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Erstelldatum: 30.07.2006

Blauhelme?

"Es lohnt sich, für Frieden und Freiheit zu sterben." Wer das gesagt hat? Ob mit diesen Worten, weiß ich nicht, aber inhaltlich, so zwischen den Zeilen versteckt, gibt es eine Menge Leute, die das behaupten. Zu ihnen gehören Sicherlich Leute wie Bush, Cheney, Rice, Rumsfeld, aber auch Leute wie Steinmeier, Kriegsminister Jung und Angela Merkel. Doch der Frieden und die Freiheit, von denen diese Leute sprechen, sind mehr als fraglich. Frieden und Freiheit können niemals eine aufoktroyierte Lebensweise, z. B. nach den Vorstellungen der USA, überhaupt aller westlichen Länder, sein.

Derzeit spielt sich in Nahost etwas ab, das Israel als "Selbstverteidigung" zu verkaufen sucht. Doch das nimmt Israel inzwischen niemand mehr ab, vor allem nach dem heutigen Vorfall in Kana. Wie üblich, ein Versehen und Schuld sind natürlich die Hisbollah, weil die sich unter der Bevölkerung verstecken. Die Bombardierung von als Rotkreuz-Fahrzeugen gekennzeichneten Wagenkolonnen, mit denen man versucht, Verletzte in entsprechende Lazaretts oder Krankenhäuser zu transportieren, wird wohl ebenso begründet. Condoleezza Rice "rät zu mehr Sorgfalt bei der Auswahl der Ziele, nicht, damit aufzuhören."

Die ganze Welt ist empört über das Vorgehen, zumindest die überwiegende Zahl in der Bevölkerung. Die westlichen Regierungen sind da wesentlich zurückhaltender. In Deutschland mag das bei der Bevölkerung ein wenig anders sein, aber das hängt mit der PR-Propaganda über die Kollektivschuld der Deutschen wegen der Gräuel im 2. Weltkrieg zusammen. Diejenigen, die diese Gräuel zu verantworten haben, sind fast alle tot und die Wenigen, die noch leben, sind hoch betagt. Schaut man ein wenig hinter die Kulissen, wird erkennbar, dass einige Verantwortliche dieser Zeit im Nachkriegsdeutschland erstaunlich Karrieren zu verzeichnen hatten. Würde man deren Nachkommen heute darauf ansprechen, würden sie sagen: "Wollen Sie mich etwa für die Fehler meiner Vorfahren verantwortlich machen?" Im Prinzip muss man dann zugeben, dass das eigentlich nicht geht. Anders ist es jedoch mit der Gesamtbevölkerung. Ihr wurde ein Kainsmerkmal aufgeprägt, das dem Wunsche einiger Lobby-Gruppen nach nicht mehr abwaschbar sein soll, eine nicht mehr löschbare Kollektivschuld. Mit der Bereitschaft, diese Kollektivschuld anzuerkennen, erhält Israel eine Narrenfreiheit für alles, was es tut, selbst wenn es verbrecherisch ist. Das, was Israel im Libanon treibt, ist verbrecherisch. Sogar in der Deutschen Presse wurde schon der Verdacht geäußert, dass Israel bei diesem Feldzug offenbar chemische Waffen, geächtete Phosphorbomben (weißer Phosphor) und Streubomben einsetzt.

Es ist nicht so, dass diese Vorgehensweise von allen Israelis oder allen Juden gebilligt würde. Im Gegenteil, die israelische Friedensbewegung verurteilt das Vorgehen scharf und orthodoxe Juden bezeichnen dieses Vorgehen ganz klar als Verbrechen und als religiösen Verstoß gegen die Thora, das Glaubensbekenntnis der wahren Juden. Sie sprechen von einer Abspaltung des (jüdischen) Glaubens durch die Zionisten. Doch bin ich nicht der richtige Ansprechpartner für eine Glaubensauseinandersetzung der Juden. Ich bin aber auch nicht der Mensch, der aus Schuldgefühlen heraus weg sieht. Das was jetzt im Libanon geschieht, geschah bereits vor über 20 Jahren schon einmal und war für die Libanesen eine 18 Jahre währende Hölle. Leute wie Ariel Sharon haben dabei Kriegsverbrechen begangen, die auch angeklagt wurden, aber aufgrund seiner Immunität wurde Sharon nie zur Verantwortung gezogen.

