Agenda 2010

Stellen Sie sich vor, Sie haben Urlaub in den Alpen gemacht und wollen jetzt wieder nach Hause (irgendwo im Flachland). Sie fahren also zurück und es geht bergab, mal steil, mal weniger steil. Dazwischen gibt es sogar Teilstücke ohne Gefälle.

Mit Deutschland passiert das gleiche. Es geht bergab. Da kommt Schröder mit seiner Agenda 2010 und behauptet, wenn die verwirklicht wird, geht es wieder bergauf. Das ist Blödsinn. Vielleicht wird durch die beabsichtigte Steuerreform das Gefälle ein Stück des Weges geringer, doch es geht weiterhin bergab.

Aber warum ist das so? Wer hat versagt?

Die Antwort ist einfach: ALLE!! Politik, Wirtschaft und Bürgerschaft. Wieso? nun, dazu muss man eine kleine Analyse durchführen.

1949 wurde nach dem verlorenen Krieg die Bundesrepublik Deutschland gegründet. Mit Hilfe des Marshall-Planes und der Währungsreform wurde ein kometenhafter Aufschwung wirtschaftlicher und quantitativer Natur begründet (Wirtschaftswunder). Die damaligen Schwerpunkte der Wirtschaft lagen in der Bauwirtschaft (aus Schutt und Asche sollte Deutschland wie Phönix neu auferstehen), der Stahlindustrie und dem Bergbau.

Die erste Zeit nach der Währungsreform war nicht einfach. Die bis dahin gültige Reichsmark wurde ungültig und von der Deutschen Mark, kurz "DM" genannt, abgelöst. Am Tage der Währungsreform bekam jeder Bürger der Bundesrepublik DM 40,00 Einstiegsgeld. Am gleichen Tage waren erstmalig nach vielen Jahren die Geschäfte voller Waren, viele Dinge, welche die Kinder dieser Zeit zum ersten Mal bestaunen konnten, wie Orangen, Bananen u.s.w.

Die Verführung war groß und viele Familien hatten schon nach 1 bis 2 Tagen das Geld ausgegeben, sich aber auch nach langer Zeit zum ersten Male satt gegessen. Aber die kleinen Geschäftsinhaber ließen die Leute nicht hungern. Wer kein Geld mehr hatte, ließ anschreiben und zahlte, wenn er wieder Geld hatte.

Es dauerte schon einige Zeit, bis der Schutt des Bombardements der Städte durch die Allierten beseitigt war. Hier waren es vor allem viele Frauen, die sogenannteten Trümmerfrauen, die ohne Hilfsmittel mit ihren Händen Berge von Trümmern beiseite schafften, dabei sortierend, was noch verwendbar war (Eisen, sonstige Metalle, Steine etc.).

Mit der 1951 erfolgten Revision des Besatzungsstatus und dem 1951/1952 erfolgten Beitritt zur Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (Montanunion) wurde nicht nur der wirtschaftliche Aufschwung beschleunigt, sondern auch die Rückkehr zur Souveränität der damaligen Bundesrepublik Deutschland (ohne DDR) eingeleitet.

Doch dann war es so weit, Unternehmen waren wieder aufgebaut, neue Unternehmen wurden gegründet, Arbeitslose fanden wieder einen Job. Die Wirtschaft boomte, das Markenzeichen "Made in Germany"erlangte wieder Weltgeltung und die Zahl der offenen Stellen war bald größer als die Zahl der Arbeitslosen. Man holte die ersten Ausländer als Arbeitskräfte nach Deutschland (in der ersten Staffel vorwiegend aus Italien und Spanien). Kein Wölkchen war am Himmel des Wirtschaftswunders erkennbar. Wegen der Solidarsysteme (Rente, Kranken- und Arbeitslosenversicherung) wurde das Wirtschaftssystem als "Soziale Marktwirtschaft" bezeichnet und das Zauberwort für alle hieß "Wirtschaftswachstum". 1957 wurde bei einer Rentenreform das "Umlageverfahren" eingeführt, was so viel bedeutete, dass die zu zahlenden Renten von den eingehenden Beiträgen finanziert wurden, man kennt das heute als den "Generationenvertrag". Mir ist nicht bekannt, ob davor die kapitalgedeckte Rente bestand, aber die Einführung des Umlageverfahrens war einer der ersten schwerwiegenden Fehler der Politik, aber nicht der letzte. Außerdem war es ein Betrug am Beitragszahler. Der wurde nicht gefragt, ob er mit dem Umlageverfahren einverstanden war. Statt die Rentenbeiträge treuhänderisch zu verwalten, wurden in Zeiten der Vollbeschäftigung die Überschüsse aus den Einnahmen der Rentenbeiträge wie Steuereinnahmen verbraten. Hätte man die Rentenbeiträge als Kapitaldecke verzinslich angelegt, müssten heute nicht 2 Beschäftigte eine Rentner finanzieren und 2-stellige Milliardenbeträge als Zuschüsse aus Steuermitteln aufgewendet werden. Im Gegenteil, nach dem Ableben der Rentenbegünstigten würden dem Staat immer noch erkleckliche Mittel zufließen, denn die Rente könnte von den Zinsen der angesparten Kapitaldecke finanziert werden.

