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Erstelldatum: 12.05.2012

True Sale International GmbH

Sagt Ihnen der Name etwas? Wenn nicht, trösten Sie sich, bis gestern ging es mir genau so. Aber durch einen Leser wurde ich mit der Nase darauf gestoßen. Wenn ich mit meinen minimalen Englischkenntnissen eine Übersetzung versuchen würde, käme "wahre internationale Verkaufs GmbH" dabei heraus. Doch das ist natürlich Unsinn. True Sale ist eine der möglichen Verbriefungsformen für ABS-Produkte. ABS, nicht das im Bremssystem für Kraftfahrzeuge, sondern eher das Beschleunigungssystem für die Gestaltung großer Finanzblasen. Ich weiß, das ist subjektiv. Aber das ist der ganze Beitrag und er soll auch wirklich subjektiv meine Meinung gegenüber dem modernen Bank(un)wesen darlegen, auch unter der Prämisse, dass meine Kenntnisse über diese Geschäfte eher gering sind. Aber ich kenne auch nicht alle Möglichkeiten und Spielregeln der Korruption und schreibe dennoch immer wieder darüber.

Was aber hat es mit diesem Unternehmen auf sich? Es wurde 2004 gegründet. Man erinnere sich, 2003 forderte Kanzler Schröder die Gründung einer "BAD BANK". Ob da ein Zusammenhang besteht? Offen gesagt, ich weiß es nicht. Aber Ähnlichkeiten dazu erscheinen mir nicht "rein zufällig". Das Unternehmen ist allerdings keine Bank, sondern dem eigenen Benehmen nach eine Art Consulting-Unternehmen, gegründet aus der Initiative von 13 Banken und hat es sich ausschließlich zur Aufgabe gemacht, Verbriefungsaktionen durchzuführen. Kreditverbriefung, das ist bekannter unter dem Namen ABS (Asset Backed Securities) und diese ABS sind die Wurzel der Finanzkrise. Vor allem aber betreibt TSI die Lobby-Arbeit für diese Form der, wie ich es sehe, Trickbetrügerei im Bilanzgeschäft auf dem Kreditmarkt. Dabei sollte man sich nicht von der Image-Broschüre des kurz TSI genannten Unternehmens täuschen lassen. Mein Parteibuch drückt den wahren Hintergrund so aus: "Neben der Bildung einer Plattform für Asset Backed Securities (ABS) gehört zur Aufgabe von TSI der Lobbyismus für den deutschen True-Sale-Verbriefungsmarkt, der bekanntlich unter dem Stichwort "Verbriefen und vergessen" die Bilanzen der Emittenten bis zum Knall einer Finanzkrise halbwegs sauber hält."

Der Name eines politischen Handlangers sei besonders erwähnt: Jörg Asmussen, heute Staatssekretär im Bundesfinanzministeriums, zuvor an derselben Stelle Ministerialdirektor und Leiter der Abteilung für Nationale und Internationale Finanzmarkt- und Währungspolitik. Er galt als die rechte Hand von Steinbrück. Er war unter anderem auch Beiratsmitglied der TSI, ist aber zum Zeitpunkt seiner Ernennung zum Staatssekretär (Sommer 2008) aus dem Beirat ausgestiegen. Aber seine Verbundenheit zur TSI ist wohl geblieben, hat er doch den TSI-Kongress 2008 - "Perspektiven für den deutschen ABS- und Kreditmarkt" - eröffnet. Das war noch im September 2008, ein Zeitpunkt also, zu dem die Immobilienkrise in den USA längst begonnen hatte. Auch ich habe in verschiedenen Beiträgen die Aussagen des Jörg Asmussen in Bezug auf ABS angeführt. Seine damalige Aussage, sozusagen in vorauseilendem politischen Gehorsam:

    „Seitens des BMF wird im Umsetzungsprozess der Basel II-Regeln für ABS vor allem auch darauf geachtet werden, dass den Instituten keine unnötigen Prüf- und Dokumentationspflichten entstehen werden, wenn sie in „gängige" ABS-Produkte mit gutem Rating investieren."

