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Erstelldatum: 07.07.2010

Gesundheitsreform 2010

Nun sind die Wahlen, die Bilderbergversammlung und sogar die Wahl des Präsidenten vorbei. Jetzt darf die Koalition endlich Einigkeit demonstrieren und mit dem Regieren anfangen. Nun ja, zunächst ist da ja noch die Sommerpause zu bewältigen, Urlaub geht schließlich vor und sicherlich wird man am Urlaubsort den herbeizitierten Dienstwagen nicht mehr vor der Tür parken.

Damit aber der Bürger ein Gefühl dafür bekommt, wie Einigkeit in der Koalition aussieht, hat man zumindest noch vor der Pause den Entwurf von Rösler und die den strahlenden Gesichtern der Parteioberen ablesbare Zufriedenheit über den "endlich" errungenen Kompromiss in der Gesundheitsreform vorgestellt.

Merkwürdig, denn eigentlich ist dieser "Kompromiss" exakt das, was zuvor so lautstark von der CSU und auch von Teilen der CDU abgewiesen wurde, eine Beitragserhöhung und eine Kopfpauschale mit der festen Zusicherung an die Bevölkerung, dass künftig alle Beitragserhöhungen einzig zu Lasten der Versicherten durch Erhöhung der Kopfpauschale gehen. Deshalb hat man vorsorglich auch die Deckelung der der Zusatzbeiträge, die die Kassen fordern dürfen, aufgehoben. Lediglich die Beteiligung der Arbeitgeber mit 0,3% ist relativ neu, was eine landesweit bekannte Schwabbelbacke veranlasste, den Untergang der Industrie zu prognostizieren, weil diese 0,3% den Aufschwung verhindern. Ach ja, ich vergaß, dass Rösler ja zugesichert hat, dass es einen "sozialen Ausgleich" für die ärmere Bevölkerung auf steuerlicher Basis geben würde. Wie genau der aussehen würde, hat er allerdings nur recht schwammig verkündet. Erst wenn die Zusatzbeiträge der Krankenkassen höher als 2% des Einkommens sind, soll dieser "soziale Ausgleich" greifen. Aber, liebes Volk, solch sozialer Ausgleich kann auch schnell wieder gestrichen werden, natürlich nur aus Gründen leerer Haushaltskassen und eines strikt eingehaltenen Konsolidierungskurses.

Mehr als dreist ist der Vergleich von Rösler, sein Ministerium wolle sich nicht mehr bei der Höhe der Zusatzbeiträge einmischen, das würde dann der Wettbewerb entscheiden. Man mische sich schließlich auch nicht ein, welchen Preis ein Bäcker für sein Brot fordere, auch das regele der Wettbewerb. Seit der letzten Gesundheitsreform durch Ulla Schmidt wurde der Wettbewerb zwischen den Kassen völlig aufgehoben und die Beitragsleistungen für die Krankenkassen wurden vom Staat einheitlich festlegt (der so genannte Gesundheitsfond). Auch die Schmidt schwafelte etwas von Wettbewerb, nämlich Leistungen, die über die Versorgungsleistungen der Kassen hinausgehen. Die mir von meiner Kasse angebotenen Sonderleistungen sind durch die Bank völlig überflüssig, belasten aber bei Inanspruchnahme die Gemeinschaft. Würden die Kassen statt der einmal im Quartal verteilten Zeitschrift mit intensiver Selbstbeweihräucherung jedem Patienten einmal im Quartal die Abrechnung der angeblich erhaltenen Leistungen durch die Inanspruchnahme von Leistungen durch die Heilberufe zusenden, würde sicherlich noch so mancher Schwindel auffliegen, den sich die schwarzen Schafe dieser Branchen leisten. Es wäre die billigste und effektivste Form der Kostensenkung, wie ich glaube.

Die Gesundheitsreform war dringend erforderlich, weil für 2011 ein Defizit bei den Kassen von ca. 11 Milliarden prognostiziert wurde. Wodurch dieses Defizit verursacht wird, das bleibt im Dunkel. Doch was soll's? Wenn "Experten" ein solches Defizit prognostizieren, dann ist das eben so und der Griff in die Taschen der Patienten "alternativlos". Mehr "netto vom brutto" hat die FDP ja vor der Wahl versprochen, Das scheinen aber wohl viele Wähler falsch verstanden zu haben, obwohl sie eigentlich hätten wissen müssen, dass solche Versprechungen einer Klientel-Partei ausschließlich für die Klientel gelten. Und zur Klientel der FDP zählen nicht nur die Mövenpick-Hotels, sondern auch die Ärzteschaft, die in Rösler einen ihrer Lobbyisten sogar im Ministersessel sitzen hat, die privaten Klinikbetreiber und natürlich die Pharmakonzerne. Die anderen Klienten der FDP lasse ich mal außen vor, weil sie nur bedingt an der Gesundheitsreform des Herren Rösler partizipieren.

