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Der demographische Wandel

Der nachfolgende Beitrag ist mein subjektive Wahrnehmung und setzt sich mit den Begriffen auseinander, die heutzutage mehr als gut tut unser Leben beeinflussen.

Gemeint sind:

  • Globalisierung
  • Neoliberalismus
  • Demographischer Wandel

Globalisierung

Was ist damit eigentlich gemeint? Das der Handel jetzt Weltumspannend ist? Wohl kaum, denn dieser Tatbestand existiert schon seit der Antike, nur dass damals das Weltbild ein wenig kleiner war. Die Globalisierungs-Befürworter möchten uns das zwar Glauben machen, aber tatsächlich sind es zwei Faktoren, welche die Globalisierung ausmachen:

  1. Die Finanzströme, die über die ganze Welt laufen
  2. International agierende Konzerne

Auch wenn das manchem als positiv erscheinen mag, es ist es nicht. Die Finanzströme haben durch die weltweiten Netzverbindungen inzwischen einen rein virtuellen Charakter und soviel Geld, wie dort durch die Netze geistert, wurde von den Notenbanken der Welt nie ausgegeben. Platzt diese Blase, werden eine Unmenge Menschen betroffen sein, außer jenen natürlich, die diese Blase aufbauen.

Die international agierenden Konzerne kontrollieren heute bereist mehr Kapital, als alle Staaten dieser Welt zusammen. Sie stellen damit eine Machtkonzentration dar, die sich aufgrund der einzig auf die Erweiterung der eigenen Macht konzentrierten Vorgehensweise fatal auf Staat und übrige Wirtschaft auswirkt. Sie bestimmen den politischen Kurs und sie nehmen die Menschen nicht mehr als Menschen, sondern lediglich als zu teure Produktionsfaktoren wahr.

Was aber macht einen solchen Konzern aus, wer steckt dahinter? Hier wird es gespenstisch. Das weiß im Prinzip keiner mehr. Die Vorstände sind auch nur Schachfiguren in diesem Spiel, deren Interessen nur von einer Forderung geleitet werden: Möglichst kurzfristig möglichst viel Profit zu machen. Möglichst viele andere Unternehmen zu schlucken und möglichst nicht selbst geschluckt zu werden. Hinter den Kulissen steht eine namen- und gesichtslose Masse von Aktionären, die mit dem Unternehmen nur das Interesse am Profit verbindet. Jetzt sollte man glauben, dass die Aktionäre doch transparent zu machen wären, bekommen sie doch jedes Jahr eine Einladung zu den Aktionärsversammlungen. Doch weit gefehlt! Die wirklich großen Aktienpakete halten Banken, Investmentgesellschaften, Fonds und andere Großkonzerne, wiederum Aktiengesellschaften und deren Aktien haben wieder eine ähnliche Verteilung. So ergibt sich eine Netzstruktur, derart verwoben und verflochten, dass weder Anfang noch Ende zu finden sind. Gerade für die Großaktionäre (Banken, Investmentgesellschaften und Fonds) haben die Aktienpakete spekulativen Charakter. So werden Aktienpaket verkauft, angekauft, wieder verkauft und damit Gewinne und Verluste eingefahren, die für ein im Kern gesundes Unternehmen tödlich sein können weil die spekatulären Interessen einer der vorgenannten Besitzer politischen Charakter besitzen. Steigt der Kurs, wird das Unternehmen als gesund betrachtet, sinkt der Kurs, ist das Gegenteil der Fall. Mit den wahren Werten des Unternehmens hat das nichts zu tun, aber Kursverluste über eine längere Zeit bedeutet Vertrauensverlust. So kann ein Unternehmen ruiniert werden, weil es aus Sicht der Spekulanten nicht genügend Potential für spekulative Gewinne hat.

