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Erstelldatum: 20.07.2010

Borniert

Die menschliche Spezies könnte eigentlich eine wirkliche Erfolgsstory der Evolution sein, wäre sie nicht mit einem grundlegenden Fehler behaftet. Sie ist borniert. Dazu muss man wohl erst einmal den Begriff deuten:

    borniert;
    eigensinnig, unbelehrbar, unnachgiebig; engstirnig, kleingeistig, starrsinnig, verstockt; kleinkariert, verbohrt, ...

Nun wird man mir sicherlich entgegenhalten, meine Aussage sei unqualifiziert (vielleicht stimmt das) und alleine die Geschichte des Menschen sei schon der Gegenbeweis, weil sie ja beweist, dass der Mensch aufgrund seiner Intelligenz die Herrschaft über diesen Planeten übernommen hat, ein Meisterstück der Evolution. Nur, ist es nicht engstirnig, die Evolution ausschließlich auf die Entwicklung dieses kleinen Planeten zu beschränken, obwohl das Universum Myriaden anderer Sonnen und Planeten enthält und wir keine Ahnung haben, ob und wenn ja, welcher Sinn dahinter steckt? Die Geschichte der Menschheit, soweit uns bekannt, umfasst wenige Millionen Jahre, wenn man von der Darwinschen Theorie und den archäologischen und paläoanthropologischen Forschungsergebnissen ausgeht. Betrachtet man dann die Entwicklung des Menschen der Gegenwart, ist es mehr als zweifelhaft, ob die Spezies Mensch noch eine weitere Million Jahre Bestand hat, denn sie sägt jeden Ast ab, auf dem sie sitzt. Sie verseucht Meere, Flüsse oder, genauer gesagt ihre gesamte Umwelt. Sie rottet jedes Jahr andere Bewohner dieses kleinen Planeten aus, ohne sich auch nur im Mindesten über die ökologische Bedeutung dieser Arten bewusst zu sein. Sie will sich dessen nicht bewusst werden, weil dieses Bewusstsein dem Triebverhalten der Menschen entgegenwirken würde. Nicht etwa dem natürlichen Triebverhalten der Arterhaltung, sondern dem künstlich geschaffenen Triebverhalten, der Jagd nach dem Geld.

Nun gibt es ja über die Menschwerdung unterschiedliche Auffassungen. Die derzeit am weitesten verbreitete und wohl auch von der Mehrheit akzeptiert ist die Evolutionstheorie nach Darwin. Die zweite ist die theokratische Version, einerseits von fast allen Menschen akzeptiert, andererseits aber wegen der Evolutionstheorie von vielen nicht wirklich ernst genommen, weil beide Theorien sich einander nicht ergänzen können. Die Evolutionstheorie geht von mehr oder weniger zufälligen durch Mutation bedingten Entwicklungen aller Spezies aus, wobei die Mutation die Komponente ist, die die Anpassung und damit evolutionäre Veränderung bedingt, die in einer direkten Beziehung zu einer Veränderung anderer Variablen steht. So hat eine Veränderung des Klimas nicht nur zu Wanderungen geführt, sondern auch die Anpassung der betroffenen Spezies an die neuen Bedingungen. Andere Mutationen sind vielleicht nichts anderes als Kopierfehler, denn Evolution ist ein beständiger Kopierprozess. Ein Neugeborenes ist eine Kopie der vorherigen Generationen, nie exakt gleich, weil daran zwei Spezies beteiligt sind und bereits die Auswahl in gewissem Sinne dem Zufallsprinzip unterliegt (natürlich nur meine laienhafte Meinung).

Aber es gibt ja auch noch eine dritte Lesart, von den meisten belächelt, ich nenne sie mal die Dänicken-Lesart. Danach haben Außerirdische, zu Neudeutsch Aliens, die Erde besucht und auf ihr ein wenig rumgewerkelt. Eigentlich sollte sie nicht von den Leuten belächelt werden, die der theokratischen Version anhängen, denn eine solchen Möglichkeit ist

  1. nicht gänzlich auszuschließen und würde
  2. einige Ungereimtheiten der verschiedenen theokratischen Modelle zumindest erklären

