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Gen-Mais MON 810

Eine der ersten Amtshandlungen des "Verbraucherschutzministers" Seehofer war die unbeschränkte Zulassung der gentechnisch (Bio-Tech oder kurz BT) veränderten Maissorte MON 810. MON 810 enthält eine synthetisches Gen, ein BT-Toxin, welches die DNA (Erbgutinformationen) verändert. Warum Seehofer Verbraucherschutzminister heißt, ist mir ein Rätsel, denn mit solchen Bewilligungen liefert er den Verbraucher und die Landwirte ans Messer.

Noch im August berichtete die TAZ, dass die US-Firma Monsanto (Hersteller von MON 810) auf dem Klagewege die Zulassung für den Anbau von MON 810 gegen die BRD erwirken will, wogegen sich die damalige Rot/Grüne Regierung bisher erfolgreich gewehrt hat. Jetzt will Seehofer dieses Saatgut zum unbeschränkten Anbau zulassen. In einem Artikel vom 28.02. 2006 berichtet die TAZ von einem Genkrieg Monsantos gegen Argentinien.

Mais gilt als "auskreuzungsfreudig", was bedeutet, dass es über Wind und Insekten auch auf Felder gelangt, die mit natürlichem Anbau betrieben werden. Der Gen-Mais MON 810 enthält aber ein artfremdes, synthetisches Gen, welches in Form eines BT-Toxin den Gen-Mais vor dem Schädling Maiszünsler schützen soll. Der Maiszünsler tritt vor allem in Monokulturen auf und sorgt für Schäden beim Ertrag von ca. 3 bis 6 %. Allerdings bestehen erhebliche Bedenken, dass dieses BT-Toxin nicht nur gezielt den Maiszünsler bekämpft, sondern auch andere Insekten, die teilweise nicht nur nützlich, sondern sogar dringend erforderlich sind.

Auch die Mehrheit unserer Landwirte, sowohl Bio-Bauern als auch konventionelle Landwirtschaft stehen dem Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen skeptisch bis abwehrend gegenüber. Dabei sind durchaus auch wirtschaftliche Interessen im Spiel. Gentechnisch veränderte Pflanzen sind patentierte Pflanzen. Das bedeutet, dass das selbst erzeugte Saatgut, gewonnen aus einer Ernte, lizenzpflichtig ist, also dafür Gebühren an Monsanto anfallen. Jeder Bauer verwendet einen Teil des Ertrages für die nächste oder übernächste Saat. Bei Erträgen aus gentechnisch manipulierten Pflanzen muss er dennoch zahlen, an Monsanto. Im Falle von MON 810 hat Monsanto die Patente und wendet in den USA, in Kanada und einigen südamerikanischen Ländern Methoden an, die sich von denen der Stasi nicht unterscheiden. Monsanto schleppt dort Bauern vor Gericht und fordert Lizenzgebühren. Monsanto setzt extra Kontrolleure als Feldspione ein, die die Felder durchstreifen und hat eine Hotline eingerichtet, auf welcher Nachbarn "verdächtige Ereignisse" anzeigen können. In Argentinien will man ein Gesetz durchbringen, welches der Firma die Eintreibung von Lizenzgebühren ermöglichen soll. Die Stasi lässt grüßen. Es ist unvermeidlich, dass Wind und Insekten für eine Ausbreitung (Auskreuzung) von Saatgut sorgen. So gelangt Samen auf Felder von Bauern, die mit Gentechnik nichts am Hut haben, sie sogar ablehnen. Doch diese natürliche Verbreitung von Saatgut ist nicht zu verhindern und nicht kontrollierbar. Die Haftung hierfür zu übernehmen, hat sich Monsanto bisher beharrlich geweigert. Über die Machenschaften von Monsanto kann man bei TELEPOLIS mehr nachlesen.

Es gibt Gesetze, wie man mit Gentechnik umgehen sollte. Da gibt es das Verbraucherinformationsgesetz (VIG), von Seehofer im Zusammenhang mit dem Fleischskandal überarbeitet. Dort sind auch die Informationspflichten für die Hersteller von genmanipuliertem Saatgut definiert. Dieses Gesetz gehört in ein Witzblatt, denn es ist ein Verbraucherinformationsverhinderungsgesetz. Der Paragraph 28a im VIG legt grundsätzlich fest, dass die Bürger über illegale Gen-Verunreinigungen und andere Gentech-Gefahren informiert werden müssen - und schränkt im Folgenden diese Auskunftspflicht gleich wieder ein: Die Auskunftspflicht ist demnach unter anderem dann aufgehoben, wenn

  1. die Vertraulichkeit der Beratung von Behörden" gefährdet sei
  2. geistige Eigentumsrechte beziehungsweise "wettbewerbsrelevante Informationen von Unternehmen" berührt sind oder
  3. wenn in der Sache bereits ein Gerichtsverfahren - oder auch bloß ein Ermittlungs-, Disziplinar- oder ordnungsrechtliches Verfahren - eingeleitet wurde.

