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Erstelldatum: 04.02.2007

Nicht nur eine Antwort

Ich denke, dass ich mich meist um Sachlichkeit bemühe. Das gelingt mir nicht immer, denn im Grunde bin ich ein emotionaler Mensch. In der Psychologie gibt es einen Begriff, der den Zustand beschreibt, wenn jemand scheinbar über ein Thema spricht, aber das Thema zur Nebensache wird und eigentlich nur noch versucht wird, seinen Gesprächspartner zu provozieren, bis hin zur Beleidigung. Der Psychologe nennt das einen Pseudosachkonflikt. Weiß man das erst einmal und verfügt dazu zumindest über ein Mindestmaß an Selbstdisziplin, dann wechselt man entweder das Thema, um die aufkochenden Emotionen wieder unter Kontrolle zu bringen oder man bricht das Gespräch völlig ab, in jedem Falle besser, als damit einen dauernden Konflikt zu entzünden.

Kirsten stellt mir die Frage, was ich eigentlich mit meiner Seite erreichen will. Das ist einfach gesagt. Ich will Gemeinsamkeit erreichen. Gemeinsamkeit mit Menschen, die bisher eine völlig andere Sicht der Dinge hatten, weil sie von den Medien alle "Weißheiten" kritiklos übernommen haben. Von Hartz IV Betroffene muss ich nicht überzeugen, dass in diesem Land etwas falsch läuft. Sie erfahren es täglich am eigenen Leib. Sie wissen, dass sie nicht faul sind. Sie wissen, dass sie nicht dumm sind und kennen ihre Fähigkeiten besser als jeder Fallmanager. Trotzdem halte ich auch ihnen manchmal den Spiegel vor und weise sie darauf hin, dass wir alle und da schließe ich mich mit ein, in der Vergangenheit und in der Gegenwart zu den heutigen Zuständen beigetragen haben und beitragen. Die "Geiz ist geil" Mentalität vernichtet Arbeitsplätze am laufenden Band. Hartz IV-Betroffene haben kaum noch eine Wahl, woanders als bei Aldi oder Lidl zu kaufen, Aber bevor sie in Hartz IV gefallen sind, haben sie auch dort gekauft und damit dazu beigetragen, dass es heute fast nur noch die großen Supermärkte gibt, die immer mehr Marktmacht in immer weitergehenden Bereichen an sich ziehen. Schaut man sich die Parkplätze vor diesen Geschäften an, dann stehen dort nicht nur halbverrostete Kleinwagen, sondern auch dicke Schlitten. Auto von Leuten, die aktiv dazu beitragen könnten, diesen Trend zu bremsen.

Gelingt es mir, zumindest einige dieser Leute zu erreichen und sie zum Nachdenken zu bewegen, dann habe ich etwas erreicht, ohne Keule, ohne Fäuste, ohne Gewalt. Ich verlange nicht, dass man meine Beiträge als die Predigten eines Gurus hinnimmt. Jeder hat einen Verstand und wenn er den einsetzt, Zusammenhänge erkennt, die aus den rein Themenbezogenen Berichten der Medien nicht hervorgehen, dann ist das mehr wert, als ein Schlag auf den Hinterkopf.

Wenn ich dann in meinem Gästebuch ein "weiter so" lese, dann interpretiere ich das anders, als Frank (Samoth) oder einige andere. Jemand ist auf meine Seite gestoßen und hat das gemacht, was er vielleicht schon einige Male in andere Gästebücher geschrieben hat. Er versucht einfach nur, freundlich zu sein. Es ist eigentlich eine Floskel wie die Frage: "Na, wie geht's". Wichtiger als sich darüber zu alterieren ist die Frage, ob dieses Statement im Gästebuch dazu führt, dass wirkliches Interesse erwacht ist.

Was ich nicht ausstehen kann und mich deshalb dazu gebracht hat, ins Gästebuch dazu Stellung zu nehmen, ist der Umstand, wenn Leute andere Leute dort kränken, weil sie auf ihre unsachlichen und oft mit Aufrufen zur Gewalt gespickten Beiträgen, manchmal eben ein wenig unwirsch reagieren.

