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Erstelldatum: 11.06.2007

Der Gipfel - der Gipfel

Der Gipfel war der Gipfel, vor allem, was ihre Karriere angeht. Unter ihrer straffen Führung waren nur Erfolge zu verzeichnen. Sie wissen nicht, von wem ich rede? Von unserer geliebten Landeschefin Angela natürlich. Es war phänomenal, was sie so alles geleistet hat (ich bin in Grammatik nicht so firm. Heißt es nun, was sie geleistet hat oder was sie sich geleistet hat??). Bereits im Vorfeld war ihr Einfühlungsvermögen hervorragend. Die GROSSEN 8 sind ja die Regierungschefs der 8 größten Industrienationen. Das glauben sie (die GROSSEN 8) und deshalb muss es wahr sein. Das bedeutet, jeder der GROSSEN 8 regiert ein Volk. Aber weil sie ständig von 3 Ringen umgeben sind, wissen sie nicht, was sie da eigentlich regieren. Sie wissen nicht mehr, was Volk ist, denn sie haben keine Gelegenheit mehr, das Volk zu sehen, was auch gut ist, könnte es doch ihre einsamen Entscheidungen beeinflussen. Also die 3 Ringe sind einmal der innere Ring, Männer und Frauen mit aufmerksamen Blicken nach allen Seiten, Sprechgeräte in den Händen und einem kleinen, in einem Plastikgehäuse wohnenden Wesen, welches ihnen zuflüstert, worauf sie sich konzentrieren sollen. Landläufig nennt man sie Bodyguards. Der mittlere Ring, das sind die Leute mit Kameras, Fotoapparaten oder Mikrofonen in den Händen, die immer einen sehr aufgeregten Eindruck machen. Sie werden landläufig Presse genannt und wollen von den GROSSEN 8 Stichworte hören, damit sie einen Anhaltspunkt haben, worüber sie sich was aus den Fingern saugen müssen. Der dritte Ring sind die Uniformierten, die den äußeren Schutzwall bilden. Landläufig werden sie als Polizei bezeichnet.

Das Volk ist wie Wurst. Man sollte nicht wissen, was drin ist, sonst mag man es vielleicht nicht mehr. Deshalb hat Angela es als ihre größte Pflicht angesehen, ihren Gästen den Anblick des Volkes zu ersparen. Aber das Volk ist ja uneinsichtig und widerspenstig und so hatte ein Teil des Volkes angekündigt, dass es einen Blick auf die GROSSEN 8 werfen möchte, um einmal die Leute zu sehen, die so bereitwillig ihr Geld (das des Volkes natürlich) verteilen, um Gutes zu tun, die so bereitwillig ihre Kinder (die des Volkes natürlich) in die weite Welt schicken, damit sie Frieden schaffen (mit Waffen, weil das den GROSSEN 8 leichter erscheint), die den ganzen Tag damit verbringen, die Wirtschaft anzukurbeln (die GROSSEN 8). Aber weil das Volk ja nicht weiß, wie anstrengend das alles ist, wollte es keine Rücksicht nehmen. Also sorgte Angela dafür, dass das Volk weit genug weg war, dass man es allenfalls noch mit einem Fernglas als graue Masse wahrnehmen konnte. Das war die Wahrnehmung der GROSSEN 8 standardmäßig und deshalb ungefährlich.

Die Polizei, die dafür sorgen sollte, dass nur ja niemand aus dem Volk näher an den Zaun kam, schickte ein paar ihrer Männer ins nächste Kaufhaus, damit sie sich neu einkleiden konnten, weil ihre Uniform gerade in der Wäsche war. Da sie aber nun aussahen, wie ein Teil vom Volk (siehe Bild), sollten sie sich unter das Volk mischen und feststellen, wohin das Volk wollte. Schließlich ist es nicht einfach, eine so kleine Menge von zwischen 30.000 und 80.000 Leuten nicht aus den Augen zu verlieren. Deshalb sollten diese Beamten die Polizei, ihre Kollegen, informieren, wohin das Volk gerade ging, wenn man es aus den Augen verloren hatte. Der Beamte im Bild kontrolliert gerade einen Stein, der am Boden lag, lässt ihn dann aber wieder fallen, so dass er direkt vor seine Füße gefallen ist, kaum 15 bis 20 m entfernt. Dass inzwischen ein unschuldiger Polizeiwagen dort stand, war nicht vorhersehbar und somit nicht seine Schuld. Eine weitere seiner Aufgaben war es, der Presse schöne Bilder zu liefern und auch so für ein wenig Action zu sorgen, damit die GROSSEN 8 abends am Bildschirm ein wenig unterhalten werden konnten. Das ist ihm und seinen Kollegen auch gelungen und das Fernsehen konnte so eine Life-Sendung ausstrahlen über Vorgänge, die man sonst nur in Action-Filmen sieht.

