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Bundeswahlergebnis mal anders berechnet

Das amtliche Ergebnis der Bundestagswahl steht fest und jeder kennt das Theater, dass um die Koalitionsbildung und hier insbesondere um die Kanzlerschaft erfolgt. Worte wie stärkste Partei" und der "Wille des Wählers" und vieles mehr gehen durch die Presse. In der Realität hat aber keine Partei die 30-Prozentmarke erreicht, wie ich noch beweisen werde.

Gehen wir einmal davon aus, dass nicht nur die gültigen Stimmen der Parteien, die mehr als 5 % erreicht haben, gezählt würden, sondern es eine virtuelle Partei der Nicht- und Ungültig-Wähler und eine virtuelle Partei der Übrigen gäbe. Unterstellen wir ferner, es gäbe keine Überhangmandate, weil nun mal im Prinzip nur 598 Sitze zu besetzen sind und somit auch für Differenzen von Erst- und Zweitstimme kein Überhangmandat entstehen sollte. Eine Partei, welche nicht die 5 % schafft, aber ein Direktmandat erhält, wird mit den virtuellen Stimmen der "Übrigen" verrechnet, also aus einem virtuellen in ein Direktmandat umgewandelt.

Die "virtuellen Mandate" sind Sitze, die nicht besetzt werden, also von den zu vergebenden Sitzen abzuziehen. Bei der Berechnung der Sitze werden sie wie die einer regulären Partei gezählt, bekommen Sitze entsprechend des nach dem Niemeyer-Verfahren zugesprochen. Einziger Unterschied: Statt der wie sonst üblich "Gültigen Stimmen", die nur die gültigen Stimmen der Parteien mit 5 Prozent oder größer umfasst, habe ich die Stimmen aller Wahlberechtigten (WS) eingesetzt
Hier noch einmal kurz das Verfahren:

    PS = Parlamentssitze
    ES = Erreichte Stimmenzahl
    WS = Wählerstimmen gesamt

Niemeyer Verfahren:
ES * PS
WS

Bei dem Ergebnis ergibt zunächst die Zahl vor dem Komma die Zahl der zugeteilten Sitze. Damit werden aber nicht alle Sitze besetzt. Die fehlenden Sitze werden dann an die Parteien mit dem höchsten Wert nach dem Komma vergeben.

In der nachfolgenden Tabelle habe ich nach diesem Schema aus den Zweitstimmen die Sitzverteilung ermittelt und auch die Differenzen zur letzten Bundestagswahl angepasst. Die Reihenfolge in der Auflistung ergibt sich aus der diesmal erzielten Stimmenanzahl der Zweitstimmen. Alle Parteien unter 5 Prozent habe ich in Übrige zusammengefasst, also nicht mehr einzeln aufgeführt.

Gegenstand der Nachweisung Erststimmen Zweitstimmen Sitze
Anzahl % Diff. zu 2002 in %-Pkt. Anzahl % Diff. zu 2002 in %-Pkt.
Insgesamt 598
Nach dem Komma
Real
Wahlberechtigte 61870711 - - 61870711 - - ---
SPD 18129100 29,3 -3,4 16194665 26,2 -3,9
156,527
-
156
Partei der Nicht- und Ungültig-Wähler 14676649 23,7 1,6 14582723 23,8 1,8
140,947
+1
141
CDU 15390950 24,9 0,2 13136740 21,2 -1,9
126,971
+1
127
FDP 2208531 3,6 -0,8 4648144 7,5 2,5
44,926
+1
45
Die Linke. 3764168 6,1 2,7 4118194 6,7 3,6
39,804
+1
40
GRÜNE 2538913 4,1 -0,3 3838326 6,2 -0,5
37,039
-
37
CSU 3889990 6,3 -1,4 3494309 5,6 -1,4
33,774
+1
34
Übrige (alle unter 5 %) 150592 0,2   1830016 2,9  
17,688
+1
18

