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Erstelldatum: 02.11.2010

Made in ...

Made in Germany wurde von den Briten erfunden. Im so genannten Merchandise Marks Act 1887 in Großbritannien wurde zwingend vorgeschrieben, dass das Herkunftsland bei allen Artikel angegeben werden musste und im ersten Weltkrieg wurde diese Vorschrift noch verschärft. Begründet wurde es damit, dass man keine Waren vom Kriegsgegner kaufen sollte, um damit dessen Kriegsmacht noch zu stärken.

Als nach dem zweiten Weltkrieg die Industrialisierung so richtig in Schwung kam, entwickelte sich das Made in Germany zum Gegenteil dessen für das es eigentlich geplant war. Made in Germany wurde weltweit zum Synonym für beste Verarbeitung und höchste Qualität.

Doch das scheint sich geändert zu haben. In einem Bericht des Spiegel gelten aus Sicht des Consumer Report, vergleichbar mit dem deutschen Warentest, deutsche Autos als die schlechtesten Autos, was Verarbeitung und Zuverlässigkeit angeht. Die ersten Plätze werden dabei von den Japanern belegt und lediglich Porsche konnte sich dort auch mit Platz 2 etablieren. Anders die deutschen Nobelmarken wie BMW oder Mercedes oder danach rangierende Marken wie Audi und VW, welche die hinteren Plätze belegen.

Nun könnte man dieses Umfrageergebnis ja auch als "Hilfestellung" für die amerikanischen Automarken ansehen, vor allem vielleicht deshalb, weil die US-Autos in diesem Report nicht bewertet wurden. Doch das liegt wohl daran, dass es sich dabei offenbar um die Bewertung ausländischer Autos handelte.

Eigentlich ist es auch gleichgültig, denn dass das Label "Made in Germany" viel von seinem Glanz verloren hat, sollte auch uns Deutschen inzwischen aufgegangen sein.

Vielleicht stellt sich die Frage nach den Ursachen aber auch ganz anders. "Sind die deutschen Autobauer wirklich um so viel schlechter geworden" ist vielleicht die falsche Frage. Müsste die Frage nicht eher lauten: "Gibt es noch deutsche Autobauer?" Und welche Existenzberechtigung hat eigentlich das Label "Made in Germany" noch? Schlachtet man ein "deutsches" Auto nach seinem Ankauf aus und prüft jedes verbaute Einzelteil nach seiner Herkunft, wird schnell ersichtlich, dass einige dieser Autos zwar in Deutschland zusammengebaut wurden, aber die verbauten Einzelteile sind mit vielen und recht unterschiedlichen Labeln "Made in " versehen. So sind z. B. die elektronischen Elemente wohl zu 100% oder zumindest annähernd 100% auf dem asiatischen Kontinent gebaut worden. Aber auch ein großer Teil der übrigen Teile sind als Zulieferungen im Ausland erstellt und dann nur noch in den Deutschen Werken eingebaut worden. Bei VW oder Mercedes ist nicht einmal gewiss, ob der Zusammenbau in Deutschland erfolgte. Wie das bei Audi oder BMW ist, vermag ich nicht zu sagen.

Ich denke, das gilt nicht nur für "Made in Germany", sondern wohl inzwischen für alle Made in , zumindest bei den großindustriell gefertigten Produkten. Sie sind nur noch eine Verbrauchertäuschung.

Beginnt man "sich zu fragen", hat das meist zur Konsequenz, dass zusätzliche Fragen auftauchen, z. B., sind die "deutschen Autobauer" überhaupt noch deutsche Autobauer? Gewiss, bei BMW weiß man, dass sich über 46% der Aktien in der Hand der Familie Quandt befinden. Aber über 50% befinden sich in "Streubesitz" und dort ist lediglich die Allianz AG mit einem Anteil von knapp 5% aufgeführt. Wer aber sind die übrigen "Besitzer"? Mehrheitlich wohl Banken und Konzerne und deren Besitzverhältnisse liegen ohnehin im Dunkeln.

