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Der Brief von Mahmood Ahmadinejad an Bush

Herr George Bush, Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika,

bereits seit einiger Zeit habe ich darüber nachgedacht, wie man die unbestreitbaren Widersprüche rechtfertigen kann, die es auf der internationalen Bühne gibt - über die immerzu debattiert wird, insbesondere in den politischen Foren und unter Universitätsstudenten. Viele Fragen bleiben unbeantwortet. Das hat mich dazu bewegt einige Widersprüche und Fragen zu diskutieren in der Hoffnung, daß es eine Gelegenheit eröffnen könnte, Abhilfe zu finden.

Kann jemand Anhänger Jesu Christi (der Friede sei mit ihm), dem großen Gesandten Gottes sein, sich verpflichtet fühlen die Menschrechte zu achten, Freiheit als ein Zivilisationsmodell vorstellen, seine Opposition zur Verbreitung von Atomwaffen und Massenvernichtungswaffen verkünden, den Krieg gegen Terror zu seiner Parole machen, und dann schließlich in Richtung der Etablierung einer einheitlichen internationalen Gemeinschaft arbeiten, einer Gemeinschaft, welche Christus und die Rechtschaffenen auf Erden eines Tages regieren werden, aber dann gleichzeitig Länder überfallen, Leben, Ansehen und Besitz der Leute zerstört haben, und mit der äußerst geringen Aussicht, daß sich einige wenige Kriminelle in einem Dorf, einer Stadt oder einem Konvoi befinden, das Dorf, die Stadt oder den Konvoi in Flammen gesetzt haben?

Oder kann es sein, daß nur aufgrund der Möglichkeit der Existenz von Massenvernichtungswaffen in einem Land, welches jetzt besetzt ist, rund 100.000 Menschen ermordet, seine Wasserressourcen, Landwirtschaft und Industrie vernichtet, nahezu 180.000 Mann ausländischer Truppen auf ihren Boden festgesetzt, die Unverletzlichkeit der Privathäuser der Einwohner gebrochen, und das Land möglicherweise 50 Jahre zurückgeworfen wurde? Zu welchem Preis? Hunderte von Milliarden Dollar wurden aus der Staatskasse eines Landes und zahlreicher anderer Länder ausgegeben und zehntausende junger Männer und Frauen - als Besatzungssoldaten - wurden auf einen unheilvollen Weg gebracht, entfernt von ihren Familien, ihren Lieben, ihre Hände befleckt mit dem Blut anderer, einem derart großen psychologischen Druck unterworfen, daß jeden Tag einige Selbstmord begehen und diejenigen, die zurückkehren, Depressionen leiden, erkranken und zurecht kommen müssen mit allen möglichen Gebrechen, während andere getötet werden und ihre Körper ihren Familien übergeben werden.

Unter dem Vorwand der Existenz von Massenvernichtungswaffen kam diese große Tragödie, um beide zu verschlingen, die Völker des besetzten Landes und der Besatzer. Später wurde aufgedeckt, daß von Anfang an keine Massenvernichtungswaffen existiert haben. Sicher, Saddam war ein mörderischer Diktator. Aber der Krieg wurde nicht angezettelt, um ihn zu stürzen, das ausgewiesene Ziel des Krieges war Massenvernichtungswaffen zu finden und zu vernichten. Er wurde im Rahmen eines anderen Zieles gestürzt. Nichtsdestotrotz sind die Menschen der Region glücklich darüber.

Ich mache allerdings darauf aufmerksam, daß über die vielen Jahre des aufgezwungenen Krieges gegen den Iran Saddam durch den Westen unterstützt wurde.

Herr Präsident,

wie Sie vielleicht wissen bin ich Lehrer. Meine Studenten fragen mich, wie diese Taten in Übereinstimung gebracht werden können mit den Werten, die am Anfang dieses Briefes hervorgehoben sind, und der Verpflichtung gegenüber der Tradition von Jesus Christus (der Friede sei mit ihm), dem Gesandten des Friedens und der Vergebung?

