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Erstelldatum: 08.03.2008

Die Ehrliche

Nun ist es amtlich. In der SPD gibt es noch PolitikerInnen, die Lügen hassen. Deshalb muss Ypsilanti ihr Vorhaben, mit den Stimmen der Linken Ministerpräsidentin von Hessen zu werden, aufgeben. Endlich ein Beweis, dass es noch aufrechte PolitikerInnen gibt.

Na ja, ich weiß nicht so recht. Warum hat die ehrliche Frau solange gewartet, bis das Thema in der Presse in Hunderten Beiträgen durchgekaut war, um dann als edle Wahrheitsfanatikerin die Bühne zu betreten? Warum hat sie nicht in einem internen Gespräch mit Ypsilanti gleich bei den ersten, öffentlich gewordenen Überlegungen klar gestellt, dass sie auf keinen Fall diesen Deal mit der Linken mitmachen würde, und somit Ypsilanti die Möglichkeit gegeben, ohne Gesichtsverlust einen Rückzieher zu machen?

Tut mir leid, im doppelten Sinn. Ich halte die "aufrechte SPD-Frau" für eine Frau, die es mit Ypsilanti nicht so richtig kann und ihr eins auswischen wollte, oder für eine so genannte Hinterbänklerin, die sich mit diesem Coup ins Licht der Öffentlichkeit gespielt hat. Vielleicht, aus meiner Sicht sogar sehr wahrscheinlich, trifft Beides zu. Die in der Presse angeführte Begründung, ihre Familie habe sehr unter den SED-Entscheidungen gelitten, ist für eine Westberlinerin mehr als fade, vor allem, weil bei den hessischen Linken keine ehemaligen PDSler vertreten sind. Ich meine, eine wirklich ehrliche Frau, die aus Überzeugung in die Politik gegangen ist, hätte einen weniger pressewirksamen Weg gewählt und somit Schaden von ihrer Landesvorsitzenden und ihrer Partei abgewendet.

Tja, liebe Frau Dagmar Metzger, ich persönlich glaube nicht an Ihre Ehrlichkeit, denn Sie haben nicht nur Hessen einen Bärendienst erwiesen, sondern auch Ihrer Partei erheblichen Schaden zugefügt. Vermutlich haben Sie sich auch selbst geschadet, denn ob man Ihre "Ehrlichkeit" in der SPD wirklich zu schätzen weiß, wird sich bei Ihrer Listenplatzbesetzung spätestens bei den nächsten Wahlen herausstellen. Ob Sie dann noch auf einem aussichtsreichen Listenplatz stehen werden? Ich glaube nicht.

Ich habe bereits unmittelbar nach der Wahl deutlich gemacht und das in einem Schreiben Frau Ypsilanti auch mitgeteilt, dass mir die Positionierung vor der Wahl, als es hieß, auf keinen Fall mit der Linken, völlig gleichgültig ist, dass ich von der SPD erwarte, dem "Koch muss weg"-Slogan oberste Priorität zu geben. Der Slogan war, anders als in der Presse dargestellt, kein Versprechen, sondern eine politische Positionierung und eine solche muss man nach einer Wahl korrigieren können, wenn es erforderlich wird. Die Presse hat das Thema derart hochgespielt und damit mal wieder bewiesen, dass sie Politik macht und nicht die Parteien. Dieser Rummel wurde nicht aufgeführt bei den vielen echten Versprechen von Politikern, die dann unmittelbar nach der Wahl gebrochen wurden. Ich aber bleibe dabei, dieser Slogan war kein Versprechen und wenn, dann höchstens an die anderen Parteien. Ich glaube, die Mehrheit der SPD-Wähler und der Linken denken ebenso, vermutlich auch die Wähler der Grünen. die nun befürchten müssen, dass ihre Partei angesichts der Liebelei in Hamburg auch in Hessen in einer Jamaica-Koalition den letzten Rest ihrer politische Ideologie aufgibt. Die Wähler von FDP und CDU wird es freuen. Noch, denn das Absaufen des Wohlstandes hat inzwischen auch die Mittelschicht erreicht und so mancher FDP- oder CDU-Wähler wird irgendwann ins Grübeln kommen und sich fragen, ob er nicht einen großen Teil der Schuld am eigenen Niedergang sich selbst zu verdanken hat, eben durch sein Wahlverhalten.