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Erstelldatum: 11.03.2008

Ergebnis und Betrachtung Hessenwahl 2008

Die Wahl zum Landtag 2008 in Hessen ist vorbei. Nun ja, vorläufig zumindest. Ein kleines Problem gibt es nämlich, die Linke. Es ist allerdings nur ein Problem aus Sicht der zuvor im Landtag vertretenen Parteien. Die Zeit der klaren Mehrheitsverhältnisse ist nämlich vorbei. Zwar würden SPD, CDU, FDP und Grüne die Linke gerne ignorieren und die SPD hat das vor den Wahlen auch großspurig angekündigt. Doch nun sind die Wahlen gelaufen und siehe da, man kann die Linke nicht einfach ignorieren, denn dann bekommt man keine Regierung zusammen.

ParteiAnzahl der Sitze im Hessischen Landtag 2008
insgesamtdavonGewinn/Verlust zu 2003
in den
Wahl-
Kreisen
aus der
Landes-
Liste
insge-
samt
davon
in den
Wahl-
kreisen
aus der
Landes-
liste
CDU
42
28
14
-14
-25
11
SPD
42
27
15
9
25
-16
GRÜNE
9
0
9
-3
0
-3
FDP
11
0
11
2
0
2
DIE LINKE
6
0
6
6
0
6
Summe
110
55
55
0
0
0

Was macht Ihr bloß, Ihr Linken? Ihr bringt die ganze heile Welt der Mehrheitsbeschaffung durcheinander. Da haben nun SPD und CDU in Hessen gleich viele Sitze ergattert, nämlich 42. Die CDU hat Sitze verloren, die SPD welche hinzugewonnen, aber wie üblich sind beide Wahlsieger, zumindest ihren Verlautbarungen nach. Natürlich ist auch die FDP Wahlsieger, hat sie doch 2 Sitze hinzugewonnen. Die Grünen sind da schon ein wenig kleinlauter, denn sie haben 3 Sitze eingebüßt

Aber schauen wir einmal ein wenig genauer hin. Gegenüber dem Wahljahr 2003 hat die CDU insgesamt 14 Sitze verloren. Das sind immerhin 12,73% von den 110 zu verteilen Landtagssitzen. Die FDP hat 2 Sitze hinzugewonnen, dafür mussten die Grünen 3 Sitze abgeben. Die SPD hat insgesamt 9 Sitze hinzugewonnen. Machen wir nun eine Gewinn- und Verlustrechnung, hat das übliche Bündnis CDU/FDP 12 Sitze abgeben müssen, das Bündnis SPD/Grüne aber nur 6 Sitze hinzugewonnen. Die Differenz, 6 Sitze, haben die Linken einkassiert.

Daraus lässt sich eine politische Aussage formulieren: "Weg mit der CDU und Koch aus der Regierung." Nun hat sich das Bündnis SPD und Grüne ja 6 Stimmen von den Verlusten des Bündnisses CDU/FDP geholt und die anderen Stimmen haben sich die Linken geholt. Aber so einfach ist das auch nicht, denn dass Wähler von CDU oder FDP nun zur Linken wechseln, ist ziemlich unwahrscheinlich. Da muss man schon mal einen Blick auf die effektiven Zahlen werfen.

Art der AngabeLandesstimmen
20082003Veränderung zu 2003
Anzahl
%
Anzahl
%
Anzahl
%-Pkte.
Wahlberechtigte
4 370 463
-
4 330 792
-
39 671
-
Wähler
2 811 073
-
2 798 534
-
12 539
-
Wahlbeteiligung
-
64,3
-
64,6
-
-0,3
Ungültige Stimmen
68 114
2,4
63 542
2,3
4 572
0,1
Gültige Stimmen
2 742 959
97,6
2 734 992
97,7
7 967
-0,1
davon entfielen auf
CDU
1 009 775
36,8
1 333 863
48,8
-324 088
-12,0
SPD
1 006 264
36,7
795 576
29,1
210 688
7,6
GRÜNE
206 610
7,5
276 276
10,1
-69 666
-2,6
FDP
258 550
9,4
216 110
7,9
42 440
1,5
DIE LINKE
140 769
5,1
-
-
-
-

Halten wir fest: Die Wahlbeteiligung hat erneut gegenüber der letzten Wahl abgenommen, wenn auch nur minimal. Die CDU hatte 2003 mit 48,77% (1.333.863) der gültigen Stimmen, die absolute Mehrheit erreicht. 2008 bekam sie nur 36,81% (1.009.775) der gültigen Stimmen, das sind, gemessen an den gültigen Stimmen 11,96% weniger. Doch gemessen an den realen Zahlen hat sie nur noch 75,7% der Stimmen von 2003 bekommen, also 24,3% der hessischen CDU-Wähler (von 2003) haben die CDU wieder gewählt. Das bezeichne ich schon als gewaltigen Einbruch, ein aus meiner Sicht sehr erfreulicher Einbruch.

