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Erstelldatum: 29.05.2008

Anne Will

Die Sendung der so genannten Moderatorin Anne Will am 25.5. mit dem Thema: "Hungern muss keiner" hat in weiten Bereichen Empörung ausgelöst. Vor allem waren es die Aussagen der Frau Knobel-Ulrich, die in der Sache falsch und in ihrer eindeutig diskriminierenden und verhetzenden Art als Reaktion einen offenen Brief an diese Dame zur Folge hatte.

Ich habe diese Sendung am 25.5. nicht gesehen, weil ich klugerweise meinen Fernseher abgeschafft habe. Aber am 26.5. habe ich es mir dann angetan, mir die Video-Aufzeichnung anzusehen. Der Link dazu wurde mir mit der Aufforderung, besagtes Schreiben zu unterzeichnen, zugeschickt. Natürlich habe ich unterzeichnet, war mir aber auch sofort darüber klar, dass hier entschieden zu kurz gegriffen wird.

Die Absicht der Sendung wurde bereits im Titel geäußert. Jeder, der eingeschaltet hat, musste wissen, dass es um Medienhetze gegen Arbeitslose geht. Anne Will soll schließlich Sabine Christiansen ersetzen und natürlich versucht man, seinen Vorgänger bzw. die Vorgängerin zu übertrumpfen. Die Vorgängerin war unerträglich, ist Anne Will nun unerträglicher?

Außer 2005 im Kanzler-Duell habe ich die Will zuvor noch nie in einer Sendung gesehen. Das Video war jetzt das erste Mal, dass ich eine von ihr moderierte Sendung, und das auch noch komplett, gesehen habe. Worum es geht, besagte schon der Titel. Es war die Reaktion auf den Armutsbericht. Natürlich waren auch die Gäste entsprechend ausgesucht. Prof. Butterwegge gilt diesen Kreisen ja als Linker. Das tut jeder, der der Umverteilung von unten nach oben widerspricht und einen musste man ja in der Runde haben, der die eigentlich Angesprochenen vertritt. Nun ja, Heiner Geisler hat als Alt-CDUler inzwischen ja auch seine Sicht ein wenig geändert. Hubertus Heil hatte nun die schwierige Aufgabe, auf der einen Seite die auslösende Agenda 2010 zu verteidigen, auf der anderen Seite die SPD in einem sozialen Licht dastehen zu lassen. Guido Westerwelle, nun wer erwartet von ihm wirklich etwas Neues? Ja, dann war noch diese Frau Dr. Knobel-Ulrich, ein Name, der mir zunächst gar nichts sagte. Nach ein wenig Stöbern bin ich dann darauf gekommen, dass ich sie wohl früher schon mal in einem NDR-Programm gesehen habe.

In der Anmoderation war gleich der erste Fehler von Anne Will. Als sie sagte, dass sofort mit dem Armutsbericht Politik gemacht würde, erwähnte sie, dass eine Auswirkung unmittelbar erkennbar geworden wäre. Die geplante Diätenerhöhung der Abgeordneten wäre vom Tisch. Diese Aussage ist falsch. vom Tisch ist lediglich die bereits für 2009 geplante zusätzlich prozentuale Erhöhung als künftiger Automatismus, indem man die Diäten an die Erhöhungen im Beamten-Umfeld auch für die Abgeordneten heranzieht. Die ursprünglich in zwei Abschnitten eingeführte Erhöhung, 2008 von 7.009 auf 7.339 und 2009 nochmals eine Erhöhung um 329 auf 7.668 bleibt. Eine gute Moderatorin und Journalistin hätte auf diesen Umstand aufmerksam machen müssen.

