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Erstelldatum: 27.07.2007

Bin ich schuld?

Als kommunikationsfreudiges Wesen habe ich die Eigenart, unsere treuen Staatsdiener im Parlament gelegentlich mit meinen literarischen Ergüssen aufheitern zu wollen. Meine Vorstellung dabei ist, dass ein Mitarbeiter des jeweiligen Abgeordneten erfreut feststellt, dass endlich wieder eine Mail von mir angekommen ist, sie sofort ausdruckt und mit dem Stempel "sehr wichtig" sofort ganz oben auf den Stapel "unerledigter Schriftverkehr" legt.

Nun plagt mich eine entsetzliche Frage. Bin ich schuld, wenn plötzlich der Aufschwung gestoppt wird? Mein Herz klopft bis kurz vor die Oberschenkel. Gestern habe ich doch wieder eine meiner Lobreden an alle im Parlament geschickt. Plötzlich lauter Fehlermeldungen im Outlook, weil mich der Postmaster des Bundestages informierte, dass er die Abgeordneten nicht gefunden hat. Keinen von Ihnen. Mich packte das schiere Entsetzen. Wenn er 70% bis 80% nicht findet, finde ich das normal, denn das ist ja bei Plenardebatten auch nicht anders. Sogar 90% hätte ich verstanden, denn wir haben ja Sommerpause. Aber alle? Woran kann das nur liegen? Dann kam mir die Erleuchtung. Die Abgeordneten haben sich neue Email-Adressen zugelegt. Gleich habe ich geprüft, ob das stimmt. Ja, es war so. Seither plagt mich mein schlechtes Gewissen. Ob die Abgeordneten das gemacht haben, weil sie nach meinen Schreiben immer in Tränen aufgelöst waren und verhindern wollten, dass ich Ihnen weiter schreibe um damit ihre Weinkrämpfe in den Griff zu bekommen? Mein Entsetzen steigerte sich, als ich über die damit verbundenen Kosten nachdachte. Neue Visitenkarten, neue Briefbögen, neue Briefumschläge, schlicht alles neu, außer den Abgeordneten. Die Kosten müssen immens sein und nun muss Herr Steinbrück vielleicht eine neue Steuer erfinden, oder Herr Müntefering die Steigerung der Regelsätze wieder rückgängig machen. Das kann den ganzen Aufschwung blockieren. Und warum? Nur weil sie meinetwegen ihre Mail-Adressen geändert haben? Dabei war das doch völlig sinnlos. Es hat mich zwar mindestens 30 Min. gekostet, aber dann hatte ich alle Adressen und Maillisten entsprechend geändert und meine Mail erneut an alle geschickt.

Jetzt werden Sie sicher neugierig sein, was sich geändert hat. Nun, früher lautete die Adresse vorname.nachname@bundestag.de und wurde nun geändert in vorname.nachname@wk.bundestag.de. Aber ich habe eine Bitte. Erschlagen Sie mich nicht, wenn eine neue Steuer kommt, denn das habe ich wirklich nicht gewollt. Aber vielleicht kann ich ja etwas wieder gut machen. Ein Besucher meiner Homepage hat mir einen Vorschlag geschickt, der Herrn Schäuble das Herz sicher höher schlagen lässt. Da ich die Logik dieses Vorschlags absolut einsehe, stimme ich dafür, dass Herr Schäuble einen entsprechenden Gesetzentwurf einbringt. Hier der Vorschlag:

    Dein Land braucht Dich!

    Bitte unterstützen Sie die Kampagne zur Aufspürung Terrorverdächtiger (Gefährder)!

    Wir alle wissen, dass es eine Todsünde für einen Taliban-Mann ist, eine nackte Frau zu sehen - er muss dann Selbstmord begehen, ausgenommen es ist seine eigene Frau. Deswegen werden alle Frauen aufgefordert, am kommenden Samstag um 14.00 Uhr auf die Straße zu gehen, total nackt.

    Damit helfen sie der Regierung, unidentifizierte und unerwünschte Terroristen (sog. Schläfer) zu identifizieren. Es wird empfohlen, mindestens eine Stunde nackt in der Nachbarschaft umherzugehen, damit der beste Anti-Terror-Effekt zustande kommt.

    Alle Männer werden gebeten, vor ihrem Haus in einem Liegestuhl Platz zu nehmen und die nackten Frauen anzusehen, auch DU! Damit beweist du, dass du nicht Mitglied der Taliban bist. Auch zeigst du großen Mut, nackte Frauen anzusehen, trotzdem es nicht deine eigene ist.

    Selbstverständlich machen die Männer das nur, um ihre Frauen im Kampf gegen den Terror zu unterstützen!

    Weil Taliban auch keinen Alkohol trinken dürfen, sollte ein kaltes Bier in deiner Hand die deutliche und gesunde Anti-Terror-Haltung zeigen.

    Der Bundestag weiß diesen Einsatz der Bürger sehr zu schätzen und dankt auch dir schon jetzt für deine Hilfe im Kampf gegen den Terror.

Ich freue mich jetzt schon darauf, meinen Beitrag zu Herrn Schäubles unermüdlichem Engagement im Kampf gegen den Terror leisten zu dürfen und empfehle, diese Kampagne jeden Samstag durchzuführen, zumindest bis zum Ende der Schulferien.