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Erstelldatum: 31.07.2007

Putin sagt - Pressekonferenz im Anschluß an den G 8 Gipfel

AUTOR: Vladimir Putin, Heiligendamm, 8.Juni 2007
Übersetzt von Hergen Matussik, überprüft von Fausto Giudice

PRÄSIDENT VLADIMIR PUTIN: Guten Tag, meine Damen und Herren.

Zuallererst möchte ich meinen deutschen Freunden und Kollegen und insbesondere Frau Merkel für die Organisation unserer Arbeit und für die Atmosphäre danken, die sie hier während unserer gemeinsamen Zeit in den letzten zwei Tagen erfolgreich geschaffen haben. Sie war die einzige Frau in einer großen Schar von Männern und hatte die Aufgabe, die Arbeit der Gruppe zu organisieren und diese Männer aus verschiedenen Kontinenten, Männer verschiedener Rassen, unterschiedlicher Ansichten und Überzeugungen anzuleiten. Ich denke, sie hat großartige Arbeit geleistet und war wirklich erfolgreich in ihren Bemühungen.

Das Ergebnis kann man an den erreichten Übereinkünften ablesen. Wie Sie wissen, haben wir eine Vielzahl verschiedener Themen diskutiert. Die globale wirtschaftliche Entwicklung war der erste Gegenstand unserer Diskussion, und unsere Gespräche in diesem Bereich waren sehr positiv. Ich muß sagen, daß die Russische Föderation zu diesem Prozeß einen wachsenden Beitrag leistet. Wie Sie wissen, wächst unsere Wirtschaft durchschnittlich um sieben Prozent jahrlich, in den ersten vier Monaten dieses Jahres waren es 7,7 Prozent. Die Realeinkommen stiegen um annähernd 19 Prozent in den ersten vier Monaten dieses Jahres. Wir hatten einen Kapitalzufluß von insgesamt 41 Milliarden Dollar im letzten Jahr und verzeichnen für die ersten fünf Monate dieses Jahres bereits einen Zufluß von 60 Milliarden Dollar. Wir haben gegenwärtig die drittgrößten Gold- und Währungsreserven der Welt, und die Investitionen wachsen, in relativen wie in absoluten Zahlen.

Einige Angelegenheiten bedürfen der sorgfältigen Aufmerksamkeit der Experten. Eine dieser Angelegenheiten ist das Mißverhältnis, daß wir zwischen Ländern mit defizitärem Haushalt - in erster Linie handelt es sich um wirtschaftlich entwickelte Länder - und den Ländern beobachten, deren Reserven wachsen - von denen Rußland eines ist. Zu diesem Zeitpunkt ist dies noch kein Anlaß zu großer Besorgnis, und die Experten müssen noch herausfinden, wie sich diese Situation weiter entwickeln wird. Wir haben dem Thema des Klimawandels viel Aufmerksamkeit geschenkt, und ich möchte der Bundeskanzlerin nochmals gratulieren, da wir, wie mir scheint, trotz der Komplexität der Diskussionen zu diesem Thema in den Hauptpunkten Übereinstimmung erzielt haben.

Als ersten Schritt sind wir übereingekommen, die Vorgaben des Kyoto-Protokolls zu beachten - wenigstens werden dies diejenigen Länder tun, die dieses Protokoll unterzeichnet und ratifiziert haben. Wie Sie wissen, ist die Russische Föderation eines dieser Länder. Natürlich sind wir alle besorgt darüber, was nach 2012 geschehen wird, aber ich denke daß wir den wichtigsten Schritt vollzogen haben, nämlich alle Länder in diese Diskussion mit einzubeziehen, alle Hauptverschmutzer, wie dies so oft während des Gipfels gesagt wurde, also alle industrialisierten Länder und einige der sich entwickelnden Länder, deren wirtschaftliches Wachstum uns dazu zwingt darüber nachzudenken, wie wir sie in diesen Prozeß einbeziehen können. Dies gilt auch für eine so starke und große Wirtschaft wie die der Vereinigten Staaten. Unsere Diskussionen hatten die Übereinkunft zum Ergebnis, daß die Diskussionen in dieser Angelegenheit über die Vereinten Nationen weitergeführt und alle betroffenen Partner einbezigen werden.

