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Erstelldatum: 15.08.2006

Der Aufschwung ist da

Presse, Wirtschaft und Politik verkünden die frohe Botschaft lauthals und führen Statistiken an. Endlich! Die Politik der Regierung hat sich als erfolgreich gezeigt.

Ich rate zur Vorsicht. Bald finden wichtige Landtagswahlen statt und wie das vor Wahlen so ist, da wird immer eitel Sonnenschein verkündet. Dabei werden die Statistiken der Monate April bis Juli als die Trendwende herangezogen. Die Fußball-WM hat 100-tausende Besucher ins Land gelockt, alle haben Geld hier gelassen und das in den Monaten Juni und Juli. Natürlich steigen da die Verkaufszahlen. Doch eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Dass Wirtschaft, Presse und Politik eine Interessengemeinschaft bilden, sollte inzwischen jeder begriffen haben. Wirtschaftsbosse sind auch Weltmeister, wenn es darum geht, zu klagen, ohne zu leiden. Umgekehrt können sie das genau so gut. Wenn es opportun ist, dann wird gejubelt. Jetzt ist Jubeln angesagt, denn die derzeitige Regierung muss unterstützt werden, sonst könnte sich ja diese Regierung die geplante Steuerreform doch noch mal überlegen.

Wir sind Exportweltmeister. Da kommt dann ein Bericht im Spiegel mit der Überschrift: "Der Exportweltmeister kommt aus der Puste!" Für mich ein Beispiel, wie mit statistischen Zahlen manipuliert wird. Zwar habe Deutschland im ersten Halbjahr mit 432 Milliarden weiter im Export um satte 13 % gegenüber dem Vorjahr zugelegt, aber die Zahlen des statistischen Bundesamtes vom Juni weisen nur einen Handelsbilanzüberschuss von 13,3 Milliarden im Mai auf, aber im Juni des Vorjahres wären es noch 16,7 % gewesen. Deshalb warnen die Analysten, die besten Zeiten hätte die deutsche Exportwirtschaft hinter sich. Wieder komme ich auf die Fußball-WM. Millionen haben Ramsch und Tinnef aus diesem Anlass gekauft, vom Fähnchen angefangen bis hin zu Fußbällen oder Fußballschuhen. Was denken sie wohl, wo diese Souvenirs produziert wurden? In Deutschland? Sicher nicht, sondern in Billiglohnländern. Diese Importware ist zusätzlich importiert worden, für ein einmaliges Event. Und die Einfuhr hat nicht bereits im Januar stattgefunden, denn Lagerhaltung kostet Geld, sondern unmittelbar vor Beginn der WM. Damit wird der Handelsbilanzüberschuss für den Monat mit Sicherheit erheblich gegenüber dem Vorjahr gemindert. Weil aber dieses Zeug während der WM zusätzlich verkauft wurde, zieht der Binnenmarkt in dieser Zeit an. Außerdem mussten die Besucher essen und auch Bier und Wein ist in Strömen geflossen, alles Faktoren, welche die Binnenkonjunktur kurzfristig ansteigen lassen. Wann? Natürlich in der Zeit, in der dieses Event stattfindet.

Doch genau diese Monate werden als Trend ins Feld geführt. Sowohl die angebliche Stagnation beim Export, basierend auf den Werten von einem Monat, als auch die Werte des Juni und Juli für die Binnenwirtschaft und den Arbeitsmarkt. Wirtschaftlich gesehen ist die WM ein Ballon, einmal kurz aufgeblasen. Jetzt ist die Luft wieder raus und am Ende des Jahres werden wir zu hören bekommen, dass der Aufschwung sich im letzten Quartal gewaltig abgeschwächt hat.

Aber dann sind ja auch die Landtagswahlen in Berlin oder Meckpomm vorbei und man kann wieder gehörig jammern. Vielleicht fällt der Regierung ja ein neuer statistischer Trick ein, wie man die Zahl der Arbeitslosen herunterrechnen kann, denn hier würde man ja gerne nicht vorhandene Erfolge nachweisen. Die Gewinne der Unternehmen werden weiter wachsen unter großem Gejammer der Wirtschaftsbosse, dass die Reformen nicht zügig und nicht hart genug durchgeführt werden, eben alles so, wie vor der WM. Ein Großteil der Wähler wird erkennen, dass sie erneut den politischen Phrasen aufgesessen sind, aber das ist schnell verdrängt, weil es ja zum Standard gehört. Der kleine Mann wird dann 2007 die Steuersenkungen und die Senkung der Lohnnebenkosten für die Wirtschaft finanzieren, getreu dem Motto der Wirtschaft, Gewinne zu steigern und das möglichst steuerfrei. Presse und Politik spielen da gerne mit, wie sie es seit Jahren tun. Der Dumme ist Deutschland, deshalb vergiss es nie: "DU bist Deutschland!"