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Erstelldatum: 15.01.2010

Parteien und Autos

Parteien und Autos haben gewisse Gemeinsamkeiten, sie werden alt. Ein Auto kann ab einem gewissen Alter wieder an Wert gewinnen. Voraussetzung ist, dass es stets pfleglich behandelt wurde. Ob das bei Parteien auch so ist, ist schwer zu sagen, denn die Altparteien in Deutschland wurden nie pfleglich behandelt, haben im Laufe ihres Bestehens keine einzige Pflegewäsche erfahren und nie die Reifen gewechselt. Deshalb ist es verwunderlich, dass die CDU auf Profilsuche ist, denn sie hat schon lange kein Profil mehr.

Die Finanzkrise ist vergleichbar mit dem Wintereinbruch durch das Tief Daisy im Januar. Und nun schlittert eine CDU mit Sommerreifen durch die Winterlandschaft, im Schlepptau eine FDP, die ständig schreit: "Gib Gas", dazu mit einer Hinterradachse (CSU) deren Befestigung sich gelöst hat und am Steuer eine Angela Merkel, deren Fahrkünste schon bei trockener Straße unzureichend waren. Diese Fahrt kann nur im Graben landen.

Die WELT hingegen vertritt die Ansicht, die CDU sei auf der erfolglosen Suche nach ihren Wurzeln. So richtig zu suchen scheint die CDU allerdings nicht, denn vielleicht weiß sie noch, dass ihre Wurzeln durchaus eine Mischung aus Schwarz und Braun waren, Farben, die heute nicht mehr so gut ankommen. Die FDP hingegen hat mit Leuten wie z. B. Theodor Heuss ihre braune Grundierung einfach übertüncht.

Doch wie steht es um die SPD oder die Grünen? Die SPD hatte sich für die Grundfarbe rot entschieden, doch wegen mangelnder Wäsche war diese Farbe bereits in der Weimarer Republik stumpf geworden. Nach dem Krieg hat man versucht, mit einem trockenen Lappen flüchtig den größten Schmutz zu entfernen, was zu Zeiten eines Willi Brandt auch einen gewissen Erfolg hatte. Mit Schmidt, der als Anhänger mangels Alternativen wieder die FDP ankoppelte, wurde die Karre wieder richtig schmutzig, weil die FDP ungebremst den Weg vorgab. Aber bei einem der Tankstopps zerstach der Anhänger Schmidt die Reifen und koppelte sich an den verschmutzten CDU-Wagen an.

Erst Schröder gelang es wieder, die Karre mit der kaum erkennbaren roten Farbe wieder flott zu bekommen, indem er die Reifen notdürftig flickte. Inzwischen war ein weiteres Auto auf der Piste erschienen, in Form einer Ente (Citroen) mit grüner Färbung. Dieses Grün hob sich von den stumpf gewordenen Farben der Konkurrenten ab, zumindest so lange, bis ein Schily und ein Fischer diese Karre auf die bevorzugten Schlammbahnen der übrigen Fahrer leitete. Als Fischer als Anhänger von Schröder auftrat, wollten sie offenbar der schlammigen Konkurrenz aus ehemals schwarz und gelb beweisen, dass sie mit dem eingebauten Turbo Marke Agenda 2010 schneller durch die Schlammbahn rasen konnten. Sie konnten, weil sie ohne Rücksicht auf die Zuschauer (auch Wähler genannt) 7 Jahre durch die Gegend bretterten und die Zuschauer so mit Schmutz bespritzten, dass diese sich ob dieser Rücksichtslosigkeit abwandten.

Nach Schröder ließ sich Müntefering bei der schwarzen Konkurrenz ankoppeln, denn die sich ständig verringernde Zahl der Zuschauer hatte der SPD eigentlich Fahrverbot erteilt, das er auf diese Weise zu umgehen suchte. Aber das politische Tief, nennen wir es "Zocker", holte das Gefährt, den verschmutzten schwarzen Karren mit dem verschmutzten roten Karren im Schlepptau schon vorzeitig ein, wobei der ehemals rote Karren so ins Schlingern geriet, dass er am folgenden Tankstopp nicht mehr fahrtüchtig war. Das schwarze Team glaubte, noch fahrtüchtig zu sein und nahm die ehemals gelbe Karre wieder ins Schlepptau. Jetzt wurde die mangelnde Pflege immer deutlicher erkennbar, denn von den Farben war bei keiner dieser Kisten mehr die Grundfarbe erkennbar. Alle sahen gleich aus. Die Hinterradachse der ehemals schwarzen Karre versucht seither ständig, aus der Spur zu driften, während die im Schlepptau befindliche ehemals gelbe Karre immer wieder hinten auffährt mit dem ständigen Geschrei "schneller, schneller", weil dieser Karre dank total verschmutzter Scheiben jeglicher Durchblick fehlt und sie somit nicht die Wand erkennen, auf die sie zufahren. Hätte die schwarze Karre noch Profil, würde sie vielleicht noch vor dem Aufprall zum Stehen kommen. Aber mit den abgefahrenen Sommerreifen ist das bei dieser Wetterlage mehr als unwahrscheinlich.

