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Erstelldatum: 08.10.2006

Freiheit

Ein Gästebucheintrag hat mich zu diesen Überlegungen inspiriert. Unter dem Namen Fred Sky schrieb ein Leser:

    Sehr geehrter Herr Flegelskamp,
    ich schätze Sie als sehr intelligenten und fleißigen Menschen, der gedanklich aber in einer Kiste sitzt, die das bisherige Leben um ihn gezimmert hat. Da kommt man nicht so schnell raus, wenn überhaupt! Keinesfalls reicht ein Urlaub von einer Woche, nach drei Wochen Abstand vom Thema beginnt erst der Geist nach Neuem zu streben und hält Rückschau und bewertet. Damit man aber das unsinnige "Hamsterrad" nicht erkennt, wird der Urlaub oft kürzer verordnet. Nach dem "Kettenhundsyndrom" macht der Mensch das, was auch der Hund macht, immer an der Kette im Kreis herum, auch wenn man ihm die Kette wegnimmt. Anders ist es nicht zu erklären, dass sich Arbeitslose über den Verlust ihrer Arbeit beklagen, nicht über den Verlust ihres Einkommens! Sie wollen arbeiten, selbst für einen Euro (alles andere zahlen sie ggf. nach 35 zurück). Wer über den Kindergarten, die Schule, die Lehre und den Beruf ständig gesagt bekommt, was er machen soll, ist nicht mehr in der Lage, mit seiner Freiheit etwas anzufangen - und das ist gewollt! Dabei ist die Freiheit über alles zu setzen, da hat Frau Merkel schon recht, nicht das Geld, dem die Masse in Wahrheit nachläuft (und von Arbeit spricht).

    "Die Dinge sind dazu da, dass man sie benutzt, um das Leben zu gewinnen, und nicht, dass man das Leben benutzt, um die Dinge zu gewinnen."
    (Laotse)

Was ich jetzt schreib, soll keine Verteidigung sein, denn es stimmt, was dort geschrieben steht. Freiheit, ein oft genutztes Wort, aber den meisten Menschen ist der Sinn des Wortes Freiheit wohl abhanden gekommen.

Was ist Freiheit überhaupt? Ist es Freiheit, dass man seine Meinung (fast) frei äußern kann? Ist man frei, wenn man Arbeit und ein geregeltes Einkommen hat, um "sorgenfrei" leben zu können? Ist man frei, wenn man genug Geld hat, um tun und lassen zu können, was man will? Sind Politiker, die Reichen und Superreichen frei?

All diese Fragen möchte ich verneinen. Will man wirkliche Freiheit kennen lernen, müsste man wohl einen Unfall haben, der einem das Gedächtnis völlig raubt und anschließend in einem Dorf im tiefsten Dschungel des Amazonas wieder aufwachen und dort Freiheit lernen, denn ich glaube, dass die Menschen dort oder die Buschmänner in der Kalahari den optimalsten Traum von Freiheit leben, ohne wirklich gänzlich frei zu sein.

Alle Menschen, so glaube ich, sind Gefangene in einem unsichtbaren Käfig. Ein großer Teil des Käfigs ist selbst gezimmert, ein weiterer Teil wird vom Umfeld hinzugefügt. In unserer Zivilisation wird Arbeit als der Sinn des Lebens betrachtet. Schon die Religion stellt Arbeit als Pflicht und Aufgabe jeden Einzelnen hin, Aber stimmt das? Arbeit ist seit jeher Bestand unseres Lebens. Wir haben unverzichtbare Bedürfnisse und leben in einer Gemeinschaft. Damit fällt Arbeit an, um diesen Bedürfnisse gerecht zu werden. Als Gemeinschaftswesen haben wir eine Spezialisierung für die Befriedigung der Bedürfnisse vorgenommen. Die einen haben sich darauf spezialisiert, Nahrung zu beschaffen und/oder sie für den Verzehr entsprechend aufzubereiten. Andere sind darauf spezialisiert, für unser Schutzbedürfnis Unterkünfte zu erstellen. Wieder andere sind darauf spezialisiert, unser Bedürfnis nach Kleidung zu befriedigen. Alles was darüber hinausgeht, ist eine Einschränkung der Freiheit, selbst oder von der Gemeinschaft auferlegt.