In einer Zeit, in der alles mit einem Haltbarkeitsdatum versehen ist, sollte man sich einmal Gedanken darüber machen, was wohl die längste Haltbarkeit hat. Sieht man einmal von den Knochen- und Pflanzenfunden früher Bewohner der Erde ab, hat wohl das Gerücht die längste Haltbarkeit. Da haben in der Frühzeit der Menschen Einzelne Erlebnisse geschildert, die sie angeblich gehabt haben und dann an Lagerfeuern, mit sehr viel Phantasie ausgeschmückt, zum Besten gaben. Es war eine Zeit, in der noch so vieles unerklärlich war und deshalb Mächten zugeschrieben wurde, die für die Menschen unsichtbar waren, aber deren Wirken man täglich zu spüren bekam. Selbst Tag und Nacht waren unerklärliche Phänomene und wurden übernatürlichen Wesen zugeschrieben. Dabei wurden die Erklärungsmodelle hier so gedeutet und schon wenige Kilometer entfernt völlig anders. Wenn dann also ein Geschichtenerzähler behauptete, ihm sei eines dieser Wesen leibhaftig erschienen, machte das die Geschichte besonders spannend. Wenn der Erzähler begabt war und die Spannung bei seinen Hörern aufrecht erhalten konnte, war ihm wohl jedes Mal eine Mahlzeit sicher, wenn er mit seinen Geschichten von Lagerfeuer zu Lagerfeuer zog. Solche Geschichten waren der Fernsehersatz in der damaligen Zeit und solche Geschichten wurden dann weiter erzählt und dabei immer weiter ausgeschmückt. Dass diese Ausschmückung vor allem mit von Aberglauben geprägten Details versehen wurde, versteht sich von selbst. Und irgendwann taucht dann jemand auf, nennen wir ihn mal Mose, der solche Erzählungen sammelt, dazu einer der wenigen Menschen ist, die bereits lesen und schreiben können und aus diesen einzelnen Geschichten ein zusammenhängendes Gebilde macht. Heute würde es als Sience Fiction bezeichnet werden, aber damals wurde seine Geschichten für bare Münze genommen, weil sie das Leben auch in gewissem Sinne erleichterte. Gab es zuvor eine Vielzahl von fiktiven Göttern und musste man dazu noch die unterschiedlichen Regeln eines jeden Gottes einhalten, reduzierte Mose diese Götterwelt nun auf einen einzigen Gott, zu dem er angeblich auch noch einen besonderen Draht hatte. Hinzu kam, dass dieser Gott auch noch ein nächstes Leben versprach, wenn man seine Regeln ohne Zweifel akzeptierte und seine Gebote einhielt. Dass Mose dabei zu einer Führungsfigur wurde, war eigentlich ein logische Folgerung, kannte er doch alle Figuren der Vergangenheit mit Namen und wusste zu erzählen, wie sie diesem Gott begegnet waren und seinen Anweisungen folgten oder auch dagegen verstießen, mit allen Konsequenzen, die sich daraus ergaben, bei Adam und Eva angefangen, über Noah bis hin zu Sodom und Gomorrha. Auch der Umstand, dass daraus ein eigenes Volk entstand, mit zunehmender Abgrenzung zu anderen, ethnisch verwandten Gruppen, ergibt sich aus der theokratischen Zugehörigkeit, die meist mächtiger war, als die sonstige Stammesführung oder die inzwischen schon ziemlich verbreitete Feudalherrschaft.

Das war eine Zeit, so um die 3.000 bis 5.000 Jahre vor unserer Zeit. So manche dieser Frühzeitstories ist heute als absolut unrealistisch widerlegt. Dennoch konnte sich daraus vor rund 2.000 Jahren eine weitere Religionsrichtung abspalten und weitere 800 Jahre später noch eine dritte Religion, alle erneut basierend auf den Aussagen Einzelner, alle mit dem gleichen Ursprung, festgeschrieben in Büchern wie dem Talmud, dem Koran und der Bibel und jede dieser Religionen predigt die Geschichten der vor Tausenden von Jahren von abergläubischen Hirten aufgetischten Märchen und eines von cleveren Profiteuren aus den Geschichten entwickelten Gottes, seine Helfershelfer (Engel), sowie seinem Widersacher (dem Teufel) als unumstößliche Wahrheit. Und obwohl alle diese Religionen gleichen Ursprungs sind, sind sie untereinander verfeindet. Und obwohl sich z. B. die Theokratie Christenheit derzeit erneut als morsch, verfault und wurmstichig selbst demaskiert, obwohl alle Gräuel, die diese Theokratie im Laufe ihrer Geschichte angehäuft hat, bestens bekannt sind, laufen die Menschen immer noch in diese mal ungemütlichen, mal bombastisch ausgestatteten Tempel und lauschen den ewig gleichen Geschichten einer weit zurückliegenden Vergangenheit, geboren aus Aberglauben und einer menschlichen Eigenschaft, die man heute allgemein als Anglerlatein bezeichnet.