Neoliberalismus

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde ein Wirtschaftssystem eingeführt, welches nach dem Mathematiker und Ökonom John Mainhard Keynes als Keynesianismus bezeichnet wurde. Diesem Wirtschaftsmodell wurde Europaweit (westliches Europa) der Vorzug vor dem monetären Wirtschaftsmodell gegeben, welches in den USA bereits praktiziert wurde. Das Wirtschaftsmodell von Keynes ging von einem intervenierenden Staat aus, der mit seiner Fiskalpolitik ausgleichend auf Rezessionen und Booms hinwirkt.

Die von Ludwig Erhard eingeführte "soziale Marktwirtschaft" war eine Mischung von Keynesianismus und Ordoliberalismus. Der Neoliberalismus ist dabei eine Mischung von mehreren Konzepten: Ordoliberalismus (Freiburger Schule), Wirtschaftsliberalismus (Laissez faire) oder die Österreichische Schule. Eines hatte alle liberalen Modelle gemeinsam: Die Eingriffe des Staates in die Wirtschaft zu minimieren. Einer der Gründervater des aktiven Neoliberalismus ist wohl der aus Österreich und ursprünglich zur Österreichischen Schule gehörende Friedrich von Hayek. Von Hayek hat für seine Wirtschaftstheorie den Nobelpreis bekommen, den er sich aber ironischer Weise mit einem Vertreter des Keynesianismus teilen musste.

Die Grundidee des Neoliberalismus ist ein von politischen Eingriffen befreiter Handel, der auf einer Angebotstheorie beruht. Je mehr produziert wird, desto billiger kann das Produzierte auf den Markt gebracht werden, was wiederum die Produktion erhöhen soll. Dieser Druck auf die Preise kann dabei nur mit einem gleichzeitigen Druck auf die Löhne realisiert werden. Dabei ist ein ständiges Wachstum unumgängliche. Was mich an dieser Theorie verblüfft ist das Fehlen folgender Überlegungen:

  • Dass die Märkte mal gesättigt sein könnten,
  • dass ein sinkendes Lohnniveau gleichzeitig einen Kaufkraftschwund verursacht
  • dass permanentes Wachstum eine unmögliche Fiktion darstellt.

Wachstum wird aus der Innovation und aus der Erschließung neuer Märkte generiert. Nur kann die Innovation, also die Entwicklung neuer Waren mit den Produktionsmöglichkeiten nicht mehr Schritt halten und die Erschließung neuer Märkte ist auch nahezu abgeschlossen, weil die noch nicht erreichten Märkte in den Ländern zu finden sind, die durch die westlichen Industrienationen und deren nachkolonistische Methoden (Ausbeutung der Länder der dritten Welt, sowohl was Ressourcen als auch die Arbeitskraft angeht) nicht über die erforderliche Kaufkraft verfügen.

In der Theorie des Neoliberalismus wird auch geflissentlich ignoriert, dass die Wirtschaft sich zwar die für sie positiven Elemente zu eigen macht, ohne die Einschränkungen zu beachten. So werden beispielsweise Subventionen, Monopole und Kartellbildung als schädliche Faktoren angesehen, aber niemand unternimmt was dagegen.

Demographischer Wandel

Nichts ist so leicht zu missbrauchen wie die Statistik. Gerade bei der Darstellung unserer Politik und bestimmter, im Auftrag der Wirtschaft und Politik agierender Wissenschaftler (hier seien für diese Sparte besonders die Herren Rürup und Raffelshüschen genannt) wird mit statistischen Daten jongliert, die im Kern richtig sind, aber verfremdet angewendet werden.

Es wird betont, dass die durchschnittliche Lebenserwartung ständig steigt und die Menschen immer älter werden. Dieses Modell rechnen die vorgenannten Herren bis 2050 hoch und fabrizieren damit eine Meinung und Stimmung im Lande, die katastrophal ist. Das Schlimme ist, dass dabei wesentliche Dinge unberücksichtigt bleiben. Jeder kennt den Karnevalsschlager: Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei". Ich weite das aus. Auch die Demographische Betrachtung hat zwei Enden, die aber von den Protagonisten wohlweislich verschwiegen werde.