Es gibt Gesetze, die nirgendwo festgeschrieben sind und dennoch eherne Gültigkeit haben. Eines dieser Gesetze lautet: "Nichts wächst ewig". Die Euphorie der Vollbeschäftigung, der vollen Auftragsbücher und der wachsende Wohlstand der Bürger vernebelte allen das Hirn. Politiker gaben verschwenderisch die Steuereinnahmen, vielfach für unsinnige Prestige-Objekte, aus. Reichte das Geld nicht, wurden Anleihen zu oftmals horrenden Zinssätzen aufgenommen. Unternehmen verbuchten zweistellige Wachstumsraten, holten weitere Fremdarbeiter ins Land und verschuldeten sich überproportional, um möglichst schnell der Nachfrage Herr zu werden. Die Bürger kauften, ob sinnvoll oder nicht. Reichte das Geld nicht, wurden Kredite aufgenommen. Am Beispiel Amerikas wandelte sich bei uns der Lebensstil. Wir wurden eine Wegwerfgesellschaft. Supermärkte öffneten die Pforten und die kleinen Geschäfte gingen langsam, aber sicher ein. Niemand schien zu merken, dass bereits Mitte der 60-ger Jahre ganz langsam ein Wandel eintrat. Kohle- und Stahlindustrie waren die ersten, die in den Sog des Niedergangs gerieten, wurden aber mit Subventionen über Wasser gehalten. Die Zahl der Arbeitslosen stieg langsam an, löste aber noch keine Besorgnis aus. Nach wie vor glaubte jeder, dass es so weitergehen würde, wie die letzten Jahre. Aber die Sättigung des Marktes schritt unaufhaltsam voran. Die Industrie versäumte, sich auf den Wandel einzustellen. Der technische Wandel wurde größtenteils verschlafen. Anfang der 70-ger Jahre begann das Computer-Zeitalter. Doch deutsche Unternehmen verschliefen es, diesen Markt zu erobern. Zwar baute Siemens, die einstmals das Unternehmen von Konrad Zuse (der lange vor der IBM den ersten funktionierenden Computer gebaut hatte) übernommen hatten, auch Computer, aber die Entwicklung der zugehörigen Software war nichts als ein Abklatsch der Entwicklungen der führenden US-Unternehmen. Das Betriebssystem BS1000 von Siemens war eine leicht modifizierte Kopie des DOS-Systems der IBM. Das Folgesystem BS2000 basierte auf den VS-Systemen der IBM. Doch richtig Fuß fassen konnte Siemens mit seinen Computern und seiner Software nicht. Das Thema wurde einfach zu halbherzig angegangen. Es fehlte der Elan, mit denen die US-Unternehmen die Weiterentwicklung auf dem Computer-Sektor voran trieben. Die Herstellung der Hardware wurde dann von Siemens eingestellt und man bezog statt dessen die Computer aus Japan.

So wie in diesem Bereich ging es in vielen Wirtschaftszweigen. Statt sich auf neue Marktsegmente zu stürzen, lutschte man Bestehendes solange aus, wie es ging. Bekam man vom Staat keine Fördermittel für die Forschung und Entwicklung neuer Systeme, überließ man das dem Ausland, vorwiegend den USA. Deutschland war einstmals eine der führenden Nationen im Bereich Wissenschaft und Forschung. Heute sind wir eher zweitklassig auf diesem Gebiet. Es stimmt schon, dass Forschung und Entwicklung in weiten Bereichen auf der Basis von militärischer Forschung voran getrieben wird. Doch eine Entschuldigung ist das nicht (eher ein Trauerspiel). Viele Unternehmen, die heute jammern, wie schlecht es ihnen geht, könnten wesentlich besser dastehen, wenn sie mehr in die Forschung als in die Vorstandsgehälter investiert hätten.