Das, was wir Zivilisation nennen und sich in Tausenden von Jahren entwickelt hat, war ein Weg in selbst gewählte Knechtschaft. Etwas, was sich der Mensch im Laufe der Entwicklung als Zwang auferlegte, war das Image, Image ist wichtig, es ist das, was wir vorgeben zu sein, auch wenn es nur selten der Wirklichkeit standhält. Um unser Image aufrecht zu erhalten, haben wir uns zusätzliche Bedürfnisse auferlegt, ob es nun das Auto, die Wohnung, das Handy oder die Kleidung ist. Blickt man 65 Jahre zurück, sieht man eine unmenschliche Diktatur und einen ebenso unmenschlichen Krieg. Nachdenklich stimmen sollte der Umstand, dass die Menschen in diesem Lande damals freier als heute waren. Die Bedürfnisse waren auf ein Minimum eingeschränkt. Es gab keine Luxusgüter, keine Mode, kein Fernsehen. Aber die Mensche redeten miteinander. Nachbarschaft bedeutete noch etwas. Die Menschen suchten die Nähe der anderen. Zwar war man immer auf dem Sprung, beim Erklingen der Sirenen in die Bunker zu eilen. Angst war zur Gewohnheit geworden, nichts, worüber man ständig reden musste. Hatte irgendwer einen selbst gebrannten Schnaps fertig, dann traf man sich und feierte. Das Wenige, das man hatte, wurde dann geteilt. Man sang, war fröhlich, genoss die Gemeinsamkeit. Hatte es jemanden aus der Nachbarschaft erwischt, war die Trauer echt. Das Leben war auf die Gegenwart reduziert. Natürlich gab es auch damals Menschen, die auf ihr Image bedacht waren, aber einer Mehrheit war die Nähe und die Verbundenheit mit anderen wichtiger. Man war aufeinander angewiesen und fand das selbstverständlich.

Betrachten wir die Gegenwart. Am Morgen und am Abend rollen Blechlawinen über unsere Straßen. Der Grund? Man fährt zur Arbeit oder wieder nachhause. 8 und mehr Stunden hat man damit verbracht, seine Brötchen zu verdienen. Seine Brötchen? die machen nur noch einen kleinen Teil des Einkommens aus, für das man sich abrackert. Die Nähe zu anderen sucht heute keiner mehr. Man hat ja sein Handy und kann den anderen anrufen. Nachbarschaft? Die ist fast ausgestorben. Gewiss, man hat Nachbarn und grüßt sie oder tauscht sogar man ein paar banale Nichtigkeiten miteinander aus, wenn man sie trifft. Aber damit hat es sich meist erledigt. Dann zieht man sich in seine 4 Wände zurück und widmet sich dem wahren Freund, dem Fernseher. Jetzt muss man nicht mehr auf sein Image achten, denn die im Fernseher können ja nicht sehen, wie man sich in den Sessel fläzt. Jetzt ist die Zeit der Freiheit. Man lässt sich von den Nachrichten des Tages berieseln schaut sich einen trivialen Film an, der einem abseits der Realität den Kick vermittelt, den man im wirklichen Leben nicht mehr hat. Oder man schaut sich Tier- und Naturfilme an, oft, ohne allzu viel Gedanken darüber zu verschwenden, dass wir diese Tiere in immer stärkerem Maße ausrotten, Teils zum reinen Vergnügen, teils weil sie der Ausweitung unserer Bedürfnisse entgegenstehen. Ziemlich ungerührt nehmen wir die Zerstörung der Natur zur Kenntnis. Eine neue Landebahn für den Flughafen ist eben wichtig, damit Business noch schneller abgewickelt werden kann. Außerdem schafft es ja Arbeitsplätze. Die paar Demonstranten sieht man oftmals eher als Störenfriede denn als besorgte Menschen, denen die Zerstörung nicht völlig gleichgültig ist.

