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Erstelldatum: 06.02.2007

Klimabericht

Jede Gazette berichtet derzeit über den Klimabericht des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change)berichtet uns Sie fragen sich berechtigter Weise, warum ich meinen Senf nun auch noch dazugeben muss. So bin ich auch überzeugt, dass der Zusammenhang zwischen der Ursache der globalen Erwärmung und der neoliberalen Wirtschaft, zumindest ansatzweise, vielen bewusst ist. Ich möchte auf einen anderen Aspekt verweisen, auf die Parallelität des Klimawandels und der Finanzwirtschaft und Wirtschaft im Allgemeinen hinweisen.

Die heilige Kuh der Wirtschaft kennt jeder: "Wachstum!" Das Damoklesschwert des Klimawandels ist: "Wachstum!" Hier passt der alte Spruch: "Dem eenen sin Uhl is dem annern sind Nachtijall." Aber ich hebe weniger auf das gewünschte Wirtschaftswachstum ab, sondern will darauf hinaus, dass ein stetiges Wachstum immer negative Konsequenzen hat.

In einem Bericht von Telepolis zu den Aussagen des IPCC wird darauf verwiesen, dass seitens der der US-Behörden und der US-Wirtschaft versucht wurde, massiv Einfluss auf die Aussagen des IPCC zu nehmen. Dabei wird erwähnt, dass der ExxonMobil-Konzern alleine im letzten Jahr 39,5 Milliarden Dollar am Ausstoß von Treibhausgasen verdient hat. Der höchste Gewinn in der Geschichte des Konzerns und vermutlich auch der höchste Gewinn, den ein Unternehmen jemals erzielt hat.

Sehen wir einmal davon ab, dass die ständigen Kassandra-Rufe der Öl-Industrie, verbunden mit permanenten Preissteigerungen ganz offensichtlich dazu dienen, nur die Taschen der Aktionäre zu füllen, wie dieser gigantische Gewinn zeigt, ist aus dieser Sicht ja auch verständlich, dass man versucht, Worte wie Klimawandel oder zunehmende Erderwärmung aus dem Bericht zu verbannen. Wie die Union of Concerned Scientists (UCS), ein Wissenschaftsverband mit 200.000 Mitgliedern in den USA, im Januar berichtete, hat ExxonMobile in den letzten Jahren fast 16 Millionen Dollar investiert, um Skeptiker des Klimawandels zu unterstützen, wissenschaftliche Erkenntnisse zu verschleiern und Politiker und Medien zu manipulieren. In den Jahren 1998 bis 2005 gingen davon 1,6 Millionen Dollar an das AEI.
Das AEI (American Enterprise Institute) bietet Wissenschaftlern, die den UN-Bericht zum Klimawandel in Frage stellen, 10.000 Dollar. Gesponsert wird das Institut unter anderem von ExxonMobile. Das berichtet die britische Zeitung Guardian.
Auch in mehrere Umweltskandale soll ExxonMobile verwickelt sein. Nun, ich werde mich immer dann daran erinnern, wenn wieder einmal getankt werden muss und lieber in Kauf nehmen, keinen Sprit mehr zu haben, als bei Esso zu tanken, weil aus meiner Sicht der Rockefeller-Clan schon genug Unheil anrichtet (siehe Bilderberger oder Gen Manipulation), ich ihn also nicht auch noch finanziell unterstützen muss.

Aber das eigentliche Thema ist ja das Klima und die unvermeidlichen Aussichten für die Zukunft.

Unvermeidlich deshalb, weil selbst bei einem absoluten Stopp der Treibhausgase eine globale Erwärmung nicht mehr zu verhindern ist, sondern der Anstieg lediglich verringert wird. Allerdings glaube ich, durch diesen Klimabericht eine neue Erkenntnis gewonnen zu haben, die scheinbar keinen Zusammenhang mit dem Klima hat. Ich meine die stets als unvermeidbar geschilderte Globalisierung und das heilige Sakrament des Wachstums.

Es ist, und daran ändert auch die Gebetsmühle der Politik nichts, ein Naturgesetz, dass jedes Wachstum einmal endet. Ob Mensch, Tier oder Pflanze, irgendwann hört bei allen das Wachstum auf. Allerdings gibt es eine Ausnahme. Seit nunmehr rund 5 Millionen Jahren wächst etwas unaufhaltsam: "Die menschliche Population." Derzeit haben wir ca. 6,5 Millionen Menschen, die die Erde nicht nur bevölkern, sondern auch beschmutzen und zerstören, mit Enthusiasmus und gleich bleibender bis wachsender Akribie. Mit der industriellen Revolution haben wir die Werkzeuge in die Hand bekommen, die Verschmutzung und die Zerstörung erheblich zu beschleunigen und machen von dieser Möglichkeit auch regen Gebrauch. Dabei hat sich die Bevölkerung besonders im 20. Jahrhundert explosionsartig vermehrt. 1804 wurde die Milliardengrenze überschritten, 1927: 2 Milliarden, 1960: 3 Milliarden, 1974: 4 Milliarden, 1987: 5 Milliarden Menschen. Die Anzahl der weltweit lebenden Menschen übersprang nach Berechnungen der UN am 12. Oktober 1999 erstmals die 6-Milliarden-Marke. Im Februar dieses Jahres sollen 6,6 Milliarden erreicht werden (Schätzung des DSW), andere sagen, dass es im Mai soweit ist. 2025 wird seitens der UNO eine Weltbevölkerung von ca. 7,9 Milliarden geschätzt, 2050 von 9,1 Milliarden.