In Guantanamo Bay sind Gefangene, die nicht verurteilt wurden, die keinen rechtlichen Beistand haben, deren Familien sie nicht sehen können und die ganz offensichtlich in einem fremden Land außerhalb ihres Heimatlandes gehalten werden. Es gibt keine internationale Überwachung ihres Zustandes oder ihres Schicksals. Niemand weiß, ob sie Gefangene, Kriegsgefangene, Angeklagte oder (überhaupt) Verbrecher sind.

Europäische Ermittler haben die Existenz geheimer Gefängnisse auch in Europa bestätigt. Ich vermag die Entführung einer Person für seine oder ihre Gefangennahme in einem geheimen Gefängnis nicht mit den Bestimmungen irgend eines Rechtssystems in Zusammenhang zu bringen. Aus diesem Grund ist es mir unmöglich zu verstehen, wie solche Taten mit den Werten übereinstimmen, die zu Beginn dieses Briefes hervorgehoben wurden, d.h. den Lehren von Jesus Christus (der Friede sei mit ihm), den Menschenrechten und freiheitlichen Werten.

Junge Menschen, Universitätsstudenten und einfache Menschen haben viele Fragen über das Phänomen Israel. Ich bin sicher, daß Ihnen einige davon bekannt sind. Im Verlauf der Geschichte sind viele Länder besetzt worden, aber ich denke, daß die Errichtung eines neues Staates mit einem neuen Volk ein neues Phänomen ist, das einzigartig ist für unsere Zeit. Die Studenten sagen, daß vor 60 Jahren ein solches Land nicht existiert hat. Sie zeigen mir alte Dokumente und Globen und sagen: Versucht es wie wir - wir sind nicht in der Lage, ein Land namens Israel zu entdecken.

Ich empfehle ihnen, die Geschichte des ersten und des zweiten Weltkrieges zu studieren. Einer meiner Studenten sagte mir, daß während des zweiten Weltkrieges, in dem mehrere zehn Millionen Menschen umgekommen sind, die Nachrichten über den Krieg zwischen den kriegsführenden Seiten schnell ausgebreitet wurden. Jede Seite brüstete sich mit den eigenen Siegen und den jüngsten Fronterfolgen gegen die andere Seite. Nach dem Krieg vermeldeten sie, daß sechs Millionen Juden getötet worden sind. Sechs Millionen Menschen, die wohl zumindestens zwei Millionen Familien angehört haben.

Noch einmal: Lassen Sie uns davon ausgehen, daß diese Ereignisse wahr sind. Führt das logischerweise zur Einrichtung eines Staates Israel im Nahen Osten, oder der Unterstützung für einen solchen Staat? Wie kann dieses Phänomen begründet oder erklärt werden?

Herr Präsident,

ich bin sicher, daß Sie wissen, auf welche Kosten Israel gegründet wurde:

    - Viele Tausende wurden während des Gründungsprozesses getötet,
    - Millionen der angestammten Bevölkerung wurden zu Flüchtlingen gemacht,
    - Hunderttausende Hektar Ackerland, Olivenhaine, Dörfer und Städte wurden zerstört.

Diese Tragödie betrifft nicht ausschließlich die Zeit der Gründung, leider dauert sie nunmehr seit sechzig Jahren an. Es wurde ein Regime eingesetzt, das selbst gegenüber Kindern kein Erbarmen kennt, das Häuser zerstört, während sich die Bewohner noch in ihnen befinden, das im voraus seine Listen und Pläne ankündigt, um palästinensische Persönlichkeiten zu ermorden, und Tausende von Palästinensern gefangen hält. So ein Phänomen ist einzigartig - oder zumindest extrem selten - in jüngster Zeit.