In vielen Foren kann man beobachten, dass auf diese Weise oft ein regelrechter Kleinkrieg entsteht und damit das genaue Gegenteil dessen ist, was ich erreichen möchte. Diese gegenseitige Angifterei ist genau das, was von oben gewünscht wird. Wenn wir uns gegenseitig beschimpfen, dann bestätigen wir doch nur die Vorurteile, die von Politik und Medien so eifrig verkündet werden. Dabei sind das die eingangs erwähnten Pseudosachkonflikte. Bei der Frage von Gewalt kann ich nur fragen: "wer gegen wen?" Aktiv etwas tun bedeutet für mich nicht, die Keule zu schwingen, sondern Menschen dazu zu bringen, ihre Mitverantwortlichkeit zu erkennen und dementsprechend zu handeln, z. B. bei Wahlen. Fast jeder in diesem Land weiß, dass ein Friedrich Merz mit Sicherheit nicht die Interessen des Volkes im Sinne hat. Trotzdem wird er gewählt, dazu noch mit Direktmandat. Fast jeder kennt Phillip Missfelder, dem mit seinem Vorstoß, Leuten ab 70 Jahren die medizinische Versorgung zu beschneiden (Hüftgelenk) in der CDU genug Sympathie entgegen gebracht wurde, ihn auf einen Erfolg versprechenden Listenplatz zu setzen. Er wurde gewählt. Bei der gerade abgestimmten Gesundheitsreform haben 378 Abgeordnete mit "ja" und 206 Abgeordnete mit "Nein" gestimmt. Zu den Neinsagern gehörte auch Phillip Missfelder. Bedeutet das nun, dass er sein soziales Gewissen entdeckt hat? Ich denke nicht. Er hat mit Nein gestimmt, so glaube ich zumindest, weil er sicher sein konnte, dass die Reform dennoch durchgeht und er sich davon Impulse für seine Karriere erhofft, weil er das Kopfpauschalenmodell von Angela Merkel vertritt. Anders kann ich mir seine Nein-Stimme nicht erklären.

Gehen wir kurz zu Angela Merkel. Sie ist jetzt Kanzlerin und das ist aus meiner Sicht eine bemerkenswerte Karriere. Denke ich mal so ein wenig über diese Frau nach, verwundert mich die breite Zustimmung ein wenig. Kurz bevor sie offiziell Kanzlerin wurde, hat eine Zeitschrift (ich glaube, es war Alice Schwarzers Emma" in einer Biographie über sie geschrieben, Sie habe keinen aktiven Widerstand in der DDR geleistet, weil sie, wie sie sagte, keine Heldin gewesen wäre. Richtig ist aber, dass sie in der SED ganz offensichtlich ziemlich weit oben angesiedelt gewesen sein muss,, sonst wäre sie nicht bei den Verhandlungen zum Einigungsvertrag eingebunden gewesen. Irgendwo glaube ich mal gelesen zu haben, dass über sie keine IM-Akte bestanden habe. Was besagt das? Dass sie unverdächtig war. Über Honnecker oder Kranz hat vermutlich auch keine Akte existiert. Danach war sie gleich in der CDU. Nicht als kleines Licht, sondern ziemlich weit oben. Bei Kohl ist sie wohl auf eine Art Gleichklang der Seelen gestoßen und so wurde sie bei ihm schnell Ministerin. Als dann das Theater mit der Spendenaffäre begann, war sie natürlich voll unschuldig und jetzt haben wir sie als voll unschuldige Kanzlerin. Ich sehe in ihr nur eine Frau, die ihr ganzes Leben lang nur an ihrer Karriere interessiert war, egal bei welchem System. Sie hat sich opportun zu den Mächtigen des SED verhalten, sich opportun bei der CDU gezeigt und zeigt sich heute opportun zu den Wirtschaftsgrößen. Der kleine Mann hat sie nie interessiert und wird sie nicht interessieren, ausgenommen, er zeigt ihr bei Wahlen die rote Karte. Aber sie wurde gewählt, obwohl man wusste, dass sie die Kanzlerkandidatin der CDU war. Genau genommen wurde sie und die Vorgenannten nicht wirklich gewählt, weil die zunehmende Zahl der Nichtwähler ihren Protest gegen die bestehenden Verhältnisse damit ausdrücken will, dass sie nicht oder ungültig wählen. Auch hier sehe ich eine Aufgabe, den Menschen das Wahlsystem (immer wieder) zu erläutern und ihnen den Spiegel vorzuhalten. Den Spiegel, der ihnen sagt: "Du wolltest sie nicht, aber hast sie mit Deinem Wahlverhalten trotzdem gewählt."

Ein Leser hat mir einen Link zu dem auf den NachDenkSeiten veröffentlichten Vortrag des Verfassungsrichters Broß zum Thema Privatisierung geschickt. Darin setzt er sich recht konkret mit der politischen Situation in Deutschland auseinander. Es ist ein langer Vortrag, aber es lohnt wirklich, ihn zu lesen, mehr, es ist ein Muss. Interessant für mich war, dass Broß einige Erkenntnisse in seinen Vortrag gepackt hat, die ich bereits 2004 in dem Beitrag Privatisierung geäußert habe.