Hier sehe ich nun die Wachstumsprognosen der Politik begründet. Mehr Menschen, mehr Umsatz. Es gibt nur ein Problem. In Deutschland und anderen westlichen Ländern sinkt die Fertilitätsrate (Fruchtbarkeits- bzw. Geburtenrate). Das würde eigentlich auch einen Umsatzrückgang für die deutsche Wirtschaft bedeuten (das Gesetz von Ursache und Wirkung). Weil aber unsere Politik klug ist, hat sie die Pforten für die Globalisierung geöffnet und damit unserer Wirtschaft den Weg bereitet, am weiteren Anstieg der menschlichen Population zu partizipieren. Da aber das Bevölkerungswachstum nicht nur in Indien und China stattfindet, sondern auch in Ländern, deren Lebenserwartung (durchschnittlich) noch immer knapp über 20 Jahren liegt (etliche afrikanische Staaten), Völker also, die man lieber verhungern lässt, als sie an der Zivilisation teilhaben zu lassen, wird natürlich auch das Wirtschaftswachstum begrenzt. Es ist daher der Umsicht unserer Politiker zu verdanken, dass sie das Wirtschaftswachstum ankurbeln, indem Sie Verlagerungen von Betrieben ins Ausland steuerlich unterstützen, weil dort die Kriterien der Ausbeutung besser erfüllbar sind als im eigenen Land. Außerdem beschneiden sie das Einkommen oder besser die Einnahmen der Mehrheit der Bevölkerung, damit die Wirtschaft ordentlich "brummt." Schließlich haben wir alle etwas davon. Die Rentner weniger Rente, Arbeitslosen kaum Geld zum Leben, aber immer noch mehr als die Menschen in Afrika, Arbeiter und Angestellte weniger Lohn und die Vorstände der Konzerne, die Aktionäre, die Politiker und die Unternehmer mehr Kohle auf den Konten, egal, wo die Konten angelegt sind.

Damit haben sich mir die Sinnhaftigkeit und der Zusammenhang von Wirtschaftswachstum und Globalisierung endlich erschlossen. Wirtschaftswachstum steht in direktem Zusammenhang mit dem Bevölkerungswachstum und muss seine Interessen dort wahren, wo die Fertilitätsrate noch positiv ist, was wiederum die Globalisierung unumgänglich macht. Weil aber die Länder mit einer hohen Fertilitätsrate in der Regel Länder mit niedrigem Einkommen sind, muss man in Ländern mit negativer Fertilitätsrate die Löhne, Steuern für Unternehmen, die Lohnnebenkosten (Solidarbeiträge) und die Zahl der Arbeitenden senken, dafür die Verbrauchssteuern und die Arbeitszeit steigern, soziale Leistungen nach Möglichkeit gänzlich abbauen, damit das Wachstum der Unternehmen, der Unternehmer- und der Aktionärskonten erhalten bleibt.

Auf so Kleinigkeiten wie Umweltverschmutzung und globale Erwärmung darf man dabei natürlich nicht achten. Falls sich die Zahl der Geburten pro Frau (Fertilitätsrate) wie in der Prognose der UNO angenommen langfristig bei 1,85 einpendelt, ist bald nach 2050 von einem Bevölkerungsrückgang auszugehen. Dann ist es doch immer noch früh genug, dem Klimawandel zu begegnen. Sicher, 9,1 Milliarden Menschen, also rund das Dreifache der Menschheit vom Stand 1960, werden natürlich noch ein wenig mehr Dreck in die Luft pusten, noch ein wenig mehr Wasser verschmutzen, noch ein wenig mehr die Meere überfischen, noch ein wenig mehr die grüne Lunge des Planeten (Regenwälder) abholzen, alles nach dem Motto, dass wir nach dem 2. Weltkrieg dankbar in Läden angenommen haben als erstmalig die Verkäuferin wieder fragte: "Darfs ein wenig mehr sein?"

Die Großaktionäre und Unternehmer werden sicher ein Plätzchen finden, wo es sich noch gut leben lässt, auch wenn es anderswo ein bisserl ungemütlich wird. Schließlich haben wir ihnen das verdient.