Eine weitere große Frage, die von den Menschen gestellt wird, ist die, warum dieses Regime unterstützt wird. Liegt die Unterstützung für dieses Regime auf einer Linie mit den Lehren Jesu Christi (der Friede sei mit ihm) oder liberalen Werten? Oder müssen wir verstehen, daß es gegen die Prinzipien von Demokratie, Menschenrechten und die Lehren der Propheten verstößt, wenn man den ursprünglichen Bewohnern jener Länder - innerhalb und außerhalb von Palästina - erlaubt, ihr eigenes Schicksal zu bestimmen, seien sie nun Christen, Muslime oder Juden? Wenn es nicht so ist, warum gibt es dann so viel Widerstand gegen ein Referendum?

Die neu gewählte palästinensische Regierung übernahm kürzlich das Amt. Alle unabhängigen Beobachter haben bestätigt, daß diese Regierung die Wählerschaft repräsentiert. Es ist unglaublich, daß sie die gewählte Regierung unter Druck gesetzt und ihr geraten haben, das israelische Regime anzuerkennen, den Kampf aufzugeben und den Programmen der vorherigen Regierung zu folgen. Wenn die gegenwärtige palästinensische Regierung das oben genannte Podium erstiegen hätte, hätte das palästinensische Volk dann für sie gestimmt? Wiederum: Kann so eine Position, die gegen die palästinensische Regierung eingenommen wurde, mit den vorher zusammengefassten Werten vereinbart werden?

Die Menschen fragen auch, warum all die UN-Sicherheitsrats-Resolutionen, die Israel verurteilen, mit einem Veto abgeschmettert werden.

Herr Präsident,

wie Ihnen sehr wohl bekannt ist, lebe ich unter den Menschen und bin in ständigem Kontakt mit ihnen, und viele Menschen aus dem Mittleren Osten schaffen es ebenso, mit mir in Kontakt zu treten. Auch sie glauben nicht an diese dubiose Politik. Es gibt Beweise, daß die Bevölkerung der Region auf diese Politik immer wütender wird. Es liegt nicht in meiner Absicht, zu viele Fragen zu stellen, aber ich muß mich auch auf andere Punkte beziehen.

Warum ist es so, daß jegliche technologische und wissenschaftliche Errungenschaft, die im Mittleren Osten erreicht wird, als eine Bedrohung für das zionistische Regime betrachtet und dargestellt wird? Ist denn nicht wissenschaftliche Forschung und Entwicklung eins der Grundrechte der Nationen?

Sie sind mit der Geschichte vertraut. Abgesehen vom Mittelalter, zu welchem Zeitpunkt in der Geschichte ist wissenschaftlicher und technischer Fortschritt ein Verbrechen gewesen? Kann die bloße Möglichkeit der Verwendung wissenschaftlicher Errungenschaften für militärische Zwecke Grund genug sein, Wissenschaft und Technologie insgesamt zu verwerfen? Wenn so eine Annahme zutrifft, dann müssen auch alle wissenschaftliche Disziplinen einschließlich Physik, Chemie, Mathematik, Medizin, Ingenieurwissenschaften usw. verworfen werden. Es wurden Lügen erzählt in Sachen Irak. Was war das Resultat? Ich habe keine Zweifel, daß die Äußerung von Lügen in jeder Kultur verwerflich ist, und auch Sie mögen es nicht, angelogen zu werden.

Herr Präsident,

haben die Völker Lateinamerikas nicht das Recht zu fragen, warum man sich - von außen - ihren gewählten Regierungen widersetzt und Putschisten unterstützt? Oder: Warum werden sie andauernd bedroht und leben in Angst?

Die Völker Afrikas arbeiten hart, sie sind erfinderisch und begabt. Sie können eine wichtige und wertvolle Rolle spielen Bedürfnisse der Menschheit zu decken sowie zu ihrem materiellen und geistigen Fortschritt beizutragen. Armut und Härten in großen Teilen Afrikas verhindern, daß dies geschehen kann. Haben sie nicht das Recht zu fragen, warum ihr enormer Reichtum - einschließlich der Bodenschätze - geplündert wird, ungeachtet der Tatsache, daß sie diese (Bodenschätze) nötiger haben als andere?

