Mehrarbeit und Verluste

"Einmal mehr hat sich das deutsche Modell der Sozialpartnerschaft und der Kultur des Miteinander in einer schwierigen Bewährungsprobe als überlegen und erfolgreich erwiesen" waren die Worte des Kanzlers zu dem bei DaimlerChrysler erzielten Kompromiss.

Kompromiss? Sind wir bereits so weit in Deutschland, dass eine auf der Basis von Erpressung und Nötigung erfolgte Einigung zwischen einer um ihre Arbeit bangenden Belegschaft und einer Vorstandsriege mit ausgeprägter Selbstbedienungsmentalität in dieser Form vom Kanzler des Volkes (?) gepriesen wird?

Da gibt es den Vorstandsvorsitzenden Schrempp bei DaimlerChrysler, der mit klaren Drohungen der Produktionsverlagerung nach Bremen oder gar ins Ausland die Belegschaft erpresst, Mehrarbeit zu leisten, ohne diese vergütet zu bekommen.

Das ist übrigens der gleiche Herr Schrempp, der sich 2001/2002 seine Bezüge selbst drastisch um 130,9 % auf 6,47 Millionen erhöht hat und über die läppischen 4,35 Millionen für Aktienoptionen wollen wir erst gar nicht reden (Quelle: manager magazin 7/2003). Der Vorstand verzichtet ja nun auf 10 % des Einkommens. Des Einkommes? Oder nur des Gehalts?

In weiten Kreisen der Wirtschaft und Politik ist man voll des Lobes über diesen Abschluss. Ein Abschluss, der klar dokumentiert, auf welch tiefes Niveau Wirtschaft und Politik gesunken sind. Der gleiche Vorstandsvorsitzende Schrempp, der sich so schamlos selbst bedient hat, während zur gleichen Zeit der Shareholder-Value von DaimlerChrysler ein Minus von 47,7 Millionen aufwies. Der gleiche Vorstandsvorsitzende Schrempp, der mit seinen Aktivitäten bei Chrysler und bei Mitsubishi Milliardenverluste eingefahren hat. Der gleiche Vorstandsvorsitzende Schrempp, gegen den wegen unsauberer Übernahmepraktiken von Chrysler ein noch lange nicht ausgestandenes Verfahren in den USA ansteht. Der gleiche Vorstandsvorsitzende Schrempp erzwingt in einer Zeit hoher Arbeitslosigkeit mit der Drohung des Jobverlustes Mehrleistungen der Belegschaft. Und Politik und Wirtschaft jubeln ihm zu.

Auf welchem Niveau wir uns bewegen, zeigen die Aktivitäten der Herren Ackermann, Esser und Zwickel. Da bekommt ein Manager für die Zerschlagung eines Unternehmens eine Riesenabfindung, ein Gewerkschaftsboss mit Sitz im Aufsichtsrat ermöglicht diese Aktion durch Stimmenthaltung. Dann kommt der Konzern (Vodaphone), der diese Abfindung (oder soll man Schmiergeld sagen?) gezahlt hat und für den Abbau von vielen Arbeitsplätzen hauptverantwortlich ist und verlangt Steuerbefreiung! Begründung: Bei der Übernahme des Unternehmens stand der Aktienkurs doppelt so hoch wie jetzt (nach der Zerschlagung). Vodaphone wird die Steuerbefreiung bekommen und Politik und Wirtschaft zucken mit den Schultern und sagen: "Ein ganz normaler Vorgang".

Politiker und Wirtschaftsgrößen können problemlos der Volkswirtschaft Milliardenschäden in zwei- bis dreistelliger Größenordnung zufügen und dann sollen die Arbeitnehmer durch unbezahlte Mehrarbeit dazu beitragen, dass diese Defizite wieder reingeholt werden.

Diese erpresste Mehrarbeit wird das Gegenteil von dem bewirken, was die Politik verspricht, es werden weitere Stellen abgebaut und die Zahl der Arbeitslosen wird drastisch steigen.

Meine Damen und Herren aus Politik und Wirtschaft, Sie sollten sich schämen. Doch vermutlich wissen Sie gar nicht mehr, wie man das macht.