Man hat den Deutschen den Vorwurf gemacht, dass sie weggeschaut haben, ein Vorwurf, der gerechtfertigt ist. Heute verlangt man von uns, dass wir (als Kollektivschuldige) wieder wegschauen, bei dem, was Israel so treibt. Doch dazu bin ich nicht bereit. Was Israel hier treibt, ist kein Krieg, sondern die Ermordung und Vertreibung der zivilen Bevölkerung. Wenn israelische Politiker, gleichermaßen wie deutsche und US-Politiker dann behaupten, die Hisbollah verstecke sich unter der Zivilbevölkerung, ist das reiner Hohn. Woran erkennen die Kampfjets denn den angeblichen Aufenthaltsort von Hisbollah-Kämpfern? Tragen die Sender bei sich, die funken: "Hier bin ich?" Die Israelischen Piloten werden ihre Bomben völlig losgelöst von der Frage, ob sie Hisbollahs treffen. Es ist planmäßiger und kaltblütiger Mord, denn sie wissen, dass sie Zivilisten bombardieren. Sie verwenden dabei die hässlichsten Waffen, die eine degenerierte Menschheit zu bieten hat.

Der bekannte israelische Friedensaktivist Uri Avnery schreibt:
    NUN IST ES kein Geheimnis mehr: dieser Krieg war schon lange im voraus geplant. Die Militärkorrespondenten verkündeten in dieser Woche stolz, die Armee habe diesen Krieg seit Jahren bis ins Detail vorbereitet. Erst vor einem Monat gab es ein großes Kriegsspiel, um den Einmarsch der Landtruppen in den Südlibanon einzuüben – das war zu einer Zeit, als Politiker wie Generäle erklärten, dass „wir nie wieder in den Libanonsumpf hineingehen. Wir werden niemals mehr mit Landtruppen dort einmarschieren.“ Nun sind wir mitten in diesem Sumpf, und starke Formationen des Heeres operieren in diesem Gebiet. (Ausschnitt aus "Brennt Beirut?").

Eine UN-Resolution für die sofortige Einstellung der Kampfhandlungen scheiterte, wie kann es anders sein, am Veto der USA. Die USA wollen nicht, dass der Konflikt endet. Sie wollen "Frieden und Freiheit" in gesamt Nahost etablieren, natürlich Frieden und Freiheit nach dem Muster der amerikanischen Administration in Form schwacher, US-gesteuerter Regierungen im Libanon und möglichst auch in Syrien. Hinzu kommt ihr Anliegen, den Iran zu überfallen und da ist es ganz gut, wenn es auch im Libanon und in Palästina brennt, bringt das doch Verwirrung bei den anderen arabischen Staaten, die dann nicht wissen, wem sie ihre Unterstützung zukommen lassen sollen.

"Es lohnt sich, für Frieden und Freiheit zu sterben." Ob wohl die vielen Opfer des Irak-Krieges diese Meinung teilen? Bush hat mehr Iraker umgebracht, als Hussein in seiner gesamten Regierungszeit. Und die Hussein umbrachte, brachte er im Einverständnis mit den USA um, zumindest bis 1990.

Auch die vielen Opfer im Libanon werden wohl eine divergente Auffassung haben und die, die noch leben werden sicher nicht vor Sehnsucht nach "Frieden und Freiheit" nach amerikanisch-israelischem Muster vergehen. Jetzt wird über die Entsendung einer Friedenstruppe von Blauhelmen in die Region nachgedacht, welche die Grenze nach Israel sichern sollen. Steinmeier äußert sich diplomatisch und meint, noch sei kein UN-Mandat vorhanden, aber wenn ..., dann könne sich Deutschland wohl nicht verweigern. Merkel äußert sich skeptisch und meint, wir wären ausgebucht. Kriegsminister Jung, ich nenne ihn Kriegsminister, weil Verteidigungsminister nach neuesten Definitionen nicht passt, ist ganz heiß darauf, neben den gerade in den Kongo abkommandierten Truppen auch welche nach Nahost zu verfrachten. Sollte es dazu kommen und ein paar von ihnen draufgehen, dann sind sie "für Frieden und Freiheit" gestorben. Welch ein Trost für einen jungen Menschen. Aber tot ist tot und die Frage, ob es das wert ist, für Werte zu sterben, die nur in den Köpfen einiger machgeiler Politiker als Werte existieren, von den Menschen, denen man diese Werte aber aufzwingen will, total abgelehnt werden, stellt sich dem Opfer nicht mehr. Wohl aber seinen Kameraden, die nach solchen Erlebnissen oft traumatisiert sind.

