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Agfa-Photo meldet Insolvenz an
oder: Die Arbeitsweise der Heuschrecken.

In den verschiedensten Medien kann man es nachlesen: Agfa Photo meldet Insolvenz an. Dabei ist Agfa Photo erst vor einem guten halben Jahr gegründet worden. Im August 2004 wurde in der Presse bekannt gegeben, dass Agfa Gevaert sich von seinem Geschäftsbereich Customer Imaging trennt und ihn an das Management (25%)und drei Beteiligungsfirmen aus den USA (NannO 55%, Abrams Capital und Highfields Capital je 10%) verkauft. Damals wurden die Erfolgsaussichten der neuen Firma mit dem Namen Agfa Photo sehr günstig beurteilt.
Der Verkauf

Hier beginne ich mit meiner persönlichen Spekulation. Das Unternehmen sollte aus meiner Sicht nicht gerettet sondern ausgeschlachtet und dann verkauft oder, wie jetzt geschehen, in die Insolvenz verabschiedet werden. Zumindest passt diese Art der Strategie sehr gut zu den Methoden amerikanischer Beteiligungsgesellschaften. Agfa Photo hatte die unbefristete Lizenz, den Namen Agfa zu tragen. Es hatte die verschiedensten Patente, vor allem für Mini-Labs und d-ws das leistungsfähigste System zur Umwandlung digitaler Fotografie auf Papier. Das Geschäft mit dieser Technik boomt und manch ein Unternehmen, die wegen der digitalen Fotografie immense Einbußen erlitten hatte, kann sich heute vor Aufträgen kaum retten.

Agfa kehrt zurück nach Deutschland, im Kleinformat betitelte das Handelsblatt seinerzeit die Übernahme. Jetzt, ein gutes halbes Jahr später schreibt das Handelsblatt: Agfa hatte ein Chance.

Hatte es die wirklich? Es war Hans Eichel, der mit seinem famosen Antrittsgeschenk an die Wirtschaft, Unternehmensbeteiligungen steuerfrei veräußern zu können, das Aus für viele Unternehmen eingeleitet hat, so auch für Agfa. Ursprünglich bereits 1867 gegründet, bekommt sie kurze Zeit später den Namen Agfa (von Aktien-Gesellschaft für Anilin- Fabrikation) 1952 wird die Agfa AG neu gegründet und 1953 von der Bayer AG übernommen. 1964 Schließen sich Agfa und Gevaert zur Agfa-Gevaert-Gruppe zusammen, die 1981 zu 100% in den Besitz der Bayer AG übergeht. 1999: Die Agfa-Gevaert AG, Leverkusen, wird Tochtergesellschaft der Agfa-Gevaert N.V., Mortsel/Belgien. Am 1. Juni geht die Agfa-Gevaert N.V. an die Börse. Großaktionäre sind die Bayer AG (30 Prozent) und die Gevaert N.V. (25 Prozent). Die Agfa Gevaert will sich 2001 von der Sparte Customer Images trennen und verhandelt mit Ventures. Wegen dem eingetragenen Markennamen Agfa scheitert der Verkauf. Dafür verkauft die Bayer AG ihre 30% Anteile 2002 an Goldmann Sachs, die wiederum die Aktien auf dem freien Markt anbieten.

So weit der historische Rückblick in Ausschnitten. Liest man die Aussagen bei der Übernahme und erfährt jetzt, 7 Monate später, dass das Unternehmen Insolvenz beantragt, kann das nur zweierlei bedeuten:

  1. Das Management der übernommenen Firma war grottenschlecht
  2. Man hat die Firma ausgeschlachtet, die Patente, die Lizenzen und alles, was irgendwie von Wert war verkauft und setzt jetzt mit der Insolvenz weltweit 2.800 Mitarbeiter, davon 2.000 in Deutschland auf die Straße. Management und Beteiligungsgesellschaften haben ihren Schnitt gemacht und was aus den Menschen wird, interessiert niemanden.

Eine andere Erklärung kann ich nicht finden. Hätte Eichel 2001 nicht den Verkauf von Unternehmensbeteiligungen steuerfrei gemacht, wäre Bayer vermutlich nicht auf die Idee gekommen, sich von Agfa zu trennen und hätte statt dessen im Zeitalter der digitalen Fotografie die Techniken, digitale Fotos auf Papier zu bannen, voran getrieben. Das Werk könnte bombig dastehen und die dort Beschäftigten müssten sich nicht fragen, was morgen ist. Und, wenn meine Spekulation stimmt und davon gehe ich aus, dann zeigt es überdeutlich, was es mit dem "freien Markt", der alles von alleine regelt, wirklich auf sich hat:

Profit um jeden Preis!

Und nirgend ein Staat in Sicht, der regulierend eingreift.

Des Kapitalisten einziges Interesse ist die Profimaximierung. Dagegen ist nichts einzuwenden, wenn ein Staat regulierend eingreift. Genau das ist der Unterschied zwischen Volkswirtschaft und Betriebswirtschft oder sollte es zumindest sein. Doch dieses Interesse haben unsere Politiker aufgegeben. Sie hören nur noch auf die Experten, die behaupten, dass der Markt das Regulativ in sich trage. Die Wissenschaftler, die vor dieser Methode warnen, werden verspottet oder tot geschwiegen. Doch der Markt ist nichts als eine Bezeichnung für den Güteraustausch. Ohne Regulierung ist es ein Relikt aus der Steinzeit, wo der Stärkere den Schwächeren benutzt und dann wegwirft, wie Abfall. Dabei glaube ich, dass die Menschen der Steinzeit vermutlich weiser und gerechter waren, als das Kapital und die Politik samt ihrer bevorzugten Experten von heute.