Damit komme ich auf ein weiteres uraltes Gerücht, das besagt, der Mensch sei ein intelligentes Wesen und den restlichen Bewohnern dieses Planeten weit überlegen. Wie jedes Tier hat die Natur den Menschen mit Fähigkeiten ausgestattet, die ihm ein Überleben in einer gefährlichen Umwelt ermöglichten. Diese Fähigkeiten waren einmal der Verstand und zum anderen die Extremitäten, nämlich Arme und Hände, mit denen er auch komplizierte Gegenstände bauen und benutzen konnte. Die dritte Fähigkeit sind die Stimmbänder, die ihm eine modulierte und variantenreiche Kommunikation (Sprache) erlaubten.

Das Vorhandensein des Verstandes hat zu dem Gerücht geführt, der Mensch könne denken. Theoretisch stimmt das, Der Mensch könnte denken, wenn er es wollte. Der Verstand erlaubt das. Ich möchte das an einem Beispiel erläutern. Ich habe mir einen Apparat gekauft, mit dem man Holzbretter oder äquivalente Dinge wie z. B. Laminat bis zu einer bestimmten Dicke sehr sauber, sehr schnell und sehr genau auf ein gewünschtes Format sägen kann. Ich habe es mit in der Absicht gekauft, Böden mit Laminat auszulegen. Aber bisher war ich einfach zu faul, es anzugehen, weil es mit Arbeit und mit Kosten verbunden ist. Ich habe also ein Gerät, mit dem ich könnte, wenn ich wollte, Aber weil ich nicht will, steht dieses Gerät unnütz herum. So ist das auch mit dem Verstand. Ich habe ihn und könnte selber denken. Manchmal mache ich auch Gebrauch davon, aber in vielen Dingen folge ich dem Rest der Menschen und lasse lieber denken. Wie geht das, denken lassen? Man lauscht oder liest Aussagen, die irgendwer mal gemacht hat. So z. B. Aussagen von und über Platon, Aristoteles, Hegel, Kant, Marx, Engels, Bebel und vielen anderen. Greifen wir Platons Philosophie heraus. Er hat sicherlich eine Menge kluger Sachen gesagt. Aber der Mann ist seit fast 2.400 Jahren tot und die Welt hat sich weiter entwickelt, nein, das stimmt wohl nicht ganz, sagen wir, sie hat sich geändert. Von Entwicklung kann man wohl nicht reden. Seine (Platons) Aussagen betrafen seine damals existente Welt, die von der Welt heute so verschieden ist, wie ein Elefant von einem Rhino. Und selbst seine Gedanken waren nicht unbedingt das Ergebnis seiner ureigensten Überlegungen, sondern bauten in vielen Fällen auf dem Gedankengut von Sokrates und anderer Philosophen auf. Beide haben sich über die Welt, in der sie lebten, Gedanken gemacht, was bedeutet, sie haben ihren Verstand auch genutzt. Aber wenn man denkt, dann ist die Voraussetzung, dass die Parameter des Gedankenguts stimmen. Somit ist so mancher Gedanke, den Platon äußerte, sicherlich falsch, weil die Grundparameter für seine Überlegungen auf dem Kenntnisstand der damaligen Welt beruhten. So mancher Gedanke von Platon war falsch, weil seine Sicht sich ausschließlich auf die Aristokratie seiner Zeit bezog, dabei den "Pöbel" und die damals üblichen Sklaven völlig ausklammerte.

