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Arbeitsplätze

Machen wir mal ein Spiel: Stellen Sie sich vor, Sie sind Unternehmer. Sie haben 20 Mitarbeiter (MA), 5 in der Verwaltung, 15 in der Produktion. 5 dieser Mitarbeiter stehen an einem Fließband und machen Tagaus Tagein immer den gleichen Handgriff. Der Erste fügt ein Teil in Ihr Produkt ein. Der Zweite justiert es, der Dritte befestigt es mit einer Schraube, der Vierte verkabelt es und der Fünfte überprüft, ob es funktioniert.

Es sind einfache Tätigkeiten, jeder bekommt 15 € in der Stunde. 38 Stunden wird wöchentlich gearbeitet, das macht also 570 € in der Woche aus oder 2.458,83 € im Monat, im Jahr also 29.830 € (gerechnet mit 52 ein Drittel Wochen).

Halt! Diese Rechnung stimmt nicht. Denn jeder der 5 Mitarbeiter hat ja 6 Wochen Urlaub, ist im Schnitt im Jahr 9 Tage krank und man muss ja die Hälfte seiner Lohnnebenkosten, also Renten- (RV) Kranken- (KV), Arbeitslosen- (AV) und Pflegeversicherung (PV) bezahlen. Da also die 5 Mitarbeiter zusammen im Jahr an 195 Tagen nicht anwesend sind, beschäftigen Sie noch einen 6. Mann, einen Springer, der jeweils den Job übernimmt, wenn einer der 5 krank oder in Urlaub ist. Zu dem Arbeitslohn müssen auch noch die Arbeitgeberbeiträge für die Sozialversicherungen gerechnet werden, also 7 % KV, 9,75 % RV, 0,9 % PV und 3,2 % AV, zusammen also 20,85 %. Insgesamt zahlen Sie also für jeden 36.049,56 € im Jahr, das macht bei diesen 6 Mitarbeitern 216.297,36 € jährlich an Arbeitskosten für diese 6 Mitarbeiter.

Der besseren Übersicht halber hier noch einmal als Tabelle:

MA-Zahl STD.-Lohn M-Gehalt J-Gehalt Zus.-Kosten J-Geh. mit Zus.-Kosten
Summe
6
15,00 €
2.458,83 €
29.830,00 €
6.219,56 €
36.049,56 €
216.297,36 €

Jetzt bietet man Ihnen eine Maschine an, einen Automaten, der alle 5 Arbeitsgänge automatisch erledigt, dazu nur die Hälfte der Zeit benötigt und der Automat würde Sie 2 Millionen € kosten.

Ihre Rechnung ist im Überschlag schnell gemacht. Sie können die 6 MA entlassen und haben die Kosten für den Automaten in 5 Jahren wieder reingeholt, weil er ja die doppelte Stückzahl produziert. Danach gehört die Maschine Ihnen und produziert umsonst, also für Sie ein echtes Geschäft.

Auch diese Rechnung stimmt nicht ganz, denn die Maschine benötigt Wartung und Pflege, in welchem Umfang, mag dahingestellt bleiben. Da Sie die zwei Millionen nicht flüssig haben, müssen Sie einen Kredit aufnehmen und Zinsen bezahlen, also brauchen Sie, so Pi mal Daumen 6 Jahre, bis Sie die Kosten wieder rein haben.

Eines haben wir aber noch nicht betrachtet. Sie haben zwar an Kosten für die MA jedes Jahr 216.297,36 € gehabt, aber weil Sie diese Kosten ja steuerlich geltend machen konnten, war Ihre Belastung real natürlich wesentlich geringer. Natürlich können Sie auf dem Wege der Abschreibung auch die Kosten der Maschine steuerlich absetzen, allerdings nur über einen bestimmten Zeitraum mit abnehmender Tendenz (AFA-Abschreibung). Davon abgesehen, wenn der Automat länger hält, als die Zeit, die sie für seine Bezahlung benötigen, ist es ein echtes Geschäft für Sie.

