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Erstelldatum: 15.10.2006

Die ARGE Köln und Roland Berger

Aus dem Kölner Stadtanzeiger (Ksta) erfährt man, dass die Strategie-Consulting Firma Roland Berger die Arge Köln für eine effiziente Arbeit der Vermittlungsbehörde berät. Nach Aussagen des Ksta hat Roland Berger zuvor schon 7 andere ARGEn beraten.

Wer ist Roland Berger bzw. was macht sein Unternehmen? Das Unternehmen ist weltweit das größte Strategie-Consulting Unternehmen europäischen Ursprungs mit 32 Büros und weltweit tätig. Mit 1.700 Mitarbeitern erwirtschaftete das Unternehmen 2005 einen Umsatz von 550 Millionen €. Berger ist aktives Mitglied der INSM, die, von der Gesamtmetall jährlich mit 10 Millionen gesponsert, mit allen Mitteln versucht, den neokonservativen Kurs der Wirtschaft und Politik der Bevölkerung schmackhaft zu machen, also Lohndumping, Steuerbefreiung für Unternehmen, das Ende der paritätischen Mitverantwortung der Unternehmen an den Sozialbeiträgen, Kürzungen der Transferleistungen für Hartz IV, Rentenkürzung usw.

Im ”International Advisory Board” der Blackstone Group hat er die Funktion eines „Chairman Germany". Die Blackstone Group ist eine US-Investmentgesellschaft, hat im vergangenen Jahr für 2,68 Mrd. Aktien der Telekom gekauft und will verstärkt auf dem Deutschen Markt Geschäfte abwickeln. Verständlich, denn nirgendwo sonst wird es so leicht gemacht, das Tafelsilber des Staates so günstig einzukaufen, wie in Deutschland.

Soweit die Kurzinformationen über Roland Berger. Im Ksta ist die Überschrift identisch mit der Aussage der ARGE-Chefin Birgit Jung, die sagt: "Wir sind nicht gut genug". Die Aussage muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Eine Behörde mit mehr als 100.000 Mitarbeitern kauft Beraterleistung von einem Unternehmen mit gerade 1.700 Mitarbeitern ein, weil unter den über 100.000 Mitarbeitern der Behörde offensichtlich niemand zu finden ist, der entsprechende Konzepte entwickeln könnte. Nun kann man sagen, dass das Beratungsunternehmen ja auch nur Spezialisten als Mitarbeiter eingestellt hat. Aber wer so etwas sagt, hat seine graue Zellen dabei offensichtlich völlig ausgeschaltet. Unternehmen wie das von Roland Berger haben keine Kompetenz, wenn es darum geht, Arbeitslose wieder in einen Job zu vermitteln, denn sie sehen ihre Aufgabe im genauen Gegenteil Sie beraten Unternehmen zum Thema Profitmaximierung, Stellenabbau und Marktpositionierung. Die Behörde, früher einmal Arbeitsamt genannt, heute großspurig als "Bundesagentur für Arbeit" bezeichnet, sollte eigentlich nur auf die Vermittlung von Arbeitslosen in adäquate Jobs spezialisierte Mitarbeiter haben. Eine solche Aussage einer leitenden Person dieser Behörde ist ein absolutes Armutszeichen und würde in einem Wirtschaftsunternehmen zur Auflösung und Entlassung dieser Mitarbeiter führen.

Dem Bericht zufolge hat das Unternehmen Roland Berger bereits 7 andere ARGEn beraten. Man kann sicher sein, dass damit bereits zu 8. Male das gleiche Konzept zu einem Preis verkauft wird, als sei es gerade erst neu entwickelt worden. Für solche Beratungsleistungen hat die BA bereits Unsummen ausgegeben und damit ihre eigene Unfähigkeit permanent unter Beweis gestellt. Dieser beweis der Unfähigkeit trifft im gleichen Maße auf das Ministerium für Arbeit und Soziales unter der Leitung vom Vize-Kanzler und Minister Franz Müntefering zu.