Doch wie viele brüsten sich noch heute damit, wenn sie äußern: "Ich kenne meinen Platon!". Diese Aussage ist in sich bereits verkehrt, denn er kennt lediglich das, was über Platon und angeblich von ihm geschrieben wurde und was er angeblich vor knapp 2.500 Jahren gesagt haben soll. Aber man kann so herrlich damit angeben, wenn man Platon zitiert. Es zeigt, wie belesen man ist. Aber was nutzt Gelesenes, wenn ich es nicht überdenke, infrage stelle und dabei vor allem das Jetzt dabei außeracht lasse? Als Beispiel sei Adam Smith angeführt. Er gilt als Vater der Volkswirtschaftslehre und des Liberalismus. Er hat Regeln in einer Zeit verfasst, die unterschiedlicher zu heute nicht sein kann. Der Adel prasste und der Rest darbte. Landwirtschaft machte den größten Teil des BIP aus, die ersten Anzeichen einer Industriealisierung (Webereien) ließen keine Sicht auf heutige Verhältnisse zu. Getreide, das Hauptnahrungsmittel, war mit exorbitant hohen Steuern belegt und die Einfuhr von Getreide wurde durch noch höhere Zölle verhindert. Es war eine Zeit des absoluten Mangels, die Smith bewegte, für freie Märkte und Freihandelszonen, also das Fallen von Zollschranken zu plädieren. Überproduktion, Globalisierung der Finanzströme, blitzschnelle Transporte aller Güter von jedem Punkt zu jedem Punkt der Erde, Mittel, um alles haltbar zu machen, vollautomatisierte Produktionsanlagen, das alles wäre für Smith reine Phantasie gewesen und fand deshalb in seiner volkswirtschaftlichen Betrachtung keinen Widerhall. Inzwischen hat sich die Welt gewandelt, der Liberalismus wurde ein wenig modifiziert, aber in seine Grundstruktur ist er geblieben, wie ihn Smith sich ausgedacht hat. Das Überproduktion zu einem Verdrängungswettbewerb führt, der zwangsweise zur Monopolisierung führen muss, wenn seitens der Staaten kein Riegel vorgeschoben wird, das scheint außerhalb der Erkenntnissphäre der Liberalen, gleich welcher Stilrichtung, zu liegen. Denn die heutigen Liberalen denken nicht selbst, sondern haben ein Kartenhaus auf dem von Adam Smith und, um zwei maßgebliche Moderne des Liberalismus zu nennen, Friedrich von Hayek und Milton Friedmann, gebildeten Fundamenten errichtet. Der Liberalismus ist wie die Religion, eine Lüge, aus Fehlern geboren, an der man trotz eindeutiger Beweise der Fehlerhaftigkeit festhält, weil man sie durch tägliche mehrfache Wiederholung so eingebläut bekommen hat, dass ein Zweifel als Sakrileg erscheint. Es ist kein erworbenes Wissen, sondern das nachplärren von Gedanken, die Menschen einmal hatten, die längst tot sind. Dabei weiß in der heutigen Zeit niemand, was an den Gedanken der Menschen damals richtig und was falsch war, denn die Nachverfolgung erleidet das gleiche Schicksal wie die Geschichte, sie wird immer von denen geschrieben, die davon profitiert haben.
Liest man heute gelegentlich mal eingereichte Gesetzentwürfe, dann endet die Begründung immer mit dem lapidaren Satz: "Alternativen: Keine!" Also muss man sich fragen, ist dieser Entwurf VON Menschen mit begrenztem Horizont, oder FÜR Menschen mit begrenztem Horizont geschrieben worden? Oder, der wahrscheinlichste Fall, VON Menschen mit begrenztem Horizont FÜR Menschen mit begrenztem Horizont geschrieben, denn nichts auf dieser Welt ist ohne Alternative, außer dem Tod.

Nehmen wir die Linken als Beispiel. Ein Linker, der was auf sich hält, kennt seinen Marx und seinen Engels (ähnlich wie die Elite den Platon). Viele von ihnen können Marx bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit zitieren. Marx hatte sicherlich eine erhebliche Weitsicht in Bezug auf das Spannungsverhältnis zwischen Kapital und Arbeiterschaft bewiesen und hat die Entwicklung des Kapitals vermutlich recht genau und zutreffend geschildert, was übrigens nicht so schwer war, war doch die Entwicklung schon damals im Urland des Kapitalismus, den USA, zu beobachten. Gleiches gilt für Engels. Aber der Schritt von Genie zum Wahnsinn ist nicht größer, als der vom Genie zum Fanatismus. Und die vor allem von Engels propagierte Gleichmacherei, aus der auch der Genderismus entstanden ist oder zumindest maßgeblich beeinflusst wurde, halte ich für Fanatismus. Ich schicke es gleich vorweg, ich habe weder Marx noch Engels gelesen, auch nicht August Bebel, den Marx der SPDler. Mir reicht das Wissen, dass sie sich mit der Diskrepanz zwischen Arbeitern und Kapital beschäftigten Und in diesem Zusammenhang andere Sozialstrukturen forderten. Letztendlich waren sie ja auch teilweise erfolgreich, wie der heutige Versuch des Kapitals, diese Sozialstrukturen wieder zu vernichten, sehr eindeutig beweist.