Noch einmal: Stimmen solche Taten mit den Lehren Christi oder den Grundsätzen der Menschenrechte überein?

Auch das mutige und gläubige Volk Irans hat viele Fragen und Beschwerden - einschließlich des Staatsstreichs von 1953 und dem nachfolgenden Sturz der rechtmäßigen Regierung seinerzeit; der Bekämpfung der islamischen Revolution; der Umwandlung einer Botschaft in ein Hauptquartier, das die Aktivitäten der Gegner der Islamischen Republik unterstützte - viele tausend Seiten von Dokumenten beweisen diese Beschuldigung; der Unterstützung Saddams in dem Krieg, den er gegen Iran geführt hat; dem Abschuß eines Passagierflugzeuges; dem Einfrieren von Guthaben des iranischen Volkes; zunehmenden Bedrohungen, Wut und Unzufriedenheit gegenüber dem wissenschaftlichen und nuklearen Fortschritt der iranischen Nation - gerade wo alle Iraner überglücklich mit dem Fortschritt ihres Landes sind und dies feiern; und vieler anderer Beschwerden, die ich in diesem Brief nicht weiter anführen will.

Herr Präsident,

”Der 11. September” war ein horrendes Ereignis. Die Ermordung von Unschuldigen ist beklagenswert und erschreckend in allen Teilen der Welt. Unsere Regierung erklärte unverzüglich ihre Empörung über die Täter und zeigte ihr Beileid für die Hinterbliebenen und drückte Sympathie aus. Alle Regierungen haben eine Pflicht, die Menschenleben, das Eigentum und das gute Ansehen ihrer Bürger zu schützen. Wie berichtet wird, beschäftigt Ihre Regierung weit angelegte Sicherheits-, Schutz- und Geheimdienstsysteme - und jagt ihre Gegner sogar im Ausland.

”Der 11. September” war nicht eine simple Operation. Könnte diese geplant gewesen und ausgeführt sein, ohne eine Koordination mit Geheimdienst und Sicherheitsdiensten - oder deren weitläufiger Infiltrierung? Selbstverständlich ist dies lediglich ein wohlbegründete Vermutung. Warum wurden die unterschiedlichen Aspekte des Angriffs geheim gehalten? Warum wurde uns nicht mitgeteilt, wer seine Verantwortlichkeiten verfehlt hat? Und warum sind diese Verantwortlichen und die schuldig befundenen Parteien nicht identifiziert und vor Gericht gestellt worden?

Alle Regierungen haben eine Pflicht, Sicherheit und Seelenfrieden für ihre Bürger zu gewährleisten. Seit einigen Jahren nun haben die Leute aus Ihrem Land und Nachbarn der Welt-Problemgegenden keinen Seelenfrieden mehr. Anstatt die emotionalen Wunden der Überlebenden und der amerikanischen Menschen zu heilen und zu versorgen - die immens traumatisiert gewesen waren - intensivierten nach dem 11. 09.2001 einige westliche Medien ausschließlich die Stimmung von Angst und Unsicherheit - einige berichteten durchgehend über die Möglichkeit einer neuen Terrorattacke und hielten die Leute in Angst. Ist das Dienst am amerikanischen Volk? Ist es möglich, das Ausmaß des Schadens durch Angst und Panik zu berechnen? Warum haben die Medien, anstatt ein Gefühl der Sicherheit und des Seelenfriedens zu fördern, das Gefühl der Unsicherheit erhöht?

Einige glauben das der Medienrummel den Weg bahnte - und die Rechtfertigung - für Ihren Angriff auf Afghanistan. Wieder muß ich auf die Rolle der Medien verweisen.