Im Zusammenhang mit diesem Thema sprachen wir natürlich auch über Energie im Hinblick auf Energiesparen und gerechte Verteilung der vorhandenen Reserven. Wie Sie wissen, leistet Rußland auf diesem Gebiet einen substantiellen positiven Beitrag. Wir sprachen über Erziehung und über den Kampf gegen Krankheiten. Wir hatten eine tiefgehende und positive Diskussion mit unseren Kollegen aus afrikanischen Ländern. Dies geschah auf Initiative der deutschen Präsidentschaft. Ich denke, daß die in den erreichten Übereinkünften formulierten Vorschläge sehr positiv sind, insbesondere die Grundsätze, die für die Finanzierung kleiner Projekte in Afrika ausgearbeitet wurden, sowie einige andere Übereinkünfte die während unserer gemeinsamen Arbeit erreicht wurden.

All dies gibt mir Grund, den Gipfel als Erfolg zu bezeichnen, und ich möchte unseren deutschen Freunden nochmals zu diesem Erfolg gratulieren. Darüberhinaus gab uns die formell und informell miteinander verbrachte Zeit Gelegenheit zu bilateralen Treffen mit Kollegen, um bilaterale Beziehungen zu besprechen. Ich traf mich mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, mit dem britischen Premierminister, mit meinem brasilianischenn Amtskollegen, und ich hatte die Gelegenheit mit dem Generalsekretär der Vereinten Nationen sowie mit praktisch allen Teilnehmern des Gipfels zu sprechen. Der Gipfel war eine einzigartige Gelegenheit für Treffen dieser Art.

Ich möchte meinen Dank nochmals zum Ausdruck bringen und sagen, daß ich hoffe, daß alle unsere Übereinkünfte umgesetzt werden.

FRAGE (Associated Press): Herr Präsident, Sie haben bereits kurz über Ihre Initiative gesprochen, eine russisch-amerikanische Radarstation in Gabala einzurichten. Könnten Sie darlegen, wo ihrem Plan zufolge die Abfangraketen stationiert wären? Und würde Ihr Plan nicht zu einer Verschlechterung Ihrer Beziehungen mit dem Iran führen?

VLADIMIR PUTIN: Meine Initiative und die Vorschläge, die ich unseren amerikanischen Partnern gemacht habe, gehen weit über die bloße Einrichtung einer Radarstation hinaus. Es scheint mir, daß ich diese Vorschläge gestern bereits einigermaßen detailliert dargelegt habe, aber ich bin bereit, noch einmal auf sie einzugehen, wenn das notwendig ist. Es ist nicht nötig, eine Radarstation in Gabala zu bauen - die Station ist bereits vorhanden. Sie wurde noch während der Sowjetzeit gebaut. Daher glaube ich auch nicht,daß die Idee zu einer Verschlechterung unserer Beziehungen mit Iran führen würde, denn die Station ist bereits seit vielen Jahren in Betrieb.