Schauen wir zunächst auf die durchschnittliche Lebenserwartung. Die steigt seit Jahrtausenden. Gewiss, heute werden die Menschen etwas älter, als vor 60 Jahren, aber keinswegs in dem Maße, wie von den Herren hochgerechnet. Die durchschnittliche Lebenserwartung beinhaltet nämlich auch die Sterberate vor Erreichung des Rentenalters. So ist seit Ende des zweiten Weltkrieges die Säuglings- und Kindersterblichkeit erheblich vermindert worden, was den Wert der durchschnittlichen Lebenserwartung steigen lässt, ohne dass ein Rentner alter als zuvor geworden wäre. Die Zahl der Todesfälle im arbeitsfähigen Alter ist durch Schutzmaßnahmen, die Medizin, bessere und ungefährlichere Arbeitsplätze und durch sinkende Zahlen bei den Verkehrstoten ebenfalls erheblich gesunken. Auch hier wird die durchschnittliche Lebenserwartung steigen, ohne dass ein Rentner älter wird. Aber natürlich werden durch die Verbesserung der medizinischen Versorgung die Menschen auch älter. Aber bei weitem nicht in dem Maße, wie es Herr Rürup, Frau Schmidt oder Herr Raffelshüschen immer und immer wieder behaupten.

Doch kommen wir auf die Wurst mit den zwei Enden zurück. Die Wurst der Demographie hat einen Anfang und ein Ende. Das Ende kennt jeder, die lästigen Rentner, die unsoziale Forderungen stelle, nur weil sie glauben, sie hätten schließlich dafür in die Rentenkassen eingezahlt. Vergessen wird dabei gerne, dass es noch eine Gruppe am anderen Ende gibt, die auch versorgt wird, ebenfalls von den Menschen, die sich in Lohn und Brot befinden: Die Kinder, von der Geburt bis zum Eintritt ins Berufsleben. Auch hier ist ein Wandel zu verzeichnen. Bis in die 60ger Jahre des vorigen Jahrhunderts ist die Mehrzahl der Berufsanfänger mit 14 bzw. 15 Jahren ins Berufsleben eingestiegen. Inzwischen liegt der Durchschnitt bei über 20 Jahren. Grund ist die weiterführende Schulausbildung und die wesentlich höhere Zahl der Studierenden.
Gewiss, die Hauptlast für die Versorgung dieses Endes der Demographie liegt bei den Eltern. Trotzdem bringt die Gesellschaft immense Summen auf. Die Jugend bis zu dem Punkt zu bringen, wo sie ins Berufsleben einsteigt. Kindergärten, Schulen, Krankenhäuser, Verkehrswege, Spielplätze und einiges mehr, was die Gesellschaft, also alle Steuerzahler, ganz oder teilweise zur Erziehung und Ausbildung bis zum Berufseinstieg beisteuert, auch die viel gescholtenen Singles.

Berechtigterweise stellt das kein Mensch in Frage, weil die Gesellschaft an die Jugend eine Leistungserwartung hat. Darf man darüber die ausgrenzen, die diese Leistung bereits erfüllt haben? Die ihr Leben lang in eine Rentenkasse eingezahlt haben, in der Erwartung, am Lebensabend versorgt zu sein, wohlverstanden, durch Eigenvorsorge? Und das alles aufgrund von gezielt desorientierenden statistischen Wertetabellen? Würden die Angaben der Politik, Wirtschaft und Wissenschaft in der wiedergegebenen Form stimmen, müssten die Sozialkassen überlaufen, denn, das können Sie auf den Nachdenkseiten detailliert nachlesen, hat es seit Kriegsende noch nie so viele arbeitsfähige Menschen in Deutschland gegeben wie heute. Aber man leistet sich den Luxus von 10 Millionen Menschen ohne Arbeit oder in geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen ohne Beiträge für die Sozialsysteme.

