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Das Sandmännchen, oder doch die unendliche Geschichte?

Wer kennt sie nicht, die abendliche Fernsehsendung "das Sandmännchen", welche den Kindern eine Gute-Nacht-Geschichte erzählt und ihnen dabei den Sand in die Augen streut, damit sie einschlafen. Ich habe mal gelesen, diese Sendung wäre in der DDR erfunden worden. Aber ich behaupte, das ist nicht wahr. Die Idee ist geklaut.

Ja, liebe Ex-DDRler, jetzt werden Sie empört aufschreien und sagen: Wieder so ein Wessi, der uns unsere Verdienste schmälern will. Aber ich werde es beweisen.

Sie kennen noch den Beginn der Sendung? Nun Kinder, gebt fein Acht, ich hab' Euch etwas mitgebracht! Und dann kam die Gute-Nacht-Geschichte. Aber ursprünglich war das Motto: Nun liebe Wähler, gebt fein Acht, wir haben Euch was mitgebracht! Und dann kamen die Wohltaten, welche die Parteien dem Wähler versprachen, während sie ihm Sand in die Augen streuten, damit er bei der Wahl wie im Traum sein Kreuzchen an der, aus Sicht der Parteien richtigen Stelle machte.

Und diese Sendung läuft noch heute. Sie wird im Fernsehen gezeigt, geht durch die Zeitungen. Und natürlich gibt es, wie in jeder guten Geschichte auch die Bösen. Das ist das Moderne an dieser Geschichte. Scheinbar losgelöst von der eigentlichen Sendung läuft die Geschichte der Bösen, wie jetzt z. B. im Fernsehen die Sendung "ertappt! Sozialfahnder unterwegs". Aber nicht nur das Sandmännchen ist eine geklaute Idee, sondern auch der Mehrteiler Die unendliche Geschichte!

In der "Unendlichen Geschichte" versucht Bastian (Darsteller Gerhard Schröder) mit dem Glücksdrachen Fufur (der Neoliberalismus) das Märchenland Phantásien (die soziale Marktwirtschaft). Der Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur ist nicht schwarz gedruckt, sondern rot und grün, um die beiden Welten, in denen die Geschichte spielt, zu unterscheiden. Zusammen mit dem Held Atréju (dargestellt von Wolfgang Clement) versucht Bastian, das Land vor dem Nichts (Arbeitslosigkeit, Sozialhilfe, Rentenniveau, Krankenkassen, Lohnniveau und Lohnnebenkosten) zu retten, welches die böse Hexe Xayíde (Faulheit) über das Land verhängt. Um zu helfen bekommt er das Auryn (Wachstum), ein ovales Amulett, eines der Insignien der "Kindlichen Kaiserin" (das wiedervereinte Deutschland), dass zwei Schlangen zeigt, die sich in den Schwanz beißen, eine dunkle (Schwarz oder CDU/CSU) und eine helle (Gelb oder FDP). Das Auryn hat die Aufschrift: "Tu was du willst". Das Amulett hat natürlich magische Kräfte, aber auch seine Macken, denn man sollte erst wissen, was man tut. Noch ein zweites Problem bringt das Auryn mit sich. Mit jedem Wunsch, den Bastian ausspricht, verliert er ein Stück des Bezuges zur Realität und vergisst sogar seine Freunde (Rogowski, Hundt und andere). Aber die helfen ihm, in die Realität zurück zu finden, indem er den magischen Wunsch (Steuersenkung für die Industrie) ausspricht. Aber er findet auch Freunde in Phantásien, wie den uralten Morla (Rürup), den Steinbeißer (Prof. Sinn) und andere. Erst zum Schluss erkennt Bastian, dass er, um das Ziel zu erreichen, der Kindlichen Kaiserin einen Namen geben muss, um das Land zu retten und er gibt ihr schließlich den Namen Agenda 2010.

Aber im Moment ist wieder das Sandmännchen aktuell. Man erzählt uns Geschichten, wie Gerhard Schröder zusammen mit Chiraq die böse Bedrohung der Bolkestein-Richtlinie besiegt, wie er die Unternehmer ermahnt, jetzt auch Jobs zur Verfügung zu stellen, wie er den Kampf gegen die Arbeitslosigkeit aufnimmt. Und wieder tönt der "Wahl"-Spruch: Und nun, liebe Wähler (NRW), gebt fein Acht, ich habe Euch etwas mitgebracht. und wieder streut man dem Wähler Sand in die Augen, damit er von all den schönen Geschichten träumt, die man ihm erzählt. Natürlich wird er traurig sein, wenn er erkennt, dass das alles nur ein Traum war, aber der Traum ist noch nicht von der Realität eingeholt, wenn er im Wahllokal sein Kreuzchen macht.

Nach der Wahl kommt dann wieder der Alltag. Der Traum ist vorläufig ausgeträumt. Das merkt man spätestens, wenn das Geld aus der ALG II-Zahlung am Ende ist, oder wenn den Rentnern erneut in die Tasche gegriffen wird. Aber keine Sorge, das Sandmännchen kommt ja 2006 wieder.

Also, liebe NRW-Wähler, denkt an all die schönen Geschichten, die Euch die Parteien jetzt erzählen und glaubt sie, sonst wählt ihr am Ende noch eine andere Partei und dann ist vielleicht die unendliche Geschichte, Teil 2 nicht mehr realisierbar.

Und, um Gottes Willen, nur ja nicht mal anders wählen. Das könnte gefährlich werden, weil sich dann evtl. etwas zum Besseren wenden könnte und die "unendliche Geschichte" oder das politische Sandmännchen an Spannung verlieren könnte.

Und Ihr, liebe Ex-DDRler seht, dass das Sandmännchen eine Schöpfung der

Bundesrepublikanischen Politik ist. Schon 1957, als Adenauer die Rente änderte, machte er das nach dem Sandmännchenprinzip, indem er von einer dynamisierten Rente sprach, welche die Rente für alle Zeiten sichern würde und immer dynamisch an das geltende Lohniveau angepasst würde. Und ein anderer hat dann die "dynamisierte Rente" umgetauft in "Generationenvertrag". Diese Idee hat dann ein findiger Typ in der DDR aufgegriffen und eine Kindersendung nach dem gleichen Prinzip gemacht. Aber tatsächlich läuft das Sandmännchen schon seit Jahrhunderten.