Was ist Grundlage und Inhalt unserer Vorschläge ? Unsere Position ist, daß der Rückzug unserer amerikanischen Partner vom ABM Vertrag, der vor einigen Jahren stattfand, ein ernster Fehler war, der, wie wir bereits bei früheren Gelegenheiten gesagt haben, zur Destabilisierung der internationalen Sicherheit führen wird. Wir haben von Anfang an gesagt, daß wir keine teuren Waffensysteme entwickeln werden, aber daß die Notwendigkeit, das globale strategische Gleichgewicht zu erhalten uns dazu zwingen wird, Wege zu erarbeiten, ein Raketenabwehrsystem zu überwinden. Unsere amerikanischen Kollegen antworteten, daß das in Ordnung sei, da wir ja jetzt Freunde sind, und sie sagten, wir könnten ganz nach unserem Belieben handeln. Über die letzten Jahre hinweg haben wir ein solches System entwickelt, das Raketenabwehrsysteme durchbrechen kann. Wir hatten diese Technologie schon vorher, und haben sie seither weiter verbessert. Aber als wir hörten, daß diese Raketenabwehrsysteme in unmittelbarer Nähe zu unseren Grenzen aufgestellt werden sollen und angeblich auf iranische Raketen zielten,die gegenwärtig nicht existieren, machten wir uns verständliche Sorgen. Ich möchte Sie auf die Tatsache aufmerksam machen, daß es nicht wir sind, sondern unsere amerikanischen Freunde, die Verteidigungssysteme gegen Raketen zu entwickeln, die nicht existieren. Iranische Raketen haben eine Reichweite von 1400 Kilometern, es wären aber Raketen mit einer Reichweite von 4500 bis 5000 Kilometern erforderlich, um Europas südliche Grenzen zu erreichen, und Iran hat gegenwärtig noch nicht einmal Pläne, solche Raketen zu entwickeln.

Das ist der eine Punkt. Und es gibt einen weiteren Punkt. Ich würde nicht so voreilig sein, unseren Nachbarn verdächtige Absichten zu unterstellen, und Iran ist einer von Rußlands Nachbarn. Wie einer der iranischen Führer sagte, hat Iran keine Absichten, Europa anzugreifen.

Dies ist für Rußland Anlaß zu verständlicher Sorge, da diese Pläne eine Bedrohung für unser eigenes nukleares Arsenal darstellen. Wissen Sie, worin die Gefahr besteht, solche Pläne umzusetzen? Wenn eine Seite der Illusion erliegt, sie sei vor dem Risiko von Gegenschlägen geschützt, steigt das Potential für aggressives Vorgehen, und dieses könnte zu ernsthaften Konflikten führen. Ich sage dies im Allgemeinen, ohne jede persönliche Gründe oder Absichten.

Seit dem Zweiten Weltkrieg wurde der Frieden in der Welt durch das strategische Gleichgewicht der Kräfte erhalten. Diese Balance zu stören, bedroht den internationalen Frieden. Sobld wir hörten, daß zwei Systeme - eine Radarstation in der Tschechischen Republik und Abfangraketen in Polen - aufgestellt werden sollen, begannen unsere Militärexperten, die Konsequenzen für unser Land abzuschätzen. Wir sind davon überzeugt, daß dieses Vorhaben negative Auswirkungen auf Rußlands Sicherheit und die Sicherheit unserer Bürger haben würde, und das zwingt uns dazu, darüber nachzudenken, mit welchen Maßnahmen wir darauf antworten können.

Ich unterstreiche die Tatsache, daß dies keine russische Initiative ist - dies sind Gegenmaßnahmen. Welche Art von Gegenmaßnahmen können wir treffen? Unser Hauptanliegen ist natürlich, die Bedrohungen zu neutralisieren, die für Rußland entstehen, und aus diesem Grund sage ich: Ja, es sieht so aus, daß wir unsere Raketen auf diese Einrichtungen richten müssen. Ein solcher Schritt sollte nicht als überraschend angesehen werden. Es wäre besser, Rußland von vorneherein nicht dazu zu provozieren solche Schritte zu unternehmen.

