SOS-Kinderdörfer überhaupt geben muss.

Ich möchte mal ein Szenario erstellen, dass es sicherlich gibt. Ein Ehepaar adoptiert eine Waise, aus Afrika oder Asien zum Beispiel. Beide verdienen so viel, dass sie sich das leisten können, denn es ist ein fleißiges Paar, das jeden Morgen pünktlich zur Arbeit in eine Rüstungsfabrik geht. Wer weiß, vielleicht war es ausgerechnet die Bombe, die Miene, die Schnellfeuerwaffe oder die Kugel, die sie in ihrem Unternehmen herstellten und an deren Fertigung sie selbst aktiv beteiligt waren, mit welcher dieses adoptierte Kind zur Waisen gemacht wurde. Oder sie arbeiten in einem der Konzerne, deren ausbeuterische Methoden dazu beitragen, dass in Afrika, Asien oder sonst wo auf der Welt Menschen verhungern oder an Krankheiten sterben, weil sie kein sauberes Trinkwasser haben und deshalb an Krankheiten erkranken, die eigentlich nach dem Stand der medizinischen Forschung leicht heilbar wären, aber die Medikamente für die meisten Menschen in den Drittweltländern nicht erschwinglich sind. Oder sie arbeiten in einem Pharmakonzern, der Medikamente, die in den westlichen Ländern längst wegen ihrer Nebenwirkungen verboten sind, in die Länder der dritten Welt verscherbeln.

Sie gehören vielleicht zu den Menschen, die helfen oder helfen wollen. Aber Ihre Hilfe erreicht einen Einzelfall, einen von Hundertausenden oder Millionen. Wirkliche Hilfe würde bedeuten, dass man die Politik in der Welt, vor allem der westlichen Welt bekämpft, mit der diese Einzelschicksale überhaupt entstehen.

Deutschland ist einer der größten Rüstungsexporteure der Welt. Tausende arbeiten in der Rüstungsindustrie und schaffen die Voraussetzungen dafür, dass Menschen auf alle möglichen Arten massakriert werden. Man kann es live miterleben, am Fernseher, wenn das grüne Feuerwerk die Nacht erhellt wegen der Bomberstaffeln, die ihre tödliche Last in den verschiedensten Ländern entladen. Reporter berichten, je nach politischem Kalkül mal rührselig, mal triumphierend über die "Erfolge einer Streitmacht" oder über den armen getöteten GI. Ganz sachlich wird darüber berichtet, dass deutsche Soldaten in zunehmendem Maße traumatisiert aus Afghanistan zurückkehren, weil sie das größtenteils in den Medien verschwiegene Entsetzen dort miterleben mussten bzw. sogar daran beteiligt waren. Und Verteidigungsminister Jung stellt sich vor die Kameras und berichtet über die Hilfen, die man diesen traumatisierten jungen Menschen angedeihen lassen will. Sehe ich das Gesicht dieses Mannes, kann ich mir nicht helfen, aber für mich ist seine Miene geradezu der Prototyp eines selbstgerechten Heuchlers. Doch die Traumatisierung dieser vormals hoffnungsfrohen jungen Männer wird kein Psychologe dauerhaft beseitigen können. Es gibt Bilder, die man niemals vergessen wird. In den USA gibt es davon Hunderttausende, Veteranen aus Korea, Vietnam, dem Irak, Afghanistan, über die auch dereinst große Worte verloren wurden und die man dann doch alleine gelassen hat. Das wird hier nicht anders sein.

Das ist es, was Kriege ausmacht. Junge Menschen, unreif und relativ unwissend, werden von der Militärmaschinerie geködert, mit den technischen Möglichkeiten, mit den Möglichkeiten, etwas zu lernen und mit dem Hauch des Abenteuers. Sie lernen wirklich etwas. So mancher Bundeswehrsoldat hat in seiner Dienstzeit einen Beruf gelernt. In der Vergangenheit, als die Bundeswehr noch das war, was sie ursprünglich seine sollte, eine Verteidigungsarmee. Damals war alles andere nur ein Spiel und so mancher Ex-Bundeswehrsoldat träumt heute noch von der Kameradschaft, die er in der Kaserne erlebt hat. Doch die Zeit des Spiels ist vorbei. Heute werden auch die deutschen Soldaten wieder für das eingesetzt, für das Soldaten zu allen Zeiten ausgebildet wurden: "Für den Mord, für die Verstümmelung und für den eigenen Tod."

Die Politik weiß immer zu begründen, warum das sein muss und das Sprachrohr der Politik, die Medien, verkündet diese Begründungen mal mehr, mal weniger laut und Kommentatoren zerreißen mit harschen Tönen die Kritik Einzelner an diesem Tun. In seinem Innersten weiß aber jeder Einzelne, dass diese Massenmorde (denn Krieg ist nichts anderes) nie durch ein Volk ausgelöst werden, sondern immer auf Betreiben einzelner Personen, für die es dabei nur um Macht und um Profit geht. Saddam Hussein war mit Sicherheit kein guter Mensch und er war ein Diktator, der auch schlimme Gräuel zu verantworten hatte. Aber er wäre irgendwann abgetreten, freiwillig oder mit Gewalt. Trotzdem ging es den Irakern unter Hussein besser, als es ihnen heute geht. In seiner Ägide sind weitaus weniger Menschen massakriert worden, als seit dem Einmarsch der "Willigen", wie Bush die Soldaten der Nationen nannte die sich an dieser "geschäftlichen Transaktion" beteiligt haben. Nicht zu vergessen, Hussein war ein Produkt der USA, genau so wie Osama bin Laden. Wenn sich aber die Nützlichkeit solcher Leute für die USA verbraucht hat, werden Sie hochstilisiert zum Erzfeind der Menschheit und natürlich zur tödlichen Gefahr für die USA.

Wir alle tragen unser Scherflein dazu bei, diese dämonischen Spiele zu unterstützen. Wir alle haben Sorge wegen des Klimawandels und selbst die Blähung einer Kuh regt uns auf, weil sie die Umwelt verpestet. Nur die Umwelt- und Klimaschäden durch jede Art militärischer Handlungen, vom Manöver bis hin zum Krieg werden bei allen Reden über den Klimawandel völlig ausgespart. Mit Kriegen werden Völker bestraft, nie, oder zumindest fast nie aber die die wirklichen Täter. Und diese agieren international, denn Krieg ist ein globales Geschäft, Teil einer Globalisierung, die es schon lange gab, bevor dieses Wort in die Köpfe der Menschen gehämmert wurde, um zusätzliche Methoden der Ausbeutung zu finden und zu intensivieren.

Vielleicht sollten Sie darüber einmal nachdenken, wenn Sie das nächste Spendenformular ausfüllen.