Lese ich dann einen Kommentar in der Welt (http://www.welt.de/debatte/kommentare/article8339757/Roesler-Reform-entpuppt-sich-als-Beitragserhoehung.html), dass der Deutsche im Jahr durchschnittlich 18 Mal zum Arzt geht, komme ich aus dem Staunen nicht mehr heraus, denn wie wohl jeder vergleiche ich bei Prognosen wie dieser mein eigenes Verhalten, also wie oft ich selbst das System in Anspruch nehme und ob meine Verhalten Abweichungen vom statistischen Mittelwert aufzeigt. Das tut es. Mein letzter Arztbesuch war 2007 beim Hausarzt, weil ich mir, wie auch immer, eine Gürtelrose eingefangen hatte und somit 2007 auf 2 Arztbesuche und eine Tube Salbe (Medikamentenkosten) kam. 2009 kamen dann 3 Besuche beim Zahnarzt hinzu. Bin ich nun 59 Arztbesuche im Rückstand (gerechnet auf 3,5 Jahre), oder bin ich so gesund, weil ich den Arzt nur aufsuche, wenn es wirklich einen Grund dafür gibt (schrecklich, ich bin gesund, obwohl ich Raucher bin, was mache ich da nur falsch?)?

Was fehlt, wäre eine für ALLE Patienten nachvollziehbare Analyse, wo die Ursachen für die Kosten im Gesundheitswesen denn nun wirklich liegen. Vielleicht daran, dass der Patient nicht weiß, welche Kosten sein Besuch verursacht? Vielleicht auch daran, dass manche Ärzte Behandlungen abrechnen, die nicht wirklich stattgefunden haben? Oder liegt es vor allem daran, dass Untersuchungen fehlen, welche Ursachen insbesondere die inzwischen zu Volkskrankheiten gewordenen Beschwerden wie Diabetes, Allergien, Krebs und so manche andere Beschwerden wirklich haben? Sicher, ein Arzt wird ihnen Antworten auf diese Fragen geben, aber stimmen diese Antworten auch? Man muss nicht alles glauben, was einem die Ärzte so erzählen. Mir hat man 30 Jahre lang erzählt, meine regelmäßig auftretenden Magengeschwüre würden durch ungesunde Lebensweise, rauchen und Alkohol verursacht. Dabei stand Alkohol nicht bzw. selten auf meiner Agenda und mein Essen wurde weniger durch mich als durch das Angebot der Firmenkantine bestimmt. Beim Rauchen musste ich mich aber schuldig bekennen. Dann, zu Beginn der 90er Jahre, stellte man fest, dass kleine Viecher (Bakterien) verantwortlich waren. Es dauerte noch einige Jahre, bis alle Ärzte die Bereitschaft hatten, einzusehen, dass ihre Aussagen bzgl. der Magen- und Ulkus-Erkrankungen falsch waren. Ich zumindest bin seit dieser Zeit beschwerdefrei und habe damit den bis dahin (fast) einzigen Grund für das Aufsuchen eines Arztes verloren (neben dem oft bedingungslosen Glauben an "die Götter in weiß"), wohl ein Grund dafür, dass ich für mein Alter viel zu gesund bin. Aber vielleicht liegt es auch daran, dass ich mich einfach gesund fühle, deshalb nicht zum Arzt gehe und damit keinem Arzt keine Gelegenheit gebe, mich vom Gegenteil zu überzeugen.

Es gibt noch einen Grund. Ich vermeide weitgehend den Genuss industriell erzeugter Lebensmittel, weil ich mich mit den in der Lebensmittelindustrie verwendeten Zusatzstoffen auseinandergesetzt habe. Lese ich auf der Packung eines Brühwürfels (mit den Ausmaßen von ca. 1,5 x 1,5 x 1,5 cm)

  • Jodiertes Speisesalz (Salz, Kaliumjodat)
  • Geschmacksverstärker (Mononatriumglutamat, Dinatrium-51, Ribonucleotid)
  • Zucker
  • Stärke
  • Würze (hydroisoliertes Soja- und Meiseleiweiß, Salz)
  • Rinderfett
  • gehärtetes Pflanzenfett
  • Salz
  • 2% Rindfleischextrakt
  • Gemüse (Karotten, Lauch)
  • Hefeextrakt
  • pflanzliches Fett
  • Aroma (enthält Weizen)
  • Kräuter
  • Gewürze
  • Farbstoff
  • Ammonsulfit-Zuckerkulör
  • Sellerieextrakt


  • kann Spuren von Senf, Ei und Milch enthalten

komme ich unweigerlich zu dem Schluss, dass das nicht gesund sein kann, lege die Packung zurück ins Regal und gehe lieber auf den Markt, um mir die natürlichen Gewürzpflanzen zu kaufen.