Als Einführung wurde dann ein Film eingespielt, in welchem Michael Hüther den Armutsbericht "relativierte". Das war beste Christiansen Tradition, bei der ja eigentlich keine Sendung ohne Gäste der INSM ablief. Hüther ist von Deutschen Wirtschaftsinstitut Köln, das Institut, das die Wahrheit für die INSM so sehr zu verzerren weiß, wie kaum ein anderer Think Tank in dieser Republik. Wie könnte es anders sein, statistische Zahlen wurden von Herrn Hüther falsch dargestellt, darauf verwiesen, dass der Armutsbericht von 2005 war und inzwischen vieles besser geworden ist, kurz, die gleichen Lügen und Halbwahrheiten, die von der INSM seit 2000 verbreitet werden und für die sie vom Arbeitgeberverband Gesamtmetall und weiteren 15 Verbänden der Metall- und Elektroindustrie jährlich mit 10 Millionen ausgestattet werden.

Danach kam Butterwegge zu Wort und umriss die Konsequenzen aus dem Armutsbericht und natürlich sprach er wiederum gezielt die Kinderarmut an. Ich betrachte das als einen grundlegenden Fehler, denn Kinderarmut ist nur ein Teil des Ganzen. Anders gesagt, Kinder, die man der Kinderarmut zurechnet, haben Eltern, die arm sind. Ohne arme Eltern gäbe es keine Kinderarmut. Diese Art Populismus betrachte ich als Verzerrung der Wirklichkeit, weil damit von einer Auswirkung gesprochen und von der Ursache abgelenkt wird.

Nachfolgend durfte sich Hubertus Heil rhetorisch auslassen, als ihn die Will fragte, ob man die Zahlen des Armutsberichts geschönt hätte, wie Butterwege es angedeutet habe. Natürlich hat Deutschland nach Herrn Heil aufgrund der Agenda-Politik einen Aufschwung erlebt, angeblich gibt es 800.000 Arbeitslose weniger, aber er gibt zu, es gibt Armut in Deutschland. Danach Westerwelle, für den natürlich die Transferzahlungen die Ursache sind. Dann kommt die übliche FDP-Auslegung, dass man vor allem die Mittelschicht stützen müsse, damit die nicht ausgedünnt würde. Später wird er noch in das Fahrtwasser eines Wolfgang Clement abgleiten, der wieder den Vorwurf von Parasiten zum Inhalt hat.

Heiner Geisler relativiert nun die Aussagen von Westerwelle und legt dar, dass in jeder zivilisierten Gesellschaft es Aufgabe der Bessergestellten ist, höhere soziale Beiträge zu erbringen, um die Armen zu stützen.