Warum das Ganze? Nun, die Arbeitslosen sind für die Wirtschaft ein hervorragendes Druckmittel, um Löhne zu kürzen, unbezahlte Mehrarbeit zu verlangen. Gleichzeitig unterstützt es ihre Aussagen vom kranken Deutschland und den Forderungen nach Reformen. Inzwischen glaubt die Mehrheit in der Bevölkerung daran. Da hat z. B. der Gesamtmetallverband Metallverarbeitung und Elektroindustrie seit 2000 bereits 50 Millionen in die Gründung der INSM investiert und jetzt ein weiters Etat von nochmals 50 Millionen bis 2010 zur Verfügung gestellt. Aufgabe für diesen Jahresetat von 10 Millionen ist es, das Image der Industrie zu verbessern und gleichzeitig die neoliberale Botschaft in die Köpfe der Menschen zu bringen. Gehirnwäsche nennt man so etwas. Angeschlossen ist die PR-Agentur Scholz & Friends, die quasi die INSM aus der Taufe gehoben hat. Die wissenschaftliche Arbeit macht das Institut für Wirtschaft in Köln und eine Menge bekannter Persönlichkeiten wirken als so genannte (Botschafter und Kuratoren mit der Aufgabe, als Multiplikatoren zu wirken. Das sind die Leute, die man in Fernsehsendungen wie beispielsweise Christiansen einlädt. Zur INSM gehört auch die berolino.pr mit Tasso Enzweiler als Geschäftsführer. Enzweiler ist ein Pressemensch, der bereits für namhafte Zeitungen gearbeitet hat (Beispiel Financial Times, capital, manager magazin etc.). Er lanciert fertige Artikel in die Presse (Spiegel, Focus, Welt, capital, manager magazin, impulse, FAZ/FAS). die eine Mischung aus Reportage und Public Relation sind. Wahres, gemischt mit gezielter Desinformation wird so den Lesern beinahe täglich auf den Tisch gelegt. Meist bleibt die INSM dabei im Hintergrund. Eng verwoben mit der INSM ist der Freiburger Kreis, dem Raffelshüschen angehört. So, wie die INSM agieren in Deutschland etliche Institute und Stiftungen:

Ein Ziel habe alle gleichermaßen, uns zu überzeugen, wie schlecht es uns geht, dass Arbeitslose, Kranke und Rentner Schmarotzer sind, dass man die Wirtschaft nur von Lohn- Lohnnebenkosten und Steuern entlasten muss, damit es wieder aufwärts geht. Seit mehr als 20 Jahren versprechen die Verbandspräsidenten der Wirtschaftsverbände, damit würden Arbeitsplätze geschaffen, doch passiert ist nichts. Ohne Experten können unsere Politiker scheinbar keinerlei Entscheidungen mehr treffen. Diese Experten kommen samt und sonders aus den vorgenannten Institutionen.

Obgleich wir an Stelle 1 der Exporte liegen und einen sehr guten Exportüberschuss (Differenz zwischen Export und Import) haben, verbreiten die geimpften Presseorgane die gleiche Leier immer weiter: Deutschland ist Europäisches Schlusslicht, Deutschland kann international nicht mithalten. Nichts von alledem stimmt. Wir exportieren mehr als die gesamte übrige EU zusammen. Was wirklich schwächelt, ist der Binnenmarkt, nicht wegen der Lohn-, der Lohnebenkosten oder der Steuer, sondern wegen dem permanenten Kaufkraftschwund, verursacht durch ständig neue Belastungen der Bevölkerung durch die Politik. Die letzten Steuerentlastungen dieser Regierung waren für die Großverdiener und die Wirtschaft zusätzliche Einnahmen, die arbeitende Bevölkerung hat wegen der gleichzeitig vorgenommenen Anhebung anderer Belastungen wie Gesundheitsreform oder Rentenreform davon nichts behalten. Aber fest steht, dass gerade die Mehreinnahmen der unteren Einkommensschichten direkt zurück in den Binnenmarkt fließen. Jede Belastung dieser Einkommensschichten verursacht Konsumverzicht (zwangsweise). Die, die noch ein wenig mehr haben, haben kein Vertrauen mehr und legen lieber was zurück, als es auszugeben.

