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Erstelldatum: 28.12.2010<

Nachlese

Nun sind sie vorbei, die "besinnlichen" Tage, auf die sich so mancher Wochen und Monate vorbereitete, nicht durch Selbstbesinnung, sondern durch Konsum. Andere haben das erst in den letzten Tagen vor dem Fest gemacht, aber nur sehr wenige haben sich diesem "Pflichtkaufrausch" entzogen.

Die nun folgende Woche wird in einigen Regionen auch als die Zeit zwischen den Jahren bezeichnet. Dabei beginnt doch die Zeit zwischen den Jahren exakt mit Beendigung des letzten Glockenschlages, mit dem das Neue Jahr eingeläutet bzw. das Alte Jahr beendet wurde und endet exakt mit dem letzten Glockenschlag. Folglich könnte man diese Woche nach Weihnachten bis Sylvester doch viel besser als die Zeit des Umtausches bezeichnen, denn das ist es doch, was nun auf die vielen Warenhäuser und Geschäfte zukommt. Da stimmt die Größe, Farbe oder Stil des verschenkten Artikels nicht, das Handy, Notebook oder das sonstige elektronische Gerät für die "Shorties", wie man Kinder mitunter in Neusprech auch bezeichnet, war denen nicht "cool" genug und was weiß ich, welche Gründe es für den Umtausch sonst noch geben mag. Und in so manchem Haushalt endete die Besinnlichkeit bereits mit dem Auspacken der Geschenke.

Nun, ich kann gut lästern, denn ich habe bereits einige "besinnliche Jahre" hinter mir, Jahre, in welchen ich Zeit hatte, darüber nachzudenken, welche Fehler ich im Beziehungsgeflecht zwischen Eltern, der Ehe und den Kindern gemacht habe und bin dabei auf eine stattliche Summe gekommen. Und Weihnachtsgeschenke gehörten dazu, denn für mich mussten diese Geschenke immer einen praktischen Nutzen haben. Inzwischen habe ich, glaube ich, begriffen, dass Weihnachtsgeschenke nicht die Erleichterung im Haushalt oder die neuen Modetrends betreffen müssen, nicht den neuesten Kitsch für Kinder beinhalten, sondern die Seele der Lieben streicheln sollte. Aber irgendwie habe ich das Gefühl, das gibt es nur bei wirklich armen Leuten oder in Zeiten, in denen es nichts zu kaufen gibt. Denn dann rücken die Menschen enger zusammen, füllen die Lücke, die der Mangel aufreißt, mit dem, was das Weihnachtsfest eigentlich bedeuten sollte, den Zeichen echter Liebe und die Stärkung der Bindung untereinander. Eine Geschichte, die das aus meiner Sicht beeindruckend verdeutlicht, ist Peter Rosseggers "Als ich Christtagsfreude holen ging". Verfilmt war sie viele Jahre eine typische Weihnachtsgeschichte und ich habe sie mir immer wieder angesehen. Heute ist sie wohl aus den Programmen verschwunden, musste den teils rührseligen, teils "humorvollen" Filmen der amerikanischen Filmindustrie weichen, die nur äußerst selten wirkliche Inhalte zu vermitteln weiß.

Aber genug der besinnlichen Nachlese. Schauen wir nach vorne, denn bald beginnt ein neues Jahr. Und nach dem norddeutschen Spruch: "Wat mott, dat mott" beginnt nun die Zeit der Böller, Raketen und Luftschlangen, des Bleigießens und vor allem der Alkoholbrausen Sekt und Champagner. Und wenn dann die Glocken läuten, geht es los. Ein Feuerwerk ohnegleichen beginnt, mit dem, so war es wohl in alter Zeit, die bösen Geister verjagt werden sollten. Aber wenn man die bösen Geister verjagen will, müssten sie dann nicht in Berlin oder den Hauptstädten der Länder stattfinden und ein ganz besonderes Feuerwerk in Brüssel, Luxemburg und Straßburg?