Sehen Sie, als Unternehmer haben Sie jetzt eine Entscheidung getroffen, die 6 Arbeitsplätze überflüssig machte, ja, vielleicht sogar 7, wenn sie evtl. in der Verwaltung hierdurch zusätzlich eine Stelle abbauen konnten. Dazu haben Sie eine Maschine erworben, welche die doppelte Stückzahl bearbeitet, nicht auf Einhaltung bestimmter Arbeitszeiten oder Pausen drängt. Sie können also mehr als doppelt so viel wie zuvor produzieren, können die Einsparungen durch Reduzierung des Stückpreises an den Kunden ganz oder teilweise weitergeben (teilweise ist wahrscheinlicher) und haben am Ende des Jahres mehr Geld als früher verdient.

Würden Sie darauf verzichten, die Maschine anzuschaffen, weil Ihnen leid tut, dass 6 Ihrer Mitarbeiter auf der Straße stehen, weil sie ihren Job verloren haben und keinen neuen finden?

Sie sehen, wenn man mal die Brille eines Unternehmers aufsetzt, stellen sich die Dinge ganz anders dar. Das, was ich hier (zugegeben sehr simpel) im Kleinen dargestellt habe, spielt sich im Großen täglich in fast allen Bereichen der Wirtschaft, aber auch auf dem Dienstleistungssektor ab. Hier kommt nun die Politik ins Spiel. Man betont immer, man will Wachstum und damit Arbeitsplätze schaffen und jeder Politiker weiß, dass das Blödsinn ist, weil selbst dann, wenn man alle Arbeitsplätze auf 1 € setzen würde, würden die Unternehmer nicht ihre Maschinen durch Arbeitnehmer ersetzen, sicherlich aber dankbar kassieren. Natürlich würden auch im Dienstleistungsbereich ein paar neue Arbeitsplätze entstehen, könnte man doch dann die Zahl der Hausangestellten drastisch erhöhen. Aber die Aussagen der Politik sind ausgemachter Schwachsinn und das wissen auch die Politiker. Sie spielen ein Spiel, dass wir vielleicht aus der Kneipe kennen. Es heißt Beamtenmikado, so genannt nach der spöttischen Vorstellung, wie in Amtsstuben Arbeit verteilt wird. Jeder sitzt steif und bewegungslos, denn der, der sich zuerst bewegt, hat verloren und muss die nächste Runde zahlen. Bei den Politikern würde der, der als Erster sagt was jeder weiß, kein Bein mehr auf die Erde bekommen.

Aber das ganze Szenario ist kurzsichtig, denn letztendlich ist der Staat auf die Steuern angewiesen und Roboter und Maschinen zahlen keine Steuern, keine Sozialversicherungen. Aber sie konsumieren auch nicht. Unternehmen vernichten nicht nur Arbeitsplätze, sie zerstören auch die Grundlagen ihrer Existenz, die Basis des Konsums. Um das Mehr, das die Maschinen produzieren, auch an den Mann bringen zu können, müssen sie damit die Konkurrenz unterbieten, um mehr Marktanteile zu erhaschen. Damit das funktioniert, müssen sie den zusätzlichen Gewinn wieder in Preisnachlässe investieren. Um noch mehr produzieren zu können schaffen sie zusätzliche Maschinen an, verdrängen kleinere Konkurrenten vom Markt und treiben ihn in die Pleite und haben, langfristig gesehen, trotzdem keinen Vorteil davon weil sie, um im Geschäft zu bleiben, immer billiger werden müssen. Auf lange Sicht gesehen verlieren sie genau so, wie die MA, die sie auf die Straße setzen. dafür ist die Zahl der Firmenpleiten ein schlagender Beweis.

Haben früher die Unternehmer auf Langfrist-Strategien gesetzt, sind die Ziele heute, gerade bei den großen Konzernen, sehr kurzfristig ausgerichtet. Die abnehmende Zahl an Arbeit sorgt dafür, dass die Steuereinnahmen aus dem Einkommen und aus dem Konsum ständig sinken und irgendwann ist der Zeitpunkt gekommen, dass die Zitrone "Arbeitnehmer" so ausgepresst ist, dass dort nichts mehr zu holen ist. Dann muss man an das Kapital ran. Doch die werden nicht wollen. Im Gegensatz zu uns (denn wir wollen ja auch nicht, dass uns immer tiefer in die Tasche gegriffen wird), wird sich das Kapital wehren. Was daraus wird? Keine Ahnung, jedenfalls nichts Gutes.