Nach dieser Rechnung kann man sagen:

  • 73,2 % der Wähler wollen Frau Merkel nicht als Kanzlerin und auch Stoiber nicht als Kanzler
  • 73,8 % der Wähler wollen Schröder nicht als Kanzler
  • 65,7 % der Wähler wollten keine Schwarz-Gelbe Koalition
  • 67,6 % der Wähler wollen keine Rot Grüne Koalition
  • 33,3 % der Wähler wollen keine der etablierten Parteien

Natürlich kann man mir entgegen halten, 93,3 % der Wähler wollten auch das Bündnis aus Linke/WASG nicht. Das ist richtig. Aber man sollte auch bedenken, dass dieses Bündnis zum ersten Mal angetreten ist, erst vor einem halben Jahr ins Leben gerufen wurde und der Wähler keinerlei Erfahrung mit diesem Bündnis hat. Jeder weiß von sich selbst, wie schwer man sich tut, einer Partei wegen ihrer verfehlten Politik wirklich die rote Karte zu zeigen und ein Parteienbündnis zu wählen, deren Leute man größtenteils nicht kennt bzw. von denen man bei einem großen Teil nicht weiß, ob er sich von der Vergangenheit, der SED, gelöst hat. Dass Ex-SEDler in allen etablierten Parteien sitzen und letztendlich die von CDU/CSU erkorene Kanzlerkandidatin auch eine Ex-SEDlerin ist, gerät dabei völlig aus dem Blickfeld. Deutsche sind Gewohnheitswähler, die im Prinzip immer die gleiche Partei wählen, selbst dann, wenn sie die praktizierte Politik ablehnen. Aber der Trend zum Wechsel nimmt zu, leider viel zu spät. Aber immerhin, 6,7 % aller Wahlberechtigten hat es gewagt, statt dem vermeintlichen "kleineren Übel" eine neue Kraft in das Parlament zu wählen und dieser Kraft die Chance zu geben, sich zu beweisen. Damit kommt, so hoffe ich, neuer Wind in die muffige Atmosphäre des Parlaments, von dem ich glaube und hoffe, dass er eine reinigende Kraft besitzt.

In der zuvor gezeigten Tabelle würden nur 439 Sitze im Parlament belegt sein, also 159 Sitze frei bleiben. Natürlich ist das in der Realität anders. Die zu verteilenden Sitze werden nur aus den gültigen abgegebenen Stimmen der Parteien ermittelt, welche die 5 Prozent erreicht bzw. überschritten haben. Zusätzlich sind in dieser Bundestagswahl noch 16 Überhangmandate angefallen, somit haben wir also nicht 598, sondern 614 Abgeordnete im Parlament sitzen.

Protestwähler, die entweder den Stimmzettel ungültig machen oder nicht wählen gehen, erreichen mit ihrem Protest nichts, weil unser Wahlrecht selbst bei einer Wahlbeteiligung von 20 Prozent immer noch alle Sitze besetzen würde und vermutlich sogar die Zahl der Überhangmandate noch steigen lassen würde.

Auch die Stimmen der Parteien, die unter 5 Prozentliegen, werden von den gültigen Stimmen in Abzug gebracht. Somit ist für die Berechnung nicht die in der Tabelle angegebene Zahl der gültigen Stimmen relevant, sondern nur die Zweitstimmen der Parteien, die 5 Prozent und mehr erreicht haben. Lediglich die 5-Prozent-Hürde errechnet sich aus den abgegebenen gültigen Stimmen. Für die Berechnung der Sitzverteilung werden also nur 45.430.378 herangezogen.

Ein Protest war diesmal wirksam. Die Linke zusammen mit der WASG hat die 5 Prozent überschritten, ein Protest, der den etablierten Parteien wirklich an die Nieren geht und ihnen diesmal die Koalitionsbildung deutlich erschwert hat. Vermutlich wird nach der Regierungsbildung jede der beiden Regierungsparteien (davon gehe ich aus) politisch zurückfahren, aus Sorge und auf Druck der Basis, sonst bei der nächsten Wahl weitere Stimmenverluste hinnehmen zu müssen. Schon aus diesem Grunde ist der Einzug der Linken/WASG ins Parlament zu begrüßen.