In der Zeit des Wirtschaftsbooms waren auch die Löhne von Arbeitern und Angestellten kräftig gestiegen. Die Folge, die Produktion deutscher Waren wurde teurer. Gleichzeitig wurde der deutsche Markt mit billigen Produkten aus dem Ausland überschwemmt. Der deutsche Konsument stieg um auf die Billigprodukte und deutsche Hersteller blieben auf ihrer Ware sitzen. Fortschritte in der Medizin veränderten auch die Altersstruktur. Die Deutschen lebten länger. Jetzt wurde das Umlageverfahren zum Problem. Politiker, die eigentlich die Manager des Staates sein sollten, ließen diese Manager-Qualitäten immer deutlicher vermissen. Ihre einzige Methode, Gegenmaßnahmen zu der sich immer stärker abzeichnenden Umkehr des Wirtschaftsbooms waren Steuererhöhungen und Anhebungen der Sätze für die Solidarsysteme. Dennoch wurde dem Bürger nach wie vor erzählt, die Rente ist sicher, unsere Gesundheitsvorsorge ist die beste. Bei jeder Wahl wurde versprochen, die Arbeitslosigkeit abzubauen. Doch lediglich der Aufbau einer unüberschaubaren Bürokratie gelang. Das Steuersystem wurde so undurchsichtig und kompliziert, dass heute kein Mensch mehr durchblickt. Der Verwaltungsaufwand und die Bürokratie im Gesundheitswesen verschlingen Milliarden.

Auch bei den Menschen konnte ein grundlegender Wandel festgestellt werden. Bestimmte Eigenschaften der Menschen scheinen vom Wohlstand abhängig zu sein. Solidarität und Hilfsbereitschaft blühen in Notzeiten auf und verkümmern, wenn es den Menschen gut geht. In guten Zeiten haben Neid, Missgunst und Egoismus Hochkonjunktur. Der Schulterschluss, der viele in der Kriegs- und Nachkriegszeit am Leben erhalten hatte, weichte auf. Nachbarliche Freundschaft zerbrach, vergessen war, dass mancher die ersten Nachkriegsjahre nur überstanden hatte, weil kleine Ladenbesitzer ihnen zinslose Kredite gewährt hatten (indem sie auf Pump verkauften). Jetzt sah man mitleidlos zu, wie diese kleinen Läden eingingen, weil sie mit den Preisen der Supermärkte nicht standhalten konnten. Für die Älteren unter den Ladenbesitzern ein wirkliches Problem, denn sie hatten nicht "geklebt", also als Selbständige keine Beiträge in die Rentenkassen entrichtet und somit keinen Rentenanspruch erworben. Die Ersparnisse waren bei dem Versuch, das Geschäft zu retten, draufgegangen. Doch "Otto Normalverbraucher" bemerkte das nicht einmal. Er war viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Selbst die alten, traditionellen Familienstrukturen weichten auf. Eltern wurden, wenn sie nicht mehr so richtig konnten, ins Heim abgeschoben, denn man hatte ja keine Zeit, sich um sie zu kümmern, man war ja "vollbeschäftigt". Kinder wurden zu "Schlüsselkindern", weil für die Sicherung des Wohlstandes ja beide Elternteile arbeiten mussten. So wuchs eine neue Generation heran, von denen nur wenige die Zuwendung und Aufmerksamkeit erfahren hatten, die in früheren Zeiten selbstverständlich war. Egoismus, Missgunst, Gleichgültigkeit und permanente Unzufriedenheit wurden ihnen vorgelebt. Das Fernsehen tat ein übriges. Jetzt war nicht einmal mehr am Abend Zeit, denn da musste man ja sehen, was es im Fernsehen gab. Wen wundert es, dass die Wertvorstellungen dieser Generation völlig anders waren als die vergangener Zeiten? Heute versucht jeder, alle Vorteile aus den staatlichen Systemen zu beanspruchen, derer er habhaft werden kann. Der Schwarzarbeiter hat kein Unrechtsbewusstsein, wenn er seine Sozialhilfe oder Arbeitslosenhilfe abholt. Der Arbeitnehmer hat keine Gewissensbisse, wenn er mal ein oder zwei Wochen "Urlaub auf Krankenschein" macht, ohne wirklich krank zu sein. Das System gibts ja her und solange man nicht erwischt wird, ist das OK, oder? Mit dieser Mentalität wird geholfen, die sozialen Systeme noch schneller zu zerstören, als es unseren Politikern gelingt.

