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Erstelldatum: 28.07.2006

Gewalt, der falsche Weg

Ein alter Spruch: "Wo der Verstand aussetzt, beginnt die Gewalt." Im Gästebuch werde ich auf die Geschichte verwiesen, die zeigt, dass nur mit Gewalt Veränderungen geschaffen wurden. Ich werde auf Marx verwiesen, der die Revolution wollte.

Nun ja, ich bin kein Geschichtsprofessor, aber so ein paar Ereignisse der Geschichte habe sogar ich mitbekommen. Es ist richtig, wurde die Einschnürung des Volkes zu stark, hat sich der Zorn des Volkes in Gewalt entladen. Ein gutes Beispiel ist die französische Revolution, die zu Abschaffung der Monarchie in Frankreich sorgte. Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit war das Motto.

Ähnliches passierte in Russland, in China. Ich erzähle an dieser Stelle mal einen kleinen Witz. Da ich den ostfriesischen Dialekt nicht beherrsche, erzähle ich ihn in Hochdeutsch.

    Ein Geschäftsmann hat sich irgendwo zwischen Leer und Aurich verfahren. Eine Karte hat er nicht dabei und leider auch keine Ahnung, wo er sich direkt befindet. Erleichtert fährt er in ein kleines Dorf ein. Hier kann man ihm sicher sagen, wie er nach Norden kommt. Das Dorf besteht nur aus wenigen Häusern, aber er hat Glück, vor einem Zwischending aus Kneipe und Cafe sitzen 3 alte Herren und spielen Karten. Er steuert seinen Rolls Royce an den Straßenrand, lautlos fährt der elektrische Fensterheber die Scheibe hinunter.
    Er streckt den Kopf aus dem Fenster und fragt höflich: "Hallo, können Sie mir sagen, wie ich nach Norden komme?" Einer der Herren wirft ihm einen kurzen Blick zu und wendet sich dann wieder seinen Karten zu. Nun ja, denkt der Geschäftsmann, wir haben ja viele Gastarbeiter im Land, versuchen wir es mal in einer anderen Sprache: "Excuse me, please, which is the way to Norden?" Er erntet nur einen uninteressierten Blick dann konzentrieren sich die Alten wieder auf ihre Karten. Verzweifelt stellt er die Frage noch in französich, spanisch und italienisch, zum Schluss sogar in gebrochenem Türkisch. Die Reaktion ist immer gleich, die Männer spielen ungerührt weiter Karten und beachten ihn nicht. Mit einer Mischung aus Wut und Verzweiflung fährt er schließlich weiter.
    "Ein bannig schönes Auto hatte der, was war das für ein Wagen?" "Das war ein Rolls," beantwortet der Zweite die Frage des Ersten. "Und hast Du die Ausstattung gesehen? Alles in Leder. Und wie viele Sprachen der sprach." "Und? Was hat es ihm genützt", fragt der Dritte und alle wenden sich wieder ihren karten zu.

    Was dieser Witz mit den Revolutionen zu tun hat? Die Story nichts, nur der letzte Satz. Und die Frage stelle ich nun auch. "Was habe alle gewaltsamen Auseinandersetzungen in der Geschichte genützt?" Sie endeten immer mit massenhaftem Blutvergießen, auf beiden Seiten, aber eine wirkliche Änderung hat keine Revolution und kein Aufstand gebracht. Nach der französischen Revolution hat man den Adel weitgehend abgeschlachtet, aber was hat sich für die Masse wirklich geändert? Aus dem Pulk der Führer der Revolution bildete sich eine neue Führungsschicht und führte in leicht gemilderter Form das Prinzip der Ausbeutung fort. Kurze Zeit später kam der kleine Korporal und führte die Monarchie sogar für eine kurze Zeitspanne wieder ein. Als Kaiser führte er dann Krieg gegen halb Europa und den Blutzoll zahlten die gleichen Leute, die zuvor das Joch der Monarchie abgestreift hatten. In Russland folgte eine Zeit des blutigen Terrors. Für die Bevölkerung hatte ich nur die Führungselite geändert. Was waren die Folgen der chinesischen Revolution? Eine bis heute anhaltende Diktatatur. So zieht es sich durch die ganze bekannte Geschichte.