Das war der Versuch, die Parteienlandschaft mit der Deutschen liebstem Kind, dem Auto zu vergleichen. Ein Versuch deshalb, weil die Deutschen mehrheitlich mehr vom Auto verstehen, als von Parteien und Wahlen. Vielleicht gelingt es ja so, das Miserable der heutigen Parteienlandschaft besser zu verdeutlichen. Es soll klar machen, dass unsere Parteienlandschaft alten Autos gleicht, die man nie gepflegt, aber ständig überstrapaziert hat, deren Profil längst völlig verschwunden ist und die sich einen Deut um die Zuschauer (Wähler) scheren, ausgenommen bei den Tankstopps (Wahlen). Sicherlich, der Vergleich hinkt. Aber ist das bei Vergleichen nicht meist der Fall?

Trotz aller Lobhudelei ist inzwischen nicht mehr zu verbergen, dass Angela Merkel unfähig ist. Niemand hat auf Kabarettisten wie Pfitzner, die Mitternachtsspitzen oder Neues aus der Anstalt gehört, die das in ihren Sendungen immer wieder sehr deutlich betont haben. Die "Hinterradachse" der CDU, die CSU, hat jetzt einen Ministerpräsidenten ins Amt berufen, der nie etwas anderes gemacht hat, als sich selbst, aber mit allerlei Blendwerk zu vermarkten. Mit Brüderle, Westerwelle und Rösler hat sich die CDU Partner gewählt, der noch lernunfähiger sind, als sie selbst. Aber das gilt in gleichem Maße für SPD und Grüne, die derzeit symbolisch gesehen "Fahrverbot" haben und aus dieser Position heraus, das machen, was Zuschauer eigentlich immer tun, jeden Fahrfehler kritisieren und behaupten, sie würden das besser machen. Dass sie es nicht besser machen, wenn sie selber "fahren", haben sie allerdings deutlich bewiesen.

Ein noch offenes Buch sind die Linken. Die Frage stellt sich, was würde passieren, wenn sie das Steuer übernehmen. Fest steht, sie könnten die Karre nicht mit einem Ruck aus dem Dreck ziehen, dafür steckt sie viel zu tief drin. Doch vermutlich würden das zumindest die Gelegenheitswähler der Linken von ihr erwarten. Niemand könnte bei einem Auto gleichzeitig alle vier Reifen wechseln, dabei zusätzlich den Motor wieder auf Vordermann bringen, die Roststellen beseitigen und den Innenraum neu aufpolstern. Das aber wäre beim Gefährt "Deutschland" erforderlich. Die Linke könnte das nicht alles auf einmal stemmen, selbst wenn sie wollte. Das aber würden ihr viele Wähler negativ ankreiden und sie quasi auf diese Weise zwingen, mit Gefälligkeitspolitik zu versuchen, die Wähler bei Laune zu halten. Dass das vor allem die Wähler betrifft, die mit dem Scheckbuch winken, wenn man ihre politischen Vorstellungen erfüllt, versteht sich angesichts der politischen Praxis der letzten Jahre von selbst.

Mit der üblichen Parteien-Oligarchie wird es keine Änderungen geben. Die Grünen haben bewiesen, dass alle guten Vorsätze schnell vergessen sind, wenn man selber entscheiden soll. Der Kontakt zur Basis bricht ab, man bekommt neue Freunde und man begreift zu spät (wenn überhaupt), dass diese neuen Freunde keine Freunde sind. Aber hat man erst einmal solchen Freunden kleine Gefälligkeit erwiesen, ist es vorbei mit der eigenen Unabhängigkeit. Die Politik gerät ins Hintertreffen, die Annahme von immer größer werdenden Präsenten mit immer größeren im Gegenzug zu erweisenden Gefälligkeiten hat die gleichen Auswirkungen wie Drogen: "Sie wird zur Sucht." Deshalb benötigen wir eine "Abwrackprämie für Parteien!"

Um Änderungen zu bewirken, müsste etwas Neues her. Stellen Sie sich eine Regierung vor, die aus einer großen Anzahl Menschen aus der Bevölkerung gebildet wird, den Menschen, die unmittelbar von jeder politischen Entscheidung "selbst" betroffen sind. Sie treffen die Entscheidungen und dabei wird es sicherlich Fehlentscheidungen geben. Weil sie dann aber selbst betroffen sind, sind sie auch bereit, diese Fehler zuzugeben und zu korrigieren. Sie werden relativ schnell erkennen, dass man nicht alles auf einmal abgehen und verbessern kann. Einsicht kommt selten beim zuschauen, sondern zumeist nur, wenn man selber handelt und gleichzeitig die Folgen seines Handelns auch selbst tragen muss.

Das Konzept für eine solche Regierung ist relativ einfach und existiert bereits. Ich habe es bereits im Oktober letzten Jahres vorgestellt und auch, wenn der erste Anlauf gescheitert ist, besagt das nicht, dass es unmöglich ist. Aber es muss nun auf die heutige Zeit angepasst werden. Dann werde ich es erneut vorstellen und mit einem Vorlauf von knapp vier Jahren müsste es möglich sein, es auf die Beine zu stellen.