Nicht zu vergessen, die Experten. Meist mit dem Titel Professor. Die meisten haben eine gut dotierte Stelle an einer Uni und arbeiten zusätzlich für Wirtschaftsunternehmen. sie denken auf Kommando, besser gesagt im Auftrag. Der Auftrag bestimmt auch die Richtung, in die sie denken sollen. So darf lt. Auftrag der Staat für die aufkommen, die man auf die Straße gesetzt hat, aber natürlich darf es die Auftraggeber nichts kosten. Also propagieren sie Vorstellungen, wie z. B.

O-Ton
Prof. Wolfgang Engler,
Arbeitsmarktexperte:
„Wenn sich Wirtschaft und Gesellschaft dauerhaft unfähig zeigen, alle Menschen, die das wollen oder die das nötig haben, mit anständiger Arbeit zu versorgen, dann muss sie ja doch Vorsorge treffen dafür, dass solche Leute leben können, ohne immer wieder das Damoklesschwert der Arbeit, die dann doch nicht kommt, über sich zu sehen. Das heißt, die Antwort ist, dafür gibt es dann unterschiedliche Ausdrücke: Bürgergeld, Grundeinkommen, Mindestsicherung, Basic Income. Das ist die Antwort, ich glaube, man kommt darum nicht herum.“

Ja, das hört sich doch gut an, oder? Aber wieder soll der Staat einspringen, soll das Geld aufbringen. Ich sehe nur ein Problem. Wer soll das Bürgergeld zahlen, wenn die Steuereinnahmen immer weniger werden, weil die Politik sich das Geld nur bei den Kleinen holt, um es den Großen zu schenken? Aber mit solchen Worten gewinnt man Anhänger, obwohl ich glaube, dass ein Professor in den Grundrechenarten ausreichend ausgebildet sein sollte, die Unmöglichkeit eines solchen Vorschlags selbst auszurechnen. Andere dieser Experten wollen die Sozialleistungen und die Löhne noch weiter drücken, der Beitrag der Arbeitgeber zu den Sozialleistungen soll gestrichen werden und die Leute sollen sich privat versichern (obwohl ihnen die Löhne gekürzt werden sollen). Das kommt von Universitätsprofessoren, die keinerlei Vorsorge für ihre Rente oder gegen Arbeitslosigkeit treffen müssen, später aber eine Pension aus Steuergeldern kassieren, die noch höher als die Altersversorgung der Abgeordneten ausfällt.

Kommen wir noch mal zurück und werden noch einmal Unternehmer. Wir kaufen die Maschine und haben damit 6 oder 7 Arbeitnehmer zu viel. Aber wir denken langfristig. Deshalb setzen wir uns mit der Belegschaft zusammen und erklären zunächst die Ausgangslage. dann sagen wir, dass wir aber trotzdem niemanden entlassen wollen und schlagen vor, dass wir die Arbeitszeit so verkürzen, dass alle voll beschäftigt sind oder die Arbeitszeit beibehalten und die Leute entlassen. Wir erklären weiter, dass wir die Kosten einer Arbeitszeitverkürzung nicht alleine tragen können, also die MA sich anteilig beteiligen müssten. Um dem zu erwartenden Egoismus vorzubeugen, erklären wir, dass wir nicht die direkt betroffenen MA entlassen, sondern per Losentscheid bestimmen, welche MA im Falle einer Ablehnung eine Arbeitszeitverkürzung gehen müssen. Weiter versichern wir den MA, dass, wenn die Maschine bezahlt ist, das Mehr an Einnahmen in Form von Lohnerhöhungen, zumindest anteilig, an die MA weitergeleitet würde.

Ich bin sicher, die MA würden mitspielen. Keiner würde arbeitslos, verteilt auf alle MA würden die Einbußen marginal sein. Aber dass ist nur ein Traum, denn so denken Arbeitgeber nicht. Also wäre es Aufgabe des Gesetzgebers, Rahmenbedingungen zu schaffen, die genau dieses Szenario erzwingen würden. Man müsste Entlassungen besteuern und eine Maschinenbesteuerung einführen, wenn die Anschaffung von Maschinen zu Entlassungen führt. Das wäre ein Modell für den Erhalt von Arbeitsplätzen und mit einer gesetzlichen Beschränkung der Arbeitszeit auf 30 Stunden bei gleichzeitigem Verbot von Überstunden (abgesehen von wirklichen Ausnahmefällen in bestimmten Bereichen), dazu passenden, neuen Arbeitszeitmodellen könnte die Arbeitslosigkeit mit einem Schlag beseitigt werden. Aber so denken unsere Politiker nicht. Leider.

