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Supermutti und Wertediskussion

Ursula von der Leyen ist eine verantwortungsbewusste Frau. Sie hat auf eine Karriere als Supernanny bei RTL II verzichtet und wurde stattdessen Familienministerin. Nun ja, weil Familie sich in diesem Land ja weiter auf Talfahrt befindet, hat sie noch das Ressort Senioren dabei, wie wir alle wissen mit einer wachsenden Klientel, außerdem noch Die Themen Frauen und Jugend. Frauen ist dufte, machen sie doch immerhin mehr als die Hälfte der Bevölkerung aus. Jugend ist hingegen schwierig, denn eigentlich wird den Nachkommen ja heute Kindheit und Jugend gestohlen. Weil man glaubt, ein paar Computerspiele, ein Stapel CD's, Fernsehen, Comics und ein Handy reichen aus, um diese Generation glücklich zu machen.

Wie auch immer. Energisch schreitet von der Leyen zur Tat und in der Presse werden Pro und Contra heftig diskutiert. Christliche Werte sollen wieder vermittelt werden. Dabei scheint die Presse zu übersehen, dass eigentlich ja unter König Gerhard, dem Gas-Pipe-Liner bereits eine Rückkehr zum Alt-Christlichen Weltbild erfolgte, schließlich hat er mit der Agenda 2010 die hl. Inquisition wieder eingeführt und als Großinquisitor seinen persönlichen Bluthund Wolfgang Clement eingesetzt. Das Beratungsteam des Großinquisitors wurde von Peter Hartz angeführt. Als Ketzerei wurde der Zustand der Arbeitslosigkeit definiert. Eine Inquisition ohne peinliche Befragung wäre ja nutzlos gewesen, andererseits aber ist physische Folter heute nicht mehr ein probates Mittel und äußerst geschäftsschädigend. Welcher Gefolterte mit einem entstellten Gesicht oder Brandnarben am ganzen Körper würde sich schon noch in die Läden von Douglas verirren? Das machte die Aufgabe für die Inquisitionsberatung ja so schwierig. Doch spätestens seit Siegmund Freud weiß man ja, dass psychische Folter fast noch wirkungsvoller ist.

Noch ein Problem löste König Gerhard, Im Zeichen der Emanzipation nur einen Mann als Inquisitor einzusetzen, hätte ihm in Emma, Brigitte, Freundin usw. herbe Kritiken eingebracht. Deshalb wurde eine zweite Abteilung der Inquisition eingesetzt. In diesem Ressort wurden alt und krank als Ketzerei festgelegt und von der Großinquisitorin Ulla Schmidt entsprechend hart bestraft. Auch ihr stand natürlich ein erfahrenes Berater-Team zur Seite, welches die Schwere der Ketzerei definierte und das jeweilige Strafmaß festlegte. Ihr oblag es, die heiligen Institutionen der Pharmazie vor den Ketzern zu schützen.

Auf den Zusatz "heilig" musste König Gerhard aber verzichten, denn wir waren ja noch nicht Papst. König Gerhard, der sich ein wenig an Heinrich dem VIII. von England orientierte, hat sicherlich ein wenig bedauert, das Enthauptungen nicht mehr en vogue waren, hätten sie doch vielleicht sein Nacheifern in Bezug auf Frauen erleichtert. Seine letzte Frau hätte es in der Hand gehabt, Hoffnung im Volk zu erwecken, hätte sie ihren Namen vor den Seinen gesetzt (Köpf-Schröder hätte sicherlich reichlich Zustimmung gefunden). Trotzdem mag aus dieser Verbindung seine Vorliebe für Heinrich den VIII. erkennbar sein. Wie sein Vorbild versuchte er, eine neue Religion, die Religion der Agenda 2010 einzuführen, aber das dumme Volk zeigte nicht die entsprechende Aufgeschlossenheit für das heilige Dogma "Wirtschaftswachstum". So dankte er entnervt vor der Zeit ab und widmet sich von nun an seinen eigentlichen Professionen, der Beratung über wortgewaltige und nichts sagende Reden (Blick - Schweiz und Rothschild - USA) und zusammen mit seinem Freund Wladimir bastelt er an einem Unterwasser-Röhrchen, damit sein Gasherd weiter brennt. Sin Großinquisitor Clement hat auch das Hanstuch geschmissen und sich zu RWE abgesetzt.

Seine Nachfolgerin auf dem Thron, Angela die I., will die Rückkehr zum traditionellen Glauben, allerdings will sie die Glaubensvorstellungen ihres Vorgängers integrieren, weshalb sie die beiden Inquisitionen nicht nur beibehält, sondern noch verschärft. Ursula von der Leyen, welche die Nachfolge der Hofdame von König Gerhard, Renate Schmidt antritt die trotz Diäten nicht abgenommen hat, ein Umstand, der aber nicht sonderlich ins Gewicht fällt, weil sie ja ohnehin nicht in Erscheinung trat.