Aber ich hatte gestern eine sehr ermutigende Unterhaltung mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten. Was wir anregten, war, die Radarstation in Gabala zu nutzen, die sich in Aserbaidschan befindet und von Rußland geleast ist. Diese Station überwacht die gesamte Region, die den Verdacht unserer amerikanischen Freunde und Kollegen erregt. Wenn es notwendig sein sollte, sind wir bereit, die Station zu modernisieren. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sehen wir diese Notwendigkeit nicht, aber wir sind bereit solche Modernisierungsarbeiten vorzunehmen. Wir sind bereit, alle erforderlichen Informationen in Echtzeit zu übermitteln. Dies würde die Notwendigkeit für unsere amerikanischen Freunde beseitigen, Waffensysteme im Weltall zu installieren, die wiederum eine ernste Bedrohung für die internationale Sicherheit darstellen. Es wäre nicht länger erforderlich, eine neue Radarstation in der Tschechischen Republik zu bauen und Abfangraketen in Polen aufzustellen. Die Abfangraketen könnten statt dessen im Süden aufgestellt werden. Ich spreche hier nur rein hypothetisch, und es müßten Gespräche mit den in Frage kommenden Ländern stattfinden, aber die Abfangraketen könnten in Ländern aufgestellt werden, die mit den USA über die Nato verbündet sind, etwa in der Türkei oder sogar im Irak. Denn wozu war der Krieg letztendlich gut? Man könnte dem Ganzen wenigstens einen kleinen Vorteil abgewinnen.

Die Abfangraketen könnten auch auf mobilen Abschußrampen aufgestellt werden, zum Beispiel auf Kriegsschiffen. Dies hätte den Vorteil, die Situation in Europa nicht zu destabilisieren, und deckte ebenfalls die gesamte Region ab, die unseren amerikanischen Partnern Anlaß zur Beunruhigung gibt. Es hätte außerdem den Vorteil, einen Raketenabwehrschirm für ganz Europa anstatt für nur einen Teil zu schaffen, weil ein solches System in der Lage wäre, Raketen, die auf europäisches Territorium gefeuert werden, bereits in der ersten Phase ihres Flugs abzufangen und zu zerstören,was darüber hinaus bedeutet, daß die Überreste der zerstörten Raketen nicht auf europäische Städte sondern ins Meer fielen. Dies ist eine ernste Angelegenheit, weil Metallstücke mit bis zu 30 Zentimeter Durchmesser nicht nur ein Dach durchschlagen, sondern fünf- oder siebenstöckige Gebäude bis zum Keller durchbrechen können, und darüber macht man keine Witze.

Wenn unsere Vorschläge umgesetzt werden, fielen die Trümmer statt dessen ins Meer. Was schlagen wir sonst noch vor? Wir schlagen vor, daß dieses Projekt kein unilaterales oder auch bliaterales Projekt sein sollte, sondern daß eine Gruppe interessierter Länder, darunter europäische Länder zusammen daran arbeiten sollten. Wir regen an, eine wirkliche Einschätzung der Bedrohung durch Raketen bis zum Jahr 2020 vorzunehmen und überein zu kommen, welche Schritte wir unternehmen können, diesen Gefahren zu begegnen. Wir schlagen vor, sich auf gleichberechtigte, demokratische und für alle Seiten akzeptable Beteiligung aller in die Kommandostrukturen dieses Systems zu einigen. Und schließlich hoffen wir, wie ich zum Präsidenten der Vereinigten Staaten George Bush und auf der gestrigen Pressekonferenz sagte, daß keine einseitigen Schritte unternommmen werden, ehe diese Konsultationen und Gespräche zu einem Ende gebracht wurden. Dies wird keine wie auch immer geartete Verzögerung verursachen, da Iran, wie ich bereits sagte, keine solchen Raketen besitzt. Selbst wenn der Iran damit begönne, die entsprechenden Raketen zu entwickeln, wären wir rechtzeitig gewarnt. Und selbst wenn wir keine Warnung erhielten, bekämen wir es bald mit, wenn die ersten Tests durchgeführt würden. Wir sähen das, und die US Satelliten sähen das. Es vergehen vier oder fünf Jahre von dem Zeitpunkt, wenn eine Rakete getestet wird bis zu dem Moment, wo sie den Streitkräften tatsächlich zur Verfügung steht. Das gibt genügend Zeit, jedes Raketenabwehrsystem der Welt aufzustellen. Also warum die Situation in Europa heute destabilisieren? Mir scheint, daß unsere Vorschläge vollkommen logisch und gerechtfertigt sind, und aus einem Geist der Partnerschaft heraus geboren sind.