Die Polizei hat in diesem Zusammenhang ein neues Konzept ausprobiert: "Die Käfighaltung von Menschen". Unbestätigten und unseriösen Meldungen zufolge sollen an der Entwicklung des Konzepts der Verband der Geflügelzüchter Deutschlands und der Dachverband der Zoo-Betriebe mitgewirkt und ihren großen Sachverstand über Käfighaltung eingebracht haben. Außerdem verlautbart aus der gleichen unsicheren Quelle, dass der Dachverband der Zoo-Betriebe Interesse bekundet haben soll, im Zuge der Privatisierung von Justizvollzugsanstalten Anteile zu erwerben und ihr Programm damit zu bereichern. Einem Ausbau der Anlage der Primaten stände nichts im Wege.

Auch im Bereich der Präventivjustiz wurden im Zusammenhang mit dem Gipfel Erfolge erzielt. Mutmaßliche Gewalttäter (so genannte Gesinnungstäter) wurden vorsichtshalber präventiv in Haft genommen und direkt im Anschluss auch die Form einer schnellen und billigen Sofortjustiz erfolgreich getestet.

Aber auch sonst hat Angela große Erfolge erzielt. So brachte sie die GROSSEN 8 dazu, das Versprechen zur Förderung der Entwicklungsländer mit Milliarden zu erneuern, unter der Bedingung, dass diese Länder sich für Investitionen öffnen (natürlich aus den Ländern der GROSSEN 8), um somit eine stufenweise Übernahme der afrikanischen Länder durch westliche Konzerne zu erleichtern. Letzteres soll allerdings nicht so deutlich zum Ausdruck gebracht worden sein.

Angela hat es endlich geschafft, George W. Bush davon zu überzeugen, den Kampf gegen den Klimawandel aufzunehmen. Allerdings hat sich Bush noch nicht näher dazu geäußert, welche Truppen er bei diesem Kampf einsetzen will. Aus der gleichen, unsicheren Quelle verlautet, das Gespräch zwischen Bush und Angela habe folgenden Verlauf genommen:

    "George, Du weißt, ich stehe immer an Deiner Seite, wenn ich nicht gerade zu deinen Füßen liege. Aber wenn ich Dir weiterhin dienlich sein soll, muss ich einen Erfolg in der Klimafrage vorweisen. Sieh mal, ich werde vorschlagen, dass die Frage zukünftig unter dem Dach der UN behandelt wird. Du, China und Russland sind im Sicherheitsrat der UN und damit habt ihr alle Möglichkeiten, durch Euer Veto Schritte zur Reduzierung der Umweltbelastung zu verhindern. Du kennst doch die Prozedur, die Ihr seit so vielen Jahren erfolgreich praktiziert. Was bereitet Dir denn dabei Sorgen? Und ich kann das dann als Erfolg verkaufen und damit Wählerstimmen einheimsen, für den Fall, dass die Koalition vorzeitig auseinander bricht. Du weißt doch, der Weg zum Weltimperator ist lang und steinig und man muss dem Volk schon ein paar Brosamen bieten, will man es ruhig halten. Du musst Dich eben noch ein wenig gedulden."
    George soll geantwortet haben: "Angela, Du hast ja Recht. OK. Ich werde mein Einverständnis geben, wenn alles andere dazu offen bleibt."
Trotzdem ist ihm seine Zusage oder die Aussicht, noch weiter auf den Titel des Imperators warten zu müssen, auf den Magen geschlagen. Schließlich hat er doch ausdrücklich verboten, dass sich das Klima wandelt.

Auch im Bereich der Globalisierung war Angela erfolgreich. Man will der Globalisierung ein menschliches Gesicht geben und international die sozialen Standards weiter entwickeln. Hier haben die USA und Europa bereits gute Fortschritte gemacht. Die Aufteilung der Bevölkerungen nach brauchbar und unnütz schreitet zügig voran. Damit dürfte dem Problem, afrikanische Staaten auf westliche Standards anzugleichen, ebenfalls erheblich schneller Erfolg beschieden sein.

Angela hatte sich für den Gipfel nichts vorgenommen und das hat sie in allen Fragen voll erreicht. Was für eine großartige Politikerin.
Zum Schluss noch eine Anmerkung. Ohne Volk gäbe es keinen Bedarf an Politik. Nur aus diesem Grund wird das Volk noch geduldet. Aber es muss ja nicht so viel Volk wie heute sein.