Arbeit zu haben, ist das Wichtigste. Da wird uns von der Politik, den Medien, der Kirche und der Wissenschaft permanent eingehämmert. Arbeit sichert uns den Lebensunterhalt, das, was wir zum Leben brauchen. Oder meinen, dass wir es brauchen, weil uns die Werbung das auch in die Schädel einbrennt. Es ist schon erstaunlich, was man alles kaufen kann, um frei zu sein. Das Auto, das Handy, das Parfüm und so manches mehr. Arbeit wird heute zu einem großen Teil von Maschinen verrichtet. Dennoch kommt es der Mehrheit nicht in den Sinn, vorhandene Arbeit so weit zu reduzieren, dass man sie auf alle verteilen kann. Das hängt wohl auch damit zusammen, dass es Verzicht bedeuten würde. Verzicht auf Dinge, die man eigentlich nicht benötigt, aber dennoch für unverzichtbar hält. Nur wenigen ist bewusst, dass sich dahinter eine Angst verbirgt, die Angst, was man mit der gewonnenen Zeit denn nun anfangen soll. Wir haben längst verlernt, Zeit sinnvoll zu verbringen. Ein Ausflug ins Phantasialand, eine aus Pappe und Plastik errichtete Scheinwelt ist für viele von uns toller, als ein Spaziergang in den nahe gelegenen Wald. Wenn wir wirklich mal wandern, dann auf ausgetretenen Wegen, die Schönheit um uns kaum beachtend. Es muss eine bestimmte Anzahl Kilometer abgerissen werden, damit es eine tolle Wanderung wird. Verweilen und staunen haben die meisten von uns verlernt. Eigentlich heißt es: "Arbeite, um zu leben", aber das wurde längst ins Gegenteil verkehrt. Wir leben, um zu arbeiten. Die, die ihre Arbeit verloren haben, werden misstrauisch betrachtet, weil sie uns unsere Arbeit nehmen könnten. Das macht es für die Interessierten leicht, Arbeitslose auszugrenzen.

Wer nun glaubt, den Reichen und Superreichen ginge es besser, der irrt. Ihr selbst errichtetes Gefängnis ist zwar luxuriöser, aber sie unterliegen wie alle selbst auferlegten Zwängen. Statt sich von den Zwängen zu befreien, werden sie kultiviert. Sein Vermögen zu schützen und zu vergrößern, ist harte Arbeit, vor allem heute. Es wird immer schwieriger, die Konkurrenz auszubooten und auszutricksen. Es wird immer schwieriger, mit Lug und Betrug an anderer Leute Geld zu kommen, wenigstens dann, wenn man es im großen Stil treibt. Aber es ist der Zwang da, so zu handeln, um die Machtfülle zu stärken. Ein Macht, die sie auch wieder nicht richtig anwenden zu wissen, weil ihnen Verantwortung fremd ist.

Im Grunde sind wir alle Sklaven. Ein weitgehend selbst gewählte Sklaverei. Schauen wir mal nur auf die breite Masse, auf die, die Arbeit haben und die, die ihre Arbeit verloren haben. Da gibt es die Gutverdienenden. Sie schauen ein wenig verächtlich auf alle herunter, die weniger verdienen als sie oder nicht so gebildet sind wie sie, Sie erwirtschaften sogar (im Verhältnis gesehen) kleine Überschüsse mit ihrem Einkommen und versuchen es, den "Großen" nachzumachen, indem sie Aktien kaufen oder sogar spekulieren. Sie sind sehr bedacht darauf, ihr Image zu pflegen, ein nicht ganz billiges Unterfangen. Man findet sie überwiegend in den Verwaltungen der großen Betriebe in dem Bereich, den man mittleres Management nennt. Sie sind wichtig, bzw. glauben, wichtig zu sein. Dafür verbringen sie täglich 10 bis 12 Stunden im Büro. Selbst in ihrer freien Zeit kreisen ihre Gedanken um ihre Arbeit, ein Reflex, mehr nicht. Sitzen diese Leute aus irgendwelchen Anlässen zusammen, bei einem Essen, einer gemeinsamen Veranstaltung, dann drehen sich ihre Gespräche in der Hauptsache um ihren Job. Welches Motiv dahinter steckt, Karrieresucht oder Imagepflege oder was auch immer, spielt keine Rolle. Sie leben nicht, sondern arbeiten nur.

