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Erstelldatum: 16.08.2006

Arbeitsvermittlung a la ARGE
Erlebnisbericht eines Betroffenen.

Sehr geehrter Herr P.,

letzte Woche bekam ich überraschend 2 Stellenangebote von 2 Arbeitsvermittlern, im Bereich kaufm. Sachbearbeitung in Hamburger Speditionen.

Am Donnerstag war ich auf einer Info-Veranstaltung, für eine Qualifizierung zum Seefrachtassistenten.

Der Seefrachtassistent wird ab Oktober 2006 in HH ausgebildet, um den Bedarf an kaufm. Sachbearbeitern in den Hamburger Speditionen zu decken.

Laut Prognosen werden bis zum Jahre 2011 14.000 Leute gebraucht, ausgebildet werden aber nur 4.000. Es entsteht also eine Unterdeckung von 10.000 Leuten.

Meine Fallmanagerin weiß, das Speditionskaufleute gesucht werden, aber eigentlich werden nur kaufm. Sachbearbeiter mit Speditionskenntnissen benötigt, die sich mit Seefracht-Import und Export auskennen (Speditionskaufleute werden gesucht, weil das die einzige Berufsbezeichnung ist, die dem Anforderungsprofil entspricht.).

Ein Bereich der mir Spass macht, und wo ich Vorkenntnisse mitbringe. Am Ende der Veranstaltung kam ich mit dem Geschäftsführer in's Gespräch. Als der hörte, dass ich Speditionsvorkenntnisse mitbringe, sagte er: Sie können Montag sofort anfangen.

Leider war ich aus Sicht seines Auftraggebers nicht qualifiziert genug. Schade.

Ich rufe also meine Fallmanagerin in der ARGE an, um diesen Bildungsgutschein zu bekommen, und siehe da: ein klares NEIN.

Ich versuchte ihr also mehrfach zu erklären, was denn eigentlich der Seefrachtassistent ist, sie hört mir nicht zu und verweigert mir den Bildungsgutschein. Begründung: es würde über REHA laufen, und die wollen nicht zahlen.

Das erstaunliche daran: eine 5-monatige Qualifizierung zum Hausmeister, Gebäudetechnik würde sie zahlen. In diesem Beruf würde ich nie unterkommen weil:

  1. mir der technische Hintergrund fehlt (ich bin Bäckermeister, kein Klempner)
  2. ich keinen Führerschein besitze
  3. ich keinen Bezug zu technischen Dingen habe, und auch nie hatte.
  4. mich somit niemand einstellen würde

Eine 5-monatige Trainingsmassnahme würde sie zahlen, als Vorbereitung auf die Prüfung zum Einzelhandelskaufmann, eine Prüfung, zu der mich die IHK nicht zulassen würde, weil:

  1. ich diesen Beruf nicht gelernt habe
  2. ich keine Umschulung in diesen Beruf gemacht habe
  3. mir die 4 1/2 Jahre Berufstätigkeit fehlen, die nötig sind um zur externen Prüfung zugelassen zu werden.

Nur eine Qualifizierung in ein Berufsfeld, wo mir Angebote vorliegen, wird nicht gezahlt.

Wenn ich eine Einstellungszusage vorlege, kein Problem. Aber welcher Arbeitgeber gibt mir im Aug. 2006 eine Zusage, für eine Anstellung für den Feb/April 2007???????

Das ist das gleiche Spiel wie beim Hauptmann von Köpenick:

  • Keine Qualifizierung - Kein Job
  • Kein Job - keine Qualifizierung

Ich bin jetzt 43 und habe diese Spass-Massnahmen mehrfach durchlebt, und muss über mein Wissen und Können nicht mehr nachdenken.

So, jetzt bin ich (mal wieder) in einer Arbeit-Suchen / Arbeit-Finden-Massnahme, in der ich mir Gedanken machen darf, wer ich bin und was ich kann. Und wenn ich darüber nichts finde, steckt sie mich in einen 1-Job.

Kann mir mal jemand diesen Schwachsinn so erläutern, dass ich als geistig gesunder und intelligenter Mensch das auch verstehe??????

Dabei könnte ich ab Feb oder April 2007 (Qualifizierung dauert 4 Monate + 2 Monate Praktikum) wieder einer regulären Beschäftigung nachgehen, auf die ich seit fast 5 Jahren warte. Und wenn das so weiter geht, braucht sich meine Fallmanagerin auch nicht mehr um mich zu kümmern, dann bin ich alleine besser dran, und brauche mich auch nicht bevormunden lassen, wie ein unmündiges Kind.

Gruß

Dieter Buschmann

www.d-buschmann.de
www.baeckerfachverein-zu-hamburg.de
www.backrezepte-online.de


Diesem Bericht möchte ich noch Zeitungsausschnitte über weiteren Irrsinn aus dem Bereich der ARGEn anfügen: