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Erstelldatum: 04.09.2008

Stürmer

Nein, kein Bericht über Fußball, sondern ein Bericht über eine bedenkliche Entwicklung, die sich wiederholt. 1923 erschien in Deutschland eine neue Zeitung, "Der Stürmer", ein Blatt, dass zum Rassenhass aufrief, ein Blatt, dass zum Herzstück der Nazipresse und der Hetzpropaganda wurde.

Man fragt sich, wie dieses Blatt eine solche Popularität erhalten konnte, obwohl es unglaublich primitiv war, nur aufbauend auf Hetze und Denunziation. Der Stürmer ging mit Deutschland 1945 unter, so schien es. Aber das war wohl ein Irrtum. 1952 erhob sich der Stürmer wie Phönix aus der Asche im neuen Gewand mit dem unverfänglichen Namen "BILD". Dieses Käseblatt, von Anfang an von Primitiven für Primitive gestaltet, nahm die Tradition des Blattes "Der Stürmer" wieder auf. Will die Politik eine Hetzkampagne starten, ist BILD die erste Adresse.

Es scheint, dass fast jeder um die Primitivität dieses Blattes weiß, denn fragt man die Käufer von BILD, erhält man meist die Antwort, man kaufe sie nur wegen dem Sportteil. Ein lächerliche Aussage, denn eine primitive Zeitung bleibt primitiv, egal, welchen redaktionellen Teil man auch immer meinen mag. Der Grund ist einfach, Primitivität ist immer eine Geisteshaltung und findet immer (leider) Anhänger.

Seit einiger Zeit ist BILD wieder auf der Jagd. Offenbar aus Berlin oder bestimmten Wirtschaftskreisen angeregt, ging man zuerst im Duett mit Roman Herzog auf die Rentner los. Mit viel Druckerschwärze und völlig ohne Inhalt wurde der Aufmacher von der Machtübernahme der Alten gebracht und Roman Herzog, einer, der wirklich die Kassen der Steuerzahler und die Jungen ausplündert, durfte sich äußern, dass die Alten die Jungen ausplündern.

Inzwischen ist BILD wieder bei den Arbeitslosen angekommen. Das Sonderbare ist, dass die Dummheit der dort gemachten Aussagen trotzdem auf fruchtbaren Boden fällt. Schon die 3 aufgeführten Punkte sprechen eine Sprache für sich:

  • wie eine Hartz-IV-Empfängerin plötzlich 15 Untermieter hat.
  • wie aus Polen auf wundersame Weise Hartz-IV-Deutsche werden.
  • wie dreist die Klagen und Tricks mancher Hartz-IV-Bezieher sind.

Nehmen wir den ersten dieser Unterpunkte. Wenn eine Hartz IV-Empfängerin "plötzlich 15 Untermieter" hat, wird dieses Geld aus der Mieteinnahme auf die Transferleistung angerechnet, sie würde also aus dem Transferbezug rausfliegen.

Aber konzentrieren wir uns auf den eigentlichen Bericht. Fotos von dem "Betrüger", seine angeblichen Aussagen über die Tricks, wie er, nach eigenen Angaben mit allen Wassern gewaschen, die Behörden austrickst. Entweder hat der Bursche nicht alle Tassen im Schrank oder der ganze Bericht ist gestellt, so wie Laienspieler bei SAT1 die angeblichen Betrugsfälle des Kreises Offenbach darstellen. Welcher Betrüger wird sich in einer Zeitung mit Bildern, Berufsbezeichnung, Altersangabe, Höhe des Transfer-Bezugs und Wohnort in der Zeitung präsentieren? Es ist doch ziemlich eindeutig, dass die Folge anonyme Briefe an BILD und an die Polizei sind, denn seine gesamte Nachbarschaft weiß doch nun, dass er ein Betrüger ist. Wäre an der Geschichte etwas dran, bekäme er in kürzester Zeit eine Anzeige wegen fortgesetztem Betrug in mehreren Fällen und hätte die sofortige Einstellung aller Transferleistungen am Hals. Wirklich clever! Was würde ihn alles erwarten?

  • Eine Anzeige wegen erschlichener Transferleistung von ALG II.
  • Eine Anzeige wegen Steuerbetrug.
  • Eine Anzeige wegen Schwarzarbeit.
Leider keine Anzeige wegen Dummheit! Dummheit ist leider nicht strafbar, denn wäre sie es, würden der BILD die Leser ausgehen und ein Bauboom ohnegleichen für den Bau von Strafanstalten würde sogar die Statistiken der BA in die Nähe der Wahrheit rücken (wegen der wegen Dummheit Verurteilten).

Nun können Sie berechtigterweise fragen, woher ich den Bericht habe, wenn ich doch angeblich BILD nicht lese. Aber das ist einfach, der Bericht wurde mir zugeschickt und die Überschrift hat gezeigt, dass BILD mal wieder eine Hetzkampagne gestartet hat. Weil mir ein Bericht gegen BILD immer besonders viel Freude macht, habe ich also die Mail nicht gleich in den Spam-Ordner verschoben, sondern ihn gelesen. Sie sehen ja, für einen Beitrag über den Stürmer der Neuzeit reicht es allemal.

Aber die Hetze beschränkt sich nicht auf die Springer-Presse. Die TAZ weiß zu berichten dass der hoch alimentierte Professor Dr. Friedrich Thießen von der technischen Universität Chemnitz mit neuen Vorgaben für die Höhe der Regelsätze bei Hartz IV-Empfängern aufwartet. Er vertritt in einer Studie die Meinung, 132,- sind für Hartz IV-Empfänger im Monat genug. Gerne hätte ich auch die in der Presseveröffentlichung verlinkte Studie gelesen, aber leider führen die Links zu einem Fehler 404. Absicht??? Hat man die Studie schnell wieder verschwinden lassen, als die Reaktionen aufzeigten, dass es wohl für die Uni doch nicht so gut war, solche Propaganda zu betreiben.

Zunächst frage ich mich, was eine technische Universität veranlasst, sich überhaupt mit diesem Thema zu befassen und Ratschläge zu erteilen. Danach frage ich mich, was in den Windungen eines hochbezahlten Wissenschaftlers vorgeht, wenn er mit solchen "Studien" an die Öffentlichkeit geht. Gerne hätte ich die Einzelauflistung dieser so genannten Studie betrachtet. Ob die Anregung dazu von Sarrazin, dem Berliner Senator kam? Ausprobiert hat das mit Sicherheit keiner der so genannten Wissenschaftler. Wissenschaft besagt ja eigentlich, dass sie Wissen schafft, man sollte deshalb eine neue Sparte gründen, die Hetzeschaft, denn mit Wissenschaft sind solche Studien nicht vereinbar. Was sich derzeit in Deutschland abspielt, entspricht den Vorgängen von 1933, nur die Opfer sind heute andere. Ich amüsiere mich immer, wenn ich die Aufregung bei den Linken bemerke, wenn mal wieder irgendwo ein Aufmarsch der NPD ist. Wie naiv. Die NPD ist doch nichts als die mobile Einsatztruppe bestimmter Interessengruppen. Ein Nazi, der was auf sich hält, orientiert sich politisch längst anders. Dreimal dürfen Sie raten, bei welchen Parteien.