Dann kommt die breite Masse, Angestellte, Arbeiter ("innen" für weiblich kann jeder selbst einsetzen), Verkäufer, Friseure, Bauarbeiter, Kanalarbeiter, kurz, was es so alles an Berufen gibt. Sie reißen ihre täglichen Arbeitsstunden ab, mehr oder weniger frustriert von dem, was sie machen. Die meisten sind froh, wenn sie wieder Feierabend haben. Aber daheim spielt sich auch nicht mehr viel ab. Das Leben spielt sich in starren Mechanismen ab. Leben? im Grunde ist es keins. Man existiert, mehr nicht.

Vergessen wir nicht die Staatsbediensteten. Überwiegend haben sie sich in einen engen, begrenzten Käfig begeben, als sie sich für eine Laufbahn als Beamter entschieden. Ihr Leben läuft in strengen geregelten Bahnen ab. Initiativer wird ihnen nicht nur nicht abverlangt, sondern ist sogar unerwünscht. Viele von ihnen machen ihren Job so, wie die meisten anderen in der freien Wirtschaft auch. Aber dort, wo sie eine scheinbare Macht besitzen, verändert sich ihr Verhalten. Typisches Beispiel ist die Mammutbehörde Bundesagentur für Arbeit. Eingeengt von Paragraphen und Dienstanweisungen haben sie in kleinen Teilen einen Ermessensspielraum und den verwenden zu viele, um ihre "Kunden" zu schikanieren. Der Begriff Kunde wird dabei in dem Sinne verstanden, wie er von der Polizei verwendet wird. Kunde ist bei der Polizei der Kriminelle und in den Augen der BA-Beamten scheinen die Kunden auch Kriminelle zu sein. Statt zu arbeiten, stehlen die Kunden ihnen die Zeit und sind oft auch noch aufmüpfig. Dass sie dafür bezahlt werden, ihre "Kunden" wie Menschen zu behandeln und wieder in Arbeit zu bringen, sehen sie ganz anders. Sie haben eine Dienstanweisung, nach welcher die Kunden in verschiedene Kundenarten aufgeteilt werden sollen und nur die Kundenart entscheidet über die Vermittlung oder Schikane. Auch Schikane ist Teil einer Dienstanweisung. Sinnlose Kontrollen von Menschen, für die man ohnehin nichts mehr tut, die falschen Leute in Niedriglohnjobs vermitteln (z. B. Erntehelfer) und weitere unsinnige Maßnahmen, verbunden mit dem Ermessensspielraum ergeben dann die Realität in den ARGEn.

Dann kommt noch der Bodensatz, Arbeitslose und andere Arme. Für die breite Mehrheit sind sie selber Schuld an ihrem Schicksal und man lässt es sie spüren. Vor allem sie werden in die Versklavung von oben gedrängt. Man erzieht sie zu echten Sklaven, die sich nicht mehr gegen ihr Schicksal wehren, die eine Arbeitsgelegenheit zum großen Teil schon als Geschenk des Himmels betrachten. Armut gebärt Armut. Ihre Kinder werden in einem Umfeld ohne Chancen groß, ein Umfeld, dem nur wenige zu entrinnen vermögen. Hier wird eine Zeitbombe gebaut, aber die Gesellschaft sieht das nicht. Sie ist in ihrem eingeengten Weltbild eingepfercht, unfähig, über den Tellerrand zu schauen. Unfähig, Folgen abzuwägen und noch unfähiger, Verantwortung zu übernehmen. Was auch passiert, Schuld haben immer die anderen.