Bei Daimler ist das schon ein wenig anders, 9,1% hat 2009 die Aabar Investments PJSC), Abu Dhabi, übernommen. Die BlackRock Inc., New York hält 3,9%, Capital Research and Management Company, Los Angeles, hat ihren Daimler-Anteil im November unter die Meldeschwelle von 3% reduziert, Kuwait Investment Authority hält 6,9%, Institutionelle Investoren 63,1%, Private Anleger 20,9%.

Die Aktionärsstruktur der Daimler AG verteilt sich nach Aussagen im Konzernbericht wie folgt:
  • Deutschland 36,4%
  • Europa, ohne Deutschland 30,1%
  • USA 17,4%
  • Vereinigte Arabische Emirate 9,1%
  • Kuwait 6,9%
  • Sonstige 0,1%

Ist Daimler also noch ein deutsches Unternehmen und damit ein deutscher Autobauer?

Bei VW und Audi ist das klarer. Den dicksten Brocken hält die Porsche-Familie mit mehr als 50% der Aktien. Das Land Niedersachsen hält inzwischen nur noch 20,01%.

  • 50,74% Stand: Porsche Automobil Holding SE
  • 2,37% Stand: Porsche Holding GmbH
  • 20,01% Stand: Land Niedersachsen über Hannoversche Beteiligungsgesellschaft mbH
  • 17% Stand: Emirat Katar
  • 9,87?% Streubesitz

VW und Audi könnte man somit noch als deutsche Autobauer bezeichnen, nun ja, sodenn sie denn in Deutschland bauen ließen. Aber VW/Audi hat Standorte weltweit und die Zahl der im Ausland tätigen Mitarbeiter ist fast so hoch wie die in Deutschland. Welches Made in-Label kürt wohl die in Mexiko oder in Brasilien gefertigten Autos oder Teile?

Made in ... ist oft nur noch eine Sinnestäuschung und stimmt mit der Wirklichkeit nicht mehr überein. Deutschland hatte einmal einen Standortvorteil, der mit dem Fleiß und mit dem technisch hochstehenden Wissen und Können deutscher Arbeitnehmer erarbeitet worden war. Hinzu kam, dass vor allem hochwertige Materialien Vorbedingung für Produkte "Made in Germany" waren. Damals war "Made in Germany" ein Garant für höchste Qualität. Es ist nicht die Schuld der deutschen Arbeitnehmer und auch nicht Schuld der ins Land geholten Gastarbeiter, dass dieser Standortvorteil verloren ging. Es waren die Aktionäre und in deren Auftrag die Vorstände dieser Konzerne, die als erste dem Ruf "Geiz ist geil" folgten und mehr und mehr billigere, dafür aber auch qualitativ minderwertigere Produkte in die Autos einbauen ließen. Sie haben den Standortvorteil dieses Landes verschenkt und natürlich gilt das nicht nur für die Autobauer. Die Abwrackprämie hat gezeigt, dass der Verzicht auf Qualität bei den "deutschen Autobauern" nur noch durch eine unsinnige und von den Steuerzahlern aufgebrachte "Hilfsaktion" sie über die Krise hinweggebracht hat. Heute jubeln sie wieder, denn mit China hat sich erneut ein Markt aufgetan, der eine goldene Zukunft verspricht.

Es ist diese Kurzsichtigkeit der Vorstände und Aktionäre, die wohl immer noch nicht begriffen haben, dass die Chinesen schon sehr bald Autos bauen werden, die den Import von Autos "Made in Germany" überflüssig machen. Dann werden plötzlich chinesische Autos über deutsche Straßen fahren, Autos, die qualitativ gleich- wenn nicht höherwertig sind und dabei noch wesentlich preisgünstiger. Und dann wird das Erwachen wohl noch weitaus schmerzlicher ausfallen, als in der Krise 2008, denn dann gibt es keinen Markt mehr, der sich neu auftut.