Na ja, mit dem Feuerwerk in der Nacht und dem Kater am Tag darauf hat man zwar keine bösen Geister verjagt, aber zumindest die guten Vorsätze, die man beschlossen hatte. Die bösen Geister bleiben am Werk und weil wir ja in Zeiten der Globalisierung nur noch in Superlativen leben, erwartet uns im kommenden Jahr mal wieder ein Superwahljahr. Steinmeier scheint schon vor dem Weihnachtsfest einen unwirklichen Traum gehabt zu haben, den er, er ist schließlich Politiker, in die Welt hinaus posaunte und den die Presse betitelte: Steinmeier sieht SPD auf Weg zur stärksten Kraft. Auch in der CDU hat der Wahlkampf begonnen. Der stockkatholische Abgeordnete Jens Spahn, derzeit gesundheitspolitischer Sprecher der Union im Bundestag, der Mann, der so gerne von der Generationengerechtigkeit für seine Generation spricht, aber diese Gerechtigkeit offenbar darin sieht, der jungen Generation die Zukunft zu verhageln, eröffnete das Wahljahr 2011 mit dem Vorschlag, Vierbettzimmer in Krankenhäusern abzuschaffen.

Rösler (FDP) hat schon vor den Weihnachtstagen versprochen, er werde sich nun der Pflegeversicherung annehmen. Ich fasse es als Drohung auf, wenn er sagt: "Wir wollen Pflege besser machen". Wer das Interview in der Zeit liest, sieht einmal mehr, wie die Presse Politikern Steilvorlagen liefert, sich möglichst gut zu präsentieren, obwohl bei diesem Vorhaben lediglich wieder eine Kostensteigerung zu erwarten ist und der Weg für die Privatisierung vorbereitet wird. Und es wird einmal mehr besonders die Rentner treffen, weil diese die Pflegeversicherung voll bezahlen müssen.

Ab Januar profitieren wir von einem neuen EU-Geschenk, von E10. Wie, Sie wissen nicht, was E10 ist? Das sollten Sie aber, denn damit helfen Sie, das Klima zu retten, wobei ich bei dieser Rettung Parallelen zu den "Rettungsschirmen" für Banken und Euro zu erkennen glaube. E steht für Ethanol und die 10 für eine 10-prozentige Beimischung zum Benzin. Wenn Ihr KFZ älter als 8 Jahre ist, hilft es dem Klima ganz besonders, wenn Sie E10-Sprit tanken, weil Ihr Auto bzw. der Motor dann schneller schrottreif wird. Wie ich gehört habe, soll auch der Umsatz von Motoröl dadurch steigen, weil die Versprechungen der Autohersteller, nur alle 15.000 bis 20.000 km das Öl wechseln zu müssen, durch diesen Sprit auf die Hälfte der angegebenen km sinken soll. Aber diese Angabe ist ohne Gewähr.