Kommen wir nun zur SPD. Sie hat mit 1.006.264 Stimmen noch immer 3.511 Stimmen weniger als die CDU erhalten, aber gegenüber dem Jahr 2003 mit 795.576 Stimmen einen realen Zuwachs von 210.688 Stimmen, oder, gemessen an den gültigen Stimmen einen Zuwachs von 7,65% erreicht. Gemessen an den Stimmen 2003 hat die SPD real 26.48% Stimmen hinzugewonnen.

Die Grünen haben 2003 mit 276.276 Stimmen ein um 69.666 Stimmen oder 7,51% besseres Ergebnis als 2008 erzielt. Real haben die Grünen mit einem Stimmenverlust von 26,22% gegenüber 2003 eine noch stärkere Einbuße (statistisch gesehen) als die CDU hinnehmen müssen. Real gesehen hat die CDU aber mehr Stimmen eingebüßt, als die Grünen insgesamt bekommen haben (doch das nur nebenbei).

Bliebe noch die FDP. Sie hat (mir unverständlich) 42.440 Stimmen gegenüber 2003 hinzugewonnen und hat damit insgesamt 258.550 Stimmen oder 9,39% der gültigen Wählerstimmen erhalten. Rechnerisch ist das ein reales Plus von 19,64%, gemessen an der Zahl von 2003.

Die Linken, die keiner will, haben natürlich einen Gewinn von 100% bekommen, denn 2003 waren sie noch nicht angetreten, weil es sie noch nicht gab.

Die nun folgende Aussage ist eine reine Spekulation von mir. Die Stimmenverluste der CDU betrugen 324.088 Stimmen, Davon dürften 42.440 Stimmen an die FDP gegangen sein. Verbleiben 281.648 Verluststimmen aus dem schwarz-gelben Lager. Die SPD hat einen Zuwachs von 210.688 Stimmen zu verzeichnen. Die Grünen haben aber 69.666 Stimmen verloren. Unterstellen wir einmal, dass diese Verluststimmen der Grünen an die SPD gegangen sind, muss ich dem rot-grünen Lager einen Stimmengewinn von 141.002 Stimmen zubilligen. Aber der Verlust des schwarz-gelben Lagers betrug 281.648 Stimmen. Zieh ich die Gewinne des rot-grünen Lagers davon ab, bleiben 140.646 Stimmen übrig. Dann muss man rekapitulieren, dass die SPD prinzipiell auch Stimmen an die Linke verloren hat, was nur deshalb nicht zum Tragen kam, weil CDU-Wähler die SPD gewählt haben. Ich konstatiere deshalb, dass die SPD 140.000 Stimmen an die Linken verloren hat und glaube, dass die SPD das auch weiß.

Aber das Ergebnis in Hessen macht wie kein anderes deutlich, was die Politik wirklich ist. "Ein Zirkus!" Jetzt werden Saltos rückwärts geschlagen, Pirouetten gedreht und hinter den Kulissen gesägt und gebohrt (a den Stühlen der besser Platzierten). Da überschlägt sich die Presse, besonders BILD über "die ehrlichste Politikerin Deutschlands", über Dagmar Metzger. Sie, die Juristin aus Darmstadt, ist scheinbar neu im Politgeschäft, zumindest was den Landtag betrifft. Nicht so auf kommunaler Ebene und was die Familie (angeheiratet) betrifft. Dort ist sie Mitglied eines mächtigen Polit-Clans und ihr Schwiegervater einer der Mitbegründer des Seeheimer Kreises der SPD. Warum die SPD eine eigene CDU unterhält (das ist der Seeheimer Kreis aus meiner Sicht), entzieht sich meiner Kenntnis. Vorher war sie nur auf kommunaler Ebene tätig, hat nun aber nach mehrmaligem Anlauf ein Mandat im Landtag ergattert. Meine Meinung zu dem Scharmützel ist, man wartet nicht, bis die Suppe richtig hochgekocht ist, um dann der Presse zu verkünden, ich bin zu ehrlich, um eine Tolerierung der SPD bei der Regierungsbildung durch die Linke zu akzeptieren. Das macht man der Führungsspitze der Hessenfraktion hinter verschlossenen Türen klar, weil eine Juristin eigentlich wissen müsste, welcher Presserummel damit erzeugt wird. Als überzeugte Anhängerin der SPD wäre das der einzige faire Weg gewesen. Als Satire könnte man Ypsilanti als Cäsar darstellen, die mit brechendem Auge und versagender Stimme ausruft: "Auch Du, meine Tochter Dagmar?"

