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Karikaturen, der Islam und die Presse

Seit Wochen gehen nun die Mitteilungen über Ausschreitungen in den arabischen Ländern wegen der Karikaturen durch die Presse. Dabei wird das hohe Lied der Pressefreiheit und Informationspflicht der Presse gesungen. Ich stimme mit der Ansicht überein, dass hier eine Überzeugung religiöser Anhänger des Islam instrumentalisiert wird. Es passt derzeit gut ins Konzept, denn es müssen mal wieder Feindbilder geschaffen werden. Ein Popanz wird aufgebaut, aber nicht nur bei den Arabern, sondern auch hier. Hier bei uns geht es darum, die Gewaltbereitschaft der Araber aufzuzeigen, stets mit dem Hinweis möglicher Terrorakte verbunden.

Aber man sollte dann und wann mal genauer hinschauen. So wurde bekannt, dass bei den Arabern Karikaturen aufgetaucht sind, die gar nicht veröffentlicht wurden, also eine Fälschung mit dem Ziel, die Gemüter anzuheizen http://www.rp-online.de/public/article/nachrichten/politik/ausland/175524. Wer mag ein Interesse daran haben, die Stimmung im nahen Osten derart anzuheizen? Natürlich, welch dumme Frage: Der Iran natürlich! Wirklich? Schaut man auf das Konzept der CIA, welches sie in der Vergangenheit mit dem Programm "Gladio" verfolgte, die "Strategie der Spannung", dann kommt die Stimmung im nahen Osten der Politik der US-Regierung in Bezug auf die Iran-Politik eigentlich sehr gelegen.

Wenn ich dann die Selbstbeweihräucherung der Presse über "Pressefreiheit und Informationspflicht" lese, dann frage ich mich, wo war dieses hehre Gut während des Irak-Krieges und auch die Vorkommnisse im Militärgefängnis Abu Ghraib wurden in der westlichen Presse mit großer Sanftheit beleuchtet. Vorkommnisse wie Kriegsverbrechen, von Arte als einzigem Sender in einem Bericht aufgezeigt, wurden in den übrigen Medien völlig verschwiegen. Wo blieb die Presse-Empörung über Guantànamo über die Foltervorwürfe, die bekannt gewordenen Entführungsfälle durch die CIA und die geheimen Gefängnisse? Das alles beschäftigte unsere Presse mehr mit der technischen Frage, wie unsere Regierung damit umgeht, nicht mit der Sache an sich.

Noch etwas sollte man sich vor Augen halten. Die Araber sind stolze Völker mit einem ausgeprägten Ehrbegriff. Diesen Ehrbegriff gab es auch bei den westlichen Nationen Europas und in einzelnen Enklaven existiert er heute noch (z. B. Korsika) Auch in Deutschland gab es ihn bis weit ins 19. Jahrhundert hinein. In so genannten Ehrenhändeln wurde die Verletzung der Ehre mit der Waffe geregelt. Allerdings war das dem Adel und den Reichen vorbehalten. Das gemeine Volk hatte keine Ehre zu haben, denn das wäre bei der Ausbeutung hinderlich gewesen. Heute spielt Ehre bei uns keine Rolle mehr, weil sie sich nicht verkaufen lässt.

Anders im nahen Osten. Dort ist der Ehrbegriff noch stark ausgeprägt und natürlich aufgrund der unterschiedlichen kulturellen Entwicklung für uns oft unverständlich. Dabei wurde die Ehre der Araber von den westlichen Nationen oft genug malträtiert (siehe Palästina, Irak, Iran etc.).

Die jetzige Situation ist nicht nur auf die Karikaturen zurückzuführen, sondern auch eine Reaktion auf die anhaltenden Ehrverletzungen, denen sich die Menschen dort ausgesetzt sehen. Da hat sich viel angestaut in den letzten Jahren. Das wird von beiden Seiten genutzt, instrumentalisiert. Im Westen wird nur das Bild der gewalttätigen und fundamentalistische geprägten Islamisten verbreitet und im nahen Osten das Bild des verhassten Feindes USA jetzt auf die willigen Schergen der USA ausgeweitet. So baut man Feinbilder auf, sorgt für eine Atmosphäre, die für logisches und ruhiges Denken kaum noch Platz lässt. Menschen, die möglicherweise hätten Freunde werden können, wenn sie sich wirklich kennen gelernt hätten, werden dann dazu gebracht mit einer Mischung aus Angst und wilder Mordlust aufeinander einzudreschen.

Friede, Völkerverständigung, Miteinander der Kulturen, Glaubensfreiheit, alles Begriffe, die man fast täglich von Politikern hört, in der Presse liest. Aber all das wird von der Politik und den Medien bewusst hintertrieben, weil es nicht im Interesse der Wirtschaft ist. Wer soll denn noch Kampfjets, Panzer, Bomben und Minen kaufen, wenn all das verwirklicht würde? Und die Länder, die selbst keine Panzer, Flugzeuge und Bomben bauen können? Dort hat man Regierungen implementiert mit Potentaten, die gerne Krieg spielen, dafür auch von der Waffenlobby kräftig geschmiert werden.

Wir Deutschen haben einen solchen Potentaten, der vor allem von dem Großkapital und den großen Wirtschaftskonzernen finanziert und hochgejubelt wurde, vor gar nicht langer Zeit erleben dürfen. Und mit den gleichen Tricks, mit denen heute im Verhältnis des Westens zum nahen Osten hantiert wird, mit den gleichen Tricks haben wir uns damals aufmischen lassen. Nicht wenige in dieser Zeit haben dabei zuvor nicht gekannten oder zumindest unterdrückten Trieben freien Lauf gelassen und dabei die schrecklichsten Dinge getan. Andere haben die Position "das will ich nicht wissen, das geht mich nichts an oder ich kann ja doch nichts machen" eingenommen. Und heute? Wieder lassen wir uns vor den gleichen Karren spannen, schaukeln uns mit Stammtischparolen hoch und verurteilen, was wir nicht kennen und worüber wir uns auch keine Mühe machen, nachzudenken. Auf der anderen Seite passiert das Gleiche. Und wenn es den Betreibern dieser Strategien passt, werden beide Seiten aufeinander eindreschen. Mord, Sadismus, Zerstörungswut und Hass werden wieder Triumphe feiern und wenn es dann irgendwann vorbei ist, sind die, die es überlebt haben, froh, noch am Leben zu sein und einige werden sich sogar fragen: "Warum das alles? Ob sie eine Antwort finden, ist fraglich, denn die Masse hat seit Tausenden von Jahren immer auf die gleiche Masche in der gleichen Art reagiert und klüger geworden sind sie bis heute nicht. Wenn es den Spielmachern gefällt, dann lassen sie sich für Ziele einspannen, die nicht ihre Ziele sind, unter Anwendung der immer gleichen Tricks.