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Erstelldatum: 24.10.2008

Finanzkrise und ihre Auswirkungen

Noch vor wenigen Wochen war die Immobilienkrise in der Presse lediglich eine "Subprime-Crise", die den Aufschwung zwar ein wenig dämpfen, aber nicht beenden würde. Doch inzwischen ist die Presse umgeschwenkt. Jetzt wird auch das verpönte Wort "Finanzkrise" in die Schlagzeilen übernommen und die damit verbundenen Auswirkungen werden zwar immer noch in beschönigender Weise, aber immerhin schon ernster dargestellt. Dabei gelingt es Analysten wie der Creditreform eine Darstellung der Situation zu produzieren, die wie eine Berg- und Talfahrt (erst ein wenig Besorgnis, dann wieder ein Schimmer Hoffnung) in stetem Wechsel darzustellen. Man könnte es auch anders ausdrücken. Auf die Frage, ob es einen durch die Finanzkrise begründeten Abschwung der Konjunktur gibt, antworten die Analysten der Creditreform mit einem klaren "JEIN".

Das Handelsblatt schreibt:

Düstere Subprime-Prognosen
Finanzkrise war das alles erst das Vorspiel?

Bewusst habe ich die Überschrift so dargestellt, wie sie im Handelsblatt erscheint. Der im Titel verwendete Begriff "Subprime-Prognosen" wird in klein und roter Farbe dargestellt, während der Begriff "Finanzkrise" in großen Buchstaben gedruckt wird. Da ließen sich von Psychologen sicherlich einige Dinge hineininterpretieren. Zu Wort kommt im Handelsblatt der Yale-Ökonom Robert Shiller, der seit dem Jahr 2000 mit seinen Aussagen über die Börsengeschehnisse richtig gelegen hat, als er das Platzen der verschiedenen Blasen prognostizierte. Nur, auch dieser Ökonom kommt nicht auf die Idee, die Finanzwirtschaft und den Kapitalismus als grottenschlecht und verkehrt zu analysieren. Er vertritt die Ansicht, dass jetzt der Staat gefragt sei, der massiv unterstützend eingreifen müsste. Doch das verwundert weniger, wenn man erfährt, dass der Gute eine Firma mit dem Namen "MacroMarkets" gegründet hat, mit der nach seiner Aussage vorhandene Risiken einfach breiter gestreut werden sollen. Sein Konzept? Das Handelsblatt schreibt es so:

    In diesem Jahr soll MacroMarkets erstmals schwarze Zahlen schreiben. Seit Mai 2006 sind die ersten Produkte auf dem Markt: Zertifikate, mit denen Investoren auf steigende oder fallende Hauspreise wetten können. Außerdem hat MacroMarkets Papiere entwickelt, die Wetten auf steigende oder fallende Ölpreise erlauben, sogenannte Macro-Shares.
Vielleicht sollte Shiller noch eine weitere Wette anbieten. Wetten, dass sich auch das zur Blase ausweitet? Sind wir hier in einem Hinterzimmer einer Spelunke? Nein, das ist die Börse, die solche Zockereien (natürlich mit dem Geld anderer) ganz legal und mit dem Segen der Politik anbietet. Die Spelunke würde von der Polizei ausgehoben, die Börse wird stattdessen gefeiert.

Unser Finanzsystem ist eigentlich einfach. Die Vermögensverteilung in Deutschland wird zwar in verschiedenen Studien dargestellt, ist aber aus meiner Sicht so sicher wie die Besteigung der Nanga Parbat in Turnschuhen und Sommerkleidung. Gehen wir einfach einmal davon aus, dass es einige wenige Leute gibt, die zusammen Hunderte von Milliarden an Vermögen besitzen. Natürlich ist das kein Bargeld. Aber dieses Vermögen erwirtschaftet Kapitalgewinne, bzw. soll es erwirtschaften, Gewinne, die wieder angelegt werden müssen. Da in die Produktionsbetriebe nur wenig, aber viel in den Finanzmarkt investiert wird, gehen wir mal von einer kleinen Summe, von 100 Milliarden aus und sind auch sparsam mit der Verzinsung. Sagen wir 5%. Dann beginnt das, was Finanzdienstleister immer mit den Worten kommentieren: "Lassen Sie Ihr Geld für sich arbeiten." Auf dreißig Jahre berechnet vermehrt sich dieses Geld um das mehr als 4-fache. Dabei ist natürlich klar, dass nicht nur dieses Kapital sondern auch seine Zinsen auf dem Kapitalmarkt angelegt wurden. Was sollen die Ärmsten auch sonst machen? Verbrauchen können sie das Geld nie. Es zu verschenken, widerstrebt ihnen auch.