Nun endlich kommt Knobel-Ulrich zu Wort. Nicht, ohne das Anne Will ihr die Steigbügel gehalten hätte, damit sie auf das Pferd auch richtig aufsteigen kann. Die Knobel-Ulrich legt dann auch los. Sie findet den Armutsbegriff zynisch, auch den von Kinderarmut und dann holt sie die alte Klamotte aus der Mottenkiste, indem sie meint, man müsse nur über die Grenzen schauen, z. B. nach Russland, wo Kinder auf der Straße lebten und in Kellerlöchern hausen. In Deutschland hingegen gäbe es niemanden, der hungern oder frieren müsste und alle hätten ein Dach über dem Kopf. Nun, genau diese Betrachtung finde ich ausgesprochen zynisch. Der Verweis auf Länder, die von westlichen Kolonialisten ausgeplündert wurden oder wie im Falle Russlands, wo bis vor wenigen Jahren ein durch und durch korruptes Zwangssystem geherrscht hat, ist nicht nur abgedroschen, sondern echter Zynismus. Armut in einem reichen Land stellt sich anders dar und es wäre die Aufgabe der reichen Länder, die Armut in den armen Ländern wirklich zu beenden, indem man die nach wie vor herrschende Ausbeutung, heute durch multinationale Konzerne und Banken, endlich beendet. Aber nicht genug dieser Polemik, dann kommen Zahlenbeispiele und nun stellt sich die Frage, hat sie absichtlich falsches Zahlenmaterial verwendet oder hat sie keine Ahnung? Ich tendiere zu der ersten Annahme, denn schließlich ist sie ja eine Journalistin, mit Doktortitel und Auszeichnungen. Als Journalistin müsste sie also zunächst recherchieren und wenn man sie hört, hat sie diesen Teil wohl vergessen. Aber dass Absicht dahinter steckt, zeigt der anschließend eingespielte Film von ihr. Doch zuvor wendet sich die Will an Butterwegge mit der Aussage, er wolle den Arbeitslosen mehr Geld geben, mehr Geld, als sie wirklich brauchten. Als Butterwegge auf den wachsenden Niedriglohnsektor zu sprechen kommt, unterbricht ihn die Will mit dem Hinweis, es ginge ja nun um die Langzeitarbeitslosen, aber er solle ruhig mal zunächst bei seiner Aussage bleiben. Was für eine Moderatorin. Ich bezeichne das als Agitation, ein bewährtes Mittel, jemanden aus der Argumentationskette herauszureißen, damit er möglichst den Faden verliert. Es gelingt ihr. Butterwegge macht nicht da weiter, wo er unterbrochen wurde, sondern beginnt nun mit konkreten Vorwürfen an die Knobel. Berechtigte Vorwürfe, aber taktisch nicht sonderlich klug. Heil will sich einmischen, aber die Will will nun den Film der Knobel zeigen. Es ist ein Film in typischer NDR-Tradition. Es gab diese Art, anhand von 2 oder 3 Beispielen aufzuzeigen, dass Arbeitslose faul sind, bereits vor vielen Jahren auf dem NDR. Damals waren es die Sozialhilfeempfänger und ich behaupte einfach mal, dass diese Beispiele getürkt sind. Kein wirklich fauler Arbeitsloser wird sich im Fernsehen in dieser Form äußern, denn wer so clever ist, sich ungerechtfertigt Stütze zu verschaffen, ist auch clever genug, das nicht in die Welt hinaus zu posaunen. Es lohnt also nicht, diesen Film in die Betrachtung überhaupt einzubeziehen, denn er zeigt Dinge auf, die so nicht stimmen können. So z. B. die Behauptung, Arbeitslose würden Termine in letzter Minute mit Ausreden absagen. Täten sie es, würden ihnen die Leistungen gekürzt und das hätte die Knoble in den Statistiken der BA nachlesen können.

Es ist müßig, den weiteren Verlauf zu schildern. Ich habe solche Sendungen schon vor Jahren gesehen und man könnte sie austauschen, ohne dass es jemand merkt. Es geht nicht darum Missstände aufzudecken und an ihrer Beseitigung zu arbeiten, sondern einzig und alleine um Diffamierung und darum ein Klischee aufrecht zu erhalten und zu vertiefen. Niemand in der Runde hat die Frage der Regelsätze und deren falsche Darstellung aufgegriffen und relativiert. Und wenn jemand dem vorherrschenden Tenor Paroli bieten wollte, wurde er von der Will unterbrochen und zwar in einer teilweise wirklich schlimmen Form. Anne Will hat dann zum Schluss auch noch Gesetze gebrochen. Der Rundfunkstaatsvertrag verlangt von den öffentlich Rechtlichen politische Neutralität und eine Berichterstattung und Moderation, die die Würde der Menschen achtet. Sie hat die Würde der Menschen verletzt und hat am Schluss der Sendung auch die politische Neutralität verletzt, indem sie Heil aufforderte, ihr zu versprechen, sich nicht von der Linken in der Frage der Kandidatur zur Bundespräsidentschaft abhängig zu machen.

Ich kann nur allen raten, schaltet den Fernseher ab oder um. Wenn ihr meint, die Sendung unbedingt sehen zu müssen, schaut sie euch am nächsten Tag als Video auf der Seite des WDR an. Ein Quoteneinbruch ist das einzige Mittel, diese Leute zu stoppen. Bringt die Will keine Quote mehr, wird sie ausgetauscht.