Billig zu kaufen ist heute Sport. Es gibt Menschen, die verfahren 5 Liter Benzin, um beim Einkauf ein oder zwei Euro zu sparen. Der Bürger scheint nicht zu begreifen, dass der Kauf von Billigprodukten teuer ist. Unser Hauptdilemma ist die Arbeitslosigkeit. Mit dem Kauf von Billigprodukten aus dem Ausland begünstigen wir die Vernichtung von Arbeitsplätzen. Mit den gelegentlichen Billigangeboten großer Supermarktketten nehmen wir dem Kleinhandel die Basis. Er geht pleite und die Mitarbeiter sind arbeitslos. Die Kosten der Arbeitslosigkeit werden wiederum auf die Lohnabgaben übertragen und letzlich zahlen wir für unseren Billigeinkauf mehr, denn diese Lohnnebenkosten bleiben. Rechnen Sie mal nach, wenn statt 4,5 Millionen Arbeitslosen nur 1 Million ohne Job wäre. Nehmen wir an, der Durchschnittsbeitrag in die Rentenkasse beträgt 300 Euro im Monat, in die Krankenkasse 200 Euro und in die Arbeitslosenversicherung 100 Euro. Das wären bei 3,5 Millionen weniger Arbeitslosen monatlich 2,1 Milliarden zusätzliche Beiträge in die Sozialsysteme (= 25,2 Milliarden im Jahr) und 3,5 Millionen mal weniger Auszahlungen an Arbeitslose. Würden Sie bei Ihrem Einkauf Produkte "Made in Germany" bevorzugen und dafür auch ein wenig mehr blechen, wäre dieser Zustand wieder erreichbar. Pfeifen Sie auf gelegentliche Darstellungen im Fernsehen, die uns glauben machen wollen, die Arbeitslosen wollten nicht arbeiten. Bei 4,5 Millionen Arbeitslosen finde ich immer Fälle, die das zu beweisen scheinen. Doch die Realität ist anders. Der überwiegende Teile der Arbeitslosen möchte arbeiten, wenn er nur die Chance dazu bekäme.

In den großen Unternehmen fand ebenfalls ein gravierender Wandel statt. Vorstände, die noch Achtung und Respekt für die Leistung ihrer Mitarbeiter aufgebracht hatten, gingen in den Ruhestand. Nachfolger waren Ableger der Ego-Generation. Für sie waren Mitarbeiter nicht mehr als Personalnummern. Ihr Sport war, die Unternehmen "zu verjüngen". Mitarbeiter über 40 Jahren wurden misstrauisch betrachtet und wenn sie über 50 jahre alt waren, versuchte man sie zu "entsorgen". Mit Abfindungen, die das Arbeitslosengeld ein wenig aufpäppelten, wurden sie in die Arbeitslosigkeit entlassen und mit 60 Jahren gingen diese Mitarbeiter dann in Rente. Diese Praktiken gingen voll zu Lasten der sozialen Systeme und die Politiker sahen tatenlos zu. Menschen, die älter als 40 Jahre waren, hatten kaum noch die Chance, einen Arbeitsplatz zu finden. Diese Praktiken waren nicht nur schlecht für die Allgemeinheit, sondern auch für die Unternehmen. Mit den älteren Mitarbeitern wurde viel Wissen verabschiedet, welches den Unternehmen dann fehlte und auch manche Kosten verursachte. Statt im Inland zu produzieren, verlegten viele Unternehmen ihre Produktionsanlagen ins Ausland. Besonders die großen Konzerne taten sich da hervor. Sie bauten Subunternehmen auf und versteckten sie so geschickt in ihrer ohnenhin kaum noch überschaubaren Firmenstruktuer, dass es schwer war und ist, den Zusammenhang zu einem Konzern zu finden. Diese Subunternehmen schrecken auch vor kriminellen Machenschaften nicht zurück. Unter Einbeziehung der oftmals korrupten Regierungssysteme der Drittländer werden Produkte in Kinderarbeit erstellt, die dann auf dem deutschen Markt landen, es werden Regenwälder abgeholzt, um Monokulturen zu errichten und vieles mehr. Das alles läuft unter dem Stichwort "Globalisierung". Der Bevölkerung wird die sogenannte Globalisierung als Öffnung der Weltmärkte verkauft, doch tatsächlich geht es um die Beherrschung der Weltmärkte durch wenige Global-Player (WTO). Fairness ist dabei nicht gefragt. Die Preise werden von den Großkonzernen diktiert und wer nicht mitspielt, wird gnadenlos vernichtet.