In den Satzungen der Medien sind eine korrekte Verbreitung von Informationen und wahrheitsgetreues Berichte eines Ereignisses etablierte Grundsätze. Ich spreche mein tiefes Bedauern aus über die Mißachtung dieser Prinzipien, die sich bei gewissen westlichen Medien zeigt. Der Hauptvorwand für einen Angriff auf den Irak war die Existenz von Massenvernichtungswaffen. Dies wurde ohne Unterlaß wiederholt - damit die Öffentlichkeit es schließlich glaubte - und der Boden für einen Angriff auf Irak bereitet war. Wird die Wahrheit nicht verloren gehen in solch einem arrangierten und trügerischen Klima?

Und wieder: Wenn es erlaubt ist, daß die Wahrheit verloren gehe, wie kann das in Übereinstimmung sein mit den oben genannten Werten?
Ist denn die Wahrheit dem Allmächtigen nicht bekannt, selbst wenn sie verloren ginge?

Herr Präsident,

in den Ländern in aller Welt versorgen die Bürger die Ausgaben der Regierungen und im Gegenzug sind die Regierungen in der Lage ihnen zu dienen. Die Frage, die sich hier stellt ist: Was haben die hunderten von Milliarden Dollar, die jährlich für den Irak-Feldzug zu zahlen sind, für ihre Bürger gebracht? Wie Eure Exzellenz sich darüber bewußt sind, leben in einigen Staaten ihres Landes die Menschen in Armut. Tausende sind obdachlos und Arbeitslosigkeit ist ein gewaltiges Problem. Sicherlich existieren diese Probleme mehr oder weniger auch in anderen Ländern gleichermaßen. Aber können mit dem Bewußtsein dieser Umstände die gewaltigen Ausgaben des Feldzuges, die aus der öffentlichen Kasse bezahlt werden, erklärt werden und in Einklang gebracht werden mit den vorab erwähnten Prinzipien?

Was bisher erwähnt wurde sind einige der Mißstände der Völker der Welt, in unserer Region und in ihrem Land. Aber meine Behauptung - und ich hoffe, Sie werden einigem davon zustimmen - ist: Diejenigen an der Macht haben eine bestimmte Zeit im Amt und werden nicht ewig regieren, aber ihre Namen werden von der Geschichte aufgenommen werden und andauernd beurteilt in der nahen und fernen Zukunft. Die Menschen werden unsere Präsidentschaften hinterfragen. Haben wir es bewältigt Frieden, Sicherheit und Wohlstand den Menschen zu bringen, oder Unsicherheit und Armut. Haben wir es angestrebt Gerechtigkeit zu etablieren, oder haben wir nur spezielle Interessegruppen unterstützt, indem wir viele Menschen dazu gezwungen haben, in Not und Mühsal zu leben, und dabei einige wenige Leute reich und machtvoll gemacht, wobei wir die Zustimmung der Bevölkerung verkauft haben und die Zustimmung des Allmächtig dazu?

Haben wir die Rechte der Unterprivilegierten verteidigt oder sie ignoriert?

Haben wir die Rechte der Völker in aller Welt verteidigt oder ihnen Kriege aufgezwungen, uns unrechtmäßig in deren Angelegenheiten eingemischt, höllische Gefängnisse eingerichtet und einige eingekerkert?

Haben wir der Welt Frieden und Sicherheit gebracht oder haben wir das Schreckgespenst der Einschüchterung und Drohung errichtet?

Haben wir unserer Nation die Wahrheit gesagt und auch anderen in aller Welt oder haben wir ihnen das Gegenteil davon präsentiert?

Standen wir auf der Seite der Menschen oder auf der Seite der Besatzer und Unterdrücker?

Hat unsere Administration sich entschlossen, ein vernünftiges Vorgehen, Logik, Ethik, Frieden, Einhaltung von Verpflichtungen, Gerechtigkeit, Dienst am Volk, Wohlstand, Entwicklung und Respekt der menschlichen Würde zu fördern, oder die Gewalt von Waffen, Einschüchterung, Unsicherheit, Geringschätzung der Menschen, Verzögerung der Entwicklung und Fähigkeiten andere Nationen und die Menschenrechte mit Füßen zu treten?