Blauhelme stehen unter dem Mandat der UNO und werden als Beobachter, als Friedensmission oder für Zwangsmaßnahmen aus Truppenteilen der Mitgliedsstaaten der UNO zusammengesetzt. Probleme sind mitunter die unzureichende Bewaffnung, aber auch zwangsläufige Sprachbarrieren. Ein weiteres Problem ist die Kommandostruktur. Nehmen wir an, eine Blauhelmtruppe wird an die israelisch-libanesische Grenze geschickt, wer wird sie wohl kommandieren? Ein US-Commander, ein englischer oder vielleicht deutscher Kommandeur? Wie weit wäre es dann wohl mit dem Neutralitätsgedanken her, wenn die maßgeblichen Kommandeure aus Nationen kommen, die Israel grundsätzlich einen Persilschein ausstellen? Für einen Blauhelmeinsatz ist die Zustimmung des Sicherheitsrates der UN erforderlich. Kommt es also zu einem solchen Einsatz, dann liegt das im Interesse der USA.

Aber gerade ist die Verurteilung Israels wegen der Bombardierung des UN-Stützpunktes im Libanon am Veto der USA gescheitert. Die USA wollen, dass der Konflikt noch andauert. Kein Wunder, die schwache Regierung des Libanon wäre sicherlich nach US-Kriterien formbar, aber die Hisbollah spielt da nicht mit. Israel hat ja geglaubt, mit den Mitteln des Krieges die Hisbollah schnell und gründlich vernichten zu können und aufgrund der Brutalität ihres Vorgehens die Bevölkerung gegen die Hisbollah aufzubringen. Dieses Kalkül hatte auch die Bush-Administration. Aber das Gegenteil ist der Fall. Der Hass der Bevölkerung gegen Israel und gegen die USA wächst. Ich finde das nicht verwunderlich. Das Vorgehen Israels verstößt gegen alles, was es an Völkerrecht gibt, sanktioniert von den USA und, so traurig das ist, auch von der deutschen Regierung.

Im Falle einer Blauhelmmission wird die USA nur zustimmen, wenn sie eindeutig für ihre und Israels Interessen Vorteile darin sieht, wie etwa eine Erweiterung einer angeblichen Pufferzone weit in den Libanon hinein. Der Neutralitätsgedanke wird dann sicherlich durch die Kommandostruktur der Blauhelmtruppe ad absurdum geführt.

Aber noch ist es ja nicht soweit. Vielleicht kann ja auf eine Blauhelmmission verzichtet werden. Schließlich muss man ja auch noch überlegen, wie man den Iran einbindet. Zum Glück hat sich ja pünktlich die al Qaida gemeldet. Ein hübscher Anschlag passte doch jetzt gut ins Konzept. Dann die Feststellung, dass der Iran mit der al Qaida zusammenarbeitet und die al Qaida ausbildet und schon hat man Argumente für einen Krieg, bei der man die ganze Region im nahen Osten unter US-israelische Kontrolle bekommt. Und schließlich sind die "Willigen" diesmal um ein Land bereichert: Deutschland!

Es wird schon seinen Grund haben, warum die linientreuen US-Medien seit Wochen von einem neuen Weltkrieg sprechen und sich nur nicht einigen können, der Wievielte es denn nun ist.

Ich rate deshalb allen Reservisten in diesem Land, sich in nächster Zeit nichts vorzunehmen, wer weiß, wann der Stellungsbefehl kommt, um die taffen Jungs der Lüfte aus den USA am Boden zu unterstützen, im Iran als Unterstützung der USA oder im Bereich Libanon, Syrien und Palästina als Truppenteil der Nato, die zur Unterstützung Israels benötigt wird. Dann könnt ihr endlich den offenen Kampf gegen den Terror unterstützen. Denkt dran, die, die Euch dann erschießen, sind grundsätzlich Terroristen, wenn ihr jemanden abmurkst, tut ihr ds als Soldaten, die einem Terroristen das Licht ausknipsen. Noch ein Tipp: Versucht, Bleiwesten aufzutreiben, denn die Uranummantelten Geschosse der USA und Israels haben unangenehme Nebenwirkungen, auch für die Freunde.