Mit der Agenda 2010 tritt Schröder in die Fußstapfen seiner Vorgänger. Mit Schlagworten, die Wirtschaft muß wieder angekurbelt werden, werden die Lasten wieder auf die kleinen Leute verteilt. Der Kernpunkt der Agenda ist die Gesundheitsreform. Eine gewisse, destruktive Genialität kann man dieser Reform nicht absprechen. Mit diesem Konzept wird dem Wähler so tief in die Tasche gegriffen, wie noch nie zuvor, in dem vollen Bewusstsein, dass diese Lösung nur kurzfristigen Charakter hat. Eintrittsgebühren beim Arztbesuch, erhöhte Zuzahlungen bei Rezepten, Ausklammerung der Krankengeldzahlungen aus der paritätischen Beitragszahlung zu Lasten der Arbeitnehmer, separate Pflichtversicherung für Zahnersatz, Rentner zahlen die Beiträge zur Krankenkasse künftig alleine u.s.w.. Die Krankenkassenbeiträge komplett auf die Rentner abzuwickeln, ist ein Bravourstück. Das kommt einer Rentenkürzung gleich, ohne dabei das Grundgesetz ändern zu müssen. Auch die sonstigen Maßnahmen gehen hauptsächlich zu Lasten der Erwerbstätigen. Kürzung der Entfernungspauschale, Streichung der Eigenheimzulage u.s.w., aber keine konkreten Aussagen darüber, wo z.B. Subventionen bei der Industrie gekürzt werden. Der Griff in die Tasche der Verbraucher schränkt trotz Steuerreform die Möglichkeiten ein, auch den Konsum anzukurbeln. Schröder und seine Mannschaft begreifen ebenso wenig wie ihre Vorgänger, dass die Wirtschaft nur produziert, was verkaufbar ist. Hat der kleine Mann kein Geld, um zu kaufen und wird das, was er noch kaufen kann, im Ausland produziert, dann wird in der heimischen Wirtschaft kein Arbeitsplatz entstehen. Lässt er weiter zu, dass Großkonzerne mit ihrer Preispolitik die kleinen und mittleren Unternehmen in die Pleite treiben oder aufkaufen, werden weitere Arbeitsplätze vernichtet. Unterstützt er weiterhin die Fusion solcher Giganten, unterstützt er den Stellenabbau. Kleine und mittlere Unternehmen beschäftigen im Vergleich wesentlich mehr Mitarbeiter, als die Großkonzerne und zahlen mehr Steuern. So seltsam es anmutet, aber der Staat subventioniert noch den Abbau von Arbeitsplätzen. Will ein Unternehmen (wie z.B. jetzt die Dresdner Bank) Arbeitsplätze abbauen, bildet es für die Abfindungen, die es zahlen muß, Rückstellungen. Diese Rückstellungen kann es steuerlich absetzen, muss sie allerdings zweckgebunden verwenden. Werden dann die Abfindungen an die Mitarbeiter, die entlassen werden, ausgezahlt, werden diese nochmals steuerlich geltend gemacht. Das ist nur ein Beispiel von vielen. Mit der Praxis, für alles und jedes Rückstellungen zu bilden und dann von der Steuer abzusetzen, schaffen es Großkonzerne wie DaimlerChrysler, BMW u.s.w., dass sie (und das schon seit vielen Jahren), keine Steuern zahlen. Es wäre an der Zeit, wenn Politiker an dieser Stelle mal Korrekturen vornehmen würden.