Er saß

  • als Vertreter des Bundes im Aufsichtsrat der Mittelstandsbank IKB
  • als Vertreter des BMF auch im Verwaltungsrat der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin)

Dieser Jörg Asmussen, der sich intensiv als Lobbyist der Banken für eine möglichst von der Politik unbeeinflusste und möglichst steuerbegünstigte ABS-Vermarktung eingesetzt hat (siehe Nachdenkseiten von April 2008), ist nun eines von sechs Mitgliedern der Expertengruppe „Neue Finanzmarktarchitektur“. Dieses Gremium soll Vorschläge für neue Finanzmarktregeln entwerfen, die unter anderem eine Erhöhung der Marktransparenz zum Ziel haben. Dabei als kleines Bonmot noch der Hinweis, dass seine Lebensgefährtin seit 2003 die Berliner Repräsentanz der Deutschen Börse leitet.

Die Expertengruppe zur Aufstellung neuer Regeln für die Finanzmärkte:

  • Otmar Issing, ehemaliger Chefvolkswirt und ehemaliges Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB) (aber auch seit 1. Januar 2007 „International Advisor“ der amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs)
  • Jan Pieter Krahnen, Professor für Kreditwirtschaft und Finanzierung von der Universität Frankfurt
  • Klaus Regling , ehemaliger Generaldirektor der Europäischen Kommission,
  • William R. White, ehemaliger Chefvolkswirt der Bank für internationalen Zahlungsausgleich
  • Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen
  • und Jens Weidmann, Wirtschaftsberater der Kanzlerin

Was veranlasst eigentlich die Regierung, für alle Regierungsaktivitäten zur Bewältigung der Finanzkrise ausgerechnet solche Leute einzusetzen, die direkt oder indirekt die Finanzkrise erst herbeigeführt haben? Weil sie die Einzigen sind, die die Spielregeln aus dem ff kennen? Glauben Steinbrück und Merkel vielleicht, die Ergebnisse dieser so genannten Experten würden das Finanzgebaren auf dem Kapitalmarkt säubern? Wohl kaum. Es geht darum, die Ängste in der Bevölkerung zu reduzieren (schließlich ist bald Wahl), während man gleichzeitig Milliarden an Steuergeldern in den Rachen dieser ewig gierige Finanzhaie wirft. Steuergelder, welche die aufbringen müssen, die mit großen Gebärden derzeit beschwichtigt werden.

Liest man heute die Eigenwerbung auf der Internetseite der TSI, dann geht das mit der Kreditverbriefung munter weiter. Aber wie geht das? Man gründet eine Zweckgesellschaft, englisch SPV (Special Purpose Vehicle), deren einziger Zweck darin besteht, Finanzrisiken an den Kapitalmarkt weiter zu geben oder aus ihren Bilanzen auszugliedern. Das ganze läuft unter dem Oberbegriff der Refinanzierung, die als Conduit oder SIV (Structured Investment Vehicle) bezeichnet werden. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Rating-Agenturen, aufgrund deren Bewertung die Transaktionen gehandelt werden. Refinanzierung ist dabei die Kreditaufnahme, wenn eine Bank beispielsweise Forderungen auf dem Geldmarkt aufkauft.

Mit Ablauf der Krise wurde festgestellt, dass die Bewertung durch die Rating-Agenturen zu maßlosen Überbewertungen geführt hat. Solche Conduit und SIV's waren es, die in Deutschland die IKB und Sachsen-LB als erste Häuser zu Fall brachten, weil sie die aufgekauften Forderungen nicht mehr refinanzieren konnten. Glücklicherweise haben wir ja einen großzügigen Staat, der dann hilfreich mit Milliarden einspringt und wenn das Kapital dann sein Spielgeld wieder im Säckel hat, den (bereinigten) verbleibenden Rest an Heuschrecken verfüttert (Verkauf der IKB an die Lone-Star). Wichtig für diese Art der Geschäfte ist, dass möglichst viele unverständliche Regelungen aufgestellt werden, damit nach Möglichkeit niemand dahinter steigt, was sich wirklich dahinter verbirgt. Es sind die potemkinschen Dörfer der Moderne, Hochglanzfassaden, die man nur von vorne zu Gesicht bekommt, während sich dahinter nichts als ein Vakuum befindet.

