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Wirtschaftskrise und Finanzwirtschaft

Eingestellt am 5.6.2004, letzte Korrektur am 27.06.2006

Da kam ich doch heute bei einem Gebrauchtwagenhändler vorbei, nein, nicht bei einem dieser obskuren Schrottwagenverkäufer, sondern bei einem seriösen, zu einem Deutschen KFZ-Hersteller gehörenden Unternehmen.

Ein Wagen zog meine Blicke magisch an, ein Mercedes 230 SLK Kompressor. Ich habe ein Faible für dieses Auto, da ich es nahezu 2 Jahre fahren durfte (als Firmenfahrzeug).

Natürlich war es nur ein Hinschauen, denn für den Kauf fehlt mir das Geld. Aber ich wollte wissen, wie teuer er ist und sah schaudernd den Preis von 23.400,-- . Alternativ ein Finanzierungsangebot, Anzahlung 8.095,-- und 72 Monatsraten a 339,-- .

Es war nicht schwierig, schon im Kopf auszurechnen, wie teuer der Wagen bei Teilzahlung kommen würde. Eine Übung, die ich gelegentlich mache, um meine grauen Zellen zu trainieren, also einfach

70
  *  
300
  =  
 21.000 
(70 von 72 Raten mal 300 von 339 monatlich)
70
*
40
=
2.800 
(70 mal 40 statt 39 monatlich)
2.800
-
70
=
2.730 
(Abzug der 70 mal 1 zuviel berechneten (40 statt 39))
21.000
+
2.730
=
23.730 
(Addition der beiden Beträge)
2
*
339
=
678 
(die beiden noch fehlenden Raten (72 statt 70))
23.730
+
678
=
24.408 
(Addition der beiden Beträge)
24.408
+
8.095
=
32.503
(Summe plus Anzahlung)
32.503
-
23.400
=
9.103
(Teilzahlungspreis minus Barpreis)

Ich führe das natürlich nicht nur auf, um Ihnen mit meinen Rechenkünsten zu imponieren, sondern um Sie auf einen Umstand aufmerksam zu machen, der in der Bevölkerung viel zu wenig Beachtung findet, weil er als normal und selbstverständlich angesehen wird. Ich spreche von der Finanzwirtschaft, von Krediten, Zinsen und Zinseszinsen.

Im vorliegenden Fall werden, wenn ein Ratenkauf unter diesen Bedingungen stattfindet, rund 28 % auf den Kaufpreis aufgeschlagen. Aber halt mal, stimmt das denn? Nein, denn ich müsste ja 8.095 als Anzahlung leisten, womit nur noch 15.305 finanziert werden müssen. Die Zinsen machen also knapp 59,5% der zu finanzierenden Restsumme aus. 9.103 oder fast 27 von 72 Monatsraten für das ausfüllen eines Ratenvertrages. Oh ja, das Risiko. Welches? Die Bank wird von Ihnen Sicherheiten verlangen, wenn sie dem Kreditantrag zustimmen soll. Haben Sie keine Sicherheiten, werden Sie die Autofinanzierung nur bekommen, wenn Sie eine Restschuldversicherung abschließen. Ich habe keine Ahnung, was die kosten würde, aber sicherlich nochmals ein paar tausend Euro. Die Absicherung, welche die Bank von Ihnen verlangt, ist zumeist um 35 - 50% höher als das zu finanzierende Objekt. Was also rechtfertigt die horrenden Aufschläge? Der Arbeitsaufwand? Den zahlen Sie als Bearbeitungsgebühr in der Regel nochmals extra.

Der Aufwand der Bank für die Kreditgewährung ist minimal, aber die Rendite phänomenal, denn die Bank bekommt jedes Jahr rund 9,9% Zinsen auf die Gesamtschuld, obwohl sich diese Schuld jährlich um 12 x 339,00 , also 4.068,00 verringert (Vergleichen Sie das mal mit den Zinsen, die Sie bekommen). Wenn Sie das Auto auf diesem Wege kaufen, müssen Sie einige Zeit zusätzlich hart arbeiten, um diese Zinsen zu erwirtschaften.