Familienpolitik. Voller Besorgnis wird vermeldet, dass es in Deutschland zu wenig Kinder gibt. Wenn wir keine Kinder zeugen, wer soll dann später unsere Rente zahlen? Mir dreht sich der Magen um wenn ich das höre und sehe, dass fast jeder diesen Unsinn nachplappert. Wie sieht es denn wirklich aus? Schon heute, wo es doch zu wenig Kinder gibt, schaffen es die Politiker nicht, diesen Kindern eine Lehrstelle oder Arbeit zu verschaffen. Die Jugendarbeitslosigkeit ist überproportional groß. Dabei sind die Chancen für die Jugendlichen, die kein Studium haben, inzwischen so schlecht, dass man sich fragen muss, ob sie jemals in den Arbeitsprozess eingebunden werden können. Noch etwas wird nicht bedacht oder bewusst verschwiegen. Die Kinder von heute sind die Rentner der Zukunft. Deutschland ist ein dichtbesiedeltes Land. Ein Rückgang der Bevölkerungszahl ist somit nicht problematisch. Der Zufluss aus anderen Ländern wird verhindern, dass Deutschland eine kahle Fläche wird. Welche Zukunft können wir unseren Kindern denn bieten? Der Freiraum ist mehr als begrenzt. Unsere Kinder wachsen in den Ballungsgebieten auf, wie Tiere im Zoo, eingepfercht in die Wohnungen. Statt im Spiel ihre Kreativität zu proben und zu festigen, sehen sie sich miserable Filme im Fernsehen an und ihre Kreativität wird auf den PC, falls vorhanden, eingeschränkt. Kinderspielplätze sind fast immer Hundekloaken. Die Kinder der Nachkriegszeit hatten trotz aller Entbehrungen eine schönere Kindheit als die Kinder von heute. Kein Straßenverkehr hat sie daran gehindert, sich im laufen, rumtoben und klettern zu üben. Für ihre Spiele benötigten sie keine kostspieligen Hilfsmittel. Ein Kreidestein und ein Stück Holz reichten für ein spannendes Spiel. Verstecken, Räuber und Gendarm, Murmelspiele und vieles andere waren bessere Spielarten als die Beschäftigung mit Plastikspielzeug, das heute den Freiraum ersetzen soll.

Will man die Geburtenrate steigern, sollte man das Fernsehen abschaffen, das würde mehr helfen als Kindergeld. Die Menschen der 50-ger Jahre bekamen noch kein Kindergeld, dennoch war die Geburtenrate höher als heute. Die Verteilung des Kindergeldes nach dem Gießkannenprinzip ist teuer und dumm. Dass man Familien mit geringem Einkommen durch die Zahlung von Kindergeld unterstützt, ist OK. Aber unabhängig von der Höhe des Einkommens für alle das gleiche Kindergeld zu zahlen, ist rausgeschmissenes Geld. Die Zahlung von Kindergeld sollte von der Höhe des Einkommens abhängig gemacht werden. Leute mit einem Einkommen von über 100.000 Euro können auch ohne Bezug von Kindergeld ihre Kinder ernähren und großziehen. Eine vernünftige Staffelung wäre mehr als angebracht und könnte Milliarden Steuergelder für andere Zwecke freisetzen. Die immer wieder auftauchende Forderung, Kinderlose wegen ihrer Kinderlosigkeit extra zu besteuern, ist dumm und unverschämt. Die Probleme Deutschlands können nicht durch eine höhere Geburtenrate gelöst werden, im Gegenteil, langfristig werden damit die Probleme forciert. Das Familien- und Bildungsministerium (Ministerinnen Renate Schmidt und Edelgard Buhlman) sollten lieber dafür sorgen, dass die Kinder eine Schulbildung bekommen, die sie befähigt, den erhöhten Anforderungen der Zukunft auch gerecht zu werden. Die Pisa-Studie hat gezeigt, dass Deutschland in dieser Beziehung völlig versagt hat.

Die Agenda 2010 bremst die Talfahrt nicht, sie beschleunigt sie. Vielleicht bremst sie den demoskopischen Faktor. Wenn Gesundheitsfürsorge nicht mehr bezahlbar ist, sterben viele Menschen auch früher. Doch eine Lösung ist das nicht. Wenn unsere Politik nicht endlich beginnt, wirklich fundierte Lösungen zu erarbeiten, sind wir in 10 bis 20 Jahren eine Entwicklungsland. Die Großindustrie tangiert das nicht. Der Standort Deutschland ist nicht zwingend, schließlich leben wir im Zeitalter der Globalisierung.

Fazit: 3 Komponenten haben den Niedergang Deutschlands eingeleitet und beschleunigen ihn stetig: Inkompetenz, Gier und Dummheit, verteilt auf alle Gesellschaftsschichten. Der Bürger sollte sich auf seine eigenen Kräfte besinnen und vom Staat nicht mehr verlangen, als er zu leisten imstande ist. Politiker sollten sich darauf besinnen, dass sie Volksvertreter und keine Kapitalvertreter sind und die (wirklich) Mächtigen sollten sich erinnern, dass Macht eher eine Verpflichtung als ein Freibrief ist. Die Geschichte hat bewiesen, dass Machtmissbrauch auf Dauer immer zu unkontrollierbaren Konsequenzen geführt hat.