Anders die Hofdame von Königin Angela, Ursula von Leyen. Königin Angela erkannte gleich das Talent ihrer Hofdame, als Supermutti der Nation in Erscheinung zu treten und traditionelle Werte neu zu beleben. Dazu gehört natürlich auch, Staat und Kirche einander wieder näher zu bringen. Ein sinnvolles Unterfangen, war es doch die Kirche, die Globalisierung bereits vor 2.000 verwirklichte und trotz mancher Widerstände zu einem erfolgreichen Familien-Unternehmen ausbaute. Da es aber bei den Einnahmen in den letzten Jahren Einbrüche zu verzeichnen gab, muss eine Rückbesinnung auf die alten Werte erfolgen, die unter dem Motto "ora et labora (bete und arbeite" oder "sei arm aber glücklich" 2.000 Jahre lang funktionierten. Ersetzt nicht die Aussicht auf einen Himmel, in den nur Arme kommen (wegen dem Nadelöhr) und ein Gebet statt einer Mahlzeit den Gewinn einer Lottomillion vollständig? Ist es nicht die Pflicht, denen, die noch arbeiten dürfen, die Kirchensteuer nicht als Belastung, sondern als Bonuspunkt für die spätere Himmelfahrt zu vermitteln?

Gewiss, neben der Kirchensteuer bekommt die Kirche noch jedes Jahr einen Betrag von 400 Millionen Euro. Aber das ist nur gerecht, denn das Geld ist als Entschädigung dafür gedacht, dass vor 200 Jahren der Deutsche Reichstag große Teile des mühsam zusammengekratzten Grundbesitzes zu weiten Teilen enteignet hat (Säkularisation 1802/1083 nach der Frz. Revolution) und dafür seit dieser Zeit der Kirche jährlich eine Entschädigung zahlt. Theoretisch könnte man ja die alten Verträge auflösen. Aber das würden ja die Länder zahlen und nach einer Faustformel dafür den 30-fachen Betrag der jährlichen Zahlung hinblättern müssen. Damit, eine Belastung des Staates durch eine Einmalzahlung zu tilgen, hat man aber keine Erfahrung, deshalb lässt man das lieber. Schließlich beginnt die Kirche ja zu verarmen. Nach den Recherchen des Politologen Carsten Frerk (Alibbri-Verlag Aschaffenburg 2002) "wie reich ist die Kirche" kommt er auf eine (umstrittene) Summe von 500 Milliarden (für die Deutsche Kirche, incl. alle der Kirche gehörenden Liegenschaften, von denen eigentlich niemand so genau weiß, wie viel Grund und Boden noch der Kirche gehört. Frerk kommt auf läppische 240.000 ha.). Und das für beide Kirchen (katholische und evangelische) zusammen.

Nun ja, Frerk musste viele Schätzwerte eingeben, denn so richtig in die Karten lässt sich auch die Kirche nicht schauen. Aber das Bistum Aachen hat mal in der AZ die Ein- und Ausgabenseite ihres Bistums veröffentlicht (Ausgabe 26.05.2003, Seite 5).

Einnahmen Bistum Aachen in 2003

Ausgaben Bistum Aachen in 2003

Ein wenig überrascht war ich, dass auf der Ein- und Ausgabenseite Kollekten und Spenden erscheinen. Nun ja, was verstehe ich schon von Buchhaltung? Als Zuweisung des Landes NRW für 2002 wurde in der Ausgabe der AZ vom 25.02.2003 für das Bistum Aachen ausgewiesen:

Bischof: Gehalt eines Staatssekretärs im Landesdienst
1 Weihbischof
rd. 14.400
Domkapitel
ed. 573.000
Sachdotationen
rd. 30.000
Beihilfe zur Pfarrerbesoldung
1.380.500
Katasterzuschüsse
82.000

Man sieht, die Kirche braucht Belebung, bevor sie gänzlich am Hungertuch nagt. Wie gut, dass Supermutti da jetzt wieder eine neue Richtung einschlägt. Kirche und Staat waren doch immer ein gutes Team und schließlich ist in den kirchlichen Sozialdiensten noch Platz für Hunderte, wenn nicht Tausende von Ein Euro Jobbern. Hat nicht Focus gerade berichtet, dass im sozialen Dienstleistungsbereich die besten Job-Chancen sind? und woher soll Focus den feinen Unterschied zwischen einem Job und einer Arbeitsgelegenheit schon kennen?.

Und durch die Steuerreformen sind ja selbst dort noch Einnahmen weggebrochen, wo man noch kassieren kann. Deshalb hat Supermutti Recht. Die Kirchen müssen wieder gefüllt werden (bringt Kohle über die Kollekten), die Kirchensteuer sollte wieder zur Pflicht werden und dafür sollen dann die Kirchen helfen, der Jugend wieder Sitte und Anstand beizubringen. Respekt, Verlässlichkeit und Hilfsbereitschaft sollen mit den 10 Geboten wieder eine Grundorientierung sein. Dafür will man bei Kindersegen 12 Monate lange Elterngeld zahlen, bis zu 1.800 , vorausgesetzt, Papa macht mit und bleibt auch 2 Monate daheim. Ist wohl freiwillige Zwangsemanzipation!??