Die Bank verleiht Geld mit unterschiedlichen Zinsmodalitäten. Der Dispokredit wird täglich auf den bestehenden Betrag der Überziehung (innerhalb des Dispositionsrahmens) berechnet. Der Kleinkredit in der Regel mit einem fest vereinbarten Zinssatz. Beispiel: 0,5 % pro Monat bedeutet einen Zinssatz von 6 % jährlich auf die Gesamtsumme des Kredits. Bei 1.000 macht das 60 pro Jahr, bei einer Laufzeit von 4 Jahren also 240 . Wird dann noch eine Bearbeitungsgebühr von 2 % der Kreditsumme berechnet, Zahlen Sie insgesamt 1.260 an die Bank, also eine Gesamtsumme von 26 % für Zinsen und Bearbeitung.

Bei großen Darlehen wie z. B. einer Hypothek wird in der Regel ein Annuitätsdarlehen gegeben. Hier wird aus Zinsen und Tilgung eine feste monatliche Rate ermittelt. Beispiel: 100.000 bei einer Tilgung von 2 % und einem Zinssatz von 7 % ergeben eine gleich bleibende jährliche Rate von 9.000 . Die Zinsen werden aber immer nur auf den restlichen Kreditbetrag berechnet, Ihre Rate bleibt hingegen gleich. Damit wird allmählich der Zinsbetrag geringer, die Tilgung höher. Für Ihren Annuitätenkredit über 100.000 zum Zins von 7% und anfänglicher Tilgung von 2% ist eine monatliche Rate von 750 fällig. Ihre Restschuld nach 22 Jahren beträgt 1,989 . Insgesamt haben Sie dann 99,989 für Zinsen und 98,011 für Tilgung bezahlt.
Statt Bearbeitungsgebühren erfolgt bei diesen Langzeitkrediten oft eine unter 100 % liegende Auszahlung.

Gehen wir jetzt mal ins Feld Politik. Dort wird ständig mit dem Faktor Lohnnebenkosten kokettiert, dem Arbeitnehmer wird klar gemacht, dass er die Deutsche Wirtschaft ruiniert, durch seine Maßlosigkeit in Bezug auf die Lohnansprüche und auf das Anspruchsverhalten bei den Solidarsystemen.

Ich bezeichne es mit einem einzigen Wort: Schwachsinn

Es ist die Finanzwirtschaft, welche die Welt in ein unvermeidbares Chaos stürzt. Jeder findet es normal, wenn Geld verliehen wird, dafür Zinsen zu bekommen, aber nur wenige machen sich Gedanken darüber, dass hier ein exponentielles Wachstum stattfindet, kein Wirtschaftswachstum sondern eine wundersame Geldvermehrung. Jeder weiß inzwischen, dass unser Staat einen Schuldenberg in einer Größenordnung von 1.554.765.293.000  (oder 3.040.903.245.970 DM (Stand 27.06.2006) aufgebaut hat. Die Zinsen für diesen Schuldenberg belaufen sich bei einer Zinslast von durchschnittlich 4.5.% auf ca. 69.965.511.350  . Ist Ihnen klar, was das bedeutet? Bei 80 Mio Einwohnern und 69,9 Milliarden Zinslast muss jeder Bundesbürger 847,57  nur für die Zinsen in diesem Jahr zahlen. Aber da gibt es ja Menschen, die keine Steuern zahlen, z. B. Kinder. Damit wird klar, dass die Zinslast nur aus den Staatsschulden für jeden Steuerzahlenden Bürger weit über 1.000 liegt. Der angenommene Zinswert wurde niedrig veranschlagt. Jede Anleihe wurde mit einem Zinssatz angelegt, wie er zum Zeitpunkt der Auflage das Interesse der Anleger wecken konnte. Hauptanleger sind Banken, Fonts und andere Staaten oder schwerreiche Privatanleger.