Ein Beispiel von vielen, E 620 Glutamisäure

Lebensmittelzusatzstoffe - E620 -

Name
Glutaminsäure
E-Nr.

E620

auch deklariert als Geschmacksverstärker
Klassenanme
Geschmacksverstärker (Liste weiterer Geschmacksverstärker)
  • E 355 - Adipinsäure
  • E 356 - Natriumadipat
  • E 357 - Kaliumadipat
  • E 508 - Kaliumchlorid
  • E 509 - Calciumchlorid
  • E 511 - Magnesiumchlorid
  • E 620 - Glutaminsäure
  • E 621 - Mononatriumglutamat
  • E 622 - Monokaliumglutamat
  • E 623 - Calciumdiglutamat
  • E 624 - Monoammoniumglutamat
  • E 625 - Magnesiumdiglutamat
  • E 626 - Guanylsäure
  • E 627 - Dinatriumguanylat
  • E 628 - Dikaliumguanylat
  • E 629 - Calciumguanylat
  • E 630 - Inosinsäure
  • E 631 - Dinatriuminosinat
  • E 632 - Dikaliuminosinat
  • E 633 - Calciuminosinat
  • E 634 - Calcium-5'-ribonucleotid
  • E 635 - Dinatrium-5'-ribonucleotid
  • E 640 - Glycin und dessen Natriumsalze
  • E 650 - Zinkacetat
  • E 950 - Acesulfam K
  • E 951 - Aspartam
  • E 957 - Thaumatin
  • E 959 - Neohesperidin DC
  • E 962 - Aspartam-Acesulfam-Salz
Eigenschaften
Geschmacksverstärker werden in industriell gefertigten Lebensmitteln wie Suppen, Soßen, Würzen, Fertiggerichten, Fleischprodukten, Gemüseerzeugnissen und Knabberartikeln verwendet. Sie helfen bei geschmacklich minderwertigen Rohstoffen oder aromaschädigenden Herstellungsverfahren Geschmacksverluste auszugleichen und damit bei der Herstellung Kosten einzusparen.
Herstellung
Glutaminsäure kann tierischen oder pflanzlichen Ursprungs sein, aber auch gentechnisch hergestellt werden. Übliches Herstellungsverfahren ist durch chemische Synthese oder Fermentierung aus Bakterien, auch aus genetisch veränderten Bakterien.
Zulassung
  • für Lebensmittel zugelassen
Verwendung
  • Fertiggerichte
  • Gemüsekonserven
  • Wurstwaren
  • Fleischprodukte
  • Suppen
  • Soßen
Sicherheit

Als üblicher Nahrungsbestandteil werden Glutaminsäuren als gesundheitlich unbedenklich eingestuft.
Bedenken: Glutaminsäuren wirken appetitanregend. Zu häufiger Verzehr kann zu eine Änderung des Sättigungsempfindens führen und damit Fettleibigkeit auslösen.
Je nach Veranlagung stehen Glutaminsäuren auch in dem Verdacht, Allergien auszulösen. Glutaminsäure wird auch mit dem so genannten "China-Syndrom" in Verbindung gebracht. Danach treten mitunter nach dem Verzehr Kopf- und Gliederschmerzen, Übelkeit sowie Taubheit im Nacken auf.

ADI-Wert: 120 mg pro kg Körpergewicht

Solche Zusatzstoffe gibt es zu Hunderten, manche mit einer E-Nummer versehen, manche nur mit dem Namen wie Farbstoff, Salicylsäure, Phosphat u. a. und alle von den zuständigen Stellen der EU und dem Landwirtschaftsministerium (Verbraucherschutz) mit Angeben zur Höchstmenge abgesegnet und als unbedenklich eingestuft. Aber ich stelle mir dann als Beispiel die Herstellung von Schwarzpulver (auch Schießpulver genannt) vor. Man nehme:
eine Mischung von 75 Prozent Kaliumnitrat (Massenanteil), auch Salpeter genannt, 15 Prozent Holzkohle, vornehmlich aus dem Holz des Faulbaums gewonnen, und 10 Prozent Schwefel, der säurefrei sein muss, zermahle alles ganz fein und vermische es gleichmäßig und schon hat man aus drei, jedes für sich relativ harmlos, Einzelteilen eine explosive Mischung hergestellt.