Und letztendlich werden sie uns darin beurteilen, ob wir wahrhaftig zu unserem Amtseid standen, den Menschen zu dienen, welches die wichtigste Aufgabe ist und die Tradition der Propheten - oder nicht?

Herr Präsident,

wie lange noch kann die Welt diese Situation ertragen? Wohin wird dieser Trend die Welt führen? Wie lange noch muß die Menschheit den Preis für die falschen Entscheidungen einiger Führer zahlen? Wie lange noch wird das Schreckgespenst der Unsicherheit - gezüchtet durch die Vorräte an Massenvernichtungswaffen - die Menschheit verfolgen? Wie lange noch wird das Blut unschuldiger Männer, Frauen und Kinder in den Straßen vergossen werden und die Häuser der Menschen über ihren Köpfen zerstört werden? Sind Sie zufrieden mit den momentanen Zustand der Welt? Denken Sie, daß die gegenwärtige Politik fortgesetzt werden kann?

Wenn die Milliarden Dollar, die für Sicherheit, Kriege und militärische Logistik ausgegeben werden, anstatt dessen für Investitionen und Hilfe für arme Länder, Gesundheitsförderung, Krankheitsbekämpfung, Bildung und Verbesserung des geistigen und körperlichen Wohlbefindens, Hilfe für die Opfer von Naturkatastrophen, Schaffung von Arbeitsmöglichkeiten und Produktion, Aufbauprojekte und Armutsbekämpfung, die Errichtung von Frieden, die Schlichtung von zwischenstaatlichen Streitfällen, und die Eindämmung von rassischen, ethnischen und anderen Konflikten ausgegeben würde, wo würde die Welt heute stehen? Wäre Ihre Regierung und Ihr Volk dann nicht gerechtfertigter Weise stolz? Wäre der politische und wirtschaftliche Stand Ihrer Regierung nicht stabiler? Und ich bedauere es sehr, zu sagen, würde es einen weltweit stetig ansteigenden Haß auf die amerikanische Regierung geben?

Herr Präsident,

es ist nicht meine Absicht, irgendjemand unglücklich zu machen. Wenn die Propheten Abraham, Isaak, Jakob, Ismael, Josef oder Jesus Christus (Friede sei mit ihnen) heutzutage bei uns wären, wie würden sie unser Verhalten beurteilen? Wird uns eine Rolle zugeteilt werden in der verheißenen Welt, wo allumfassende Gerechtigkeit sein wird und Jesus Christus (der Friede sei mit ihm) gegenwärtig sein wird? Werden sie uns aufnehmen?

Meine Hauptfrage ist: Gibt es keinen besseren Weg, mit dem Rest der Welt zu interagieren? Heutzutage gibt es hunderte Millionen Christen und hunderte Millionen Muslime und Millionen Menschen, die den Lehren Moses` (der Friede sei mit ihm) folgen. Alle göttlichen Religionen teilen und respektieren das eine Wort und das ist ”Monotheismus” oder Glaube an einen Gott und niemand anderen in der Welt.

Der Heilige Qur´an betont das gemeinsame Wort und fordert die Gläubigen der göttlichen Religionen auf und sagt:
3:64

    Sag: Ihr Leute der Schrift! Kommt her zu einem Wort des Ausgleichs zwischen uns und Euch, daß wir Gott allein dienen und ihm nichts beigesellen und daß wir uns nicht untereinander an Gottes Statt zu Herren nehmen. Wenn Sie sich aber abwenden, dann sagt: Bezeugt, daß wir Gott ergeben sind.

Herr Präsident,

gemäß den göttlichen Versen, sind wir alle aufgerufen Gott zu dienen und den Lehren der Propheten zu folgen. Einem Gott zu dienen, der über aller Macht der Welt steht und tun kann, was immer Ihm gefällt, der Herr der das Verborgene und das Offene kennt, die Vergangenheit und die Zukunft, der weiß, was in den Herzen seiner Diener geschieht und ihre Handlungen aufzeichnet.

