Bewerbung !

Hallo Herr Bundeskanzler,

als sich so vor 1 Million Jahren eine Affenart in das Raubtier Mensch verwandelt hat, hat ihm die Natur den Killerinstinkt mitgegeben.

Heute hat diesen Instinkt kaum noch einer, aber ich weiß, dass Leute mit diesem Instinkt Superminister bei Ihnen werden und deshalb bewerbe ich mich. Ich habe mir den Killerinstinkt bewahrt.

Natürlich werden Sie mir sagen, dass Sie im Moment alle Jobs besetzt haben, aber das sehe ich anders. Klar, einige Posten können Sie nicht umbesetzen. Da ist mein Vorbild, Clement, der natürlich auf seinem Platz bleiben muss. Und er hat sich vermutlich an Wieczorek-Zeul, Künast und Trettin gewöhnt, wenn er mal wieder nach Brüssel muss, um ein Stückchen Deutschland an die WTO zu verkaufen. Also können wir die mal ausklammern.

Ach was solls, reden wir nicht lange um den heißen Brei, ich bin scharf auf den Job von Ulla Schmidt. Den Job sollten Sie mir geben. Hätte die Frau richtig gearbeitet, müsste der arme Eichel jetzt nicht mühsam versuchen, Geld zusammen zu kratzen. Warum hat die Frau die Rente nicht gleich an das ALG II angepasst und damit Milliarden freigesetzt? Warum hat Sie zusätzliche Tabaksteuer erhoben, ohne Rauchen zur Pflicht zu machen? Warum hat sie in der Gesundheitsreform nicht alle Heilmittel auf den Index gesetzt und nur die echten Krankmacher als verschreibungspflichtig und damit von der Kasse ersetzbar deklariert? Ich sage Ihnen, die Frau hat versagt.

Ich habe mir gedacht, ich bringe gleich etwas mit, ein Symbol für die Agenda 2010, denn Symbole sind wichtig und werbewirksam.

Sie meinen, damit können Sie nichts anfangen? Das Symbol sei unübersichtlich und sage nichts aus? Das ist doch das Geniale. Es ist wie die Agenda 2010 und pflückt man es auseinander, ist der Sinn sofort erkennbar. Ich zeige es Ihnen:

Sehen Sie? Da ist zunächst das G für die Gesundheitsreform. Schon die ungesunde Farbe zeigt, dass damit kein Staat mehr zu machen ist. Außerdem in den Hintergrund gedrängt von der Arbeitsmaktproblematik.

Dann kommt das A für den Arbeitsmarkt. Die geniale Symbolträchtigkeit dieses Symbols wollte ich nur geringfügig ändern. Der vordere Schenkel (ich habe ihn etwas verlängert) symbolisiert die aufstrebende Zahl der Arbeitslosen. Der hintere Schenkel, der die Rückführung zum Arbeitsmarkt bedeuten würde, wurde umgeleitet und führt zurück zur Arbeitslosigkeit, wie man hier so schön sehen kann:

Einfach genial, wie hier mit einem Buchstaben die Ausweglosigkeit aus der Arbeitslosigkeit aufgezeigt wird. Einmal drin, führt kein Weg mehr raus.

Dann kommt das R als Symbol für die Rentenreform, angelehnt an den Arbeitsmarkt. Entzieht man ihr den Arbeitsmarkt, was wir ja mit den Hartz-Gesetzen tun, kippt sie um und liegt flach auf dem Rücken. Da sie aber an dem Teil des A angelehnt ist, der Hartz IV symbolisiert, zeigen wir, wohin wir wollen.

Sehen Sie jetzt, dass dieses Symbol ideal ist? Absolut undurchsichtig für den Nichteingeweihten ist es klar und verständlich für den Eingeweihten.

Sie sehen, Herr Bundeskanzler, Sie brauchen mich. Ich kann dafür sorgen, dass Sie unbehelligt bis 2006 regieren können, denn ich kratze für Hans Eichel die fehlenden Milliarden zusammen. 2006 hat sich dann auch der demographische Faktor geändert, weil die Alten nicht mehr wagen, alt zu werden. 2006 werde ich dann zu Angela wechseln, weil die dann mein Potential erkannt haben wird, Sie wissen schon, den Killerinstinkt und ich mich darauf verlassen kann, dass der dumme Wähler glaubt, dass kleinere Übel zu wählen, wenn er seine Stimme den Schwarzen oder Gelben gibt.

Was ist mit Ihnen, Herr Bundeskanzler? Lösen Sie 2006 Herrn Rogowski als Präsidenten des BDI ab?

Ihrer Zusage entgegensehend verbleibe ich

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Gert Flegelskamp