Zum Abschluss noch das amtliche Ergebnis und die Stimmverteilung (ohne Überhangmandate).

Gegenstand der Nachweisung Erststimmen Zweitstimmen Sitze
Anzahl % Diff. zu 2002 in %-Pkt. Anzahl % Diff. zu 2002 in %-Pkt.
Insgesamt 598
Nach dem Komma
Real
Wahlberechtigte 61870711 - - 61870711 - - ---
Wähler 48044134 77,7 -1,4 48044134 77,7 -1,4 ---
Ungültige 850072 1,8 0,2 756146 1,6 0,4 ---
Gültige 47194062 98,2 -0,2 47287988 98,4 -0,4 Berechnungssumme: 45430378
SPD 18129100 38,4 -3,5 16194665 34,2 -4,3 213,170 - 213
CDU 15390950 32,6 0,6 13136740 27,8 -1,7 172,919 +1 173
CSU 3889990 8,2 -0,8 3494309 7,4 -1,6 45,996 +1 46
GRÜNE 2538913 5,4 -0,3 3838326 8,1 -0,4 50,524 +1 51
FDP 2208531 4,7 -1,1 4648144 9,8 2,5 61,184 - 61
Die Linke. 3764168 8,0 3,6 4118194 8,7 4,7 54,208 - 54
Offensive D 5401 0,0 -0,2 3338 0,0 -0,8 ---
REP 38678 0,1 -0,0 266101 0,6 -0,0 ---
NPD 857777 1,8 1,6 748568 1,6 1,1 ---
Die Tierschutzpartei 7341 0,0 -0,0 110603 0,2 -0,1 ---
GRAUE 6340 0,0 -0,1 198601 0,4 0,2 ---
PBC 57027 0,1 -0,0 108605 0,2 0,0 ---
DIE FRAUEN 1327 0,0 -0,0 27497 0,1 -0,0 ---
FAMILIE 76064 0,2 0,1 191842 0,4 0,3 ---
BüSo 40984 0,1 0,0 35649 0,1 0,0 ---
BP 16047 0,0 0,0 35543 0,1 0,1 ---
ZENTRUM 1297 0,0 -0,0 4010 0,0 0,0 ---
Deutschland 1473 0,0 0,0 9643 0,0 - ---
AGFG 570 0,0 - 21350 0,0 - ---
APPD 3018 0,0 - 4233 0,0 - ---
50Plus - - - 10536 0,0 - ---
MLPD 16480 0,0 - 45238 0,1 - ---
Die PARTEI 6923 0,0 - 10379 0,0 - ---
PSG - - - 15605 0,0 - ---
Pro DM - - - 10269 0,0 - ---
CM 1011 0,0 -0,0 - - - ---
DSU 1655 0,0 -0,0 - - - ---
HP 2029 0,0 0,0 - - - ---
HUMANWIRTSCHAFTS- PARTEI 639 0,0 - - - - ---
STATT Partei 496 0,0 - - - - ---
UNABHÄNGIGE 11703 0,0 - - - - ---
Übrige 118130 0,3 0,0 - - - ---

Die SPD hat zusätzlich 9 und die CDU 7 Überhangmandate erhalten:

Überhangmandate SPD:

    Hamburg (1)
    Brandenburg (4)
    Sachsen Anhalt (3)
    Saarland (1)
Insgesamt 213 + 9 = 222 Sitze

Überhangmandate CDU:

    Sachsen (4)
    Baden Württemberg (3)

Insgesamt 173 + 7 = 180 Sitze

Verwendete Ergebniszahlen der Internetseite des Bundeswahlleiters entnommen