Der Herr, der Besitzer ist der Himmel und der Erde und das ganze Universum huldigt ihm, die Ordnung des Universums steht in seiner Hand, und er gibt seinem Dienern die frohe Botschaft der Barmherzigkeit und Vergebung seiner Sünden. Er ist der Beistand der Unterdrückten und Feind der Unterdrücker. Er ist der Allgnädige, der Allbarmherzige. Er ist die Zuflucht der Gläubigen und führt sie aus der Dunkelheit heraus zum Licht. Er ist Zeuge dessen, was seine Diener tun. Er ruft seine Diener auf zu glauben und gute Werke zu tun und ruft sie auf, auf dem Weg der Gerechtigkeit zu beharren und standhaft zu bleiben. Er ruft seine Diener auf, achtsam gegenüber seinen Gesandten zu sein und er ist Zeuge ihrer Werke.

Ein böses Ende haben nur die, die das Leben des diesseits bevorzugt haben und Ihrem Herrn ungehorsam sind und seine Diener unterdrücken. Und ein gutes Ende und die (ewige Glückseligkeit) des Paradieses gehört denen unter seinen Dienern, die ihren majestätischen Herrn fürchten und nicht ihren Gelüsten folgen.

Wir sind davon überzeugt, daß eine Rückbesinnung der Lehren der von Gott gesandten Propheten der einzige Weg ist, der zum Heil führt.

Mir wurde berichtet, daß eure Exzellenz den Lehren des Propheten Jesus (der Friede sei mit ihm) folgt und an das göttliche Versprechen glaubt, daß die Erde mit Gerechtigkeit regiert wird. Auch wir glauben, daß Jesus Christus (der Friede sei mit ihm) einer der größten (und vorzüglichsten) Propheten des Allmächtigen war. Er wird wiederholend im Qur´an gepriesen. Der Prophet Jesus (der Friede sei mit ihm) wurde ebenso folgenderweise im Qur´an zitiert: und gewiß ist Allah mein Herr und euer Herr, daher dienet Ihm; dies ist der gerade Weg [Sure Maria: 19:36].

Der Dienst gegenüber dem Allmächtigen und der Gehorsam Ihm gegenüber ist der Leitgedanke aller von Gott geleiteten Gesandten. Der Gott aller Menschen in Europa, Asien, Afrika, Amerika, den Pazifik und dem Rest der Welt ist einer. Er ist der Allmächtige, der alle seine Diener führen und um Ränge erhöhen möchte. Er hat den Menschen verliehen. Wir lesen weiter im Heiligen Buch: der allmächtige Gott sendet seine Propheten mit Wunder und klaren Zeichen, um die Menschen zu führen und göttliche Zeichen zu zeigen und um sie (die Menschen) zu reinigen von (ihren) Sünde(n) und Verunreinigungen. Und er sendet das Buch und den Maßstab, so daß die Menschen Gerechtigkeit zeigen und Ungehorsam meiden. Alle der oben erwähnten Verse können auf die eine oder andere Weise auch in der Frohen Botschaft nachgelesen werden.

Göttliche Propheten versprachen: Der Tag wird kommen, an dem sich alle Menschen vor dem Gericht des Allmächtigen versammeln, so daß all ihre Taten begutachtet werden. Die Guten werden zum Himmel geleitet und die Übeltäter werden auf die göttliche Strafe treffen. Ich vertraue darauf, daß wir beide an einen solchen Tag glauben, jedoch wird es nicht einfach sein, die Handlungen der Herrscher zu bewerten, denn wir müssen für unsere Nationen und all die anderen, deren Leben direkt oder indirekt durch unsere Handlungen beeinflußt wurden, verantwortlich sein.

Alle Propheten sprechen von Frieden und Friedlichkeit für die Menschen - basierend auf Monotheismus, Gerechtigkeit und Respekt gegenüber der Menschenwürde.

