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Gert Flegelskamp
14.10. 2006
Rhönstr. 17
63071 Offenbach

An die
Damen und Herren des
Deutschen Bundestages

Betr.: Innovation

Sehr geehrte Damen und Herren,

Um es zu erklären: Innovation ist dieses flüchtige Gebilde neuer Ideen und deren Umsetzung, etwas, das aus bisher ungeklärten Umständen Amtsstuben und Plenarsäle gemieden hat.
Ich kann Ihnen die erfreuliche Mitteilung machen, dass sich völlig unerwartet ein innovativer Gedanke in die ARGE Paderborn in Nordrhein Westfalen eingeschlichen hat. Lt. der Neuen Westfälischen Paderborner Ausgabe - vom 13.10.2006 unter der Überschrift:

Mediterrane Farben für Hartz IV-Empfänger

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beschreibt die Zeitung, dass der Leiter der ARGE, Herr Ingbert Koppermann, plötzlich von der Idee beseelt wurde, eine Kunstausstellung in der Arge zu initiieren und er warb für diese Idee die Künstlerin Ilse Hartmann, die dann ihre Werke in der Arge ausstellte.

Die in leuchtenden Farben gehaltenen Kunstwerke sollen, unbestätigten Gerüchten nach dafür gesorgt haben, dass sich Hartz IV-Empfänger an der Farbenpracht satt sehen konnten und hierdurch Mahlzeiten einsparten. So konnten sie die Zahl ihrer ergebnislosen Bewerbungen verdoppeln und wenn sie dann die doppelte Zahl der Absagen statt zuhause, in der ARGE lasen, machten ihnen die Absagen dann nicht einmal etwas aus.

Ebenfalls unbestätigt ist das Gerücht, dass drei Bedarfsgemeinschaften mit Zelten in der Arge aufkreuzten, um zwei Wochen mediterranen Urlaub unter Hartz IV-Bedingungen zu machen (weniger als 20 km von der Wohnung entfernt, jederzeit erreich- und kontrollierbar).

Natürlich habe ich mich dann gefragt, ob nicht auch ich neue und innovative Ideen einbringen könnte. Ich denke mir, dass es mir gelungen ist, neue und revolutionäre Ideen zu entwickeln. Spätestens seit Siegmund Freud wissen wir, dass alle menschlichen Anstrengungen aus der Quelle sexueller Lust geboren werden. Spätestens seit Gerhard Schröder wissen wir ja, dass Arbeitslose faul sind und die soziale Hängematte der, wie jetzt auch die CDU wieder in einem Arbeitspapier feststellte, viel zu hohe Leistungen bezahlt bekommt und hierdurch jegliche Anreize für die Aufnahme einer Arbeit fehlen. Außerdem wissen wir von der BA und der INSM, dass die Mehrheit der Arbeitslosen unqualifiziert ist. Aus meiner Sicht besteht hier Aufklärungsbedarf seitens des Arbeitsministeriums und der BA über die Ursache der vielen "Unqualifizierten". Wenn sich z. B. ein Dipl. Ingenieur auf eine Stelle als Schweißer bewirbt und von dem Unternehmen eine Absage bekommt, weil er überqualifiziert ist, dann ist nur Wenigen klar, dass er damit gleichzeitig unqualifiziert ist. Die Formel ist dabei ganz einfach:

Das ist vielen Menschen nicht ganz klar und wirft somit auch ein schlechtes Bild auf das allgemeine Bildungsniveau.

Aber nun zu meiner Idee. Ausgehend von der Freudschen Gundthese sollten einen Bewerber, der von der ARGE zu einem Unternehmen für ein Vorstellungssgespräch geschickt wird, am Firmeneingang zwei von der ARGE eingesetzte Ein Euro Jobberinnen in sehr leichter Bekleidung (sollte als Uniform von der ARGE ausgegeben werden) erwarten, die den Bewerber ins Personalbüro begleiten. Eine dritte Ein Euro Jobberin in einer Aufmachung, die das Herz rasen lässt (bekommt er einen Herzinfarkt, kann die Statistik wieder einen Arbeitslosen weniger verzeichnen), führt seine Hand, wenn er den Arbeitsvertrag unterschreibt, der ihm einen Job zu 50 % des tariflichen Lohns bei mindestens 40 unbezahlten Überstunden im Monat zusichert.
Als Ausgestaltung der Uniform für die Ein Euro Jobberinnen stelle ich mir ein Top (sehr knapp bemessen) einen kurzen (zu kurz) Minirock aus rotem Leder, hochhackige Schuhe, farbige oder weiße Strümpfe mit Strapsen vor. Unter dem Minirock einen der heute üblichen Mini-Tangas.
Für weibliche Bewerber müsste allerdings untersucht werden, ob hier auch muskulöse Ein Euro Jobber Erfolg versprochen oder lieber eine Art Bänkelsänger in Elvis-Aufmachung.

Wie dem Handelsblatt vom 13.10. in dem Beitrag "Betrug mit Hartz IV-Leistungen geht deutlich zurück" zu entnehmen ist, sind die Einsparungsziele der BA bzw. des Ministeriums für Arbeit in Gefahr. Es ist absolut unverständlich, warum die deutschen Arbeitslosen in in adäquater Anzahl betrügen wollen. Um hier Besserungen zu erzielen, schlage ich vor, dass die Mitarbeiter der Beratungsfirma Roland Berger, die derzeit die Versuchs-ARGE in Köln beraten, dort abgezogen werden und bundesweit als verkleidete Arbeitslose auf den Fluren der ARGEn an die Hartz IV-Empfänger Tipps ausgeben, wie man mit den Anträgen Betrug in größerem Umfang betreiben kann. Dabei merken sie sich, wen sie beraten haben und teilen die Namen der Beratenen der ARGE mit. Diese kann dann gezielt kontrollieren (Aufwandsminderung) und kürzen und das Arbeitsministerium erreicht somit die anvisierten Einsparziele. Gleichzeitig wird die Roland Berger Agentur davon abgehalten, nur noch einen kleinen Kreis der Arbeitslosen in die Vermittlungsbemühungen aufzunehmen. Das ist wichtig, weil die Vorschläge der Berater, die anderen Arbeitslosen höchstens noch zwei mal im Jahr zu Gesprächen in die ARGE zu laden, kontraproduktiv sind, weil die Kürzungsmodalitäten des SGB II ja nur Kürzungszeiten von 3 Monaten vorsehen und bei nur 2 Besuchen im Jahr keine 3 Verfehlungen konstatiert werden können, um die Transferleistung gänzlich auszusetzen.

Die Vorschläge des wirtschaftspolitischen Sprechers der CDU, Herrn Laurenz Meyer, decken sich sicher in Bezug auf die Kinderförderung (Kürzung der Zuschläge für Kinder von Hartz IV-Empfängern, Fokus, 14.10.) mit den von Frau von der Leyen in der Sendung Berlin Mitte (12.10., ZDF) gemachten Aussagen über die Förderung der unterprivilegierten Kinder in Hartz IV-Haushalten. Mit den Vorschlägen von Herrn Meyer bleibt sicherlich gewährleistet, dass die Erbfolge bei Armut gewährleistet bleibt.
Da hätte ich noch eine private Frage an Herrn Meyer. Konnten Sie für Ihre von der Wirtschaft gezahlten leistungsfreien Gehälter in der Zwischenzeit nennenswerte Gehaltserhöhungen erzielen? Mit freundlichen Grüßen
Gert Flegelskamp