Menschen leben in einem Gemeinwesen. Offensichtlich hat man aber vergessen, dass dieser Begriff nicht von gemein sondern von Gemeinschaft herrührt. Es gibt da eine Autowerbung. in welcher die Menschen Ballons um ihren Körper tragen, die sie von anderen abgrenzen soll. In dieser Werbung ist dann die gewonnene Freiheit, ein Leben ohne den Ballon im umworbenen Auto. Auch wenn der Anlass sinnverkehrt ist, hat diese Werbung etwas Wahres. Der Ballon versinnbildlicht die kleine Welt, in die wir uns abgekapselt haben, eine kleine Welt, deren Tristesse wir nicht mehr wahrnehmen.

Ich sagte es schon, wir leben in einer Welt, in der viele Arbeiten von Maschinen erledigt werden. Aber es gibt immer noch viele Dinge, die Menschen tun müssen. Würden wir unsere Ansprüche darauf erweitern, leben statt existieren zu wollen, könnten wir ohne Armut leben. Doch dazu müssten wir denken, statt in eingefahrenen Mechanismen zu reagieren. Wir müssten beginnen, über uns selbst nachzudenken, unsere Handlungen mal objektiv betrachten wollen, darüber nachdenken, was von all dem Kram, den wir als unverzichtbar ansehen, wir denn nun wirklich brauchen und in welchem Maße.

Arbeit wurde zum Sinn des Lebens erklärt. Welche Verschwendung. Arbeit ist die Verrichtung von Dingen, die getan werden müssen und man sollte sie als Gemeinschaftsaufgabe betrachten, an der alle beteiligt werden. Arbeit sollte als notwendiges Übel betrachtet werden, als etwas, das uns Zeit stiehlt, zu leben. Würde man die Arbeit gleichmäßig auf alle verteilen, kämen wir mit 20 Stunden Arbeitszeit in der Woche aus. Würden wir in der Freizeit nicht dem zwanghaften Bedürfnis nachgehen, spätestens um 20:00 Uhr das Pantoffelkino einzuschalten, um uns triviale Serien oder Action Triller, meist als Wiederholung, anzusehen, sondern stattdessen mit Nachbarn und mit den Kindern wieder echte Geselligkeit üben, hätten wir ein Stück Lebensqualität zurück gewonnen. Würden wir uns mit unseren Kindern zusammensetzen und Spiele spielen, würden unsere Kinder aus der Isolation befreit, in die wir sie treiben, weil wir ja nie Zeit haben. Ein alter Spruch sagt: "Müßiggang ist aller Laster Anfang." Welch ein Unsinn. Einfach bei schönem Wetter auf einer Wiese in zu liegen, in die Wolken oder den Himmels zu starren, dabei den Gedanken freien Lauf zu lassen, ist ein Stück Leben und kann die Phantasie ungemein beflügeln.

Arbeiten müssen verrichtet werden. Warum muss aber Arbeit bewertet werden nach dem Grad der Bildung, die man dafür benötigt? Es ist nun einmal so, dass die Intelligenz der Menschen unterschiedlich ist. Zumindest sehen wir es so, weil wir eine festgezurrte Meinung von Intelligenz haben. Wir werden mit Begriffen wie IQ (Intelligenz Quotient) darüber informiert, wie intelligent ein Mensch ist. Doch das ist eine sehr einseitige Betrachtung. Sie betrachtet nur den logischen Teil der menschlichen Intelligenz, mathematische Kenntnisse, räumliches Erfassen, abstrakte Zusammenhänge erkennen. Das ist zu einem großen Teil erworbene Intelligenz. Wer weiterführende Schulen besucht, anschließend studiert, trainiert diese Dinge bei den unterschiedlichsten Gelegenheiten, im Physikunterricht, in der Mathematik und Geometrie, in der Chemie, kurz gesagt, es ist Teil seiner Ausbildung. Wird er dann mit den Aufgaben der IQ-Messung konfrontiert, kann er diese Aufgaben viel leichter bewältigen, als der Arbeiter, der nach einem Volksschulabschluss ins Berufsleben eingestiegen ist. Das, was wir über den IQ wissen, bedeutet nichts. Intelligenz ist mehr. Ein Mensch mit einem hohen IQ kann im Leben dennoch scheitern, während ein anderer, der Schwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben hat, in entscheidenden Situationen immer richtig handelt. Das ist der Teil der Intelligenz, der nicht gemessen wird, die mentale, emotionale Intelligenz.

