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Erstelldatum: 27.07.2009

Politik, Tragikomödie in drei Akten

1. Akt

Ist ja richtig was los in der Presse. Da hat man der Ulla doch tatsächlich den Dienstwagen geklaut. Ein gefundenes Fressen für die FDP, kann sie doch wieder einmal über verschwendete Steuergelder schwadronieren und die eigenen Steuerhinterziehungen noch aus Möllemann-Zeiten in Vergessenheit geraten lassen. Na, wenn das keinen Auftrieb gibt, gerade jetzt, so kurz vor der Wahl.

Dabei hat Ulla doch aus rein dienstlichen Gründen ihre gepanzerte Limousine nachkommen lassen, um dort in der Nähe von Alicante Schulen und ähnliches zu besuchen. Ist es ihre Schuld, wenn die ausgerechnet dann, wenn sie kommt, Schulferien machen? Muss man eben auf andere dienstliche Belange ausweichen, sollen die sich im Büro darüber Gedanken machen. Irgendwas wird sich schon finden. Außerdem rechnet sie ja ihre Privatfahrten immer fein säuberlich und versteuert sie als geldwerten Vorteil nach den Richtlinien für die Nutzung von Dienstkraftfahrzeugen in der Bundesverwaltung (DKfzR). Ist auch ärgerlich, dass die ortsansässige Mafia gerade für einen Mafiaboss oder einen Scheich eine gepanzerte Limousine besorgen musste. Jetzt ist die Frage, lässt sie einen anderen Dienstwagen kommen, um wieder nach Hause zu gelangen, oder fährt sie vielleicht in einem der Fahrzeuge der Bodyguards mit, die sie ja sicherlich auf ihrer "Dienstfahrt" begleitet haben, was die Presse vermutlich zu erwähnen vergessen hatte. Aber sind die auch komfortabel genug? Ihr Hosenanzug ist schließlich ein wenig größer als der von der anderen Ulla, der mit der Zensur. Vielleicht ist es doch besser, die Flugbereitschaft kommen zu lassen, oder? Aber wo soll der landen, ohne dass die Presse davon erfährt? Na ja, irgendwie kommt man schon wieder heim und den Presserummel sitzt man doch locker aus. Darin hat man schließlich Erfahrung.

Lachen erklingt, als ein Chor aus anderen Ministern auftaucht und mit schrillem Diskant singt: "Wir fahren, wenn privat, mit eigenem Auto oder Rad!" Als Zuschauer gerate ich nun ins Grübeln. Wie ist sie denn nach Alicante gekommen, wenn sie die Dienstlimousine hat nachkommen lassen? Aber danach hat die Presse offenbar nicht gefragt, dabei wäre es doch für die Urlauber so wichtig, zu wissen, ob sie mit TUI, Alltours oder wie sonst nach Alicante gekommen ist. Doch vielleicht hat sie auf diesbezügliche Fragen der Presse geantwortet: "Ohne meinen Alltours sage ich nichts."

2. Akt

Für weitere Aufreger in der Presse sorgt mal wieder Gabriele Pauli mit ihrem Parteitag. Aber auch da sind die Pressenews ein wenig unfair. Gabriele Pauli ist schließlich ein Kind der CSU und weiß, wie man Politik gestaltet. Ist es ihre Schuld, dass die Mitglieder noch nicht die nötige Erfahrung haben, zu wissen, wann man zu den Worten der Vorsitzenden nickt, wann man den Kopf schüttelt und wann man jubelt? In den wenigen Wochen seit Gründung der Freien Union ist eine solche Dressur eben nicht zu vollbringen. Die Leute haben noch falsche Vorstellungen davon, dass frei dafür steht, die Worte der Vorsitzenden in jedem Fall zu akzeptieren. Wie war das denn mit den Grünen? Die haben auch erst gelernt, wo es lang geht, als ihnen das der Steine-Joschka erklärt hat und einige haben es bis heute noch nicht begriffen. Sogar in der SPD gibt es vereinzelt Leute, die völlig disziplinlos eine Meinung haben bzw. übernehmen, die nicht linientreu ist, wie das Beispiel Hessen bewiesen hat. Nein, die Freie Union soll eine richtige und gute Partei werden, die getreu den Worten der Vorsitzenden folgt, so wie man der Kollegin der Schwesterpartei der CSU folgt.

3. Akt

In Schleswig Holstein ist nach einer Sturmwarnung die brüchige und lecke Jolle der großen Koalition endgültig auseinander gebrochen und alles nur, weil der gütige Landesvater dem gestrauchelten Herrn Nonnenmacher (Nomen est Omen) mit 2,9 Millionen unter die Arme gegriffen hat. Doch dieser Neider aus der SPD behauptete dann doch tatsächlich, die SPD habe davon nichts gewusst. Das hat den Landesvater dann so erbost, dass er nicht nur alle SPD-Minister, sondern auch alle SPD-Staatssekretäre entlassen hat. Laufen da nun die Bezüge weiter oder holt er (Carstensen) damit die 2,9 Millionen wieder rein? So wie er traurig sagt, hat Schleswig Holstein ja 23 Milliarden Schulden und zahlt jährlich 1 Milliarde Zinsen. Nun ja, er ist nicht mehr der Jüngste und so groß ist der Unterschied zwischen den gefühlten 23 Milliarden und den realen 25 Milliarden per 31.12.2008 nun auch wieder nicht. Anspruch auf ein wenig Demenz hat schließlich auch ein weißhaariger Ministerpräsident.

Vorhang

Faule Eier und Tomaten fliegen auf die Bühne und laute Buh-Rufe ertönen, doch das nehmen die Akteure gelassen hin, wissen sie doch, egal wie schlecht das Stück ist, die Menge kommt immer wieder.
Sie suchen nun vermutlich das tragische Element in dieser Schmierenkomödie, sind aber unfähig, zu erkennen, dass das Sie selbst sind. Sie selbst haben die Statistenrolle, obwohl Ihre Rolle lt. Drehbuch die Hauptrolle sein sollte. Sie haben nicht einmal eine Sprechrolle und nur einen winzig kleinen Auftritt, dann, wenn Sie Ihr Kreuzchen machen dürfen.