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Erstelldatum: 15.12.2009

gezielte Tötung?

Über das Bombardement auf die Tanklaster in Afghanistan kann man nun ja täglich lesen. Jung ist bereits darüber gestolpert, jetzt steht zu Guttenberg unter Druck. Letzterer muss nun die Erfahrung machen, dass es Fallstricke in sich birgt, wenn man sein Fähnchen immer in den Wind hängen will. Zuerst fand er das Bombardement angemessen. Als er merkte, dass das in der Öffentlichkeit nicht so gut ankam, feuerte er 2 Leute und schwenkte um, weil ihm angeblich wichtige Dokumente vorenthalten wurden. Nun wird bekannt, dass er dennoch unmittelbar nach Amtsantritt als Verteidigungsminister informiert gewesen sein muss und hat damit nun das Problem, wie er sich da wieder herauswindet.

Inzwischen ist ein neuer Tenor aufgetaucht. Gerüchteweise heißt es, aus dem Bundeskanzleramt sei die Anweisung zu einem härteren Vorgehen in Afghanistan erfolgt, was die "gezielte Tötung" mit einschloss. Damit bekommt die Sache eine neue Dimension. Doch zunächst der Hinweis darauf, dass das Parlament gerade das Mandat verlängert hat. Obama fordert weitere deutsche Soldaten an und wird sie wohl auch bekommen, auch wenn man offiziell derzeit noch zögert. Doch das ist reine Taktik, um die aufgebrachten Gemüter in der Bevölkerung zu beschwichtigen. Westerwelle fordert Garantien von Karsei, dass er die Korruption im Lande bekämpfen soll. Ebenso gut könnte er einen Bandwurm bitten, sich an die Tischmanieren zu halten.

Mehr Soldaten bedeutet, dass der Krieg dort ausgeweitet werden soll und Deutschland ist Teil der US-Kriegsmaschinerie. Alle Begründungen, warum die Deutschen dort sind, dienen nur der Verschleierung des wirklichen Auftrags. Sie sind Besatzer im Auftrag der USA. Besatzungsmacht in einem Land, das keinerlei Aggressionen gegen irgendein Land ausgeübt hat, aber von den USA mit einer windigen Begründung überfallen wurde. Was die "Taliban" in Afghanistan machen, ist das Gleiche, was sie in Zeiten der russischen Besetzung gemacht haben. Sie greifen die Besatzer an und führen einen Partisanenkrieg. Eine andere Möglichkeit haben sie gar nicht, denn gegen die modernen Waffen der Besatzer können sie mit nichts Vergleichbarem aufwarten.

Wir werden von der Presse mit Meldungen versorgt, die einmal über so genannte Selbstmordanschläge der Taliban berichten, ein anderes Mal über die bei einem Gegenangriff getöteten Taliban. Wenn ich mich recht entsinne, dann galt der Angriff auf Afghanistan nicht den Taliban an sich, sondern der Aufspürung des Phantoms bin Laden und der Terrororganisation al Kaida. Ganz stillschweigend ist daraus ein Kampf gegen die Taliban geworden. Begründung? Fehlanzeige, denn die Demokratisierung des Landes Afghanistan, dazu noch nach westlichem Muster, war von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Es gibt nur einen Grund, warum man dort ist und der heißt Öl und Gas. Man vermutet in Afghanistan noch riesige Gasfelder. Doch gleichzeitig ist Afghanistan als Transitstrecke für den Öltransport in den Westen ein strategisch wichtiges Land.

Man muss sich fragen, wie eigentlich die Besatzungstruppen die Taliban von der übrigen Bevölkerung unterscheiden. Die Taliban sind keine uniformierte Streitmacht, haben keine Erkennungszeichen, die sie als "Terroristen" ausweisen. Wahrscheinlicher ist, dass in manchen Gegenden alles erschossen wird, was sich bewegt und die Erschossenen werden damit automatisch zu Taliban. Nur, wenn Frauen und Kinder unter den Toten sind, werden etwas anderen Verlautbarungen herausgegeben.

Zurück zu "härteren Gangart", die lt. Presse aus dem Bundeskanzleramt gekommen sein soll und die gezielte Tötung einschließt. Gezielte Tötung, dass ist ein Begriff, der offenbar von Israel übernommen wurde, wenn diese mal wieder Palästinenser umgebracht haben. Gezielte Tötung, dass ist in einem Krieg die Tötung eines oder mehrerer Kriegsgegners. Außerdem ist es ein beliebtes Instrument von Actionfilmen, wenn die immer die Welt rettenden Agenten irgendwo mit einem gezielten Schuss einen Wachposten aus dem Hinterhalt abknallen oder sonstwie massakrieren, denn nach der Philosophie der Filmemacher sind diese Agenten ja die Guten und dürfen das, denn die anderen sind ja die Bösen und tun das auch. In der Realität aber ist die gezielte Tötung außerhalb eines Krieges schlicht und einfach Mord. Ein Fall einer gezielten Tötung war es als Marianne Bachmeier im Gerichtssaal den Mörder ihrer 7-jährigen Tochter erschoss. Obwohl sie dafür ein starkes Motiv hatte, wurde sie, dank mildernder Umstände nicht wegen Mord, sondern wergen Totschlags zu 6 Jahren Haft verurteilt. Ebenfalls eine gezielte Tötung war der Mord an der Ägypterin im Gerichtssaal, der vor kurzem durch die Presse ging. Ein Mord, schlicht und einfach und ein Mörder wandert hinter Gitter, oder wird zum Tode verurteilt. So ist das in jedem Land der Welt, außer in Palästina, wo die Besatzungsmacht Israel offenbar deutsche Manieren aus der Zeit von 1939 bis 1945 angenommen hat.