Da ist die viel genannte Friseuse, von den meisten ein wenig verachtet, denn gemeinhin ist sie ja dumm, sonst wäre sie nicht Friseuse. Welche Arroganz. Da setzt sich der Geschäftsmann auf den Stuhl, erklärt ihr, wie seine Frisur aussehen soll und sie zaubert ihm diese Frisur, wenn das möglich ist und trägt mit dazu bei, das er sein Image des coolen gepflegten Geschäftsmannes aufrecht erhalten kann. Bei Frauen ist das noch viel komplexer. Da werden auf Wunsch oft die abenteuerlichsten Frisuren gezaubert, einschließlich der Haarfarbe. Natürlich, viel davon ist Routine. Dennoch bedarf es einer kreativen und gestalterischen Fähigkeit, einer anderen Art von Intelligenz. Diese Intelligenz findet man bei vielen Arbeitern, auf die man oft so gerne ein wenig herabschaut. Würden sie aber auf einen Schlag verschwinden, wäre der Rest aufgeschmissen.

Das sind Dinge, die man erkennen sollte. Eigentlich eine einfache Übung. Stellen Sie sich vor, zwei Menschen stranden auf einer einsamen Insel, der eine ist ein Intellektueller, der andere handwerklich begabt. Wer wird mehr dazu beitragen, das Überleben zu sichern? Macht man sich das klar und bleibt objektiv, dann erkennt man, dass die Unterschiede in den Fähigkeiten wichtig und sinnvoll sind. Das Gemeinwesen braucht den Müllmann, den Bauarbeiter, den Schreiner und viele andere mehr, als den Physiker und/oder Chemiker, der es sich zur Aufgabe gemacht haben, Tötungsinstrumente noch effektiver zu machen. Sie sind wichtiger, als ein Verteidigungsminister Jung, der sich wichtig findet, wenn er möglichst viele Soldaten an alle möglichen Standorte verteilen kann, um Krisen zu bewältigen, die durch ihre Präsenz meist noch schlimmer werden.

Wir Menschen haben verlernt, Werte korrekt einzuschätzen, unser Leben sinnvoll zu gestalten. Wir jagen Dingen nach, die wir nicht benötigen und vernachlässigen Dinge, die wichtig sind, die das Leben über die Schwelle der bloßen Existenz heben. Wir haben vergessen, zu leben und begnügen uns damit, zu existieren. Wir lassen uns von der Werbung, von der Presse oder der Politik sagen, was wichtig ist, ohne zu versuchen, herauszufinden, was wirklich wichtig für uns ist. Wir sind Roboter geworden, Roboter mit einem Rest an Seele und bauen maschinelle Roboter, denen Seele fehlt, denn Seele ist für einige ausgesprochen lästig. Über die im Schreiben genannte Sicht von Laotse sollte man wirklich nachdenken, nicht nur flüchtig, sondern sehr intensiv.

Fred Sky hat Recht. Ich sitze in einer Kiste, so wie alle anderen auch. Eine Kiste, jede Wand von anderen gezimmert.

Aber zumindest versuche ich, ab und zu den Deckel anzuheben und einen Blick nach draußen zu riskieren. Und dann schreibe ich auf, was ich zu sehen glaube.