Der Genderismus, vor allem bei und von Linken nach Engels Lehre gefördert, halte ich für genauso gefährlich, wie den Kapitalismus. Er geht von absoluter Gleichmacherei aus, heute als Gleichstellung bezeichnet. Aber Menschen sind nicht gleich und werden es nie sein. Wer es nicht glaubt, soll mal seinen Fingerabdruck mit dem einer anderen Person vergleichen. Wir Menschen sind verschieden und das ist gut so. Es gibt Menschen, die haben in ihrem ganzen Leben noch keine eigene Idee gehabt und andere, die vor Ideen nur so sprühen. Mann und Frau sind nicht gleich, zum Glück. Sie haben Anspruch auf die gleichen Rechte, sind aber physisch und auch geistig unterschiedlich, wobei der geistige Unterschied nichts mit Intelligenz zu tun hat, sondern mit der Verhaltensstruktur, die nicht von Menschen, sondern von der Natur geprägt wurde. In Urzeiten waren Männer die Jäger und schon im Körperbau von der Natur entsprechend ausgestattet. Sie mussten leise sein, wollten sie das Wild nicht verscheuchen. Laut wurden sie erst, wenn sie das Wild gestellt hatten, um es zu verwirren und zu erschrecken, damit es sich aus Panik eine Blöße gab, die der Jäger nutzen konnte. Frauen waren die Sammler. Sie sammelten Knollen, Früchte, Pflanzen und evtl. auch Eier und Kleintiere. Sie kommunizierten untereinander, was ihnen einerseits mehr Sicherheit verlieh und andererseits verhinderte, dass sie sich verloren. Sie waren zuständig für die Geburt und die Aufzucht der Kinder, sie kannten die Wirkung der Pflanzen und versorgten deshalb auch die Wunden und Krankheiten im jeweiligen Clan und sie kochten für den Clan. Sie schabten die Felle und machten daraus Kleidung, während die Männer ihre Waffen ausbesserten oder durch neue ersetzten, aus Steinen neue Messer, Speere und Äxte schlugen. Diese sehr grob gefasste Arbeitsteilung der Frühzeit ist maßgeblich für die unterschiedlichen Verhaltensstrukturen der Männer und Frauen. Frauen dieser Epoche der Menschwerdung wurden nicht unterdrückt, sondern waren hoch geschätzt. Gender versucht nun, diese tief verwurzelten Strukturen zu brechen, aus Männern und Frauen einen Einheitsbrei zu machen, in dem kein Mann und keine Frau mehr weiß, ob sie nun Männlein oder Weiblein ist. Aber Gender ist ein Thema für sich und soll hier nicht weiter erläutert werden.

Ein gerade aktuelles Thema, "Patente auf Nahrungsmittel". Nun gibt es nur wenige Menschen, die von Gentechnik wirklich eine Ahnung haben. Auch ich habe keine Ahnung davon. Doch das ist auch nicht nötig, denn hier reicht der gesunde Menschenverstand, vorausgesetzt, man beruft sich nicht nur auf das, was Organisationen wie Greenpeace, Attac usw. ohnehin schon darüber gesagt haben, sondern denkt selber darüber nach. Lese ich im Spiegelbericht die Aussagen von Ilse Aigner, sehe ich darin nur einen Reflex, der automatisch aktiviert wird, wenn es darum geht, sich wahltaktisch günstig zu präsentieren. Sie hätte auch sagen können: "Was interessiert mich das. Ich überlasse das der EU, dann kann ich später meine Hände in Unschuld waschen." Wenn sie äußert, die "Schöpfung gehört allen Menschen", ist das eines der theokratischen Klischees, nach denen der Mensch die Krone der Schöpfung ist. Aber die mit dem Begriff Schöpfung gemeinte Natur gehört niemandem, weder gestern noch heute noch morgen, denn mitnehmen auf die andere Seite kann man nichts, selbst wenn man es mit verbuddelt. Dann wird es lediglich zum Zeitzeugen, wenn spätere Generationen es wieder ausbuddeln.