Nun, wie schreibt die Welt? Dagmar Metzger bleibt ihrer Linie treu. Sie will ihr Mandat nicht niederlegen. Verständlich, denn sonst wäre ja der ganze Aufruhr umsonst gewesen. Aber so? Neu im Länderparlament und gleich so viel, dazu noch positive Presse? Was kann man sich Besseres wünschen?

Doch schauen wir nun, wer denn nun im Landtag Hessen so alles vertreten ist:

Lfd. Nr.Name, VornamePartei
1Al-Wazir, Tarek GRÜNE
2Apel, Elisabeth CDU
3Arnold, Walter Dr.CDU
4Banzer, Jürgen CDU
5Bartelt, Ralf-Norbert Dr.CDU
6Bauer, Alexander CDU
7Beer, Nicola FDP
8Bellino, Holger CDU
9Beuth, Peter CDU
10Blum, Leif FDP
11Boddenberg, Michael CDU
12Bouffier, Volker CDU
13Cárdenas Alfonso, Barbara DIE LINKE
14Decker, Wolfgang SPD
15Degen, Christoph SPD
16Dietzel, Wilhelm CDU
17Eckhardt, Hannelore SPD
18Everts, Carmen Dr.SPD
19Faeser, Nancy SPD
20Frankenberger, Uwe SPD
21Franz, Dieter SPD
22Fuhrmann, Petra SPD
23Gerling, Alfons CDU
24Gnadl, Lisa SPD
25Gotthardt, Frank CDU
26Gottschalck, Ulrike SPD
27Greilich, Wolfgang FDP
28Grumbach, Gernot SPD
29Grüttner, Stefan CDU
30Görig, Manfred SPD
31Habermann, Heike SPD
32Hahn, Jörg-Uwe FDP
33Hammann, Ursula GRÜNE
34Hartmann, Karin SPD
35Heidel, Heinrich FDP
36Henzler, Dorothea FDP
37Herr, Norbert Dr.CDU
38Hoff, Volker CDU
39Hofmann, Heike SPD
40Hofmeyer, Brigitte SPD
41Honka, Hartmut CDU
42Hölldobler-Heumüller, Margaretha GRÜNE
43Irmer, Hans-Jürgen CDU
44Jürgens, Andreas Dr.GRÜNE
45Kahl, Reinhard SPD
46Kartmann, Norbert CDU
47Kaufmann, Frank-Peter GRÜNE
48Klee, Horst CDU
49Klein, Hugo CDU
50Koch, Patrick SPD
51Koch , Roland CDU
52Krüger, Fritz-Wilhelm FDP
53Kühne-Hörmann, Eva CDU
54Künholz, Elke SPD
55Lannert, Judith CDU
56Lautenschläger, Silke CDU
57Lenders, Jürgen FDP
58Lenz, Aloys CDU
59Lortz, Frank CDU
60Lotz, Heinz SPD
61Lübcke, Walter Dr.CDU
62Meixner-Römer, Renate SPD
63Merz, Gerhard SPD
64Metzger, Dagmar SPD
65Milde, Gottfried CDU
66Möller, Klaus Peter CDU
67Müller, Rolf Dr.CDU
68Müller, Regine SPD
69Müller-Klepper, Petra CDU
70Osterburg, Gudrun CDU
71Paris, Michael SPD
72Pauly-Bender, Judith Dr.SPD
73Peuser, Helmut CDU
74Pfaff, Hildegard SPD
75Posch, Dieter FDP
76Quanz, Lothar SPD
77Reif, Clemens CDU
78Rentsch, Florian FDP
79Reuter, Michael Dr.SPD
80Rock, René FDP
81Roth, Ernst-Ewald SPD
82Rudolph, Günter SPD
83Schaus, Hermann DIE LINKE
84Schmitt, Norbert SPD
85Scholz, Angelika CDU
86Schott, Mariana DIE LINKE
87Schulz-Asche, Kordula GRÜNE
88Schäfer-Gümbel, Thorsten SPD
89Siebel, Michael SPD
90Sorge, Sarah GRÜNE
91Spies, Thomas Dr.SPD
92Stephan, Peter CDU
93Tesch, Silke SPD
94Utter, Tobias CDU
95Wagner, Christean Dr.CDU
96Wagner, Mathias GRÜNE
97Walter, Jürgen SPD
98Warnecke, Torsten SPD
99Waschke, Sabine SPD
100Weimar, Karlheinz CDU
101Weinmeister, Mark CDU
102Weiß, Marius SPD
103Wilken, Ulrich Dr.DIE LINKE
104Wintermeyer, Axel CDU
105Wißler, Janine DIE LINKE
106Wolff, Karin CDU
107Ypsilanti, Andrea SPD
108Yüksel, Turgut SPD
109van Ooyen, Willi DIE LINKE
110Öztürk, Mürvet GRÜNE