Sie fragen sich nun, was das mit den Lebensmittelzusatzstoffen zu tun hat? Die Wechselwirkungen dieser Stoffe wurde nicht erprobt. Wer garantiert, dass verschiedene dieser Stoffe, alleine gesehen relativ harmlos, beim Zusammentreffen im Magen-Darmtrakt, der Übergabe von Teilen in das Blut nicht Gesundheitsbomben ergeben, die Diabetes, Krebs, Herzkranzgefäßveränderungen, Allergien uns was weiß ich für Beeinträchtigungen erzeugen? Auch werden die Höchstmengen ganz sicher überschritten, wenn ich z. B. bei einer Dosensuppe zusätzlich Wurst oder sonstige Zutaten zugebe, welche die gleichen Zusatzstoffe enthalten. Wann fragt schon mal ein Arzt einen Patienten, bei dem er eine Allergie feststellt, ob er vorwiegend industriell gefertigte Nahrung zu sich nimmt? Wann sagt ein Arzt dem Diabetiker, er solle industriell gefertigte Nahrung meiden?

Welch fröhliches Geschrei haben die Nichtraucher veranstaltet, als sie in Bayern mit dem Volksentscheid einen "Sieg" errungen haben und wie mancher hat sich aus Freude über diesen Sieg einen fetten Hamburger oder eine Portion Chicken-Nuggets gegönnt und damit mehr Gift in sich hinein geschaufelt, als ihm mit einem Jahr gelegentlichem Passivrauchen vergönnt gewesen wäre. Ich weiß natürlich, dass ich als Raucher da voreingenommen bin. Rauchen ist ungesund, das steht fest, auch für mich. Würde ich aber in Bayern leben, hätte ich nicht abgestimmt, weil ich meinen Rauchkonsum ohnehin seit dem Bestehen des Rauchverbots umgestellt habe. Das ist mir nicht mal schwer gefallen, weil ich ohnehin relativ selten in Kneipen abhänge und beim Besuch eines Cafes oder eines Speiserestaurants mit meinem Glimmstängel durchaus warten kann, bis ich wieder draußen oder zuhause bin. Aber den permanenten oder häufigen Verzehr industriell erzeugter Lebensmittel halte ich für weitaus ungesunder, als den Qualm in einer Kneipe für Nichtraucher. Kneipen, die Fertig- und Dosengerichte zum Verzehr anbieten, schaden ihren Gästen sicher mehr, als die Anwesenheit von ein paar Rauchern. Für eine Überarbeitung der von der Lebensmittelindustrie erzeugten und verwendeten Zusatzstoffe und die ernsthafte und akribische Untersuchung der Wechselwirkungen dieser Stoffe auf die Volksgesundheit werden Sie keinen Politiker gewinnen können, am wenigsten den "Arzt und Minister" Rösler. Auch die von Politik und Industrie zu Rate gezogenen "Experten" werden gesundheitliche Beeinträchtigungen durch die Zusatzstoffe weit von sich weisen und andere kommen im TV und in der Presse ohnehin kaum zu Wort. Und Hundt würde in einem solchen Ansinnen erneut einen Angriff auf den Aufschwung sehen. Und Otto Normalverbraucher wird sich über diese Gesundheitsreform wütend auslassen und bei der nächsten Wahl die gleichen Fehler machen, wie bei der letzten Wahl. Denn ob nun schwarz-gelb, schwarz-rot, schwarz grün, oder Rot-grün oder rot gelb, das kommt im Ergebnis ungefähr der Auswahl gleich, ob ich meine Kraft- oder Nestle-Fertiggerichte bei Aldi, Edeka, Norma oder bei Rewe kaufe. Ich bekomme den gleichen Schrott für ungefähr das gleiche Geld. Und all diese Märkte behaupten von sich, sie seien die Besten, so wie die Politiker.

Und außerdem, heute spielt ja Deutschland gegen Spanien (oder Spanien gegen Deutschland?) und das ist schließlich viel wichtiger. Und dann muss Deutschland nur gewinnen und schon reist Angela zum Endspiel noch mal nach Südafrika und erobert damit nicht nur die Herzen der Südafrikaner, sondern auch die Herzen aller deutschen Fußballfans. Oder irre ich mich?

Allerdings sehe ich noch eine andere Möglichkeit. Angela dankt kurz nach der Sommerpause beleidigt ab (wie Köhler), weil ihre Umfragewerte in den Keller rauschen, Koch, noch nicht völlig aus der politischen Landschaft verschwunden, lässt sich äußerst widerwillig (oder müsste ich nun schreiben; "wieder willig"??) von der Partei breitschlagen, die Führung und die Kanzlerschaft zu übernehmen und die Welt ist wieder in Ordnung. Wir brauchen schließlich einen Menschen mit viel Energie an der Spitze, notfalls auch mit krimineller Energie.