Dass große Konzerne mit Biotechnologie versuchen, die Macht über die Grundnahrungsmittel zu erlangen und hier in vorderster Front Monsanto zu nennen ist, ist ja nun inzwischen weltweit bekannt. Nun gibt es Verfechter der Biotechnologie, die vergleichen das mit der Kreuzung von Pflanzen und Tieren, die schon seit Tausenden von Jahren betrieben wird. Dieser Vergleich ist unsinnig, denn eine Kreuzung erfolgt immer durch Artverwandte, während Biotechnologie vor allem die Einpflanzung synthetischer und artfremder Gene versucht. Der jetzt vom obersten Patentamt zu entscheidende Streit geht aber nicht einmal um biotechnisch veränderte Pflanzen, sondern um eine bloße Züchtung. Wird dieses Patent bestätigt, könnte später (rein theoretisch) schon ein Patent auf das Immunsystem von Menschen erhoben werden, die einmal geimpft wurden, um z. B. gegen Masern, Mumps, Grippe usw. Immunität aufzubauen. Das ist doch eindeutig ein Züchtungserfolg, oder sehe ich da etwas falsch?

Bei diesem Streit ist für mich die erste Frage, ob die Beamten (nach meiner Meinung sind es Beamte) im Patentamt überhaupt die Kompetenz einer Wägnisabschätzung haben? Sind sie wirklich befähigt, die Auswirkungen einer Patentvergabe für Pflanzen oder Tiere zu beurteilen? Dieser Frage wird man sicher entgegenhalten, dass sie von "unabhängigen Experten" beraten werden. Das wirft die nächste Frage auf. Gibt es das noch, unabhängige Experten? Sicher würde man Experten von Greenpeace ablehnen, weil die ja nicht unabhängig sind. Aber wie unabhängig sind die bereitgestellten Experten, ist doch bekannt, dass es kaum noch unabhängige Forschung gibt und sehr viele Experten quasi "undercover" für die Industrie arbeiten. Die nächste Frage müsste lauten, warum eine kleine Veränderung an einer Pflanze oder einem Tier zu einem patentierten Alleinvertretungsrecht eines Konzerns führen soll bzw. kann, Obwohl die Änderung nur einen Bruchteil der Gesamtstruktur ausmacht und die angeblich mit der Veränderung verbundenen Vorteile weder in Langzeitversuchen und damit als dauerhaft und ungefährlich bewiesen wurden, noch als einmalig gelten können, weil die genetische Veränderung bei der Pollenbildung durch die Insekten ganz sicher auch auf andere Pflanzen der gleichen Gattung übertragen werden, ein Vorgang, den der Betreiber des "sauberen" Feldes gar nicht verhindern kann. Theoretisch könnte nun Monsanto ja das Terminator-Gen einsetzen (derzeit meiner Kenntnis nach in Europa nicht erlaubt), aber damit würde sich Monsanto einen Bärendienst erweisen, weil der Landwirt, der mit dem Terminator-Gen versehene Pflanzen aussät, aus dem Ertrag kein Saatgut gewinnen kann und damit wieder völlig frei in seiner Entscheidung ist, ob er erneut Saatgut von Monsanto einsetzen wird. Vielleicht ist genau das der Grund, warum das Terminator-Gen verboten wurde, denn der einzige Unterschied wäre dann, dass ein Bauer neues Saatgut kaufen müsste, dafür aber Monsanto keine Linzenzgebühren erheben könnte, wenn der Landwirt sich anderweitig eindeckt. So sehe ich im Terminator-Gen lediglich eine Drohkulisse für all jene, die nicht weiter darüber nachdenken.

Ein Aspekt im Spiegel-Artikel verdient besondere Aufmerksamkeit. Ich zitiere:

    Aufsehen erregte in der Vergangenheit ein Patentantrag von Monsanto für Schweine, die mit dessen Gensoja gefüttert wurden. Die Verwertungsrechte daran sollten sich letztlich bis zum Schnitzel erstrecken. Das heißt: Die Konzerne würden mehrfach abkassieren - von der Landwirtschaft bis zum Verbraucher.