Sie können sich das nicht vorstellen, denn das Einzige, was Sie haben, sind Schulden? Damit sind wir beim Thema. Wieso erhalten Kapitalanleger Zinsen? Klar, die Bank zahlt sie. Nun, ich glaube, Sie überschätzen die Großzügigkeit der Banken. Die Banken haben Ihnen Geld geliehen, damit Sie ihr Auto oder gar das Reihenhaus bezahlen können. Doch das machen Sie nicht mit Geld aus dem eigenen Besitz, sondern mit Geld, dass andere mit kleinen Überschüssen im Budget dort angelegt haben. Sie müssen nun den Kredit zurückzahlen. Wäre schön, wenn es dabei bliebe. Aber in der Bank muss ein Sachbearbeiter Ihren Kreditantrag bearbeiten, Ihre Angaben überprüfen, bei der Schufa nachfragen, ob Ihre Bonität für den Kredit gegeben ist. Das macht die Bank nicht umsonst. Sie knallt Ihnen eine Bearbeitungsgebühr auf den Kredit oder reduziert in anderen Fällen den Auszahlungsbetrag geringfügig. Aber das reicht ja nicht. Weil die Bank ja für die Einlagen derer, die trotz der augenblicklichen Situation noch mehr Einkommen haben, als sie für die Bedarfsdeckung benötigen, auch Zinsen zahlen muss, verlangt Sie von Ihnen für die Bereitstellung des Kredits ebenfalls Zinsen. Bei einem Konsumkredit ist das ein festgelegter Zinssatz, der aber auf den gesamten Kreditbetrag berechnet wird. Haben Sie sich also 15.000 gepumpt, auf 48 Monate, dann zahlen Sie bei einer Verzinsung von 4,5% 2.700 Zinsen. Und das, obwohl der Kreditbetrag mit jeder Ratenzahlung kleiner wird. Möglicherweise ist Ihre Bonität nicht ganz sicher, also verlangt die Bank zusätzlich den Abschluss einer Kreditrisiko-Versicherung, deren Kosten Sie natürlich auch zahlen. Alles in allem zahlen Sie wesentlich mehr an die Bank zurück, als diese Ihnen geborgt hat. Von diesen Einnahmen wiederum bezahlt die Bank nicht nur die Zinsen ihrer Anleger, sondern auch die Personalkosten, die Raummieten, die Steuern, kurz, alles was so an Kosten anfällt. Klar, nicht nur von Ihren 2.700 + Bearbeitungsgebühr, sondern von den Zinsen der vielen anderen, die gleich Ihnen einen Kredit aufgenommen haben, für ein Häuschen, für eine neue Waschmaschine, für ein neues Auto, oder vielleicht auch nur für die Überziehung Ihres Kontos. Auch Unternehmen arbeiten bei Geldbedarf mit Krediten. Aber sie haben es leichter, denn sie schlagen die Kosten auf die Preise auf, folglich zahlen Sie die Zinsen für das Unternehmen.

Ein weiterer kleiner Trick hilft der Bank. Die Anleger haben die Angewohnheit, ihr Geld auf der Bank zu lassen. Im Gegensatz zur Bank fordern sie die Rückzahlung der Einlagen nicht in Form gleichmäßiger Raten, denn im Gegensatz zu dem von Ihnen aufgenommenen Kredit zahlt die Bank immer nur Zinsen auf den realen Geldbestand eines Guthabenkontos. Also muss die Bank nicht fürchten, dass sie das eingelegte Geld nicht zurückzahlen kann, weil sie mehr Kredite ausgegeben hat, als sie an Einlagen in der Bank hatte. Sie kann also Geld verleihen, das sie nicht hat. Ganz normal. Aber sehen Sie, Ihre Schulden und die Schulden vieler anderer sorgen dafür, dass jemand Zinsen bekommt. Würde von einem Tag zum anderen niemand mehr Schulden machen, gäbe es auch keine Zinsen mehr auf eingelegtes Kapital. Im Gegenteil, die Bank würde Kosten für die Aufbewahrung erheben.

Doch irgendwann sind die Menschen so verschuldet, dass sie nicht mehr zahlungsfähig sind. Dann stürzt das Kartenhaus zusammen Um dem zu begegnen, hat man immer wieder neue Kreditkonstrukte gebildet. Ob nun Wetten a la Shiller auf steigende oder fallende Preise, ob Optionsgeschäfte (der Kauf von Produkten in der Zukunft zum Preis von heute), der gesamte Aktienhandel, der längst völlig unabhängig vom tatsächlichen Wert eines Unternehmens ist, sondern sich ausschließlich am Interesse der Spekulanten für bestimmte Aktien orientiert und weitere Derivate. Schauen Sie nun nicht mit gerunzelter Stirn auf die Spekulanten, denn vielleicht gehören Sie selbst dazu (ohne es konkret zu wissen). Wenn Sie beispielsweise eine Riester-Rente abgeschlossen haben, zahlen Sie Geld an eine Versicherung, die wiederum dieses Geld in Fonds anlegt. Und Fonds sind nichts anderes, als Spekulationsgesellschaften, die versuchen, durch An- und Verkauf von höchst unterschiedlichen Wertpapierarten eine möglichst hohe Rendite (Rendite ist das unverfänglichere Wort für Profit) zu erzielen. Da gibt es Fonds, die als sicher gelten, weil sie fast ausschließlich in sichere Anlagen, z. B. Staatsanleihen, investieren. Andere Fonds hingegen setzen auf Wertpapiere, die höchst unsicher sind, dafür aber wesentlich höhere Profite ermöglichen. Ihre Versicherung wird Ihre Zahlungen nach einem festgelegten Schema verteilen, ein kleiner Anteil in Papiere mit hohem Risiko, ein großer Teil in Papiere mit geringem Risiko. Und damit wird der der Anleger einer staatlich geförderten Riester-Rente unbewusst selbst zum Spekulanten.