Finanzströme

Geld ist ein echtes Problem. Jeder ist gewohnt, dass Geldanlagen Zinsen bringen. Stimmt. Das Problem dabei, die Zinsen sind totes Kapital. Damit meine ich, dass Zinsen keinerlei produktiven Charakter haben. Die Forderung der Wirtschaft nach Wachstum hat nichts damit zu tun, dass ansonsten der Bedarf nicht gedeckt würde. Für die Bedarfsdeckung wird mehr als genug produziert. Damit die Produkte überhaupt noch verkaufbar sind, werden Sie größtenteils als Einwegprodukte hergestellt. Geht was kaputt, muss man das Teil neu kaufen, reparieren geht nicht. Abgesehen von der Verschwendung der Ressourcen kostet das auch Arbeitsplätze. Haben Sie schon mal überlegt, wie viele Jobs der Vergangenheit durch Reparaturdienste gesichert waren? Aber wir brauchen Wachstum, nicht bei den Arbeitsplätzen, sondern bei den Finanzströmen. Wer Geld verleiht (Geldanlage), will dafür Zinsen haben. Durch die Zinsen wächst aber die Kapitalmenge an. Derjenige, der 1 Million für 6% Zinsen verleiht, hat nach einem Jahr ein Kapital von 1.060.000. Wenn er diesen Vorgang permanent wiederholt, hat sich sein Kapital nach 12 Jahren verdoppelt, nach 24 Jahren vervierfacht und nach 36 Jahren hat er schon stolze 8 Millionen auf dem Konto. Aber für dieses Zinskapital wurde kein Brötchen gebacken, keine Kaffeemaschine gebaut, schlichtweg rein gar nichts produziert. Um aber Zinsen zu bekommen, muss derjenige, der das Geld benötigt, diese Zinsen zahlen. Nehmen Sie einen Kredit auf, zahlen Sie die Zinsen und müssen dafür Ihren Verbrauch einschränken. Nimmt ein Unternehmer den Kredit auf, ist er schlau genug, die Zinsen nicht selbst zu zahlen, sondern schlägt sie auf den Preis für die Produkte auf. Somit zahlen Sie als Verbraucher seine Zinsen mit. Hat der Unternehmer nun ein Problem damit, dass seine Produkte durch den Aufschlag der Zinsen im Vergleich zur Konkurrenz zu teuer sind, "rationalisiert" er, versucht also, die Produktionskosten zu senken. Die Folge? Arbeitnehmer werden entlassen, damit er wieder zu den Preisen der Konkurrenz produzieren kann.

Was Sie bei den von den Wirtschaftsinstituten über die Probleme der Wirtschaft auch zu hören bekommen, ein Posten fehlt immer: Die Zinslast. Dabei machen die heute schon ca. 30% (Mittelwert) der Produktkosten aus. Und jetzt sollten Sie mal selbst nachdenken. Sie haben 30.000 auf dem Sparbuch. Als Kleinsparer sind Sie schon froh, wenn Sie Zinsen von 4% bekommen, macht im Jahr also 1.200 aus. Da Sie aber auch leben müssen, haben Sie einen jährlichen Verbrauch an Waren von 20.000 . Von diesen 20.000 beträgt der Zinsanteil (30%) aber 6.000 . In der Realität haben Sie also nicht 1.200 Zinsen erhalten, sondern 4.800 Zinsen gezahlt. Sehen Sie, dass ist Kapitalismus. Der am Anfang genannte Unternehmer, der einen Kredit aufnimmt, um seine Produktion zu finanzieren, schlägt die Zinsen auf die Produkte auf. Sein Privatkapital legt er aber verzinslich an. Im Verhältnis zu Ihrem bescheidenen Guthaben ist bei ihm der Zinsgewinn höher, als der für persönliche Ausgaben zu zahlende Zinsanteil. Er ist Kassierer, Sie sind Zahlmeister.