Hat Monsanto nicht stets behauptet, dass der Genuss von Biotechnologie keinerlei Auswirkungen auf Mensch und Tier habe? Will man also nun Verwertungsrechte auch auf die Schweine, weil sie mit Gensoja gefüttert wurden, stimmt die grundsätzliche Aussage über die fehlenden Auswirkungen nicht mit der Forderung nach weiteren Verwertungsrechten überein. Auch hier wieder die ironische Anmerkung, dass dann im Endeffekt auch der Mensch, der Schnitzel von Schweinen ist, die mit Gensoja von Monsanto gefüttert wurden, damit in die Kette von Verwertungsrechten durch Monsanto fällt.

Allerdings muss man sich fragen, ob sich ein Kommissar der EU, der vor kurzer Zeit äußerte, mehr Biotech-Produkte zuzulassen und die EU-Staaten dann selbst entscheiden sollen, ob sie die zugelassen Biotech-Produkte auch zulassen oder nicht, mit dieser Fragestellung überhaupt auseinandersetzt. Die gleiche Frage gilt für Aigner und Seehofer und die gesamte Politik, die Biotech nicht grundsätzlich verhindert. Es ist inzwischen ein beliebtes Spiel, in Brüssel die Entscheidungen (EU) zu treffen und sie dann per Richtlinie an die Mitgliedsländer zu verteilen. Dann kann man regional die Hände in Unschuld waschen. Man kann nichts machen, denn das Schlechte kommt von oben (EU).

Ich habe den Beitrag "borniert" benannt, weil ich es für borniert halte, sich stets auf Schriften oder Aussagen anderer, mögen sie auch als Experten gehandelt werden, zu berufen. Erst wenn man eine Sache selbst durchdacht hat, gleichgültig, ob man dabei andere Aussagen zu Rate gezogen hat oder nicht, kann man behaupten, eine Meinung zu haben und sie auch mit eigener Argumentation unterlegen. Ich habe den Beitrag "borniert" betitelt, weil es mehr als borniert ist, die menschliche Spezies als "Krone der Schöpfung" zu bezeichnen. Sieht man genauer hin, ist der Mensch das Desaster der Schöpfung, der nur nimmt, ohne zu geben, der alleine im letzten Jahrhundert mehr Schaden auf diesem Planeten angerichtet hat, als alle anderen Arten der Welt seit Anbeginn der Zeit zusammengenommen. Wie viele Arten haben wir schon ausgerottet, wie viele Wälder abgeholzt, wie viel Wasser verseucht, alles Dinge, die bekannt sind, aber im gleichen Maße, wenn nicht gar verstärkt, weiter betrieben werden, weil damit Geld zu verdienen ist. Das Wort "Generationengerechtigkeit" geht Politikern leicht über die Lippen, ohne dass sie die geringsten Anstrengungen unternehmen, die Welt für künftige Generationen lebenswert zu erhalten. Die derzeitige Absicht der Laufzeitverlängerungen der Atomkraftwerke ist ein probates Beispiel. Der sauberste Strom, so tönen Politik und Wirtschaft. Aber Atomstrom ist der schmutzigste Strom, denn der produzierte Atom-Müll ist eine auf Jahrmillionen ausgelegte Zeitbombe, weil es keine sichere Lagerung gibt. dazu müsste man ihn in die Sonne schießen, die könnte ihn verwenden. Die mit einem Teil des Atommülls hergestellten Waffen (DU-Waffen) sind eine weitere Belastung künftiger Generationen, nicht nur dort, wo die Waffen eingesetzt werden (Beispiel Irak), sondern weltweit, weil die winzigen Partikel des Abriebs von den Winden in die ganze Welt getragen werden, Meere, Seen, Flüsse und Pflanzen vergiften mit allen Nebenwirkungen, die man derzeit hauptsächlich dort beobachten kann, wo die Waffen unmittelbar eingesetzt wurden.

Und ich halte es für borniert, dass sich die Menschen mit den Gegebenheiten abfinden. Zwei Volksabstimmungen hat es in letzter Zeit gegeben und die Beteiligung daran war noch geringer, als die Beteiligung an Wahlen. Welchen Zweck hat es dann, für Volksabstimmungen zu werben? Aber sich beteiligen würde bedeuten, auch denken zu müssen, um sich richtig zu entscheiden. Und wer will das schon, selber denken? Doch auch, wenn Sie Politik ablehnen, sind und bleiben sie Teil der Politik und überlassen Ihre Interessen nur anderen, die daraus Nutzen für sich ziehen.