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Verhaltensweisen,
oder die Macht der Fallmanager

Um Verhaltensweisen zu erforschen, oft auch in Management-Seminaren zur Analyse der Persönlichkeitsstruktur, verwenden Psychologen gerne Rollenspiele. Erstaunlich bei diesen Rollespielen ist, dass selbst die abwegigsten Spiele zu deutlich erkennbaren Ergebnissen führen. Anhand eines Beispiels sei das kurz erklärt.

Die Mondlandung: Rollenspiel zur Selbsterkennung.

Eine Gruppe von Leuten, z. B. aus dem mittleren Management eines Unternehmens:

Die Szene:

Sie sind mit einem Raumschiff auf dem Mond abgestürzt, aber alle haben überlebt. Das Problem, sie haben nur begrenzt Sauerstoff, können es aber trotzdem schaffen, bis zur Mondbasis zu kommen. Als Ausrüstung haben Sie die unterschiedlichsten, für einen Mondflug oft skurrilsten Dinge dabei, so ein Schlauchboot, ein Messer, eine Pistole, eine Dose Streichhölzer und anderen Unsinn.

Die Aufgabe:

Sie sollen möglichst viel von der Ausrüstung retten, sollen nun aber eine Reihenfolge festlegen, nach der sie Ausrüstungsgegenstände zurücklassen, um ihr Überleben zu sichern.

Liest man das, meint man, dass ein solch utopischer Wahnwitz unmöglich Ergebnisse erzielen kann. Doch diese Meinung ist falsch. Zuerst geht man ein wenig spöttisch und meist auch überheblich an die Sache ran. Doch bald werden die Facetten der Persönlichkeiten sichtbar, denn jeder stellt eine Liste der Reihenfolge zusammen, nach der seiner Meinung nach die Ausrüstungsgegenstände aufgegeben werden sollten. Danach wird dann in der Gruppe die Reihenfolge bestimmt, wobei jeder versuchen soll, die anderen von seinen Vorschlägen zu überzeugen. Also muss jeder versuchen, mit überzeugenden Argumenten den Vorschlag eines anderen für die Aufgabe eines Gegenstandes zu verhindern, wenn er mit seiner Liste nicht übereinstimmt. Erstaunlich dabei ist, dass sehr schnell die absolute Irrationalität des Spiels in den Hintergrund gedrängt wird. Es beginnt ein Machtgerangel, welches zu hitzigsten Wortgefechten führt.

Der Psychologe ist in diesem Spiel nur Beobachter, aber ein Beobachter, der den ganzen Vorgang filmt. Die Auswertung dieses Films in der Gruppe zeigt dann das Rollenverhalten eines jeden Einzelnen, zeigt, wie aus Argumentation plötzlich eine Konfliktdiskussion entsteht, in der nicht mehr die Sache im Vordergrund steht, sondern die Fehde mit einer Person, versteckt in Scheinargumenten.

Das Ziel:

Anhand dieses Spiels soll aufgezeigt werden, wie kontroverse Ansichten der argumentativen Lösungssuche entgleiten und sich ein Konfliktpotential bildet, dass eine einvernehmliche Lösung unmöglich macht. Auch das unterschwellige Abtasten von Machtstrukturen wird in solchen Spielen deutlich. Der Psychologe nennt das einen Pseudosachkonflikt, ein Blockadeverhalten, in dem mittels einer Pseudoargumentation ein persönlicher Konflikt ausgetragen wird.

Dieses Verhalten spielt sich täglich in den unterschiedlichsten Varianten ab und manche Fehlentscheidung leitet sich daraus ab, dass jemand aufgrund seiner Dominanz einen Pseudosachkonflikt zu seinen Gunsten entschieden hat.

Was man daraus ableiten kann

In den USA hat der Psychologe Philip Zimbardo ein Experiment gemacht, um herauszufinden, wie sich Menschen im Gefängnis verhalten. Mit 24 Freiwilligen hat er eine Art Big Brother Szenario in einem Gefängnis aufgestellt, indem er einen Teil zu Wärtern, den anderen zu Insassen erklärte. Er musste das Experiment abbrechen, weil die "Wärter" plötzlich Gefallen daran fanden, die "Gefangenen" zu quälen. Es kam dabei zu regelrechten Folterungen, ähnlich denen im Gefängnis der Stadt Abu Ghraib im Irak. Wohlverstanden, keiner der Teilnehmer war wirklich ein Gefängnisinsasse und niemand von ihnen wirklich Gefängniswärter.

Dieses und ähnliche Experimente belegen, mehr als 80 % in der Rolle eines Gefangenenwärters neigen plötzlich zur Gewalt.

Freilandversuch mit einem ganzen Volk

Warum ich das erzähle? Schauen Sie mal in die Wirklichkeit in Deutschland, ganz speziell auf die Mitarbeiter der Bundesagentur für Arbeit oder einer ARGE. Betrachten Sie diese Leute als die Gefängniswärter und die Hartz IV-Empfänger als Gefangene. Es ist ein Gefängnis ohne sichtbare Mauern oder Zäune, aber die Mauern und Zäune sind vorhanden. Die Gefangenenwärter, hier Fallmanager geheißen, sind freundliche und liebenswerte Menschen, so lange, bis sie hinter ihrem Schreibtisch sitzen und davor eines ihrer potentiellen Opfer steht. Obwohl diese "Gefängniswärter" durch ein starres Korsett aus Gesetzen und Anweisungen für ihr Verhalten eigentlich keinen Spielraum haben, finden Sie Mittel und Wege, ihre Opfer zu schikanieren, zu demütigen und zu quälen. Niemand, der sie persönlich zur Rechenschaft zieht. Im Gegenteil. Durch geschickte Propaganda der Behörden in Verbindung mit den Medien hat man eine breite Masse dazu gebracht, Arbeitslose nicht nur als faul anzusehen, sondern auch als Bedrohung, eine breite Masse, die nicht ahnt, wie nah sie daran ist, plötzlich selbst auf der anderen Seite des Zauns zu stehen. Sie schaut tatenlos zu, wie "Staatsdiener", die den Begriff "als Diener des Staates" in seiner negativsten Form erfüllen, ihre geheimen Wünsche, ihre Agressionen ausleben und sich dabei hinter Gesetzen und Vorschriften verschanzen. Der Gesetzgeber hat in diesen Gesetzen oft den Begriff "Ermessen" verwendet. Er hat es wohl gewusst, dass die Mehrzahl der Staatsdiener diese Ermessensfrage nicht zugunsten der Betroffenen auslegen, sondern sie wie einen Strick um den Hals der Betroffenen zur Strangulation verwenden, Widerstand zu brechen und ihre Opfer zu einem willenlosen Objekt zu degradieren.

Hat der Staat diese Methoden vom dritten Reich übernommen? Dort wurde von der Obrigkeit in gleicher Weise gehandelt, indem man den Schergen Gelegenheit gab, ihre niedrigsten Instinkte auszuleben.

Fazit:

Bekommen Menschen plötzlich Macht, sind mehr als 80 % bereit, diese Macht zu missbrauchen.
Erschreckend, nicht wahr? Aber es sind eben auch nur Menschen, die nicht gelernt haben, dass Macht nur dann eine positive Kraft ist, wenn sie mit entsprechender Bereitschaft zur Verantwortung gepaart ist. Fehlt diese Kenntnis, ist Macht nichts als die Keule eines Neandertalers.
Machen wir uns nichts vor. Die meisten von uns haben diese Keule unsichtbar irgendwo versteckt, nur darauf wartend, hervor geholt zu werden.