Kennzeichnung der EU:
Zusatzstoffe, die in geschlossenen Systemen mit Hilfe von gentechnisch veränderten Mikroorganismen hergestellt werden, sind nicht zu kennzeichnen. Voraussetzung ist, dass der jeweilige Zusatzstoff aufgereinigt wird und keine Mikroorganismen enthält.

Erhalten die verwendeten Mikroorganismen Nährstoffe (Substrate) aus gentechnisch veränderten Pflanzen, bleibt der Zusatzstoff ohne Kennzeichnung.

So kann man lesen, dass Seehofer zusätzlich die Haftungsregelungen für gentechnisch veränderte Pflanzen (GVP) lockern will, was darauf hinaus läuft, dass er die alten Regelungen der EU, die jetzt auslaufen und aufgrund massiver Proteste der Bevölkerung und zahlreicher Verbände neu überarbeitet werden sollen, bei uns festschreiben, ja sogar darüber hinausgehen will. Das könnte dazu führen, dass die Machenschaften von Monsanto auch bald hier in Deutschland praktiziert werden. Dazu gibt es eine Pressemitteilung des BÖLW (Bund für Ökologische Lebensmittelwirtschaft).
Seltsam, dass die Versicherungsbrache weltweit nicht bereit ist, die Risiken aus gentechnisch manipulierten Pflanzen abzusichern. Sie sind wohl klüger als Minister Seehofer. Oder kann es sein, dass Angela Merkel bei ihrem Besuch in den USA von Bush Verhaltensmaßregeln bekommen hat, was sie und ihre Regierung zu tun und zu lassen haben?

Das alles sind die direkten Auswirkungen und Bedenken. Doch das ist nur der geringste Teil der Sorge. Es gibt bisher keinerlei Langzeitstudien, welche Auswirkungen der Verzehr von gentechnisch veränderten Lebens- und Futtermitteln auf Mensch und Tier hat. Die meisten wissenschaftlichen Erkenntnisse stammen aus den Labors der Hersteller. Wie es um die Informationspolitik der großen Pharma-Konzerne bestellt ist, weiß man. Nichts, was die Vermarktung behindern könnte, gelangt an die Öffentlichkeit, es sei denn, durch eine Panne oder eine bewusste Indiskretion eines Einzelnen. Die wenigen Erkenntnisse anderer Wissenschaftler sind durchweg von skeptisch bis negativ zu bewerten. Tatsache ist, dass bei regelmäßigem Verzehr gentechnisch veränderter Pflanzen Fragmente der DNA im Blut nachzuweisen sind. Doch das ist nichts besonderes, denn das funktioniert bei natürlichen Pflanzen auch. Nur haben natürliche Pflanzen auch natürliche DNA, gentechnisch veränderte Pflanzen verfügen aber über "synthetische, also künstlich geschaffene Gene", wie bei MON 810 das BT-Toxin. Das Shaare Zedek Medical Center in Jerusalem hat nachgewiesen, dass Nahrungs-DNA Wirkung auf unser Immunsystem haben kann. Welche Wirkung mögen synthetische DNA auf unser Immunsystem haben?

Gleichgültig, wie man zur Gentechnik steht, eines müsste selbst die Befürworter abschrecken. Das Patentverfahren und die Vergabe von Lizenzen für genmanipulierte Pflanzen und Tiere in Verbindung mit der natürlichen Auskreuzung machen die wenigen Konzerne wie Monsanto, Bayer Crop Science, Dow AgroSciences, Pionier Hi-Bred oder Cargill zu Kontrolleuren der Nahrungsmittelverteilung und haben damit die unmittelbare Kontrolle über ganze Völker. Dies geschieht mit Zustimmung der US-Regierung und bietet Möglichkeiten der Kontrolle, wie sie im Strategie-Papier NSSM 200 von Kissinger bereits aufgeführt wurden.