Politiker argumentieren gerne mit "der Hypothek für die nachfolgende Generation". Verschwiegen wird dabei aber, dass der Schuldenberg nicht abnehmen, sondern nur wachsen kann, weil keine Tilgung stattfindet. Der Staat nimmt ja Kredite nicht in Form eines normalen Bankkredits (das macht er nur für kurzfristige Geldgeschäfte), sondern als festverzinsliches Rentenpapier (Bundesanleihe, Landesanleihe etc.) auf. Bei Fälligkeit einer Anleihe wird eine neue Anleihe aufgelegt, mit der die fällige Anleihe bezahlt wird, also umgeschuldet. Die jährliche Netto-Neuverschuldung ist eine echte Neuverschuldung. Anders gesagt, das ist der Betrag, um den der Schuldenberg wächst

.

Sie sehen, ich habe zwei Begriffe verwendet, die auch Finanzminister gerne verwenden: Neuverschuldung und Netto-Neuverschuldung. Lassen Sie sich nicht täuschen, es sind zwei Worte für ein und dieselbe Sache. Nur das Wort Tilgung werden sie vom Finanzminister nicht hören. Er kennt es vermutlich nicht.

Anfang der 80ger Jahre wurde die Neuverschuldung noch für Investitionen und für Wirtschaftsausgaben verwendet. Heute reicht das Geld nicht einmal mehr, um die Zinslast zu tilgen.

Sehen Sie? So zahlen Sie schon mal, jedes Jahr steigend, einen Betrag von mehr als 1.000 nur für die Zinslasten der Staatsverschuldung. Von diesem Geld hat niemand etwas, außer dem Inhaber der Anleihe. An der Produktion läuft dieses Geld total vorbei, hilft aber wie ein Blasebalg, die Finanzblase weiter aufzublähen. Während Produktion, Gehälter (nur die Brutto-Gehälter) und Soziallasten ein relativ gleichmäßiges, lineares Wachstum haben, steigt das Wachstum der Finanzwirtschaft steil nach oben, eine tödliche Tendenz, denn wenn das Geld nicht mehr in Form von Krediten unter die Leute gebracht werden kann, kommt es zum Crash.

Exponentielles Wachstum bezeichnet die Verdopplung innerhalb einer definierten Zeitspanne. Je höher der Zinssatz, um so schneller verdoppelt sich das Kapital. Wird der Gewinn nicht abgezogen, haben sie eine exponentielle Wachstumsrate nach dem Prinzip 1 - 2 - 4 - 8 - 16 ....
Probieren Sie es einmal aus, mit einem Zeitungsblatt. Falten Sie das Blatt und Sie werden feststellen, irgendwann ist die Faltung nicht mehr machbar.

So wie der Staat ziehen uns auch die Vertreter der Arbeitgeberverbände über den Tisch, allen voran die Herren Hundt und Rogowski und Thumann. Während auch dort die Lohnnebenkosten immer wieder als der Auslöser für mangelnde Konkurrenzfähigkeit auf den internationalen Märkten und für die Binnennachfrage angeführt werden, verschweigt man diskret, dass die Deutsche Industrie mit 3,75 Billionen verschuldet ist. Große Unternehmen machen es teilweise wie der Staat, sie werfen Anleihen auf den Rentenmarkt, kleine und mittlere Unternehmen machen es wie Otto-Normalverbraucher über feste Kredite und vor allem über Dispositionskredite.

Die Folgen sind unausweichlich. Jeder Euro Zinsen und jeder Euro Tilgung wird auf die Produkte umgelegt und verteuert diese. Wenn Sie jetzt noch bei vielen Unternehmen die horrenden Werbungskosten für Reklame in allen Medien und Plakat-Kampagnen an Wänden und Litfasssäulen hinzurechnen, dann haben Sie die wirklichen Verursacher zu hoher Kosten. Wiederum sind Sie als Konsument derjenige, der die Zinslasten und auch die Tilgungsraten zahlen muss. Pervers dabei ist, dass man Sie dann auch noch beschuldigt, der Verursacher der Preisanstiege und des fehlenden Wachstums zu sein. Übrigens, auch die menschliche Arbeitskraft verdrängende Maschinen verursachen "Nebenkosten". Nein, kein Urlaubs- oder Weihnachtsgeld, dafür Geld für die Anschaffung, Wartungsgebühren und auch sie werden alt und landen schließlich auf dem Schrottplatz oder manchmal auch im Museum. Im Gegensatz zum Arbeiter muss als Ersatz wieder eine neue Maschine gekauft werden. Auch diese Nebenkosten schlagen sich in den Preisen nieder. Dafür vermindert jeder maschinell durchgeführte Arbeitsgang die Höhe der echten Lohnnebenkosten in der Relation zum Stückpreis des produzierten Gutes. deshalb kalkuliert der Unternehmer auch mit Lohnstückkosten, nämlich dem Anteil der gesamten Lohnkosten (incl. Lohnnebenkosten) am einzelnen produzierten Stück.