Wie bereits erwähnt, will ich eigentlich erreichen, dass die Menschen, Arbeitende, Arbeitslose und Rentner, aber auch Kleinunternehmer erkennen, dass sie viele Gemeinsamkeiten haben und dass sie alle öffentlichen Aussagen, ob Presse, TV, Politik, Arbeitgeber- und auch Arbeitnehmerverbände, immer erst durch den Filter ihres Verstandes laufen lassen sollten. Wer die Aussagen ungefiltert übernimmt, wird zwischen Lügen und Realität nicht unterscheiden können. Werden Gemeinsamkeiten erkannt, muss eine Solidarisierung erfolgen. Doch genau hier wird es schwierig, denn Zustimmung alleine bringt keine Veränderung. Aus der Solidarität müssen Handlungen entstehen. Da in dieser Welt nichts umsonst ist, müssen alle, die bereit sind, ihre gemeinsamen Interessen auch gemeinsam zu vertreten, diese Kräfte bündeln. Bündelung heißt aber auch die Fokussierung auf eine zentrale Stelle, an welcher die Fäden zusammenlaufen und zu Konzepten und Planungen ausgearbeitet werden. Das geht erstens nicht ohne Geld und zweitens nicht ohne eine gehörige Portion Idealismus einiger Leute. Es ist ähnlich, wie es früher einmal bei den Gewerkschaften war. Gewerkschaften zeigen dabei, dass damit auch ein gehöriges Gefahrenpotential verbunden ist. Sie haben sich in die Politik eingebracht, vermutlich mit edelsten Absichten, sind dann aber den Verlockungen der Politik unterlegen und haben sich korrumpieren lassen. Typisches Beispiel ist die SPD, in der viele auch Gewerkschaftsmitglieder sind, von denen Etliche im Parlament sitzen. Während sie auf Gewerkschaftskundgebungen lautstark gegen die Politik wettern, tragen sie sie gleichzeitig im Parlament mit.

Ich muss zugeben, dass ich bisher noch kein Konzept gefunden habe, wie man es organisieren könnte, sich zu solidarisieren, in einer Art, dass man nicht mehr ungehört bleibt, dabei aber gleichzeitig vermeidet, korrumpiert zu werden. Diese Gefahr besteht dort, wo die Fäden zusammenlaufen und damit auch eine mehr oder minder große Machtkonzentration entsteht. Gerade in letzter Zeit sind mir von verschiedenen Seiten (noch keine konkreten) Angebote gemacht worden, eine solche Struktur mit aufzubauen. Grundsätzlich bin ich auch dazu bereit, wenn ich in den (konkretisierten) Vorschlägen einen gangbaren Weg sehe. Dann würde ich auch auf die Vorschläge im Gästebuch bezüglich eines Beitrags zum Aufbau eines solchen Vorhabens zurückkommen. Dabei möchte ich gleich vorweg sagen, dass der Umstand, dass ich eine Konzeption für nicht durchführbar halte, nicht bedeutet, dass sie nicht durchführbar ist. Wie jeder Mensch mache ich Fehler und schätze Situationen mitunter falsch ein. Wenn ich also sage, mit mir nicht, ist das keine Arroganz, sondern meine Überzeugung und dieser Überzeugung kann eine Fehleinschätzung zugrunde liegen.

Wenn Kirsten meint, dass ich gezündelt habe, dann hat er Recht und Unrecht zugleich. Gezündelt? Ja, aber in Form eines kontrollierten Brandes, so wie es erfahren Feuerwehrleute bei Waldbränden machen, die Feuer mit Feuer bekämpfen. Gezündelt? Nein, wenn es um eine Lunte geht, mit der eine Explosion erzeugt wird, deren Folgen nicht absehbar sind. Er hat Recht damit, wenn er meint, dass wir uns bewegen müssen. Aber bitte nur in einer Form, die wir vor uns und vor allen anderen auch verantworten können.

Obwohl das eine lange Antwort an Kirsten war, gleichzeitig aber auch eine Stellungsnahme zu meinen Absichten mit meiner Homepage, wäre noch viel mehr dazu zu sagen. Eines soll aber nochmals deutlich gemacht werden. Wir Menschen sind unterschiedlich. Der eine ist ein ruhiger und sachlicher Typ, der andere impulsiv bis aufbrausend und dazwischen jede menge Abstufungen. Hat man jedoch ein gemeinsames Ziel vor Augen, sollte man nicht einen Kleinkrieg gegeneinander führen, sondern die Gemeinsamkeiten suchen und für die unvermeidlichen Gegensätze Kompromisse anstreben. Das haben Politiker und Arbeitgeberverbände offenbar viel besser im Griff als wir und genau das beschert ihnen die Erfolge bei ihren Aktivitäten gegen uns. Mit gegenseitigen Beschimpfungen und Beleidigungen ist nichts zu erreichen.