Der ehemalige Umweltminister von Großbritannien Michael Meacher übte heftige Kritik in Interviews:
Aber zu glauben, dass sich mit genmanipulierten Pflanzen der Hunger besiegen ließe ist lächerlich. Es ist empörend, dass Monsanto seine bösartige kommerzielle Gier jetzt hinter der Maske des Wohltäters verstecken will. Der Welthunger ist denen doch vollkommen egal, sie wollen nur ihre Produkte in der Dritten Welt verkaufen... Die Menschen misstrauen den Wissenschaftlern, aber noch mehr den Politikern. Außerdem hassen sie Monsanto und George W. Bush und haben den Eindruck, dass die Amerikaner dem Rest der Welt den Anbau von genmanipulierten Pflanzen aufoktroyieren wollen.

Meine Befürchtung geht noch weit darüber hinaus. Mit der Verbreitung von genmanipulierten Pflanzen, der Genmanipulation an Tieren kann die US-Regierung mit Hilfe der Konzerne bestimmen, wo und wann ein Land durch Hunger dezimiert werden soll (NSSM 200) und damit verhindern, dass Länder mit für die USA erforderlichen Ressourcen (Öl, Metalle etc.) die Ausbeutung dieser Vorkommen nicht selbst verbraucht, sondern weiterhin für die USA und die westlichen Länder betreibt. Es wird nicht mehr lange dauern, bis die Gen-Konzerne ihre Produkte mit dem so genannten Terminator Gen ausstatten, welches in der Keimphase einer Pflanze aktiv wird. Dann kann ein Bauer aus seinen Feldern kein Saatgut mehr gewinnen, muss es also kaufen. In der Selbstdarstellung der Konzerne hört sich das natürlich anders an. Dort wird das Terminator Gen als Fortschritt bezeichnet, weil es die unkontrollierbare Auskreuzung verhindert. Alle großen mit der Gentechnik befassten Konzerne werden hoch und heilig beteuern, dass die Änderungen der Gene keine anderen Auswirkungen auf andere Pflanzen, Tiere oder Menschen haben, als die beabsichtigten. Aber eine Garantie übernehmen wird keiner der Konzerne. Eine Rückrufaktion wie bei einem fehlerhaften Auto gibt es dabei nicht. Einmal ausgebracht, ist das unwiderruflich, auch bei negativen Folgen. Die Katastrophe dabei ist, dass die Deklarationspflicht über Genmanipulierte Inhaltsstoffe so miserabel ist, dass Produkte, die Teilmengen genmanipulierter Inhalte haben, diese schon nicht mehr ausweisen müssen. Ein Beispiel: Werden BT-Maiskolben angeboten, müssen sie gekennzeichnet werden. Das gilt auch für Mais in Dosen, wenn er aus BT-Anbau stammt. Sind in den Dosen aber auch noch Erbsen und Möhren (Mischgemüse), gilt keine Deklarationspflicht mehr. Auf diese Art nehmen die Verbraucher über Fast Food Produkte und Produkten aus der Lebensmittelindustrie (Fertig-Gerichte und vieles mehr) bereits permanent zu sich, ohne es zu wissen. So stammt der größte Teil der Soja-Produktion bereits aus BT-Anbau.

Den Führungsanspruch der USA hat Bush bereits verkündet. Durchsetzen will er ihn nicht nur mit Bomben, sondern auch mit der Gentechnik. Aber das haben viele noch nicht begriffen.

Wie heute (08.02.2006) in der FAZ zu lesen ist, war die Klage der USA und Kanadas bei der WTO gegen die EU erfolgreich. Wen wundert es. Die WTO ist eine Handelsorganisation und in den USA und in Kanada wird gegen alle wissenschaftlichen Bedenken genmanipulierter Anbau betrieben, was das Zeug hält. Im Gegensatz dazu lehnen in der EU über zwei Drittel der Bürger die Genmanipulation ab. In Österreich und Ungarn ist der Anbau genmanipulierter Pflanzen generell verboten. Eigentlich sollte man sagen, dass eine Ablehnung von mehr als zwei Dritteln eine Mehrheitsentscheidung ist, der die Politik nach demokratischem Muster Folge leisten müsste. Aber bei diesem Thema ticken die Uhren anders. Ich habe an Seehofer geschrieben (Schreiben an Seehofer) und erstaunlicher Weise sogar eine Antwort bekommen. Das Antwortschreiben (3 Seiten als gescannte Dateien finden Sie hier: Antwortschreiben. Daraus wir deutlich, dass bei Profitinteressen und dem Willen der USA (siehe WTO) Demokratie keine Rolle spielt.

Greenpeace hat eine Aktion gestartet, in welcher jeder Verbraucher Seehofer schreiben kann. Ich meine, an dieser Aktion sollten sich möglichst viele Verbraucher beteiligen. Hier der Link auf die Greenpeace Seite: http://de.einkaufsnetz.org/gentechnik/21071_2.html