Bio-Ethanol wird in Deutschland aus Getreide wie Weizen und Roggen oder aus Zuckerrüben hergestellt. Bei der Verbrennung wird nur so viel CO2 freigesetzt, wie die Pflanzen vorher bei ihrem Wachstum aufgenommen und gebunden haben, so die offizielle Aussage. Wie viel Energie freigesetzt wird, um aus diesen Rohstoffen Ethanol herzustellen, wird diskret verschwiegen. Schamhaft zugegeben wird, dass E10, um die Leistung von normalem Sprit zu erreichen, einen höheren Verbrauch bedingt. Ein wenig Info hilft (vielleicht). 2008 betrug der Kraftstoffverbrauch in Deutschland (private Haushalte) 36,5 Milliarden Liter. Die Bundesregierung geht davon aus, dass der Verbrauch bei E10-Kraftstoffen um ca. 2% steigen wird, weil der Energiegehalt bei E10-Kraftstoffen geringer ist. Das würde aber den Kraftstoffverbrauch auf 37.23 Milliarden Liter steigen lassen. Das ist natürlich nur rein rechnerisch so, weil es keine Pflicht gibt, E10-Kraftstoffe zu tanken. Aber es ist wichtig, um zu begreifen, wie man die Menschen narrt, indem man die Klimakeule schwingt. Die Beimischung von 10% Ethanol wird riesige Mengen Nahrungsmittel verschlingen, denn die Grundsubstanz sind Weizen, Roggen und Zuckerrüben. Man sollte also überlegen, wie viel dieser eigentlich als Grundnahrungsmittel betrachteten Pflanzen für die Herstellung von 10% des gesamten Kraftstoffes, also insgesamt 3,723 Milliarden Liter erforderlich sind, wie viel Bodenfläche dafür benötigt wird, wie viel Stickstoffe diesem Boden zugeführt werden müssen (Dünger), wie viel Pestizide dafür wohl verwendet werden. Wer all diese Vorgaben sieht und dann noch an die Aussage glaubt, das wäre für das Klima, dem ist nicht mehr zu helfen. Es gibt längst Studien, dass so genannte Bio-Kraftstoffe mehr CO2 in die Luft blasen, als herkömmliche Kraftstoffe. Und eines bereitet mir Sorge. Seitens der EU-Richtlinie ist die Pflicht, alle Kraftstoffe mit dieser Menge (10%) Biokraftstoffe zu versetzen, erst ab 2013 Pflicht. In Deutschland soll diese Pflicht nicht (bisher) eingeführt werden. Aber 2013 ist wieder Bundestagswahl und der bisherige Trend zeigt, dass die Grünen gute Chancen haben. Sind die aber in der Regierung, wird diese Pflicht sicherlich auch in Deutschland kommen, denn die Grünen sind ja resistent gegen Erkenntnisse, dass nicht alles, wo Bio draufsteht, auch Bio ist.

Noch eines macht mir Kopfzerbrechen, wenn E10-Sprit und der bisher als normal geltende Sprit parallel zu tanken sein sollen. Wie soll das gehen? Werden die Mineralölkonzerne nicht nur zusätzliche Tanksäulen aufstellen, eine absolute Vorbedingung, wenn man beide Kraftstoffarten parallel anbieten will, sondern auch die dazu erforderlichen zusätzlichen Tanks in die Böden verlegen? Wie sieht es dann mit der Produktion aus? Werden die Konzerne dann zusätzliche Anlagen aufbauen, um der Nachfrage nach beiden Spritsorten, also herkömmlichem E5 und neuem E10, gerecht zu werden?

Weil ich ja ein wenig paranoid gerne "Verschwörungstheorien" hinter mir nicht begreiflichen Anordnungen suche, frage ich mich auch, ob die Abwrackprämie nicht eher die Vorbereitung auf E10 war, um die Empörung zu mindern, wenn plötzlich alle alten Kisten nach kurzer Zeit schrottreif werden und für den Bürger damit die Meinung über einen Zusammenhang zwischen E10 und verminderter Lebensdauer der etwas älteren Karre nahezu zwangsläufig ist?

Ach was, hören Sie nicht auf mich. Tanken Sie künftig E10 und retten Sie damit das Klima. Sollte sich später herausstellen, dass E10 dem Klima nicht geholfen hat, weil es eigentlich als Klima-Placebo (wie die Energiesparlampen) eingesetzt wurde, dann haben Sie zumindest die Gewissheit, dass sie nicht nur die Banken, sondern auch noch die notleidende Mineralölwirtschaft gerettet haben und sie werden ob Ihrer Güte und Hilfsbereitschaft so begeistert von sich sein, dass Sie im Spiegel den Schimmer eines Heiligenscheins schon zu erkennen glauben.

Und als letztes für heute der Vorstoß von Ilse Aigner. Sie will verdeckte Ermittler in die Banken schicken. Das haben bisher eigentlich nur die Warentester der Stiftung Warentest gemacht, um dann über die Beratungstätigkeiten der Banken zu urteilen. Nun will also Frau Aigner das auch machen. Sicher kommt das in der Bevölkerung gut an, moderner Stimmenfang eben.
Weil die Bank-Lobbyisten aber nicht nur in der Nähe, sondern in den staatlichen Institutionen sitzen, ist es sehr zweifelhaft, dass diese "verdeckten Ermittler" auch erfolgreich sein werden, weil die Banken wohl sehr früh "Insider-Informationen" über derartige Absichten haben werden.