    Sie mögen einwenden, die französische Revolution habe die Demokratie gebracht. Aber wo ist Demokratie in Europa? Monarchien wurden teilweise durch den Geldadel ersetzt und wir dürfen heute wählen. Aber was dürfen wir wählen? Eine Clique machtgeiler Politiker, gesteuert vom modernen Adel der Geldbörse. Was beklagen wir denn heute? Die Ausbeutung, die wieder Ausmaße wie in den Monarchien annimmt.

    Die Geschichte zeigt also nicht nur die verzweifelten Versuche von Völkern, ihrem Joch zu entrinnen. Sie zeigt dort, wo sie erfolgreich waren, wurden sie baldigst in ein neues Joch gespannt. Warum? Weil alle Versuche, Ausbeutung zu beenden, einen völligen Mangel an Phantasie zeigen. Es gab immer nur einen Weg, die Gewalt und sie war immer begleitet von Elend und Not.

    Dabei bietet gerade die heutige Zeit Perspektiven, wie es sie noch nie gegeben hat. Die Imperien der macht sind heute auf einem sehr dünnen Fundament aufgebaut, ausschließlich auf Besitz und der Schutz des Besitzes durch die drei stattlichen Gewalten Legislative, Judikative und Exekutive. Eine Revolution würde heute ein nicht mehr akzeptablen Blutzoll kosten, denn es gibt schlimmere Waffensystem als je zuvor und im All schwirren tausende Satteliten herum, die alle neben den offiziellen Aufgaben wie Wetter oder TV auch noch den der Spionage haben. Man kann sich heute nicht mehr verstecken. Alle, die für Revolution plädieren, sind ewig Gestrige, die zwar die erfolgreichen Revolutionen der Geschichte betrachten, nicht aber die echten Folgen und die Zeit danach.

    Die Macht der heutigen Potentaten basiert auf Geld und dieses Fundament ist viel leichter einzureißen, als alle anderen Methoden. Denn das Geld der reichen erwirtschaften wir. Man kann bei Streiks die empfindlichen Stellen sehen. Die Unternehmen fahren dann Verluste ein und geben schließlich nach, indem sie Versprechungen machen, die sie kurze Zeit später wieder brechen. Was, wenn der Streik nicht aufhört, weil bloße Versprechungen gemacht werden, ein Streik, nicht als Alibi von einer Gewerkschaft organisiert, deren Köpfe aber gleichzeitig in den Aufsichtsräten der Konzerne und auf den Bänken des Parlaments sitzen? Ein Streik, der zunächst bei der Propagandamaschinerie ansetzt, nicht als Streik der Beschäftigten, sondern der Konsumenten.

    Gewalt ist der falsche Weg und hat noch nie zum Ziel geführt. Das zu erkennen ist heute noch viel wichtiger als früher, denn gewinne können wir nicht, wenn wir diesen Weg einschlagen. Damit ermächtigen wir die Herrschenden dazu, mit allen Mitteln gegen uns vorzugehen und diesen Mitteln haben wir nichts entgegen zu setzen. Die Herrschen stört es nicht, ob von uns 1 Million oder 20 Millionen draufgehen. Wenden wir Gewalt an, werden sie uns zeigen, wie machtlos wir scheinbar sind. Nur unsere Phantasie zeigt uns die Wege auf, Wege die gangbar sind. Schauen Sie auf das aktuelle Beispiel Wal Mart. Das sit die Macht, hier unbewusst eingesetzt, die ich meine. Aber dafür müssen wir erst lernen, an einem Strang zu ziehen und zwar alle in die gleiche Richtung.