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Erstelldatum: 18.01.2010

Google, USA und China

China kommt im Januar nicht aus der Presse heraus, gibt es doch so viel Negatives zu berichten. China ist sicherlich nicht das, was wir uns unter einer Demokratie vorstellen. Aber unsere Vorstellungen von Demokratie und die Wirklichkeit klaffen ohnehin weit auseinander. Deshalb zunächst ein paar Worte zu China. China war nie eine Demokratie. Dennoch besaß China schon eine hohe Kultur, als man die Menschen in Europa noch weitgehend als Barbaren bezeichnen konnte. China als Staat hatte seit jeher mehr Ähnlichkeit mit manchen Insektenvölkern. Es gab eine zentrale Gewalt mit absoluter Macht, der sich alles unterzuordnen hatte. Der Einzelne zählte nicht.

Der Legende nach ist die Zivilisation eine Schöpfung der Urkaiser, die im 3. Jahrtausend (vor unserer Zeitrechnung) lebten und die als Gottheiten angesehen wurden. Erste historisch und archäologisch verwertbare Erkenntnisse stammen aus der Zeit der Shangdynastie, deren Herrschaft auf die Zeit von ca. 1600 bis 1050 vor unserer Zeitrechnung datiert wird. Dieses Herrschaftsgebiet erstreckte sich allerdings nicht auf das heute bekannte ganze China, sondern war auf das mittlere China beschränkt. Was Europa erst im frühen Mittelalter einführte, (die Lehnsherrschaft), kannten die Chinesen bereits zu Zeiten der Zhoudynastie, etwa 1050 bis 250 v. Chr.. Sie geht auf den Herrscher Wu Wang zurück, der das Shang-Reich eroberte und den letzten Shang-Kaiser töten ließ, aber die Zerstörung der Shang-Kultur verhinderte. Sein Heer bestand vor allem aus Söldnern (viele aus Tibet), die er mit Lehen für ihre Dienste belohnte. Ab ca. 770 v. Chr. beschränkte sich die Macht der Kaiser auf reine Repräsentation und war der Beginn einer Periode, in welcher sich die einzelnen Lehnsherren gegenseitig bekämpften (Zeit der streitenden Reiche). Ca. 250 v. Chr. ging durch entsprechende Reformmaßnahmen das Land Qin aus den streitenden Reichen als Sieger hervor und die Qindynastie (221 bis 206 v. chr.) einte China und erweiterte es mit Feldzügen nach Norden und nach Süden. Die Qindynastie endete mit den Bauernaufständen und es bildete sich unter Liu Bang eine Mischung aus Feudaldomänen und staatlichen Verwaltungsgebieten. Liu Bang war der Gründer der Handynastie, deren ethnische Bedeutung bis heute dahingehend fortbesteht, dass ca. 93% der Chinesen so genannte Han-Chinesen sind. Die Blütezeit der chinesischen Geisteskultur fällt auch in die Zeit der endenden Zhoudynastie und der beginnenden Qindynastie Mit Konfuzius (551 bis 479 v. Chr.), Laotse (keine genauen Angeben, vermutet wird das 6. Jahrhundert v. Chr.), Zhuang-zi (ca. 365 - 290 v. Chr., in Deutsch auch als Dschuang Dsi benannt) und anderen. Das war etwa zur gleichen Zeit. wie auch in anderen Regionen der Welt die Zeit der Philosophie begann, z. B. Griechenland. Der Konfuzianismus wurde zur Staatsdoktrin und blieb es bis zum Ende des chinesischen Kaiserreiches (1912).

Der Reigen im Wechsel der Dynastien, der Eroberungen und dann wieder der Verlust eroberter Gebiete, zog sich bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts hin. So war China z. B. in der Yuandynastie Teil des mongolischen Weltreiches. 1644 wurde China von den Mandschuren ganz erobert und diese übten ihre Fremdherrschaft bis 1911 aus. Allerdings wurden sie nach dem Opiumkrieg zwischen China und den Briten (1839-1842) besiegt und schlossen den ersten der so genannten "ungleichen Verträge" ab. Dazu gehörte die Abtretung von Hongkong an Großbritannien und die Öffnung von 5 Vertragshäfen. Die Verträge von Tientsin zwangen China weitere Konzessionen ab, und solche Konzessionen wurden nicht nur von Großbritannien gefordert, sondern auch von Ländern wie den USA, Frankreich und Russland. Gesandtschaften (vor allem in Peking, der verbotenen Stadt) und die Öffnung weiterer Häfen waren die die Folge. Als die Boxer (ein chinesischer und fremdenfeindlicher Geheimbund) 1899 einen Aufstand anzettelten, wurde dieser mit einem internationalen militärischen Expeditionschor niedergeschlagen (8 Länder, darunter Deutschland). Die Fremdenfeindlichkeit der Boxer war aber durchaus begründet. Ob Briten, Japaner oder Amerikaner, alle behandelten die Chinesen wie Abfall, plünderten das Land und brachten viele Artefakte außer Landes.