Nach offizieller Darstellung ist die Bundeswehr im Norden Afghanistans nicht als Kriegsmacht und nicht als Besatzungsmacht dort eingesetzt, sondern soll Polizisten und Militärs ausbilden. Das Wort Krieg hat bisher jeder Politiker immer weit von sich gewiesen. Seltsam nur, dass die Zahl der Ausbilder verschwindend gering im Verhältnis zur Anzahl der Soldaten war. Diese Diskrepanz wurde von der Presse nie aufgegriffen. Dann kam der Angriff auf die Tanklaster und brachte nicht nur den befehlshabenden Oberst in Erklärungsnot, sondern auch die Politik. Und nach und nach sickern immer neue Dinge durch, wie die Aussage, dass vom Kanzleramt eine "härtere Gangart" angeordnet worden sei. Außerdem wurde bekannt, dass die Spezialtruppe KSK, die schon einmal in der Kritik stand, weil sie im Stab von Enduring Freedom mitmischte, danach offiziell abgezogen wurde, offenbar nach wie vor aktiv ist und lediglich umbenannt wurde in Tf47 (Taskforce 47). Auch der BND soll mitgemischt haben. Die SPD nimmt deshalb jetzt zu Guttenberg aufs Korn, gemeinsam mit den Grünen und den Linken. Zu Guttenberg ist eine Sache, die Verantwortlichkeiten aber eine andere. Zu Guttenberg hat offenbar gelogen, etwas, was bei Politiker ja nun wirklich nicht vorkommen darf, oder? Aber was ist mit dem Kanzleramt? Wenn das Kanzleramt eine härtere Gangart angeordnet haben sollte, dann MUSS gegen de Maizière als verantwortlichem Kanzleramtsminister zur Zeit des Bombardements ebenso ermittelt werden, wie gegen Angela Merkel und gegen Walter Steinmeier. Das sind die zentralen Schaltstellen, die von Beginn an über die Aktionen und diesen Angriff informiert gewesen sein MÜSSEN. Aber die Merkel macht, was sie besonders gut kann, sie versucht, das Thema auszusitzen. De Maizière, im neuen Kabinett Innenminister, wird überhaupt nicht behelligt und Steinmeier macht, was er immer gemacht hat, indem er sagt, er habe von nichts gewusst.

Welche Untersuchungsergebnisse der Untersuchungsausschuss bringen wird, kann eigentlich auch vorausgesagt werden: KEINE. Aussagen werden verweigert und die Geheimhaltungsvorschriften vorgeschoben und die CDU/CSU wird als stärkste Fraktion ohnehin die leitende Funktion im Ausschuss haben. Der Fall Kundus wird versickern, wie ein paar Tropfen Wasser in der Wüste, denn bald werden neue Sensationen die jetzigen Presseberichte ablösen. Bis zu 142 Tote in Afghanistan, wer denkt schon groß darüber nach, wenn die Presse davon nichts mehr bringt. Afghanistan, das ist ja so weit weg und schließlich gibt es ja genug Leute in diesem Land, welche die Achseln zucken und davon reden, sowas sei im Krieg eben unvermeidbar, Kolleteralschäden eben. Solche Leute sind aus meiner Sicht geistig minderbemittelt, die Afghanistan offenbar mit einem Videospiel verwechseln und sich das fassungslose Entsetzen nicht vorstellen können, das Menschen empfinden, wenn sie die zerrissenen Leichen ihrer nächsten Angehörigen sehen müssen oder vielleicht das Massaker selbst überlebt haben und von da an den Rest des Lebens als Krüppel verbringen müssen. Sie haben auch keine Ahnung, von dem Hass, der mit solchen Aktionen gesät und sich irgendwann Bahn brechen wird. Aber wer in Deutschland würde schon wagen, von Mord zu sprechen. Gezielte Tötung, das ist doch ein netter Ersatz.

Ich kann mir nicht helfen, aber die wahren Terroristen in Afghanistan sind die Besatzungsmächte, einschließlich der Deutschen. Und was sie dort machen, ist weder vom Grundgesetz noch vom Völkerrecht und auch nicht vom Strafgesetzbuch gedeckt, aber was stört das schon unsere Politik, die zwar gerne Begriffe wie Frieden und Rechtsstaat verwendet, aber das Gegenteil praktiziert. Die Welt braucht den Krieg, sonst gehen am Ende noch die Arbeitsplätze in der Rüstungsindustrie verloren. 1939 wurde beim Angriff auf Polen ähnlich argumentiert, eine Notlage, vom Feind erzwungen. Ich frage mich, wo da noch der Unterschied zur Mafia oder zu den Nazis ist.