Vollbeschäftigung ist nur auf diesem Wege zu erreichen. Dabei wird natürlich gerne der Umstand ins Spiel gebracht, nicht jeder sei für jede Arbeit zu gebrauchen und wir hätten zu viele Arbeitslose mit fehlender Ausbildung. Das alles stimmt und stimmt nicht. Es gibt Leute, die keinen Schulabschluss haben, trotzdem bauen Sie ein Auto, ein Motorrad oder andere technische Dinge auseinander, frisieren die Teile und bauen sie wieder zusammen, oft besser, als die, die das gelernt haben. Warum lässt man die Fähigkeiten dieser Menschen brach liegen, anstatt ihnen eine Perspektive zu geben und sie dann zusätzlich nachholen lässt, was sie als Jugendliche versäumt haben? Arbeitslosigkeit zieht sich heute über alle Berufsfelder hin, angefangen von Menschen ohne Schulabschluss bis hin zum (nicht angepassten) Professor.

Widersinnig ist die Argumentation der Politik. Mit der Demographischen Keule behaupten sie, dass wir vergreisen, Pisa ist das Argument für fehlende Qualifikation. Zur gleichen Zeit leistet man sich 10 Millionen Arbeitslose, die, wären sie in Arbeit, wie in der Bibel für die mageren Jahre (Rentenalter der geburtenstarken Jahrgänge) vorsorgen könnten. Gleichzeitig mit dem Gejammer über fehlenden Nachwuchs und die fehlende Bildung leistet man sich die Abschiebung von 1,5 Millionen Kindern in die Armut und bereitet ihnen das Bett in die Unterprivelegiertheit, weil es die armen Kinder sind, denen es später an Ausbildung mangelt.

Maschinen, Automaten und Roboter nehmen heute den Platz ein, den früher Menschen als Arbeiter ausfüllten und das ist gut so. Sie produzieren mit Leichtigkeit all das, was man zum Leben braucht und viele Dinge, die man nicht braucht, aber dennoch haben möchte. Der Fehler liegt also nicht im Bereich des Mangels, sondern im Bereich der Verteilung des Überflusses. Entgegen der Pathetik über die Arbeit ist Arbeit ein notwendiges Übel, um seinen Lebensunterhalt sichern zu können. Wer will schon ernsthaft behaupten, dass das Leben einer Kassiererin, die Waren über den Scanner der automatisierten Kassen zieht, die Grundvoraussetzung für ein erfülltes Leben ist? Oder die Fleißbandarbeiten unseres obigen Beispiels die Würde des Menschen ausmachen? Nimmt die Arbeit dank Automatisation ab, muss die Arbeitszeit angepasst werden. Es ist sinnlos, um international Waren möglichst billig verkaufen zu können, im eigenen Land Armut zu produzieren. Geld dient dem Ersatz für den Tausch von Gütern, damit man nicht etwas Höherwertiges in etwas eintauschen muss, das im Wert geringer ist. Deshalb ist es sinnlos, ein Finanzsystem zu behalten, das nicht mehr dem Austausch von Gütern dient, sondern zum Selbstzweck ausgeartet ist.

Gerne wird angeführt, dass wir eine zivilisierte Gesellschaft sind. Aber die Ausgrenzung ganzer Gesellschaftsschichten, die Ausbeutung ganzer Völker, die Gier, immer mehr zu besitzen, auch dann noch, wenn man schon weit mehr hat, als man braucht, ist nicht zivilisiert sondern in höchstem Maße primitiv und dumm. Um dieser Primitivität und Dummheit zu frönen, vernichten wir unsere Lebensgrundlagen, zerstören unseren Lebensraum, rotten Tiergattungen aus und vernichten alles, was uns im Wege steht, sogar uns selbst.