Zum Schluss noch der aktuelle Gesellschafterbeirat der TSI, welche Gesellschafter dahinter stehen und welche Partner mit und über die TSI ihre Verbriefungsgeschäfte abwickeln. Das liest sich wirklich wie die Elite der Maf, Entschuldigung, des Bankwesens (war ein kleiner Tippfehler, weil ich mit meinen Gedanken gerade woanders war).



Gesellschafterbeirat

Vorsitzender des Gesellschafterbeirats
Dr. Günther Bräunig Mitglied des Vorstands, KfW Bankengruppe

Stellvertretender Vorsitzender
Wolfgang Köhler Mitglied des Vorstands, DZ BANK AG, Deutsche Zentral-Genossenschaftsbank

Weitere Mitglieder
Joachim Friedrich Mitglied des Vorstands, HSH Nordbank AG
Henning Giesecke Mitglied des Vorstands, Bayerische Hypo- und Vereinsbank AG
Walter Groll Mitglied des Vorstands, DekaBank Deutsche Girozentrale
Torsten Hinrichs Leiter der Geschäftsführung, Standard & Poor's Deutschland
Prof. Ulrich Hommel, Ph. D.   Rektor, European Business School
Prof. Dr. Jan P. Krahnen Center for Financial Studies
Georg Kütter Mitglied des Vorstands, PwC Deutsche Revision AG
Rolf Maihöfer Head of Public Sector Germany, Citigroup Global Markets Deutschland AG & Co. KGaA
Dr. Frank Pörschke Sprecher des Vorstands, Eurohypo Aktiengesellschaft
Dr. Thorsten Pötzsch Ministerialdirigent, Bundesministerium der Finanzen
Michael Reuther Mitglied des Vorstands, COMMERZBANK Aktiengesellschaft
Stefan W. Ropers Mitglied des Vorstandes, Bayerische Landesbank
Hartmut Schauerte Parl. Staatssekretär, Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie
Jens Schmidt-Buergel Geschäftsführer, Fitch Deutschland GmbH
Detlef Scholz Geschäftsführer, MOODY'S DEUTSCHLAND GmbH
Dr. Norbert Schraad Mitglied des Vorstandes, Landesbank Hessen-Thüringen Girozentrale
Werner Steinmüller Head of Global Transaction Banking, Deutsche Bank AG
Werner Taiber Mitglied des Vorstands, WestLB AG
Gottfried Wohlmannstetter Mitglied des Vorstands, KPMG Deutsche Treuhand-Gesellschaft

Die TSI-Gesellschafter

  • Bayerische Hypo- und Vereinsbank AG
  • Bayerische Landesbank
  • Citigroup Global Markets Deutschland AG & Co. KGaA
  • Commerzbank AG
  • DekaBank Deutsche Girozentrale
  • Deutsche Bank AG
  • DZ BANK AG
  • Eurohypo AG
  • HSH Nordbank AG
  • KfW Bankengruppe
  • Landesbank Hessen-Thüringen ­Girozentrale
  • WestLB AG

TSI-Partner

  • ABS + MBS Consulting Schemann-Teuber
  • Acrys Consult
  • Allen & Overy
  • ATC Capital Markets
  • Baker & McKenzie
  • BKS
  • Clifford Chance
  • Close Brothers
  • Deloitte & Touche
  • FitchRatings
  • Freshfields Bruckhaus Deringer
  • Hengeler Mueller
  • Hypoport
  • KarstadtQuelle Information Services
  • KPMG Deutsche Treuhand-Gesellschaft
  • Linklaters
  • Mayer Brown
  • Norton Rose
  • ppa
  • PricewaterhouseCoopers AG
  • RMX
  • Securitisation Consulting
  • Standard & Poor's
  • TMF
  • TXS
  • Volkswagen Bank
  • White & Case
  • ValuePrice
  • Wilmington Trust
  • zeb/rolfes.schierenbeck.associates