FRAGE (RIA Novosti): Ich hätte gerne eine Klarstellung. Sie schlagen Abfangraketen in Südeuropa oder auf Abschußrampen vor. Was wäre vorzuziehen? Würden sie in Europa stationiert, wäre dies nicht zum Schaden von Europas Sicherheit?

VLADIMIR PUTIN: Ich denke, ich habe bereits eine ausreichend detaillierte Antwort gegeben, aber um es nochmals zu wiederholen: Wenn unsere Vorschläge umgesetzt werden, ist es nicht erforderlich, neue Radaranlagen in Europa zu errichten oder neue Abschußrampen für Abfangraketen. Es würde ausreichen, diese auf schwimmenden Abschußrampen zu positionieren, auf Kriegsschiffen oder auf dem Gebiet südlicher Staaten, NATO-Verbündete der Vereinigten Staaten eingeschlossen. In diesem Fall bestünde für uns keine Notwendigkeit, unsere Raketen auf irgendwelche Einrichtungen in Europa zu richten. Es gäbe einfach überhaupt keine derartige Notwendigkeit.

FRAGE (Voice of America): Herr Präsident, können Sie dem iranischen Regime glauben, wenn es sagt, es habe keine Pläne, Raketen mit über 4000 Kilometern Reichweite?

VLADIMIR PUTIN: Es gibt einen Grundsatz, der sogar in Bezug auf einzelne Individuen Anwendung findet - die Annahme der Unschuld. Wenn es Anlaß zur Beunruhigung im Hinblick auf den Iran gibt, versuchen wir, die Dinge aufzuklären und Erklärungen zu bekommen, auch über die Vereinten Nationen und die IAEA.

Aber wie ich schon sagte, angenommen, es gibt eine Bedrohung - und wir weisen diese Möglichkeit nicht von der Hand, wir sehen diese Bedrohung nicht, aber wir erkennen an, daß sie möglicherweise existieren könnte - so schlagen wir einen konkreten Plan für gemeinsames Handeln vor. Ich habe diesen Plan soeben dargelegt, und er ist vollständig akzeptabel. Wenn unsere Partner glauben, daß diese Bedrohung existiert, würde die Umsetzung dieses Plans sie vollständig neutralisieren, und es gäbe keinerlei Notwendigkeit, die globale Sicherheitsituation zu komplizieren und die Sicherheit auf dem europäischen Kontinent zu gefährden.

FRAGE (France Press): Herr Präsident, Ihre westlichen Partner bestehen weiterhin auf der Unabhängigkeit für den Kosovo, unabhängig davon, wie lange dieser Prozeß dauern mag - sechs Monate, ein Jahr oder länger. Gibt es Bedingungen, unter denen Rußland dem zustimmen könnnte.

VLADIMIR PUTIN: Unsere Position im Hinblick auf den Kosovo fußt auf internationalen Recht und auf der Entscheidung des UN Sicherheitsrates. Sie ist klar und deutlich. Wir gründen unsere Position auf dem fundamentalen Grundsatz des internationalen Rechts, das die Notwendigkeit festschreibt, die territoriale Integrität der Länder zu respektieren, und auf der Resolution 1244, die der UN Sicherheitsrat angenommen hat und die weiterhin in Kraft ist. In dieser Resolution steht schwarz auf weiß, daß der Kosovo integraler Bestandteil Serbiens ist.