Denken Sie nicht daß wir, wenn wir alle daran glauben und an diesen Grundsätzen festhalten (die da sind Monotheismus, Gottesdienst, Gerechtigkeit, Respekt gegenüber der Menschenwürde, Glaube an den Letzten Tag), die derzeitigen Probleme der Welt bewältigen können - welche das Resultat des Ungehorsams gegenüber dem Allmächtigen und den Lehren der Propheten sind - und unsere Leistung verbessern können?

Denken Sie nicht, daß der Glaube an diese Grundsätze Frieden, Freundschaft und Gerechtigkeit fördert und garantiert? Denken Sie nicht, daß die oben erwähnten geschriebenen und ungeschriebenen Grundsätze allgemein respektiert werden? Werden Sie nicht diese Einladung annehmen? Dies wäre eine wirkliche Rückkehr zu den Lehren der Propheten, zum Monotheismus und zur Gerechtigkeit, um die Würde und den Gehorsam der Menschen gegenüber dem Allmächtigen und seinen Propheten zu bewahren.

Herr Präsident,

die Geschichte lehrt uns, daß unterdrückende und grausame Regierungen keinen Bestand haben. Gott hat das menschliche Schicksal Menschen anvertraut. Der Allmächtige hat das Universum und die Menschheit ihrem eigenen Gutdünken nicht überlassen. Viele Dinge sind wider den Wünschen und Plänen der Regierungen geschehen. All dies lehrt uns, daß eine höhere Kraft am Werk ist und alle Ereignisse von Ihm bestimmt werden.

Kann man die Zeichen des Wandels in der heutigen Welt abstreiten? Läßt sich die heutige Weltlage mit der vor zehn Jahren vergleichen? Veränderungen geschehen rasch und ereignen sich in rasanter Geschwindigkeit.

Die Menschen der Welt sind mit dem Status quo nicht zufrieden und achten kaum auf die Versprechungen und Äußerungen, die von vielen einflußreichen Führungspersonen in der Welt gemacht wurden. Viele Menschen weltweit fühlen sich unsicher und begehren auf gegen die sich ausbreitende Unsicherheit und den Krieg und nehmen die fragwürdigen politischen Entscheidungen nicht hin. Die Menschen protestieren gegen die zunehmende Kluft zwischen den Besitzenden und Besitzlosen sowie zwischen den reichen und armen Ländern. Die Menschen sind abgestoßen von zunehmender Korruption. Die Menschen vieler Länder sind über die Angriffe auf ihre kulturellen Grundlagen und das Auseinanderreißen von Familien entrüstet. Gleichermaßen sind sie über den Niedergang von Zuwendung und Mitgefühl bestürzt. Die Menschen der Welt haben den Glauben an internationale Organisationen verloren, weil ihre Rechte von diesen Organisationen nicht mehr vertreten werden.

Der Liberalismus und die westliche Form von Demokratie sind nicht in der Lage gewesen, die Ideale von Menschlichkeit zu verwirklichen. Aus heutiger Sicht sind diese beiden Grundkonzepte gescheitert. Wer hinter die Dinge blickt, kann bereits das Knirschen vom Zusammenbruch und Niedergang der Ideologie und Denkweise des liberaldemokratischen Systems vernehmen.

Zunehmend erkennen wir, daß Menschen weltweit sich zusammentun in Richtung auf einen Anziehungspunkt - Gott den Allmächtigen. Zweifelsohne durch den Glauben an Gott und die Schriften der Propheten werden die Menschen ihre Probleme in Griff bekommen. Mein Frage an Sie lautet: ”Möchten Sie nicht dabei sein?”

Herr Präsident,

ob wir wollen oder nicht, die Welt wird zum Glauben an den Allmächtigen hingezogen, und die Gerechtigkeit und der Wille Gottes werden über alles den Sieg davon tragen.

Und der Friede sei mit denen, die der Rechtleitung folgen.

Mahmood Ahmadinejad

Präsident der Islamischen Republik Iran