Ich habe am Anfang von virtuellem Kapital gesprochen. Das ist das durch Zinsen erworbene Kapital. Es wächst ständig und das ist die eigentliche Begründung für die Forderung nach Wachstum. Jeder Zinsgewinn drängt für die erneute Anlage auf den Kapitalmarkt und braucht, um wieder Zinserträge zu bekommen, einen Schuldner, jemanden, der die Zinsen zahlt. Und das sind immer Sie, es sei denn, Sie sind ein Kapitalist, dessen Privatvermögen mehr Zinsen einbringt, als für die persönlichen Ausgaben an Zinsen zu zahlen sind. Prozentual kann man sagen 90% sind Zahlmeister und 10% sind Kassierer.
Nur noch als Hinweis: Die Kapitalmärkte der Börse funktionieren nicht anders Spekulationsgewinne an der Börse sind das Pendant zu den Zinsen für Kreditaufnahmen.

1945, als der wiederaufbau der zerstörten Bundesrepublik begann, waren Zinsen kein Problem. Aber inzwischen sind 60 Jahre vergangen. Das Kapital des zu Beginn genannten Anlegers wäre jetzt bereits auf 64 Millionen angewachsen.

Um Ihre Phantasie anzuregen, mal ein obskures Beispiel. Stellen Sie sich vor, der Bürgermeister Ihrer Stadt will die geparkten Autos von der Straße haben, Er baut ein Parkhaus, und damit Sie es Nutzen, erhebt er keine Parkgebühr, sondern zahlt Ihnen eine. Und für jede weitere Stunde, die Sie dort parken, zahlt er mehr. Nach kurzer Zeit erkennt er, dass das Parkhaus bald voll sein wird, weil jeder die Parkzeit ausdehnt, ja lieber mit dem Bus nach Hause fährt, als sein Auto aus dem Parkhaus zu holen. Also baut der Bürgermeister ein größeres Parkhaus. Sie müssen jetzt Ihr Auto in dieses Parkhaus fahren und Ihr Bürgermeister reißt das erste Parkhaus ab und baut ein noch größeres. Schwachsinn, werden Sie sage! Nein, Realität, nur nicht mit Autos, sondern mit Geld. Was, glauben Sie, sind Staatsanleihen von Bund, Ländern und Kommunen anders als Parkhäuser für Geld? Ist eine Anleihe fällig (Parkhaus voll), legt der Staat (oder das Land oder die Kommune) eine neue Anleihe auf (neues Parkhaus) und die Anleger (die Parkenden) ziehen um in das neue Parkhaus (ordern die neue Anleihe). Jedes Jahr baut der Finanzminister ein zusätzliches Parkhaus auf und nennt es Nettoneuverschuldung. Da der Staat nichts (mehr) produziert, außer Schulden, kassiert er die Zisen über die Steuern von Ihnen ein. Dämmert es jetzt, wo die wirklichen Probleme in diesem (und nicht nur hier) Land liegen? Gäbe es keine Zinsen, würde kein Wachstum benötigt. Geld wäre wieder das, wofür es ursprünglich gedacht war, ein reines Tauschmittel. Utopisch, meinen Sie? Keineswegs. In der Geschichte war es lange Zeit Gesetz. Bei den Juden im alten Testament wurde dieses Gesetz aufgeweicht, dass man an Nichtjuden Geld gegen Zins verleihen durfte. Im Koran ist es noch heute verboten, Zins zu nehmen, nur die Kapitalisten der arabischen Welt übertreten dieses Gesetz, über die Banken der Schweiz oder anderen Zins- und Steueroasen.

Es gibt nur eine wirklich vernünftige Lösung und die heißt kürzere Arbeitszeiten und ein Finanzsystem, in welchem geparktes Geld eine Gebühr kostet. Geld gehört in den Wirtschaftskreislauf und Gewinne müssen erwirtschafte werden, durch Produktion und Handel, nicht aber durch parken. Die Politik sollte sich endliche wieder darauf besinnen, dass die Wirtschaft für die Menschen da ist und nicht umgekehrt.