Heute versucht man uns davon zu überzeugen, daß wir diese Angelegenheit erledigen können , ohne die nötige Zustimmung von einer der Konfliktparteien - Serbien - zu erhalten. Wir denken, dies ist ein irriger Ansatz, der sich weder an moralische noch an legale Normen hält. Ich denke, wir müssen geduldig sein und mit den Kosovo Albanern wie mit den Serben zusammenarbeiten. Wir müssen die bestehenden Grundsätze des internationalen Rechts respektieren, und nicht anderen unseren Willen aufzwingen, oder andere Leute demütigen.

Wenn wir entscheiden, daß in der heutigen Welt der Grundsatz des Selbstbestimmungsrechtes einer Nation wichtiger ist als der Grundsatz der territorialen Integrität, dann müssen wir diesen Grundsatz in allen Teilen der Welt anwenden, und nicht lediglich in jenen Teilen, wo es unseren Partnern gefällt. In diesem Falle sollte das Recht auf Selbstbestimmmung nicht nur auf die Völker des ehemaligen Jugoslawiens Anwendung finden, sondern auch auf Völker auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion, darunter auch die Völker des Kaukasus. Wir sehen keinen Unterschied zwischen beiden Situationen. Sowohl in Jugoslawien als auch auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion sahen wir, wie dem Zusammenbruch kommunistischer Herrschaft ethnische Konflikte folgten, deren Wurzeln weit in die Geschichte reichen. In beiden Fällen kam es zu Rechtsverletzungen und manchmal auch Verbrechen, und in beiden Fällen haben wir jetzt eine Situation von de facto unabhängigen staatsähnlichen Gebilden. Niemand war in der Lage, uns von Unterschieden zwischen diesen parallelen Fällen zu überzeugen, also sollten die angewandten Regeln universell sein.

FRAGE (Nezavismaya Gazeta): Herr Präsident, Sie haben sich mit dem neuen Präsidenten Frankreichs getroffen. Können sie Ihren Eindruck von diesem Treffen und seinen Ergebnissen wiedergeben, und auch sagen, wie erfahren der neue französische Präsident in Ihren Augen ist?

(Rufe auf Deutsch aus dem Publikum)

VLADIMIR PUTIN (auf Deutsch): Gut, das werden wir später machen.

(auf russisch) Exzellent! Gut gemacht! Gebt mir eins, wenn Ihr damit herumwerft.

(Auf Deutsch) Junger Mann, geben Sie mir eines von den Flugblättern, die Sie hier herumwerfen. Haben Sie jetzt getan, weswegen Sie gekommen sind? Gut, dann lassen Sie uns jetzt weitermachen und geben Sie mir Zeit zu antworten. Ist das in Ordnung? Ist das demokratisch? Setzen Sie sich bitte. Danke.

VLADIMIR PUTIN: Ich hatte ein gutes Gespräch mit Herrn Sarkozy. Ich habe allen Grund zu glauben, daß die positiven Resultate, die in den Beziehungen zwischen Frankreich und Rußland in den letzten Jahren erreicht wurden, genutzt werden, um die Beziehungen zwischen unseren Reghierungen weiter zu entwickeln. Darüber hinaus fanden wir viele Gemeinsamkeiten auf persönlicher Ebene.

Ich denke, Herr Sarkozy ist sehr gut vorbereitet, kennt das moderne Rußland gut, und ist interessiert, unsere Beziehungen auf allen Gebieten zu entwickeln. Offengsagt, war ich sogar überrascht von den detaillierten Kenntnissen, die er in unseren Gesprächen über einzelne Gebiete der Zusammenarbeit an den Tag legte, beispielsweise über die Kooperation zwischen EADS (European Aeronautic Defence and Space Company) und Rußlands United Aircraft Manufacturing Corporation. Dies gibt mir Grund zu der Annahme, das die russisch-französischen Beziehungen gute Ausichten haben.

