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Erstelldatum: 27.04.2009

Piraten

Trotz dem Einsatz von Kriegsschiffen der verschiedenen westlichen Nationen zeigen sich die Piraten Somalias unbeeindruckt. Für die Presse ein gefundenes Fressen, kann man doch lang und breit über die Angriffe auf die Tanker, Frachtschiffe und Luxusliner berichten.

Ein Aspekt wird allerdings dabei vernachlässigt. Sind die Piraten an Somalias Küsten vielleicht keine Piraten, sondern ein somalische Umweltorganisation? Ja, ich habe noch alle Tassen im Schrank. Es gibt Fakten, die seit langer Zeit bekannt sind, aber in der westlichen Presse so gut wie keinen Widerhall finden.

Der Tsunami im Dezember 2004 hat nicht nur die Küsten verwüstet, er hat auch ans Tageslicht gebracht, was westliche Zeitungen, von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, tunlichst verschweigen. Länder der EU lassen vor der Küste Somalias Atommüll und andere Giftstoffe wie Cadmiumabfälle, Quecksilber und Blei verklappen. Sie kippen die nicht sonderlich gesicherten Fässer mit dem strahlenden Abfall einfach ins Meer. Westliche Trawler fischen inzwischen vor den unbewachten Küsten Somalias das Meer leer, illegal und dazu mit illegalen Fangmethoden. Damit nahmen sie den Fischern an Somalias Küsten die Lebensgrundlage. Sie hatten die Wahl, zu verhungern oder Piraten zu werden. Hinzu kommt, dass der verklappte Atommüll und die anderen Giftstoffe die Menschen krank werden lassen. Die Zahl der an Krebs erkrankten Menschen ist stark angestiegen.

Die illegale Entsorgung erfolgt offenbar durch die italienische Mafia, was wiederum zeigt, dass die Atomlobby und die Mafia in guten "Geschäftsbeziehungen" zueinander stehen. Doch offenbar nicht nur mit der Atomlobby, sondern auch mit der Politik, denn diese illegale Verklappung ist ohne Wissen der Politik nicht möglich.

    Zwei Wochen nach dem Inkrafttreten des Kyoto-Protokolls über die Dämpfung des Treibhauseffekts und kurz vor dem Welttag des Zivilschutzes veröffentlichte das Unep, das Umweltschutzprogramm der Vereinten Nationen, seinen Bericht über die Folgen der Tsunami-Katastrophe am 26. Dezember 2004. Die etwa 100 Minister für Umweltschutz, die in Nairobi vom 21. bis zum 25. Februar 2005 an der 23. Sitzung des Vorstandes des Weltministerforums für die Umwelt des Unep teilnahmen, mussten am 22. Februar 2005 aus dem Mund seines Vorsitzenden Klaus Töpfer eine besorgniserregende Information hören: Der Tsunami habe an der Küste Somalias nicht nur gewöhnlichen, sondern auch nuklearen Abfall angeschwemmt.

Für die deutsche Presse handelt es sich bei dieser Information offenbar um Nebensächlichkeiten. Die UNEP wusste auch zu berichten, dass nicht nur Somalia betroffen ist. Seit den 80er Jahren ist die illegale Verklappung von Gift- und Atommüll vor den Küsten der armen afrikanischen Länder offenbar ein gutes Geschäft. Anders gesagt, die Politik weiß seit Jahren davon und spart auf solchen Konferenzen auch nicht mit tadelnden Worten. Aber das ist alles. Es wird nichts getan, das zu verhindern. Und es wird nichts getan, es publik zu machen. Deshalb liegt die Vermutung nahe, dass die Dreifaltigkeit neu gegliedert wurde: "Mafia, Lobby und Politik".

In einem Bericht des SWR über einen Somali, der lange Zeit in Deutschland gelebt hat, habe ich genau eine Zeile gefunden, die auf die illegale Verklappung hinwies. Anders bei der FTD, die unter dem Titel Zweierlei Seeräuber in einer Kolumne von Thomas Klau die Heuchelei der westlichen Nationen anprangert. In der Schweiz hat das Magazin Zeitfragen ausführlich über das Geschehen berichtet. Ansonsten? Über die Piraterie wird fast täglich berichtet, nicht aber über deren Ursachen. Und die Politik schweigt ohnehin darüber.

Somalia wird, ähnlich wie Afghanistan, nicht von der Regierung beherrscht, sondern von Kriegsfürsten, in neudeutsch Warlords. Natürlich kann ich nicht sagen, ob diese Warlords mit der Mafia gemeinsame Sache machen und die weitere Verklappung von europäischem Gift- und Atommüll zulassen, gegen Kasse natürlich. Aber vielleicht wäre es sinnvoll, wenn die deutsche Marine, statt auf Piratenjagd zu gehen, die Küsten vor den illegale fischenden Trawlern und der illegalen Verklappung schützen würde. Aber das kann man nicht machen, denn wohin soll man dann mit dem Giftmüll? Schließlich bestimmen die Lobby-Organisationen die Politik und nicht die Politiker.