Die Empfehlung des Consulting-Unternehmens haben eine entsprechende Qualität. Bergers Unternehmensberater schlagen vor, den Zeitaufwand für die Beratungsleistung für die Arbeitslosen stark zu vermindern, indem man die Ratsuchenden in der Eingangshalle abfertigt oder eine Telefon-Hotline einrichtet. Die eigentlichen Fallmanager, wie man die Sachbearbeiter heute nennt, sollen sich nur noch auf eine bestimmte Klientel der Arbeitslosen konzentrieren, maßgeblich in einer Altersgruppe zwischen 25 und 45 Jahren mit kompletter Ausbildung. für den Rest sollen Vermittlungsbemühungen unterbleiben oder höchstens bei freier Kapazität erfolgen. Dafür soll der Druck aber verstärkt werden. Die Behörde soll, so wörtlich, "Treiber statt Getriebener" sein. Dass für jeden Arbeitslosen individuelle Anforderungen in Bezug auf Beratungsleistung erforderlich sind, stört die Fa. Berger offenbar nicht. Sie will diese Leistung in die Eingangshalle (zum Pförtner?) oder in ein Call-Center verlegen. Auch das werte ich als Beweis für die Unfähigkeit von Personalberatungsunternehmen, solche Aufgaben wahrzunehmen. Aber auch für die seelenlose Kälte der nur auf die eigene Karriere fixierten Yuppies diese Unternehmen.

Dieses Konzept ist nicht neu, denn bereits vor Wochen wurde bekannt, dass die BA Arbeitslose in Kategorien aufteilt, Markt-, Beratungs- und Betreuungskunden. In das Segment Marktkunde fallen die "Frischlinge", als Leute, die gerade erst ihren Job verloren haben und möglichst innerhalb von 3 Monaten wieder vermittelt werden sollen. Im Klartext bedeutet das, man schickt sie zu Vorstellungsgesprächen, aber Beratung gibt es nur im äußersten Notfall nach dem Motto: "Hilf Dir selbst, dann hilft Dir die BA", zusammengefasst in der Einheitsfloskel "Selbstverantwortung".

Beratungskunden, das ist sozusagen das Fegefeuer, Kunden, die der inkompetenten Meinung der Behördenmitarbeiter nach noch integrationsfähig sind und deshalb noch Beratungsleistung erhalten. Betreuungskunden sind für die Hölle vorgesehen, also abgeschrieben. man hat mitunter den Eindruck, dass die Betreuungskunden das Belustigungspotential der BA-Mitarbeiter abgeben sollen. Statt Beratung und Hilfestellung bekommen sie Druck. Obwohl, oder gerade weil die Behörde sie abgeschrieben hat, Schikaniert man sie. Kontrollen, Leistungskürzungen wegen angeblicher Vernachlässigung der Mitwirkungspflichten und ähnliche Gemeinheiten sind offensichtlich das Hobby von einigen Behördenmitarbeitern.

Das Grundkonzept der Kundengliederung wurde von der BA erarbeitet und wird nun von der Fa. Berger an die Argen gegen teures Geld verkauft. Es ist nicht unbekannt geblieben, dass diese Firmen der Unternehmensberatung ihre Konzepte auf der Datenbasis der Beratenen erstellen und so modifizieren, dass damit Anschlussaufträge konzipiert werden. Das Grundkonzept der BA wurde, wenn ich nicht irre,, von McKinsey erstellt. Es ist ein primitives betriebswirtschaftliches Konzept nach der Devise, alles, was den Profit bedrohen könnte, rigoros zu kappen. Mit diesen Konzepten wurden weltweit Millionen Arbeitsplätze vernichtet. Ausgerechnet diese Unternehmen werden nun herangezogen, Menschen in Arbeit zu vermitteln. Dass sie den sozialpolitischen Auftrag dieser Behörde ins Gegenteil verkehren, versteht sich von selbst. Dass aber der Staat überhaupt diese Unternehmen beauftragt und Millionen, wenn nicht Mrd. dafür ausgibt. obwohl die Behörde überproportional mit Mitarbeitern besetzt ist, beweist die absolute Inkompetenz in der Politik und der darunter angesiedelten Behörden. Man sollte alle BA-Mitarbeiter rausschmeißen und als Betreuungskunden einordnen, dafür 100.000 Arbeitslose auf diese Stellen setzten, denn die haben Ahnung vom Arbeitsmarkt, von Betriebsabläufen und den Anforderungen in Wirtschafts- und Dienstleistungsunternehmen. So, denke ich, könnte die Arbeitslosigkeit wesentlich effektiver bekämpft werden.