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DIHK fordert Ein Euro Jobs auch in der Industrie

DIHK fordert Ein Euro Jobs

Die Präsidenten der Arbeitgeberverbände sind mit ihren Forderungen schnell bei der Hand. Fatal ist, dass geltungs- und karrieresüchtige Politiker mitunter noch nicht über die Fähigkeiten verfügen, mit vielen Worten nichts zu sagen.

Da bekomme ich diese Nachricht zugespielt:

Der Text stammt vom MDR von heute (7.1.05). Wer würde da nicht das Gras wachsen hören?

Dementi:
Verwirrung um Ein-Euro-Jobs in Sachsen-Anhalt

Sachsen-Anhalts Wirtschaftsstaatssekretär Haseloff hat Berichte zurückgewiesen, wonach das Land auch in der Privatwirtschaft Ein-Euro-Jobs schaffen will. MDR 1 RADIO SACHSEN-ANHALT sagte er, genau das Gegenteil sei richtig. Man wolle dies verhindern. In dem Modellversuch gehe es lediglich um Stellen, die bisher als ABM angeboten wurden. Neu sei, dass die Arbeitslosen von privaten Firmen betreut werden sollen. Diese würden das Projekt aber nicht betreiben.

Anmerkung: Man beachte: Dies ist ein Dementi eine zuvor getätigten Aussage, in welcher Haseloff wohl versehentlich mal die Wahrheit gesagt hat. So etwas soll aber bis nach den Wahlen 2006 (dazwischen kommt noch NRW in diesem Jahr) unter der Decke gehalten werden.
Es ist ein schon mehrfach durchgeführtes Procedere: Zuerst eine Testphase, dann die Ausweitung. Früher waren Asylanten die Testpersonen, jetzt sind es die ALG II-Bezieher.
Diese Aussage ist eine Mahnung an alle, die nicht betroffen sind und deshalb sogar Hartz IV gut finden. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis flächendeckend Ein-Euro-Jobber an die Industrie gegen qualifikationsbedingte Gebühr an die Industrie verliehen werden.
Sie finden Hartz IV gut? Warten Sie, bis ein Ein-Euro-Jobber Ihren Platz einnimmt und dann überlegen Sie, ob Sie Hartz IV immer noch gut finden.

Zuvor war Haseloff in der "Frankfurter Allgemeinen" mit ganz anderen Aussagen zitiert worden. In der Zeitung hieß es, das Land wolle Ein-Euro-Jobs für Arbeitslosengeld-II-Empfänger auch in der Privatwirtschaft anbieten. Dazu werde ein "Beschäftigungspool" geschaffen, aus dem Unternehmen Hilfskräfte für einfache Arbeiten anfordern können. Das Projekt sollte im März mit einigen hundert Langzeitarbeitslosen starten und vorerst auf Gartenbaufirmen beschränkt bleiben. Die Ein-Euro-Jobber hätten laut Haseloff Arbeiten im Sportplatzbau und der Parkpflege übernehmen oder beim Beseitigen von Wandschmierereien helfen können. Auf jeden Fall sollte es sich wie gesetzlich vorgeschrieben nur um zusätzliche und im öffentlichen Interesse liegende Arbeiten handeln. Bei einem Erfolg könne das Projekt auf andere Branchen ausgedehnt werden.

Viele Ein-Euro-Jobs entstehen im Gartenbau
Arbeitgeber sehen weitere Möglichkeiten
Die Landesvereinigung der Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände (LVSA) befürworteten dem Bericht zufolge die Pläne. Hier werde bereits an einem Konzept gearbeitet, das die Beschäftigung von Langzeitarbeitslosen im vierstelligen Bereich vorsieht, unter anderem auch in der Baubranche und der Chemieindustrie.

Gewerkschaften protestieren
Die Gewerkschaften protestierten dagegen. Der DGB-Landesverband erklärte, es sei zu befürchten, dass die billigen Hilfskräfte nach und nach die Arbeit der Vollbeschäftigten übernehmen. Die Kriterien für Ein-Euro-Jobs seien anfällig für Missbrauch. Haseloff hatte deshalb strenge Kontrollen angekündigt. Sozialpartner und Politik würden regelmäßig prüfen, dass der Beschäftigungspool nicht als billiges Arbeitskräftereservoir genutzt wird. Erfahrungen mit Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen zeigten aber, dass die Beschäftigung von Arbeitslosen in privaten Gartenbaubetrieben oft den so genannten Klebeeffekt habe. Dort seien viel mehr Menschen in ein reguläres Beschäftigungsverhältnis übernommen worden als in Staatsbetrieben.

Rund 30.000 Ein-Euro-Jobs in diesem Jahr
Die Hartz-IV-Reform sieht vor, für Langzeitarbeitslose "Arbeitsgelegenheiten mit Mehraufwandsentschädigung" zu schaffen. Sie erhalten dafür einen Stundenlohn von etwa einem Euro. Der Zuverdienst wird nicht auf das Arbeitslosengeld II angerechnet. In Sachsen-Anhalt sollen 2005 rund 30.000 Ein-Euro-Jobs geschaffen werden, bundesweit 600.000.

Clement rechnet mit 20 % weniger Arbeitslosen! So konnte man heute lesen (8.1.05). Er vergisst dabei zu sagen, dass die Ein-Euro-Jobber zwar weiter arbeitslos sind, weil sie nur in einer Arbeitsgelegenheit ohne jegliche arbeitspolitische Absicherung tätig sind, aber widerechtlich aus der Statistik der Arbeitssuchenden gestrichen werden. Jedem, der betroffen ist und sich im ersten Gang über den Hinzuverdienst freut, sollte klar sein, dass er damit für die BA als NICHT arbeitssuchend gilt, somit bei der Vermittlungstätigkeit auch nicht berücksichtigt wird.