Die Börsen der Welt sind längst ein Abenteuerspielplatz für Broker und Kapitalbesitzer geworden. Aber der Kapitalbesitz verlangt danach, das Geld arbeiten zu lassen. Also muss man die Menschen veranlassen, Geld auszugeben, das sie nicht haben, für Dinge, die sie nicht brauchen. Unterstützt werden sie dabei von der Politik. Ein Beispiel. Es gibt nun Städte, in die manche ältere Karossen nicht mehr fahren dürfen, weil sie einen zu hohen CO2-Ausstoß haben. Ein Triumpf für die Umwelt!? So verkaufen es die Politiker und die Presse und die Ökofreaks jubeln. Dann machen sich die Ökofreaks auf den Weg, um sich das Wochenende mit dem Besuch einer Skihalle zu verschönern, mitten im Hochsommer. Solche Skihallen sprießen wie Pilze aus dem Boden und jede verbraucht so viel Strom, das schon der Betrieb einer Halle so víel Energie benötigt und damit ein Mehr an CO2-Ausstoß erzeugt, als die paar alten Karren von Leuten, die sich kein neues Auto leisten können, über die zulässige Norm hinaus an CO2 abblasen. Es sind vielleicht die gleichen Politiker, die sich im Glanze des Umweltbewusstseins sonnen und eine alte Karre aus der Stadt verbannen, dann mit einer schwungvollen Unterschrift den Bau einer neuen Skihalle genehmigen und sie gar noch mit hohen Fördermitteln versehen, so, wie z. B. in Wittenburg in Mecklenburg Vorpommern.

Der/die Politiker, die alte Karren aus den Städten verbannt haben, hatten nichts mit Umweltfreundlichkeit am Hut. Sie üben Druck auf die Besitzer der alten Autos aus, sich ein neues Auto zu kaufen. Damit beleben sie den stagnierenden Automobilbau, aber vor allem sorgen sie für Schulden, die zum Ankauf eines Autos gemacht werden müssen. Dieses Finanzsystem MUSS zwangsläufig an die Wand fahren und die jetzige Finanzkrise ist der Vorbote. Reihenweise purzeln die Banken oder überleben im Moment noch, weil sie mit Krediten des Staates oder anderer Banken gestützt werden, oder, wie in den USA, wo Großbanken verpflichtet werden, faule Anleinen von den Anlegern zurückzukaufen. Aber das beendet die Finanzkrise nicht, es schiebt den Supergau nur hinaus.

Wir, die Mittellosen können uns bequem zurücklehnen. Wir haben nichts, also können wir auch nichts verlieren. Welch naive Vorstellung. Wir sind es immer, die die Zeche zahlen. Krachen die Banken zusammen, krachen Unternehmen zusammen. Die Massenarbeitslosigkeit steigt, der Staat zahlt nicht mehr, weder Rente noch ALG. Die Häuser, in denen wir wohnen, wurden zu Hunderttausenden von Hedge-Fonds gekauft, Die Morgan-Bank sitzt in den Startlöchern, die Deutsche Bahn zu kaufen und mit Altpapier mit dem Namen Dollar zu bezahlen. Das Kapital flüchtet längst in Sachwerte, kauft und rafft, weil es weiß, dass der Gau bevorsteht. Und bei der Bevölkerung kehren endlich Verhältnisse wie in Bangladesch oder den sonstigen Notregionen in der Welt ein. Dann endlich dürfen wir die Armen im Land auch als arm bezeichnen, ohne vorgehalten zu bekommen, wie gut es uns doch noch geht, im Verhältnis zu den anderen.

Die Reichen tun noch mehr. Sie schotten sich ab. In den USA und vielen anderen Ländern mit einem krassen Gegensatz von arm und reich schon lange gang und gäbe, gibt es jetzt auch bei uns die erste "Gated-Community-Siedlung". Was es damit auf sich hat? Das lesen Sie am besten in der Zeitung der Westen. Aber machen Sie sich keine Sorgen, es kann nur schlimmer werden.