1901 diktierten dann diese Interventionsmächte die Sühnebedingungen für China. 1912 führte die Revolutionsbewegung von Sun Yatsen nicht nur zur nicht ganz freiwilligen Abdankung der Qingdynastie, sondern auch zur Ausrufung der Republik China. Der Rest ist neuere Geschichte und überall nachlesbar (die Einheitsfront aus Nationalisten und Kommunisten, der chinesisch japanische Krieg (1937-1945), der Bruch zwischen den Nationalisten (Chiang Kai-shek, auch Tschiang Kai-schek geschrieben) und Kommunisten, der lange Marsch und der Sieg der Kommunisten mit Mao Zedong (auch Mao Tse-tung), die Viererbande und dann die langsame Wandlung in der chinesischen Politik, auch mit der bedingten Öffnung der Märkte).

Man sieht, eine Demokratie war China nie, aber wer näher darüber nachdenkt, müsste eigentlich erkennen, dass sich ein solches Riesenreich nur mit einer Diktatur eine gewisse Zeit halten lässt, bevor wieder einer der regionalen Fürsten zu mächtig wird und das Land in erneute Kriege stürzt. Das ist einer der Gründe, warum Europa und die NWO Vorhaben sind, die auf Dauer keinen Erfolg haben werden. Keine Zentralgewalt kann auf Dauer ein so großes Gebiet halten, denn immer wird einer der regionalen Herrscher nach mehr Macht gieren. Das geht seit mehr 6.000 Jahren so und wer sich die heutige Politik in der Welt betrachtet, kann unmöglich zu dem Schluss kommen, die Menschen hätten sich geändert.

Aber das ist hier nicht das Thema. Es geht um die ständigen verbalen Angriffe gegen China. Vor wenigen Tagen lautete eine Überschrift im Spiegel:"China fordert mit Raketenabwehr die Welt heraus". Die USA bastelt seit vielen Jahren daran herum und niemand in der Presse hat das als "Herausforderung der Welt" angesehen, auch nicht, als die Russen intervenierten und den Schild als Bedrohung Russlands ansahen. China ist von Atommächten umgeben (Indien, Pakistan), in Afghanistan tobt ein Krieg der gleichen alliierten Mächte, die in China den Boxeraufstand niederschlugen und damit stehen u. a. Truppen der Briten und der USA direkt vor der Haustür. Taiwan wurde von den USA mit Waffen beliefert, unter anderem Raketen, die als "Abwehrraketen" für die Öffentlichkeit bezeichnet wurden. Natürlich ist Taiwan selbst keine Bedrohung für China, wohl aber als Sprungbrett der USA, die ja auch ansonsten im asiatischen Raum recht präsent sind. Wenn ein Land Grund hat, eine Raketenabwehr zu installieren, dann ist das China, denn China ist den Amerikanern inzwischen mehr als lästig geworden.

Jetzt macht Google viel Trara. Angeblich haben chinesische Hacker Google angegriffen. Nun kommt von Google die Meldung, sie wollen in China nicht mehr der Zensur folgen und notfalls China aufgeben. Das hört sich richtig toll an. Aber wenn man die Hintergründe ein wenig genauer betrachtet, sieht es schon weniger toll aus. Google hat in China nicht nach seinen Wertmaßstäben Fuß fassen können, trotzdem es sich darauf eingelassen hat, die Suchabfragen in China zu zensieren. Dass Hacker der chinesischen Geheimdienste Google angegriffen haben, kann sein, kann aber auch ein Vorwand sein, um sich aus China ohne Imageverlust zurückzuziehen. Da Google für seine Datensammelwut bekannt ist, ist es durchaus möglich, dass chinesische Geheimdienste gern ein wenig in den Daten stöbern möchten. Aber sie haben es ja auch ungleich schwerer, als die CIA oder NSA, denn die brauchen sicherlich nur eine Anforderung an Google zu stellen und Google liefert die gewünschten Informationen. Natürlich weiß ich das nicht genau, halte aber die Wahrscheinlichkeit für sehr hoch. Lese ich dann einen Artikel in der WELT mit dem Titel: Angriff auf die Mauer im Internet, dann platzt mir echt der Kragen, wenn ich darin so geschwollene Sätze lese wie "Denn die USA sind eine Nation, die sich dem Ideal der Freiheit verpflichtet fühlt." Dieses Ideal amerikanischer Freiheitsvorstellungen müssen gerade die Iraker und die Afghanen über sich ergehen lassen. Südamerika wurde von diesem Freiheitsideal der USA permanent attackiert, Korea und Vietnam bekamen es zu spüren. Dieses Ideal der Freiheit lautet dabei stets:

    Du bist unser Freund, wenn Du nützlich für uns bist und tust, was wir Dir auftragen.
Dabei war es der USA immer völlig egal, ob die "Freunde" sich demokratisch verhielten oder die Menschenrechte achteten. Ausschlaggebend war ihre Nützlichkeit für die USA und für die US-Wirtschaft.

