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Fallmanager sollen "soziales Geflecht" erfragen

Nach einem Bericht der Bild am Sonntag sollen künftig Langzeitarbeitslose einer intensiven Befragung unterzogen werden, wenn sie als Problemfälle (Krankheit, Suchtgefahr etc.) eingestuft werden. Von der BA wurde der Bericht bestätigt, allerdings dahingehend relativiert, dass es dabei nur um Langzeitarbeitslose mit massiven Problemen (beispielsweise Suchtgefahr) ginge, und außerdem sei die Beantwortung dieser Befragung freiwillig.

Hier kann man zwei Dinge gleich vorweg schicken:

  1. Nach allen Erfahrungen, die bereits mit dem Verhalten von Fallmanagern vorliegen, liegt es in ihrem Ermessen, zu entscheiden, ob ein Problemfall vorliegt oder nicht
  2. Eine Vielzahl der Langzeitarbeitslosen ist wegen der eingetretenen Resignation nicht mehr fähig, sich einer solchen Befragung zu widersetzen

Der Sinn dieser Befragung, so wie ihn die Pressestelle der BA verlautbart, läge darin, dann bessere Hilfe leisten zu können.

Wer mit den Behörden der BA oder der ARGE zu tun hat, konnte nur sehr selten feststellen, dass das Motiv der Hilfsbereitschaft das Leitmotiv der Fallmanager war. Willkür und Schikane sind wesentlich häufiger anzutreffen.

Aber völlig losgelöst von diesen Erfahrungen muss man sich die Frage stellen, was der wirkliche Hintergrund einer solchen Befragung sein könnte. Die vordergründige Behauptung der BA kann ich in dieser Form aus mehreren Gründen nicht akzeptieren:

  • Um Daten dieser Art auszuwerten, Lösungsansätze zu finden und wirkliche Hilfestellung zu leisten, müsste jeder Fallmanager ein abgeschlossenes Psychologie-Studium haben
  • Um relativ objektive Ergebnisse dieser Befragung zu erzielen, bedarf es geschulter und erfahrener Psychologen, die fähig sind, aus der subjektiven Darstellung der Betroffenen ein halbwegs objektives Profil zu erstellen.
  • Nur sehr wenige Menschen sind in der Lage, Auskunft über ihr Frustrationsverhalten, ihre Belastbarkeit zu geben, ebenso wenig, wie sie wirklich fähig sind, soziale Kontakte zu Nachbarn, Freunden, ja selbst innerhalb der Familie zu analysieren.
  • Welchen Sinn sollten Angaben über Krankenhausaufenthalte, die Zahl der Arztbesuche oder die Einschätzung des eigenen Gesundheitszustandes haben? Wer kann schon objektive Angaben über seinen Gesundheitszustand machen, wenn er kein Arzt ist?

Das sind nur einige Fragen eines ganzen Katalogs, die zu stellen wären. Festhalten kann man allerdings:
  • Kein Fallmanager ist für eine solche Befragung befähigt oder geeignet
  • Keine dieser Fragen kann eine Hilfestellung bieten, eine bessere Vermittlung des Langzeitarbeitslosen zu erreichen.
  • Die Art der Befragung verletzt die Würde des Menschen in einer Art und Weise, wie wir sie zuletzt während der Nazizeit hatten

Ein Modellversuch, sagt die BA. Doch trotz aller Schönrederei der Arbeitsagentur kann das Ziel nur eines sein, die Betroffenen auf ein Abstellgleis zu schieben, sie intern von jeglicher Vermittlungstätigkeit auszuschließen. Im Gegenteil, der schlampige, oft unsachgemäße Umgang der Behörden mit vertraulichen, dem Datenschutz unterliegenden Daten lässt vermuten, dass die Ergebnisse der Befragung auch außerhalb der zuständigen Behörde zur Verwendung gelangen.

Ich kann nur jedem Betroffenen raten: Weigern Sie sich strikt, an einer solchen Befragung teil zu nehmen. Es kann nur zu Ihrem Nachteil sein, denn die gesamte Behörde besitzt nicht Fähigkeit, solche Daten zu Ihrem Nutzen zu verwenden. Aber Schaden für Sie kann quasi jeder Fallmanager damit anrichten.