Ich möchte gerne ein paar Worte zum Thema Tyrannei sagen. Da dieses Flugblatt seinen Weg zu mir gefunden hat, werde ich darauf antworten und einige Worte zu diesem anständigen jungen Mann und zu all jenen sagen, die die Demokratie in Rußland verteidigen wollen. Rußland hat sehr schwierige Zeiten hinter sich. Es hat den Zusammenbruch der Sowjetunion erlebt, praktisch einen Bürgerkrieg im Kaukasus, die Verarmung von Millionen Menschen seiner Bevölkerung, nachdem das vorherige Wirtschaftssystem zusammengebrochen war, den Zusammenbruch des sozialen Sicherungssystems. All dieses hat Auswirkungen auf die heutige Lebenswirklichkeit. Aber das bedeutet nicht, daß wir eine spezifisch russische Daseinsweise oder eine speziell russische Demokratie erfinden werden. Wir werden uns in Übereinstimmung mit den allgemeinen Grundsätzen entwickeln, die auf alle zivilisierten Länder Anwendung finden.

Ich habe mir die Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte und die Schlußfolgerungen internationaler Menschenrechtsorganisationen genau angesehen. Sie enthalten viel Kritik an Rußlands Adresse, und diese Kritik ist oft gerechtfertigt. Es gibt auch viele Fälle, in denen diese Kritik unserer Ansicht nach nicht so gerechtfertigt ist, aber oft ist sie gerechtfertigt, und daran wollen wir denken. Aber dieselben Institutionen und Organisationen kritisieren unsere Partner, darunter die G8 ebenso oft. Es gibt viel Kritik an den Medien, über Entscheidungen, Medienorganen keine Lizenzen, ungerechtfertigte Entlassungen von Journalisten, sowie viel Kritik zum Beispiel an Einwanderungsgesetzen. es gibt viel Kritik am System der Rechtssprechung und den Haftbedingungen der Menschen in den Strafanstalten. Aber ist all dies nicht auch Teil gemeinsamer Werte? Wir sollten nicht so tun, als wäre anderswo alles in Ordnung und daß nur wir Probleme hätten. Es gibt keinen Mangel an Problemen.

Jetzt nähern wir uns einer komplexen Phase in unserem politischen Leben an. Wir werden am Ende dieses Jahres Parlamentswahlen abhalten, und die Wahl des Präsidenten wird zu Beginn des nächsten Jahres stattfinden. Ich kann Ihnen versichern, daß alles nach demokratischen Spielregeln stattfinden wird. Jedermann wird das Recht haben, seinen Ansichten Ausdruck zu verleihen, und alles was wir verlangen, ist, daß die geltenden Gesetze respektiert werden.

Wir werden niemandem erlauben, gegen die russische Verfassung zu verstoßen. Ich selbst verstoße nicht gegen sie, und ich werde dies auch niemand anderem erlauben. Jedermann muß das Gesetz respektieren. Der Sieger der Wahlen zur Duma und der Präsidentschaftswahlen wird derjenige sein, dem die Mehrheit der russischen Bürger in geheimen Wahlen ihre Stimme gibt. Sie werden mit dem Rußland zusammenarbeiten, daß das russische Volk gewählt hat, und nicht mit einem Rußland, das irgendjemand sonst sehen möchte.

Versuche der Einmischung und der Unterstützung politischer Kräfte in unserem Land, um eigene Interessen zu verfolgen - von wem auch immer - werden wir im Vorfeld der Wahlen nicht zulassen .

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. ich wünsche Ihnen alles Gute.

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Quelle : http://www.kremlin.ru/eng/speeches/2007/06/08/2251_type82914type82915_133390.shtml
Übersetzt vom Englischen von Hergen Matussik und überprüft von Fausto Giudice, Mitgliedern von Tlaxcala, dem Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt. Diese Übersetzung unterliegt dem Copyleft: sie kann frei verwendet werden unter der Bedingung, daß der Text nicht verändert wird und daß sowohl der Autor als auch die Quelle genannt werden.
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