China ist keine Demokratie, hat das aber im Gegensatz zu den USA, den Briten oder Deutschland auch nie behauptet. Aber Demokratie heißt Volksherrschaft und die gibt es ebenso wenig in den letztgenannten 3 Ländern. Dort spielt die Bevölkerung nur bei Wahlen eine Rolle, ansonsten wird gegen das Volk und für die Wirtschaft gehandelt, wobei Letzteres nicht zu mehr Wohlstand des gesamten Volkes, sondern im Gegenteil zu zunehmender Verarmung geführt hat und weiterhin führt. Das Gegenteil ist in China der Fall. Die Armut war in China weit verbreitet, nicht zuletzt durch die Fremdherrschaft und die nachfolgenden Bürgerkriege. Die Chinesen wurden von den fremden Herrschern und vor allem von den westlichen Nationen grundsätzlich als Menschen dritter Klasse angesehen. Sie haben viel Erfahrung mit den Briten und den Amerikanern und nur wenige davon sind gut. Die jetzige Regierung in China bekämpft die Armut. In einem Land mit 1,3 Milliarden Menschen, von denen mehr als die Hälfte in bitterster Armut lebte, ist das eine Mammutaufgabe. Aber es ist der chinesischen Regierung in schrittweisen Reformen gelungen, diese Armut immer weiter zu reduzieren. 1980 wurden offiziell noch 52,8% der Chinesen als unter dem Existenzminimum lebend ausgewiesen. 2001 waren es nur noch 8%. 2008 trat ein neues Arbeitsrecht in Kraft, von dem sich unsere Regierung eine Scheibe abschneiden könnte. Durch dieses neue Arbeitsrecht wird für alle 800 Mio. Beschäftigten in China, also auch für alle Wanderarbeiter, ein Arbeitsvertrag, der die gesetzlich vorgeschriebenen Mindeststandards, das betrifft festgelegten Lohn, geregelte Arbeitszeiten, Kranken- und Rentenversicherung, einhalten muss, verpflichtend. Allerdings wird gegen das Gesetz heute noch oft verstoßen und viele Wanderarbeiter müssen immer noch, jetzt jedoch illegal, ohne Absicherung durch einen Arbeitsvertrag arbeiten. Es wird auch hier wieder einige Zeit dauern, bis diese Form der Korruption beendet werden kann und es ist durchaus möglich dass dafür Köpfe rollen, wörtlich genommen. Aber die Todesstrafe hat in China Tradition, seit Tausenden von Jahren. Ob sich das jemals ändern wird, ist schwer zu sagen. Aber auch hier hat der Westen nicht wirklich das Recht, China das vorzuwerfen. Dafür haben sie zu viele Länder im Gefolge, die ebenfalls die Todesstrafe noch nicht abgeschafft haben, allen voran der Anführer, die USA.

Was Verbesserungen für China und die Chinesen betrifft, haben wir keinerlei Recht, uns einzumischen. Dafür haben wir viel zu wenig Ahnung von der chinesischen Kultur, der chinesischen Mentalität und der chinesischen Geschichte. Wir können unsere Anschauungen nicht zwangsweise auf andere Kulturen übertragen. Und wir alle, ganz Europa und die USA, haben genug Veranlassung, zuerst vor der eigenen Haustüre zu kehren, denn dort türmt sich der Schmutz immer weiter auf. China ist heute nicht mehr das Land, dass sich von den USA oder den Briten ins Bockshorn jagen lässt. Es hat sich zu einem sehr selbstbewussten Land entwickelt und weiß eine Mehrheit der Bevölkerung hinter sich, auch wenn das in westlichen Medien häufig anders dargestellt wird.

Sicher, dass China noch immer fast eine halbe Milliarde Dollar an Entwicklungshilfe aus Deutschland erhält, ist eigentlich ein Treppenwitz. Ich denke aber, China würde lediglich milde lächeln, würde diese Hilfe gestrichen. Diese Hilfe ist für Deutschland wichtiger als für China, hat Deutschland hierdurch doch bessere Möglichkeiten, deutsche Wirtschaftsunternehmen in China zu etablieren und auch ein gewisses Gewicht bei Handelsabkommen. Offiziell ist China immer noch ein Schwellenland, obwohl es die Schwelle längst überschritten hat. Aber für den Westen bietet es damit immer noch Anlass, seinem Hang zur Überheblichkeit zu frönen und die Chinesen sind vielleicht nur zu höflich, den westlichen Ländern klarzumachen, dass sie offenbar nicht mehr ganz richtig im Kopf sind.