Voller Stolz wird immer wieder verkündet, dass Deutschland Exportweltmeister ist und gerade erst wurde von den erkennbaren Wachstumsimpulsen in den Medien berichtet, die allerdings bisher nur beim Export erkennbar wären. Was mich immer wieder verwundert, wieso lässt sich der Bürger von dem Geschwafel unserer Politik und der Vertreterverbände der Industrie, dass es die hohen Lohnnebenkosten seien, welche die Konkurrenzfähigkeit Deutschlands international beeinträchtige, unwidersprochen bieten?

Wenn wir international wegen zu hoher Kosten nicht konkurrenzfähig sind, können wir nicht Exportweltmeister sein, denn das sind die Geschäfte, die sich auf internationalen Märkten abspielen. Dieser Widersinn müsste jedem Bürger deutlich vor Augen führen, dass er von Politik und Industrie belogen, betrogen und manipuliert wird. Wenn er nichts dagegen unternimmt, geschieht es ihm recht.

Was kann man aber von Bürgern erwarten, die außer Fernsehsendungen wie Big Brother, wer wird Superstar, Dschungelcamp nur noch Trivial-Krimis und Horrorfilme sehen oder sich nachmittags Talkshows reinziehen, die an Primitivität nicht mehr zu überbieten sind, Bürger, die sich von der Bildzeitung sagen lassen, wann sie empört sein müssen?

Nein, diese Bürger sind nicht mehr fähig, sich ein eigenes Urteil zu bilden. Sie sind nicht fähig, zu erkennen, dass die Medien, egal ob Presse, Fernsehen oder Rundfunk, keineswegs unabhängig und neutral berichten, sondern immer auf eine Partei und die gesamte Industrie ausgerichtet sind. In kritischen Sendungen wie Frontal oder Monitor werden Einzelfälle herausgestellt, selten oder nie aber das gesamte System. Andere Sendungen, beispielsweise Sonntags die Sendung mit Sabine Christiansen, gaukeln dem Zuschauer politische Kompetenz und kritische Berichterstattung vor, sind aber in Wirklichkeit nichts anderes als billige Showveranstaltungen. In den Diskussionen der Beteiligten dieser Sendungen wird mit immer gleichen Plattitüden und gleicher Polemik gearbeitet, sie sind nicht ehrlich und können auch keine Lösungsansätze bieten. Wichtig in diesen Sendungen ist nur die gegenseitige verbale Polemik, nicht der politische Inhalt der Aussagen.

Natürlich erwarten wir, dass sich was ändert. Aber wer soll etwas ändern, wenn nicht wir selbst?

Wenn wir wählen und immer wieder ein Kreuz bei den Parteien machen, die uns seit 55 Jahren belügen und betrügen, was lässt uns glauben, dass die plötzlich ehrlich würden? Nein, wir Deutschen erwarten immer, dass die anderen was tun und begreifen nicht, wir selbst sind in den Augen unserer Nachbarn "die Anderen".

Noch ein Hinweis. Steuerzahler zu sein heißt nicht, dass der Arbeitslose oder der Rentner kein Steuerzahler ist. Über die Umsatzsteuer und die indirekten Steuern fließt ein großer Teil wieder in den Steuersäckel des Finanzministers. Damit wird der Privatmann wesentlich stärker zur Kasse gebeten, als die Unternehmer. Die Verbrauchssteuern werden an den Käufer weiter gereicht. Evtl. gezahlte indirekte Steuern bei Betriebsausgaben werden wie alle Betriebsausgaben steuerlich abgesetzt, der Rest auf die Preise aufgeschlagen.